Ad 1: Nun ja, in meinem Umfeld jedenfalls stört es sehr viele Menschen - und zwar immer stärker.
Ad 2: Die Grünen beispielsweise (da war gerade Parteitag) wollen die EU gerne noch weiter ausbauen und vertiefen und "einheitliche soziale Mindeststandards" in der EU haben. Das könnte dann der nächste gigantische Transfertopf werden ...
Bliebe nur noch die Frage, wie man solche Phantasien finanziert. Im Grundsatzprogramm der Grünen hatte der Vorstand sehr große Mühe, daß da das Wort "Markt" überhaupt noch vorkommt (es gab nur wenige Prozentpunkte Vorsprung) und zwar versteckt im Terminus des Leitbildes einer "sozial-ökologischen Marktwirtschaft". Viele der Mitglieder wollten da z. B. lieber eine "Gemeinwohlwirtschaft" verankert sehen (wollten nicht so auch mal unsere öffentlich-rechtlichen Medien genannt werden, sprich "Gemeinwohlmedien" ...).
Da sehe ich eine hoch interessante Schnittstelle zur real existierenden EU und auch der Europäischen Einheitswährung: Diese ganzen Visionen erfordern nämlich immer mehr und gigantische Mittel - gleichzeitig stellt sich die EU samt EZB immer dirigistischer und planwirtschaftlicher auf. Umso planwirtschaftlicher Systeme aber angelegt sind, desto ineffizienter werden sie und desto weniger Erträge generieren sie. Das war noch zu allen Zeiten überall und immer so.
Nach meinem Dafürhalten ein signifikanter und äußerst schwer aufzulösender Widerspruch.
Antworten
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23.11.2020, 13:12
AW: Die europäische Einheitswährung Euro
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23.11.2020, 14:34
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23.11.2020, 16:45
AW: Die europäische Einheitswährung Euro
Analuisa,
in der FAZ ist ein Artikel, der das Verhältnis der grünen zur Marktwirtschaft beleuchtet und Deine Frage klären sollte:
Parteitag der Grunen: Die Partei furs Geldausgeben
luci
LEBE LIEBER UNGEWÖHNLICH
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23.11.2020, 17:11
AW: Die europäische Einheitswährung Euro
Danke, luciernago, für's Einspringen.
Allerdings belegt der Artikel nicht die Behauptung, die kurant aufgestellt hat.
Im gesamten Text kommt das Wort "Gemeinwohlwirtschaft" nicht ein einziges Mal vor. Kurant scheint sich also auf etwas anderes zu beziehen.
Wenn ich um Belege für Behauptungen bitte, hat das nichts damit zu tun, dass ich Usern nicht glauben würde. Dennoch müssen Tatsachenbehauptungen belegbar sein, mitlesende User*innen müssen sich darauf verlassen können, dass das, was ihnen als Fakten präsentiert wird, auch stimmt.
Analuisa, ModerationModeration in der Religion, der Politik und im Glücklicher Leben.
... und seit dem 16.11. unter demselben Nick bei Be Friends Online unterwegs
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23.11.2020, 17:56
AW: Die europäische Einheitswährung Euro
Frankfurter Allgemeine Zeitung; FAZ, vom 23. 11. 2020, Printausgabe, Seite 15, Wirtschaft, Head: "Die Grünen und das Geld" (von Julia Löhr)
"Das war knapp. Nur mit wenigen Prozentpunkten Vorsprung konnte sich am Wochenende der Vorstand der Grünen damit durchsetzen, im neuen Grundsatzprogramm eine sozial-ökologische Marktwirtschaft als Leitbild zu verankern." ... "Etliche Mitglieder wollten lieber allgemein ein sozial-ökologisches Wirtschaften oder gleich eine Gemeinwohlwirtschaft festgeschrieben wissen"
Wörtlich zitiert aus o. g. Printartikel (die betreffende Begrifflichkeit wurde von mir gefettet).
Gruß,
kurant
PS: Sollte auch für die von mir in dem Kontext ebenfalls erwähnten "Gemeinwohlmedien" noch ein Beleg nötig sein, kann ich diesen bei Bedarf raussuchen. Diese PR- und Framing-Studie hatte nach meiner Erinnerung Elisabeth Wehling als Auftragsarbeit für die ÖR Rundfunk- und Fernsehanstalten erstellt. Das - präziser die Kritik daran - ging damals (meine das war 2019) praktisch durch fast alle Medien.Geändert von kurant (23.11.2020 um 18:11 Uhr)
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23.11.2020, 18:03
AW: Die europäische Einheitswährung Euro
Okay, muss ich so hinnehmen - danke, kurant. Online scheint der Artikel nicht verfügbar zu sein.
Moderation in der Religion, der Politik und im Glücklicher Leben.
... und seit dem 16.11. unter demselben Nick bei Be Friends Online unterwegs
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26.02.2021, 12:48
AW: Die europäische Einheitswährung Euro
Am Dienstag (23. 02.) früh im Autoradio gehört:
Der italienische Notenbankchef und damit gleichzeitig auch EZB-Ratsmitglied, Ignacio Visco, sagt, daß der Euro langfristig nur überleben kann, wenn die Schaffung eines Staates mit gemeinsamer Haushaltspolitik vereinbart wird. Eine staatenlose Währung könne nur für eine bestimmte Zeit bestehen bleiben, aber dann gäbe es perspektivisch die Notwendigkeit eines Staates und einer Haushaltsunion
Dieses mehr als heikle Thema sozusagen als Statement von offizieller und hoher Stelle (Notenbankchef von Italien und EZB-Ratsmitglied) bestätigt vollumfänglich meine damaligen Recherchen aus 1998, daß diese Einheitswährung in dieser Form eine Fehlkonstruktion ist. Das Scheitern ist damit keine Frage des Ob sondern nur des Wann.
Bei der Frage, ob damals bei Einführung des Euro böse Absichten oder eher Unfähigkeit, Unwissen und Inkompetenz im Spiel war, tendiere ich bei Politikern - aus langjähriger Erfahrung - tendenziell eher zu der zweiten Variante.
Wobei ja häufig eh das Gegenteil von gut, gut gemeint ist. Oder: Das Übel gedeiht nie besser, als wenn ein Ideal davorsteht.
Ob wirklich einige der damaligen Protagonisten so schlau und vorausschauend waren, nach der Tina-Methode zu handeln (There Is No Alternative), könnte man immerhin bezweifeln. Will sagen: Ist man mit dem Schiff erstmal auf der fernen Insel angelandet, zerstört man das Schiff - um die Beteiligten zum Bleiben zu zwingen und jede Alternative wegzunehmen. Das für Deutschland inzwischen aufgebaute Droh- und Erpressungspotential in Billionenhöhe (Euro-Rettungsschirme, Bürgschaften, Target2-Salden, Haftung über die EZB-Bilanz usw.) könnte man dann vor diesem Hintergrund sehen, deuten und verstehen.
Gemeint haben "mit der Schaffung eines Staates" kann Visco nur die Vereinigten Staaten von Europa (VSE).
Das wäre nach meinem Dafürhalten jedenfalls hoch spannend und teilweise sicherlich auch putzig mitanzusehen, wenn etwa die Grande Nation - um nur ein Beispiel zu nennen - dann das Königsrecht des eigenen Parlaments (Budgetrecht) nach Brüssel delegiert, um von da aus anstatt von Paris in den "Vereinigten Staaten von Europa" regiert zu werden.
Lustig und putzig wären sicherlich auch die finanziellen "Verspannungen" - wenn man bedenkt, welchen massiven Ärger und Stress schon der im Vergleich winzige Länderfinanzausgleich in Deutschland auslöst. Und da muß z. B. nur der Bayerische für den Berliner Bürger zahlen. Ob ein Niederländer dauerhaft für Süditalien aufkommen will und wird ...?
Interessant natürlich auch die generelle Frage, ob sich souveräne Staaten wie die Grande Nation tatsächlich wie eine Brausetablette im Wasserglas auflösen (lassen), um in den VSE aufzugehen.
Vielleicht ist es ja alternativlos - jedenfalls, wenn man den Euro weiter am Leben halten will. Womit wir wieder bei Herrn Visco wären.
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01.03.2021, 21:37
AW: Die europäische Einheitswährung Euro
Interessant, dass Du Adam Smith erwähnst.
Denn der verkündete auch bereits vor 244 Jahren, dass Wirtschaftswachstum nicht endlos erhöh- bzw. reproduzierbar sein, da es auf endlichen natürlichen Ressourcen basiert.
Und Smith verschwieg auch nicht, dass der Reichtum einer Nation immer nur auf Kosten einer anderen Nation erhöhbar ist, was bedeutet, das Wirtschaftsliberalismus seinem Wesen nach eine imperiale, also kriegerische Ideologie ist.
Das "vergessen" Wirtschaftsliberale gern mal.
Aber wie Du schon sagst: Im Westen nichts Neues.



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