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    AW: Die europäische Einheitswährung Euro

    Ich hab finanzpolitisch keinerlei Ahnung und bin auch so überhaupt kein Zahlenmensch.. dieses Hin- und Hergetausche verwirrt mich, geb ich zu.

    Aber ich weiß, wie ich die Einführung des Euro gefeiert hab - nicht wegen Urlaub, die zwei Mal im Jahr kriegt man das schon hin. Aber ich war damals Grenzgängerin, d.h. hab in einem Land gewohnt und in dem anderen gearbeitet. Vor Euro hatte ich permanent zwei Geldbörsen, wobei jeweils in dem einen ein - wertmäßig - 10 DM-Schein von der anderen Währung steckte. Was für ein Hantier, weil - Schussel das ich bin - ich viel zu oft die falsche Geldbörse dabei hatte. In dieser Situation war mir der ganze Überbau völlig egal, aber mein tägliches Leben ist um Etliches einfacher geworden.
    *lost in the woods*

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    AW: Die europäische Einheitswährung Euro

    Zitat Zitat von Rowellan Beitrag anzeigen
    Ich hab finanzpolitisch keinerlei Ahnung und bin auch so überhaupt kein Zahlenmensch...

    Aber ich weiß, wie ich die Einführung des Euro gefeiert hab - nicht wegen Urlaub, die zwei Mal im Jahr kriegt man das schon hin. Aber ich war damals Grenzgängerin, d.h. hab in einem Land gewohnt und in dem anderen gearbeitet. Vor Euro hatte ich permanent zwei Geldbörsen, wobei jeweils in dem einen ein - wertmäßig - 10 DM-Schein von der anderen Währung steckte. Was für ein Hantier, weil - Schussel das ich bin - ich viel zu oft die falsche Geldbörse dabei hatte. In dieser Situation war mir der ganze Überbau völlig egal, aber mein tägliches Leben ist um Etliches einfacher geworden.
    Ad 1: Was ja überhaupt keine Schande ist und zudem auf viele BürgerInnen zutreffen dürfte.

    Ad 2: Um nur mal einen einzigen (von diversen) Aspekten aufzugreifen, weil Du ja genau diesen (Bezahlen im Alltag als Grenzgängerin) explizit angesprochen und herausgegriffen hast - und den "ganzen Überbau" der Einheitswährung auszublenden.

    Ganz generell: Geld hat immer drei Funktionen zu erfüllen. 1. Es ist sog. "Tauschmittel", im Klartext also Zahlungsmittel - diese Funktion hast Du angesprochen insbesondere als Grenzgängerin (und dabei die Einheitswährung als Erleichterung in Deinem täglichen Leben beschrieben, was nachvollziehbar ist). 2. Es ist sog. "Wertmaßstab", im Klartext also Recheneinheit (um Preise einordnen, vergleichen usw. zu können). 3. Es hat sog. "Schatzcharakter", im Klartext ist es also Wertaufbewahrungsmittel für alle Menschen, die dieses Geld verwenden.

    Dabei stellt sich zwingend die Frage, wie ein Geld, welches seit vielen Jahren (wie der Euro) schon nominal zinslos ist und seit noch viel mehr Jahren reale Verluste produziert (Zins abzüglich Inflation) die Geldfunktion Wertaufbewahrungsmittel noch erfüllen soll ?!

    Ein solches Geld mutiert zum Schwundgeld und wird vom Wertaufbewahrungs- zum Wertvernichtungsmittel.

    Diese Frage stellen sich übrigens nicht nur BürgerInnen, SparerInnen und Menschen, die beispielsweise für ihr Alter vorsorgen wollen - sondern auch Stiftungen, Hilfsorganisationen, Verbände, gemeinnützige Organisationen, Klöster usw.

    Das Gleiche gilt natürlich auch für alle Kapitalsammelstellen wie Lebensversicherungen, Versorgungseinrichtungen, Pensionskassen usw.

    Deiner zugegebenermaßen kleinen Erleichterung im speziellen Alltag einer Grenzgängerin ("vor dem Euro hatte ich permanent zwei Geldbörsen … was für ein Hantier" …) stehen also ganz erhebliche andere und deutlich größere Nachteile gegenüber (s. o.), die ganze und bewährte Systeme strukturell gefährden - und perspektivisch auch zerstören können.

    Man könnte es sich hier auch viel bequemer machen und einfach Prof. Hankel zitieren: "Geld das man retten muß, ist kein Geld mehr". Womit wir direkt beim Stichwort Eurorettung wären ...

    Oder um nochmal den Kreis zu Deinem Beitrag zu schließen: Eine Währung soll nicht nur das Leben einer Grenzgängerin im Alltag erleichtern (was natürlich zu begrüßen ist) sondern sie muß vor allen Dingen in ihrer Gesamtheit als Geld funktionieren.

    Womit wir dann vom Einzelfall doch ein wenig beim "Überbau" gelandet wären ...
    Geändert von kurant (26.02.2020 um 12:44 Uhr)

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    AW: Die europäische Einheitswährung Euro

    Ich hielt die EU und den EURO am Anfang auch für friedensstiftend und dachte an nichts Böses.

    Anno 2013 habe ich das Buch "Die EURO-Lügner" und ein paar andere EURO-kritische Bücher gelesen und habe daraufhin meinen eigenen kleinen bank run erledigt.
    Inzwischen bin ich heilfroh, da meine kleinen Sachwerte fröhlich steigen.

    Die ganzen Kritiker hatten recht, was die Entwicklung angeht.

    Die Kehrseite der Medaille ist eine Aufweichung des EURO, die mir wirklich Angst macht. Die Inflation ist meiner Meinung nach viel höher als angegeben.

    Ich bin am Bodensee aufgewachsen. Zu Zeiten der D-Mark fuhren viele Deutsche in die Schweiz zum Einkaufen und Tanken . . inzwischen wird Deutschland von der Schweiz überrannt.
    Schon daran sieht man, wie weich der EURO ist.

    Die EZB hat keine Handhabe, die Zinsen zu erhöhen. Ansonsten sind alle Südländer pleite und die TARGET-Salden sehen wir nie wieder.
    Deshalb druckt die EZB weiter Monat für Monat 20 Milliarden EURO und kauft Staatsanleihen auf .


    Dies mal in Kürze, wir lesen uns

    lg luci
    Geändert von luciernago (26.02.2020 um 14:56 Uhr)
    LEBE LIEBER UNGEWÖHNLICH

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    AW: Die europäische Einheitswährung Euro

    Zitat Zitat von luciernago Beitrag anzeigen
    Ich hielt die EU und den EURO am Anfang auch für friedensstiftend und dachte an nichts Böses.

    [...]

    Die EZB hat keine Handhabe, die Zinsen zu erhöhen. Ansonsten sind alle Südländer pleite und die TARGET-Salden sehen wir nie wieder.
    Deshalb druckt die EZB weiter Monat für Monat 20 Milliarden EURO und kauft Staatsanleihen auf .
    Das klingt sehr kompliziert für mich. Target Salden müsste ich nachlesen und wenn Geld gedruckt wird, um Staatsanleihen aufzukaufen weiß ich nicht warum und wo es hin führt.
    Aber was meinst du mit deinen kleinen Sachwerten, die steigen?

    Ich habe Verwandte in CH. Die fahren nach Österreich für Fleisch und alles andere kaufen sie billig in Deutschland.
    Geändert von Analuisa (27.02.2020 um 22:26 Uhr) Grund: Vollzitat gekürzt, Original steht direkt drüber

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    AW: Die europäische Einheitswährung Euro

    Zitat Zitat von Belllatrix Beitrag anzeigen
    Das klingt sehr kompliziert für mich. Target Salden müsste ich nachlesen und wenn Geld gedruckt wird, um Staatsanleihen aufzukaufen weiß ich nicht warum und wo es hin führt.
    Aber was meinst du mit deinen kleinen Sachwerten, die steigen?

    Ich habe Verwandte in CH. Die fahren nach Österreich für Fleisch und alles andere kaufen sie billig in Deutschland.
    Bellatrix,

    zum Thema TARGET:

    Ich nehme mal ein Beispiel aus meiner Selbständigkei, ich habe eine GmbH und verkaufe Software im In- und Ausland.

    Ich verkaufe etwas z.B. nach Spanien, der Kunde überweist das Geld.

    Seine Bank gibt das Geld an die spanische Zentralbank weiter. Die ist aber klamm (das ist der springende Punkt!), also sagt sie der EZB, bite schick mal Geld zu Lucis Firma, wir zahlen später (sie lassen also "anschreiben").

    Die EZB sagt der deutschen Bundesbank, schickt mal Betrag X an lucis Firma, Geld kommt später. Die deutsche Bundesbank schickt meiner Bank das Geld (obwohl sie es nicht bekommen hat!) und meine Bank schreibt meiner Firma den Betrag gut.

    Der Gelackmeierte ist die deutsche Bundesbank, die hat einen negativen Saldo. Das ist der TARGET-Saldo, der sich inzwischen auf über 800 Milliarden Aussenstände beläuft.

    Es ist übrigens nicht vorgesehen,diesen Saldo innerhalb MItgliedern der EURO-Zone auszugleichen . .

    Schreibe ich nämlich eine Rechnung nach Schweden, muss Schweden tatsächlich zahlen. Schweden hat die schwediche Krone. Gleiches gilt für alle Länder, die den EURO nicht haben.

    Ich habe bis heute nicht verstanden, warum manche Länder anschreiben lassen können und andere nicht.

    Es scheint zu meiner Theorie zu passen, dass man die südlichen Länder der EU entschulden möchte.

    lg luci
    Geändert von luciernago (26.02.2020 um 20:47 Uhr)
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    AW: Die europäische Einheitswährung Euro

    Zitat Zitat von luciernago Beitrag anzeigen
    Bellatrix,

    zum Thema TARGET:

    [...]
    Das hast du total gut erklärt. Ich bin aber schockiert. Wieso geht das? Wer hat sich das denn bloß ausgedacht und warum macht die deutsche Bundesbank das mit? Was bedeutet das für uns? Das kann ich nicht fassen. Das sind ja Geschenke an all die Unternehmen, die Geschäfte mit den entsprechenden Ländern machen (obwohl ja der Auftragggeber gezaht hat, also klaut die ausländische Zentralbank das Geld, aber scheinbar ist es ja so vorgesehen). Warum wird die (in diesem Beispiel) spanische Zentralbank da eingeschaltet und wieso darf die das Geld einbehalten?
    Geändert von Analuisa (27.02.2020 um 22:27 Uhr) Grund: Vollzitat gekürzt

  7. Inaktiver User

    AW: Die europäische Einheitswährung Euro

    Ja, dass sind doch mal sehr schöne Fragen die du da stellst.
    Da wäre ich ja mal auf die Antwort von einem der zahlreich anwesenden Europafreunde gespannt.

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    AW: Die europäische Einheitswährung Euro

    bellatrix,

    schön, dass DU mit meinen Ausführunegn etwas anfangen konntest.

    Als ich mich in das Thema EURO eingelesen habe, habe ich mich im ersten Moment genau die gleichen Fragen gestellt wie Du . . auch ich konnte mir nicht vorstellen, wie man so gegen sein eigenes Land Verträge aushandeln kann.
    Ist aber Fakt.

    Habe leider grad keine Zeit, das Thema ESM anzugehen, da könnte ich auch so einiges schreiben, was für uns Deutsche nicht gerade der Renner ist.

    lg luci
    LEBE LIEBER UNGEWÖHNLICH

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    AW: Die europäische Einheitswährung Euro

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ja, dass sind doch mal sehr schöne Fragen die du da stellst.
    Da wäre ich ja mal auf die Antwort von einem der zahlreich anwesenden Europafreunde gespannt.
    Ich bin auch daran interessiert, andere Meinungen zum Thema TARGET zu hören.
    In den Medien steht nicht viel drin und wenn dann heisst es immer, das sei bloss eine Verechnungseinheit . .

    luci
    LEBE LIEBER UNGEWÖHNLICH

  10. User Info Menu

    AW: Die europäische Einheitswährung Euro

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ja, dass sind doch mal sehr schöne Fragen die du da stellst.
    Da wäre ich ja mal auf die Antwort von einem der zahlreich anwesenden Europafreunde gespannt.
    Als (ehemaliger) Europafreund versuche ich es mal möglichst einfach:

    Target2 (Trans-European Automated Real-time Gross Settlement Express Transfer System) ist ein Kontokorrentkredit zwischen der EZB und den einzelnen nationalen Notenbanken.

    Ein Clearingsystem - vom Prinzip her nix anderes als unser normales Girokonto zwecks Zahlungsabwicklung - welches die nationale Notenbank (hier: Deutsche Bundesbank) bei der EZB unterhält.

    Die Gemeinsamkeit zu unserem Girokonto: Es ist unverzinslich.
    Die signifikanten Unterschiede: Es ist (dummerweise) nicht abgesichert und es ist unbegrenzt.
    Und: Es muß auch zu Stichzeiten (Beispiel: Ende des Handelstages, Ende eines Monats, Ende eines Jahres usw.) nicht glatt gestellt und nicht mit Sicherheiten (z. B. Gold) hinterlegt werden.

    Es gibt dazu unzählige Meinungen und Studien.

    Meine Ansicht auf die Schnelle: Das Ganze ist (von einige anderen kleinen Problemen mal abgesehen, die hier zu weit führen würden) kein überragendes Problem - so lange kein Land aus der Eurozone austritt ! (so wie z. B. die Briten jetzt aus der EU).

    Für am Thema Interessierte: Nachdem Prof. Sinn dieses Problematik entdeckt und thematisiert hatte (u. a. auch in einem seiner Bücher glaube ich), geriet das Thema breiter in die Medien. EZB Präsident Mario Draghi fühlte sich damals bemüßigt, diese Target2-Salden (es geht um gigantische Beträge zu Lasten der Deutschen Bundesbank) als "irrelevant" zu bezeichnen. Allerdings sagte er kurze Zeit später praktisch das Gegenteil: In einem öffentlichen Brief vom 18. Januar 2017 (damals auf der ECB-Seite veröffentlicht, heute angeblich auch noch auffindbar auf der EZB-Website unter den Stichworten ecb-europa-letter-valli-zanni) schrieb er den italienischen Abgeordneten Marco Valli und Marco Zanni (auf ihre Anfrage an die ECB), daß "im Falle eines Austritts Italiens aus der Eurozone Italien zuvor seine Target-Salden natürlich vollumfänglich zu begleichen hat".

    Nach Draghis Sichtweise sind die Target2-Salden dann also plötzlich sehr wohl relevant - jedenfalls muß man das als eindeutige und öffentlich gemachte Drohung (offener Brief auf der ECB-Website) an Italien deuten. So wie Italien mit seinen gigantischen Target2-Verbindlichkeiten auch ein gewisses Drohpotential seitens der Eurozone hat …

    Was meine Ansicht über die Bedeutung der Target2-Salden bestätigte: Gigantische Summen, die zwar die bekannten Unwuchten und Ungleichgewichte innerhalb der Eurozone anzeigen - die aber kein großes Problem sind. So lange nicht ein Land mit Target-Verbindlichkeiten aus der Eurozone austritt … und/oder den anderen damit droht, um Vorteile zu erlangen (um das hässliche Wort Erpressung zu vermeiden).


    By the way: Generell unangenehm empfinde ich, daß die Abkürzungen meist so sind (siehe o. Target2), daß normale BügerInnen oft nicht verstehen können, was sich dahinter verbirgt (s. a. den EZB-Sprech wie QE, PSPP, CSPP, ABSPP, CBPP usw. - ganz besonders unerfreulich, um es möglichst subtil zu formulieren, der Fall ANFA (Agreement on Net Financial Assets): Dies lief von 2003 bis 2016 geheim ab. Erst als dies jemand in einem Aufsatz (Doktorarbeit glaube ich) aufdeckte, gab es dazu offizielle Erklärungen. Im Rahmen dieses Programms konnten sich nationale Notenbanken an der EZB vorbei vereinfacht gesagt Geld für bestimmte nationale Zwecke drucken (es ging und geht um Hunderte von Milliarden Euro, in der Spitze waren es m. W. > 700 Mrd., aktuell wohl um die 550 Mrd.). Besonders Italien und Frankreich machten davon rege Gebrauch; im kleineren auch Irland, wenn ich mich richtig erinnere. Über den sog. "Cantillon-Effekt" sickert dieses Geld sukzessive weiter und diffundiert in die Geldmenge auch anderer Länder und treibt so die Inflation bzw. verwässert den Geldwert - während diejenigen, die das Geld frisch schaffen und zuerst erhalten (nationale Banken, staatsnahe Unternehmen usw.), noch am meisten profitieren, weil sie noch nicht von dem nachfolgenden Preisanstieg betroffen sind.
    Geändert von kurant (27.02.2020 um 15:25 Uhr)

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