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    AW: Die europäische Einheitswährung Euro

    Zitat Zitat von kurant Beitrag anzeigen
    Als (ehemaliger) Europafreund versuche ich es mal möglichst einfach:

    Target2 (Trans-European Automated Real-time Gross Settlement Express Transfer System) ist ein Kontokorrentkredit zwischen der EZB und den einzelnen nationalen Notenbanken.

    [...]
    Man erpresst Länder damit in der EU zu bleiben? Und was, wenn sie sich nicht erpressen lassen? Was dann? Vermutlich hatte GB einen anderen Stellenwert als Italien und eher keine Schulden (Das Gegenteil vielleicht?). Wer hatte das denn damal auf deutscher Seite verhandelt?
    Geändert von Analuisa (27.02.2020 um 22:29 Uhr) Grund: Vollzitat gekürzt

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    AW: Die europäische Einheitswährung Euro

    Zitat Zitat von Belllatrix Beitrag anzeigen
    Man erpresst Länder damit in der EU zu bleiben? Und was, wenn sie sich nicht erpressen lassen? Was dann? Vermutlich hatte GB einen anderen Stellenwert als Italien und eher keine Schulden (Das Gegenteil vielleicht?). Wer hatte das denn damal auf deutscher Seite verhandelt?
    Die klammen Südländer bleiben gerne in der EURO-Zone, weil sie

    1. einfach via TARGET anschreiben lassen
    2. von der EZB ihre Staatsanleihen aufkaufen lassen und damit zu Geld kommen (die EZB druckt im Monat 20 Millairden EURO zum Aufkauf . .)

    Wer das damals mitverhandelt hat, weiss ich nicht.

    Einerseits werden die südlichen Länder erpresst, in der EURO-Zone zu bleiben. Andererseits haben sie inzwischen soviele Schulden in der EURO-Zone aufgehäuft, dass sie mit einem Austritt aus dem EURO den verbleibenden Staaten Probleme bereiten.

    Es ist eine sehr komplexe Materie, dieses Friedensprojekt EURO . .

    lg luci

    luci
    LEBE LIEBER UNGEWÖHNLICH

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    AW: Die europäische Einheitswährung Euro

    Zitat Zitat von Belllatrix Beitrag anzeigen
    Man erpresst Länder damit in der EU zu bleiben? Und was, wenn sie sich nicht erpressen lassen? Was dann? Vermutlich hatte GB einen anderen Stellenwert als Italien und eher keine Schulden (Das Gegenteil vielleicht?). Wer hatte das denn damal auf deutscher Seite verhandelt?
    Nun ja, die Briten verlassen (oder wollen es zumindest) die EU - es geht in dem Fall also nicht um die Eurozone, wie bei der Frage der beiden italienischen Abgeordneten. Die Briten haben ihre Währung (Pfund) nicht für den Euro aufgegeben. Und hatten dies m. W. auch niemals vor (auch nicht vor dem Brexit).

    Den Hinweis Draghis würde ich eher als "Fingerzeit" und "Drohung" deuten …

    Wobei sich daran viele ungeklärte Fragen anschließen würden. Ein Beispiel: Wie soll ein Land, welches ohnehin schon massiv verschuldet (ich würde sagen überschuldet) ist, die extrem hohen und angelaufenen Target-Schulden begleichen ? Ein anderes Beispiel: Was soll man machen, wenn das Land sich einfach weigert seine Verbindlichkeiten zu begleichen ?

    Das Gleiche gilt ja auch im Kleinen: Bei Verstößen gegen die Maastricht-Kriterien waren auch Strafen (Strafzahlungen) vorgesehen. Trotz unzähligen solcher Verstöße - es ist m. W. niemals zu einer Strafzahlung wegen des Verstoßes gegen die Maastricht-Kriterien gekommen ...

    Zu Deiner Frage wer "hat das denn damals auf deutscher Seite verhandelt": Federführend die Politiker - jedenfalls nicht federführend waren Ökonomen und Fachleute für Währungsfragen ...

    Wobei: Von den diversen strukturellen Problemen der Eurozone und den Fehlkonstruktionen des Euro mal ganz abgesehen...

    … die ganzen Regelungen (EU-Maastricht-Kriterien, EU-Wachstums-und Stabilitätspakt, Vertrag zur Arbeitsweise der EU wie AEUV mit Art. 125 Nichtbeistandsklausel, Art. 123 Verbot der monetären Staatsfinanzierung usw. usw.) sind eigentlich gar nicht so schlecht - wenn man sich dran gehalten hätte ...

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    AW: Die europäische Einheitswährung Euro

    Zitat Zitat von kurant Beitrag anzeigen

    Das Gleiche gilt ja auch im Kleinen: Bei Verstößen gegen die Maastricht-Kriterien waren auch Strafen (Strafzahlungen) vorgesehen. Trotz unzähligen solcher Verstöße - es ist m. W. niemals zu einer Strafzahlung wegen des Verstoßes gegen die Maastricht-Kriterien gekommen ...


    … die ganzen Regelungen (EU-Maastricht-Kriterien, EU-Wachstums-und Stabilitätspakt, Vertrag zur Arbeitsweise der EU wie AEUV mit Art. 125 Nichtbeistandsklausel, Art. 123 Verbot der monetären Staatsfinanzierung usw. usw.) sind eigentlich gar nicht so schlecht - wenn man sich dran gehalten hätte ...
    Ich habe deinen Text eingekürzt.

    Wahrscheinlich war und ist nicht möglich sich daran zu halten?
    Ich erinnere mich, dass früher öfters "Verstöße der Maastrich-Kriterien und Strafzahlungen" zu hören war, z. B. in den Nachrichten. Das habe ich schon lange nicht mehr gehört. Haben sich da ganz viele total vertan, oder sollte das in Wirklichkeit alles genau so kommen? Wenn ja, warum? Und warum ist es ein Friedensprojekt Euro, Luciernago? Ihr werdet mich wirklich für blöd halten.

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    AW: Die europäische Einheitswährung Euro

    Bellatrix,

    ich halte dich nicht für blöd, im Gegenteil! Du stellst genau die richtigen Fragen, was EU und EURO angeht.
    Ich kann Dir gerne mal Lektüre empfehlen, bin allerdings gerade noch im Büro. Habe daheim einige Literatur zum Thema.

    Zum Thema Friedensprojekt hat Frau Dr.Merkel mal sinngemäss gesagt: Stirbt der EURO, stirbt Europa.

    Wobei - wie so oft - Europa mal wieder in einen Topf geschmissen wird mit der EU.

    lg luci
    LEBE LIEBER UNGEWÖHNLICH

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    AW: Die europäische Einheitswährung Euro

    Zitat Zitat von kurant Beitrag anzeigen
    ...Dies lief von 2003 bis 2016 geheim ab. Erst als dies jemand in einem Aufsatz (Doktorarbeit glaube ich) aufdeckte, gab es dazu offizielle Erklärungen. Im Rahmen dieses Programms konnten sich nationale Notenbanken an der EZB vorbei vereinfacht gesagt Geld für bestimmte nationale Zwecke drucken (es ging und geht um Hunderte von Milliarden Euro, in der Spitze waren es m. W. > 700 Mrd., aktuell wohl um die 550 Mrd.). Besonders Italien und Frankreich machten davon rege Gebrauch; im kleineren auch Irland, wenn ich mich richtig erinnere. Über den sog. "Cantillon-Effekt" sickert dieses Geld sukzessive weiter und diffundiert in die Geldmenge auch anderer Länder und treibt so die Inflation bzw. verwässert den Geldwert - während diejenigen, die das Geld frisch schaffen und zuerst erhalten (nationale Banken, staatsnahe Unternehmen usw.), noch am meisten profitieren, weil sie noch nicht von dem nachfolgenden Preisanstieg betroffen sind.
    (Markierung von mir)

    na sowas dachte ich mir schon...
    Ich muss mal gucken, ob ich irgendwo "Laien"literatur dazu finde. Thema an sich ist spannend. Ich habe nix zu verlieren, weil ich nichts habe, aber die Konstruktion Euro als Zahlmittel ist schon interessant.
    Geändert von Analuisa (27.02.2020 um 22:30 Uhr) Grund: Zitat repariert
    Wenn du in den Spiegel schaust, siehst du den Menschen, der für dein Leben verantwortlich ist.

    Ich habe noch nie gehört, dass es jemandem gelungen ist, vor sich selbst davonzulaufen.


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    AW: Die europäische Einheitswährung Euro

    Zitat Zitat von luciernago Beitrag anzeigen
    Bellatrix,

    ich halte dich nicht für blöd, im Gegenteil! Du stellst genau die richtigen Fragen, was EU und EURO angeht.
    Ich kann Dir gerne mal Lektüre empfehlen, bin allerdings gerade noch im Büro. Habe daheim einige Literatur zum Thema.

    Zum Thema Friedensprojekt hat Frau Dr.Merkel mal sinngemäss gesagt: Stirbt der EURO, stirbt Europa.

    Wobei - wie so oft - Europa mal wieder in einen Topf geschmissen wird mit der EU.

    lg luci
    Sehr gern nehme ich deine Buchempfehlungen an. Luciernago.
    Europa bleibt Europa, es sei denn, man teilt die Kontinente neu auf. In Europa gibt es auch Länder die weder den Euro haben, noch in der EU sind. Ich bin nie davon ausgegangen, dass wir uns mit unseren Nachbarländern in die Köppe kriegen und warum wir es andererseits nicht sollten, nur weil wir die gleiche Währung haben.

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    AW: Die europäische Einheitswährung Euro

    Zitat Zitat von kurant Beitrag anzeigen
    ...Dies lief von 2003 bis 2016 geheim ab. Erst als dies jemand in einem Aufsatz (Doktorarbeit glaube ich) aufdeckte, gab es dazu offizielle Erklärungen. Im Rahmen dieses Programms konnten sich nationale Notenbanken an der EZB vorbei vereinfacht gesagt Geld für bestimmte nationale Zwecke drucken (es ging und geht um Hunderte von Milliarden Euro, in der Spitze waren es m. W. > 700 Mrd., aktuell wohl um die 550 Mrd.). Besonders Italien und Frankreich machten davon rege Gebrauch; im kleineren auch Irland, wenn ich mich richtig erinnere. Über den sog. "Cantillon-Effekt" sickert dieses Geld sukzessive weiter und diffundiert in die Geldmenge auch anderer Länder und treibt so die Inflation bzw. verwässert den Geldwert - während diejenigen, die das Geld frisch schaffen und zuerst erhalten (nationale Banken, staatsnahe Unternehmen usw.), noch am meisten profitieren, weil sie noch nicht von dem nachfolgenden Preisanstieg betroffen sind.

    Das liest sich ja ganz böse. Worauf läuft das denn hinaus? Es klingt, als wären wir böse gelinkt worden, aber so blöd kann doch kein Politiker gewesen sein. Oder verstehe ich da was nicht?
    Geändert von Analuisa (27.02.2020 um 22:33 Uhr) Grund: Zitat repariert

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    AW: Die europäische Einheitswährung Euro

    Zitat Zitat von hillary Beitrag anzeigen
    na sowas dachte ich mir schon...
    Ich muss mal gucken, ob ich irgendwo "Laien"literatur dazu finde. Thema an sich ist spannend. Ich habe nix zu verlieren, weil ich nichts habe, aber die Konstruktion Euro als Zahlmittel ist schon interessant.
    Falls Du in die Richtung selbst weiter recherchieren willst: Es war nach meiner Erinnerung übrigens ein Herr Daniel Hoffmann, der die EZB-Bilanz damals gründlich studierte und dem auffiel, daß da etwas unmöglich stimmen kann. Er machte dies dann sogar zum Thema seiner Doktorarbeit …

    So erst wurde das besagte ANFA-Abkommen der EZB mit den nationalen Notenbanken, welches seit 2003 bis 2016 quasi geheim ablief, öffentlich. Es ging dabei um Hunderte von Milliarden - in der Spitze sollen es 720 Mrd. gewesen sein.


    Den Cantillon-Effekt kann man sich vielleicht so vorstellen: Wenn man einen großen Klacks Honig auf einmal auf einen kleinen Teller gibt, dann bildet sich zuerst ein kleiner Berg mit Spitze, der sich dann aber im weiteren Verlauf gleichmäßig abbaut und in alle Richtung verteilt und verläuft. Wird aus dem Nix frisches Geld geschaffen/gedruckt, dann profitieren die am meisten, die dieses Geld zuerst erhalten (an der Spitze des "Honigberges"), also etwa Staaten, staatsnahe Unternehmen, Banken usw. Da dieses frisch geschaffene Geld die Inflation noch nicht sofort angehoben hat. Das neue geschaffenen Geld sickert aber weiter- sprich diffundiert in alle Märkte - und führt via Erhöhung der Geldmenge zu Verwässerung des Geldwertes sprich zur höherer Inflation. Wer am Rande des Honigs sitzt (um in dem Bild zu bleiben) kommt zwar teilweise und zeitverzögert (etwa über eine spätere Lohnerhöhung) auch an etwas mehr Geld. Wird aber dann auch mit den durch die Inflation bedingt bereits höheren Preisen konfrontiert. Und hat damit wenig oder nix gewonnen

    Bin leider auch nur Finanz-Laie - immerhin ein interessierter Laie.

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    AW: Die europäische Einheitswährung Euro

    Zitat Zitat von Belllatrix Beitrag anzeigen
    Das liest sich ja ganz böse. Worauf läuft das denn hinaus? Es klingt, als wären wir böse gelinkt worden, aber so blöd kann doch kein Politiker gewesen sein. Oder verstehe ich da was nicht?
    Ich weiß nicht, ob man da böse Absicht unterstellen soll oder kann. Zumindest nicht bei allen Politikern. Wahrscheinlich eher Unwissenheit und Unverständnis Geld und Währungen betreffend. Das Ganze war wohl von der Hoffnung getragen, daß unter einer Einheits-Währung sich die Länder auch automatisch einander annähern und sich die Lebensbedingungen der verschiedenen Länder angleichen würden (Konvergenz).

    Tatsächlich wurden zwar Konvergenz-Kriterien zum Beitritt in die Eurozone definiert (schon diese wurden aber mißachtet; Beispiel: Italien), aber war man dann im "Euro-Club" wurde die Konvergenz nicht mehr weiter beobachtet und kontrolliert. So kam es zum Auseinanderdriften, schließlich auch zur Eurokrise, zur Eurorettung, zu den EZB-Maßnahmen usw. Heute ist statt Konvergenz eher mehr Divergenz festzustellen, als zur Zeit der Euroeinführung …

    Die Hoffnung beim Euro der Politiker dürfte auch ein weiteres Zusammenwachsen der EU gewesen sein.

    Nach meinen Beobachtungen und Erfahrungen hat der Euro - und die nötige Eurodauerrettung samt Folgeschäden - die EU aber mehr gespalten als sie weiter zu vereinen.


    Nachtrag: Eigentlich hoffe ich immer noch auf eine fundierte und positive Gegenmeinung zu meinem Beitrag Nr. 1 ...
    Geändert von Analuisa (27.02.2020 um 22:33 Uhr) Grund: Zitat korrekt zugeordnet

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