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  1. Registriert seit
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    AW: Soziale Gerechtigkeit oder welchen Staat hätten 's denn gern?

    Zitat Zitat von Ulina Beitrag anzeigen
    Dort wohnen aber schon seit Jahrzehnten Menschen, die keinen gut bezahlten Arbeitsplatz haben und vor 20/30 noch kein Problem hatten die Miete zu zahlen. Sollen die jetzt in die Randbezirke ziehen?
    Ein Mietvertrag ist nunmal ein dynamisches Vertragsverhältnis, das den aktuellen Gegebenheiten angepasst wird und kein lebenslanges rundum-sorglos-Paket auf Kosten Anderer.

    Das sollte man bei der Entscheidung Kauf oder Miete bedenken.

    Antwort auf deine Frage: JA!

  2. Avatar von Sprachlos
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    AW: Soziale Gerechtigkeit oder welchen Staat hätten 's denn gern?

    Zitat Zitat von kurant Beitrag anzeigen
    Ad 1: Ich habe sehr viele Untersuchungen dazu gelesen. Die Hauptursachen für die Probleme klangen aber unisono völlig anders (Demographie, Alterspyramide, Rentenbezugsdauer, Renteneintrittsalter usw.). Seltsam …
    Das ist überhaupt nicht seltsam. Vielleicht solltest du einfach was anderes lesen und die Probleme komplexer betrachten? Piketty z.B. der die zunehmende Ungleichverteilung in der Gesellschaft beschreibt.
    Wir dachten, dass die ungerechte Welt, die Marx im 19. Jahrhundert beschrieb, nach dem Zweiten Weltkrieg verschwunden sein würde. Doch das war nur ein Ausreißer in der Geschichte. Wir beobachten, dass die Konzentration des Kapitals seit den 1980er-Jahren fortschreitend zunimmt. Diese Entwicklung läuft auf das Niveau hin, das wir vor den beiden Weltkriegen hatten.

    Oder du beschäftigst dich ein wenig mit den Inhalten des Memorandums für eine Erneuerung der Ökonomie.

    • Überdies haben Ökonomen nach verbreiteter Ansicht einer als «neoliberal» oder «marktkonform» charakterisierten Politik zugearbeitet, die zu wachsenden Einkommens- und Vermögensdisparitäten geführt hat, worin eine weitere Ursache und Dimension der gegenwärtigen Krise erblickt wird. Vereinzelt scheinen diese Empfehlungen von Ökonomen selbst rückblickend als Fehler beurteilt zu werden.


    Mir ist schon klar dass du uns hier in Wirtschaftsdingen alle als minderbemittelt ansiehst aber Piketty und die Unterzeichner des Memorandums darf man getrost als Experten bezeichnen. Insofern sehe ich es als von dieser Seite klar belegten Fakt, dass die Ungerechtigkeit in der Verteilung ein Maß erreicht hat, das große Teile der Bevölkerung nicht hinnehmen wollen, auch wenn für viele, vornehmlich Intellektuelle, nicht vorstellbar ist, dass sich diese Unzufriedenheit gerade in rechten Bewegungen und der Wahl von Politikern wie Trump und Johnson Bahn bricht.

    Leider haben die Wirtschaftswissenschaften überhaupt keine Idee aus der Krise anzubieten (s.a. das Memorandum, wo gerade das thematisiert wird).

    Um noch kurz den Bogen zur Rente zu schlagen: ich bin der Meinung, dass wir genug haben, produzieren, verdienen um alle Menschen an diesem Reichtum teilhaben zu lassen, denn es wurde noch nie in der Geschichte der Menschheit so viel Wert geschöpft.

    Wir müssen uns "nur" dazu entschließen, es zu tun indem wir von oben nach unten umverteilen anstatt von rechts nach links immer in den unteren Schichten die das einfach nicht mehrleisten können, da sie an den Gewinnen der Wertschöpfung nicht ausreichend partizipieren - obwohl du uns hier immer beweisen willst dass sie es tun, aber das ist nur absolut, nicht relativ (so dass man auf diese Weise die Mittelschicht in Konkurrenz zur Unterschicht setzt, die Oberschicht aber weitestgehend raushält) und außerdem ist das eben auch nicht ausreichend.

    Und im Prinzip wäre ich auch zufrieden, wenn wir die Wertschöpfungsabgabe vertagen und uns erstmal auf die Finanztransaktionssteuer konzentrieren.

    Ad 2: Sollte mit dem "das Kapital" die Unternehmen gemeint sein ? Da ich auch lange festangestellt war, habe ich mir mehrfach meine Gehaltsabrechnung angesehen. Der Abstand Brutto versus Netto war absurd hoch - der Abstand "Aufwendungen für das Unternehmen" und mein "Netto" noch absurder, was an den Sozialbeiträgen lag. Die Aussage "um nicht zu sagen das Kapital beteiligt sich gar nicht an den Sozialsystemen" erscheint mir daher abwegig.
    Mit "Kapital" hatte ich den Produktionsfaktor gemeint (einen von den dreien: Kapital, Arbeit, Boden). Diese Dreifaltigkeit der Volkswirtschaftslehre solltest du ja eigentlich kennen.

    Du scheinst auch überhaupt nicht mit dem Konzept der Wertschöpfungsabgabe bekannt zu sein?

    Kurz zur Erklärung: Wenn du als Bemessungsgrundlage der Sozialversicherung aber immer nur die Arbeit zugrunde legst (egal ob das nurder Arbeitgeber- oder Arbeitnehmeranteil ist) dann beteiligt sich das Kapital eben genau NICHT an den Sozialabgaben. Das siehst du deutlich daran, dass arbeitsintensive Produkte und Dienstleistungen unverhältnismäßig teuer werden und damitnatürlich besonders im Fokus von Einsparungsmaßnahmen liegen bzw. irgendwann so teuer sein werden dass sich niemand das mehr leisten kann und diese Arbeiten auch eingespart werden. Übrig bleiben maschinen(=kapital)intensive Produkte und Leistungen von denen hauptsächlich die Kapitaleigner profitieren.

    Ad 3: Da Unternehmen in der Wahl ihres Standortes (noch) frei sind, dürften sie sich sehr gut überlegen, wo der liegt und ob sie eine zusätzliche Abgabe ("Wertschöpfungsabgabe") zahlen wollen. Mir ist auch nicht ganz klar, wie ein Unternehmen das am Weltmarkt mit amerikanischen, chinesischen usw. Mitbewerbern konkurrieren soll, die eine solche Zusatzabgabe nicht zahlen ?
    Das ist sicher kein Thema für heute und morgen, so wie ja die gesamte Umstrukturierung des Rentensystems kein kurzfristiges Thema ist. Ich denke, die Politik wird sich etwas einfallen lassen müssen, damit ihnen das weltweit vernetzte Kapital nicht in alle Ewigkeit auf der Nase rumtanzen kann. Jedenfalls werden die Systeme auf Dauer kollabieren, wenn man das Kapital nicht zügelt und an der Finanzierung angemessen beteiligt.
    Kreativität kommt von der Freiheit zu scheitern. Und die Freiheit zu scheitern kommt vom Experiment. (Peter Gabriel)


  3. Registriert seit
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    AW: Soziale Gerechtigkeit oder welchen Staat hätten 's denn gern?

    Zitat Zitat von Wolfgang11 Beitrag anzeigen
    Antwort auf deine Frage: JA!
    Erinnert mich irgendwie an
    "Eure Armut kotzt mich an"
    Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der "Ent-täuschung"

    Erich Fromm


  4. Registriert seit
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    AW: Soziale Gerechtigkeit oder welchen Staat hätten 's denn gern?

    Ganz interessant ist es aktuelle politische Entscheidungen zu betrachten.Siehe zBsp den CDU Parteitag.




    Die Rentenkommission der Bundesregierung will im März neue Ideen zur Zukunft der gesetzlichen, betrieblichen und privaten Altersvorsorge präsentieren. Bisher sorgen in Deutschland nicht genügend Menschen zusätzlich vor, um ihren Lebensstandard im Alter zu sichern. „Riester fliegt nicht“, lautet die Diagnose.
    .
    Die CDU hat sich nun auf ihrem Parteitag in Leipzig für die Einführung einer verbindlicheren privaten Vorsorge ausgesprochen – bei ungenügendem Zuspruch sogar für eine obligatorische, staatlich organisierte Vorsorge. Die neue Riester-Rente soll billiger und unbürokratischer sein als bisher.
    Die CDU schlägt vor, dass alle Arbeitnehmer in Zukunft automatisch in eine private Altersvorsorge über ein Standardvorsorgeprodukt einbezogen werden – es sei denn, sie widersprechen ausdrücklich (Systemwechsel zum Opt out).

    Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

    Eigentlich erübrigt sich ein Kommentar dazu. Wenn das die Ideen zu Reformen sind, dann kann man sich überlegen wo die Fahrt in 15, 20 Jahren hingeführt haben wird.

  5. Avatar von mono17
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    AW: Soziale Gerechtigkeit oder welchen Staat hätten 's denn gern?

    Zitat Zitat von Wolfgang11 Beitrag anzeigen
    Was ist daran so falsch?

    Dort, wo es viele und gut bezahlte Arbeitsplätze gibt, höhere Mieten zu verlangen, ist doch nicht per se verkehrt.

    Ich sehe es sogar für problematisch an, auch in den Ballungszentren die Mieten künstlich niedrig zu halten, denn dadurch wird der Umzug vom Land in die Stadt, mit all seinen negativen Folgen auch noch aus Steuergeldern subventioniert. Das kann's doch auch nicht sein.
    Dir ist schon klar, dass es nirgendwo nur gut bezahlte Abeitsplaetze gibt?
    Gib dem Leben Farbe, bring dich ein mit einem Wort, einem Lächeln.


  6. Registriert seit
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    AW: Soziale Gerechtigkeit oder welchen Staat hätten 's denn gern?

    Zitat Zitat von Lilith10 Beitrag anzeigen
    Erinnert mich irgendwie an
    "Eure Armut kotzt mich an"
    Überhaupt nicht.

    Findest du es denn richtig, den Wegzug der Menschen vom Land in die Stadt, mit Steuergeldern zu finanzieren.

    Wenn man Geringverdiener im Bestandsschutz fördern will, ist Wohngeld ein gutes Mittel.

    Künstlich niedrige Mieten für alle hingegen, setzen Anreize zur Fehlentwicklung.

    Ausserdem kommt mir da die Eigenverantwortung zu kurz.

    Wer 30 Jahre lang keinen ordentlich Lohn bekommt und sich trotzdem beruflich nicht entsprechend orientiert, macht definitiv was falsch.

  7. Avatar von mono17
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    AW: Soziale Gerechtigkeit oder welchen Staat hätten 's denn gern?

    Zitat Zitat von Unayza Beitrag anzeigen
    Mir ist es lieber, wenn Kindergärten und Krankenhäuser in staatlicher Trägerschaft sind. Ich finde, kirchliche Einrichtungen, bei denen das normale Arbeitsrecht nicht gilt, sollten nur mit Mitteln aus der Kirchensteuer finanziert werden. Da gibt es doch immer wieder Fälle, wie bespielsweise den Rausschmiss eines geschiedenen Chefarztes (denn zum Missvergnügen etlicher Verfassungsrechtler der Europäische Gerichtshof kassiert hat). Es missfällt mir deutlich, dass man diese Personen wesentlich aus umgeleiteten Steuergeld bezahlt, und die Kirchen damit eine staatlich finanzierte Möglichkeit haben, Beschäftigten ihre Ideologie zu oktroyieren.

    Und nein, die Mitarbeiter können nicht immer einfach irgendwo anders arbeiten, beispielsweise bei Ortsgebundenheit.

    In meiner Heimatgemeinde gibt es bei den Kindergärten nur kirchliche Träger. Besonders schön: einer der Kindergärten war sanierungsbedürftig. Schwupps, hat die Kirche den Kindergarten der Stadt geschenkt, die ihn für teuer Geld auf Vordermann gebracht hat. Natürlich führt die Kirche den Kindergarten jetzt weiter und ist auch noch die Unterhaltskosten los.
    Also A gibt es dann für Problem mit genügend Plätzen und B weiss jeder,der für die Kirche arbeitet,worauf es sich einlässt.
    Aber zum Kirchenbashing ist de Strang nicht gedacht!
    Gib dem Leben Farbe, bring dich ein mit einem Wort, einem Lächeln.


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    AW: Soziale Gerechtigkeit oder welchen Staat hätten 's denn gern?

    Zitat Zitat von mono17 Beitrag anzeigen
    Dir ist schon klar, dass es nirgendwo nur gut bezahlte Abeitsplaetze gibt?
    Und dieses Lohndumping soll nun durch Steuergelder, mit denen Billigmieten für alle, also auch die, die viel verdienen, subventioniert werden.

    Ich denke, das ist der falsche Weg.

  9. Avatar von mono17
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    AW: Soziale Gerechtigkeit oder welchen Staat hätten 's denn gern?

    Zitat Zitat von Loop1976 Beitrag anzeigen
    Ach....



    Wasser predigen und Wein trinken.
    Gerade in der katholischen Kirche gibt es negative Schlagzeilen zuhauf.
    Danke an dieUserin für das verlinken, ich hatte keine Lust auf Recherchen.
    Wie war das noch mit Limburg? Nur eines von wenigen Beispielen, dass Geld nicht nur in Immobilien steckt.
    Menschengemachte Systeme sind fehlerhaft,weil Menschen fehlerhaft sind.

    Ich verstehe aber nicht so ganz, was dein Angriff auf christliche Kirchen hier im Strang zu suchen hat.
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  10. Avatar von mono17
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    AW: Soziale Gerechtigkeit oder welchen Staat hätten 's denn gern?

    Zitat Zitat von Wolfgang11 Beitrag anzeigen
    Und dieses Lohndumping soll nun durch Steuergelder, mit denen Billigmieten für alle, also auch die, die viel verdienen, subventioniert werden.

    Ich denke, das ist der falsche Weg.
    Die Güterdiener werden nicht in Sozialwohnungen ziehen.

    Lohndumping muss allerdings auf der Lohnebebe angegangen werden.

    Nur betreffen hohe Mieten ja nicht nur Menschen in Lohn und Brot,sondern auch Arbeitslose oder Rentner usw. Die dürfen keine bezahlbaren Wohnungen bekommen,weil der Nachbar gut verdient?
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