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  1. Registriert seit
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    AW: Soziale Gerechtigkeit oder welchen Staat hätten 's denn gern?

    Wenn man für die Bildung (ich denke mal, Du meinst vor allem Schule), Bundesstandards setzt, dann werden das sicher keine hohen sein, sondern bestenfalls mittelprächtige. Ganz einfach deshalb: ein Bundesabi nach bayerischen Standards würde dazu führen, dass in einigen Bundesländern geschätzt 20 Prozent der Abiturienten durchfallen würden. Man könnte das über neue Lehrpläne (Verzeihung, das heißt ja jetzt "Bildungsplan" und ist "kompetenzorientiert", damit vor lauter Geschwurbel keiner mehr versteht, was den Schülern eigentlich beigebracht wird) höchstens sehr gestuft und allmählich einführen. Also ungefähr so, wie das die Kultusministerkonferenz gerade versucht. So langsam setzt sich der Tross ja in Bewegung.

    Die Aufmerksamkeit gilt aber immer noch vor allem den Gymnasien, anstatt die Hauptschulen in den Fokus zu rücken. Aber Kunststück, in BW hat man mit dem Wegfall der verbindlichen Gymnasialempfehlung dafür gesorgt, dass alle bildungsaffinen Eltern, egal ob biodeutsch, Mihigrund oder ausländisch, ihre Kinder ins Gymnasium schicken. Der Rest hat keine Lobby. Ich habe gerade einen Blick in den neuesten Bildungsbericht für BW geworfen. Erschreckend. Der Anteil der ausländischen Kinder und der Kinder mit Migrationshintergrund an den Gymnasien liegt bei jeweils 5,2 bzw. 7,7 Prozent. Bei den Haupt- bzw. Werkrealschulen bei 30,2 und 16,3 Prozent. Jeweils der Landesdurchschnitt, bei dem der ländliche Raum ja den Durchschnitt senkt. Ein ausländisches Kind mit schlecht deutsch sprechenden, nicht bildungsaffinen Eltern hat in einer Großstadt in BW wenig Chancen auf eine gute Schulausbildung. Das finde ich sozial sehr ungerecht.

  2. Avatar von BlueVelvet06
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    AW: Soziale Gerechtigkeit oder welchen Staat hätten 's denn gern?

    Zitat Zitat von R_Rokeby Beitrag anzeigen
    Ich wähle dich @Sasapi
    Ich bin da auch dabei, Sasapi pro President. Besonders bei der Abschaffung des Ehegattensplittings. Eine Steuerklasse reicht. Freibeträge für Kinder und für zu pflegende Angehörige. Kinder in der Krankenversicherung kostenlos, nicht berufstätige Ehepartner bezahlen den Mindestbeitrag in der GKV, in die alle einzahlen, auch Beamte. Und auch das fand ich gut:
    Zitat Zitat von Sasapi Beitrag anzeigen
    Für Bezieher von Renten aller Art unterhalb einer bestimmten Grenze könnte man Steuerbefreiung einführen, ebenso eine Befreiung von den Sozialabgaben (Kv etc).
    Außerdem große Zustimmung zum Thema Chancengleichheit. Finde ich viel besser als die hier immer wieder auftauchenden Überlegungen, wie man noch mehr von oben nach unten verteilen kann.
    Gute Nachricht: ich bekomme den obersten Knopf meiner Jeans wieder zu.
    Schlechte Nachricht: ich habe sie nicht an
    .
    Geändert von BlueVelvet06 (22.01.2020 um 13:45 Uhr)

  3. Avatar von mono17
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    AW: Soziale Gerechtigkeit oder welchen Staat hätten 's denn gern?

    Das Steuerrecht müsste vor allem einfacher sein .
    Ich habe auch schon mal einen Ansatz mit negativen Steuern gelesen, das fand ich auch interessant.u
    Geändert von mono17 (22.01.2020 um 14:17 Uhr)

  4. Avatar von mono17
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    AW: Soziale Gerechtigkeit oder welchen Staat hätten 's denn gern?

    Zitat Zitat von Unayza Beitrag anzeigen

    ... Ein ausländisches Kind mit schlecht deutsch sprechenden, nicht bildungsaffinen Eltern hat in einer Großstadt in BW wenig Chancen auf eine gute Schulausbildung. Das finde ich sozial sehr ungerecht.
    Deswegen ja auch gemeinsames Lernen mit individueller Förderung.
    Und einheitliche Standards bundesweit. Ja,da müssen einige Bundesländer mehr rudern als andere. Aber momentan sind zB Schüler,deren Eltern umziehen,die Verlierer. Und an der Hochschule fängt der Matheprof nochmal mit der pq Formel an (okay,das war 1995...). Das kann es ja nicht sein.
    Ausbildungen sind ja auch bundeseinheitlich. Es geht schon...
    Gib dem Leben Farbe, bring dich ein mit einem Wort, einem Lächeln.


  5. Registriert seit
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    AW: Soziale Gerechtigkeit oder welchen Staat hätten 's denn gern?

    ... aber es gibt doch gar kein "gemeinsames" Lernen (mehr), zumindest nicht in meiner Großstadt. Es ist ganz klar, in welche Stadtteile "man" zieht, wenn man Kinder hat. In den wohlhabenden Vierteln gehen die Grundschulklassen, glaube ich, fast geschlossen auf die Gymnasien. Wenn es bei einem Kind partout nicht reicht, gibt es eine private Realschule oder die Waldorfschulen. In den armen Stadtteilen ist das Verhältnis deutlich anders. Aber eine mehrheitlich nicht-deutschsprechende Grundschulklasse kriegt man nicht auf das Niveau einer mehrheitlich deutschen gezogen, weil soviel Zeit für Sprache draufgeht.

    In meiner Heimatkleinstadt, durch eine Industrieansiedlung in den frühen Siebzigern stark gewachsen, segregiert man sich auch und zwar genau umgekehrt als früher. Damals haben Eltern aus dem alten dörflichen Ortsteil mit vielen Dialektsprechern versucht, ihre Kinder auf die Grundschule im städtischen Viertel zu schicken. Ist jetzt genau umgekehrt, man probiert, die Kinder bei der Oma oder anderen Verwandten zu melden, damit sie in die Dorfgrundschule gehen können, weil es da "nicht so viele Ausländer hat".


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    AW: Soziale Gerechtigkeit oder welchen Staat hätten 's denn gern?

    Das ist ein Effekt, der mich schon bei meinen eigenen Töchtern auf die Palme gebracht hat.

    Wie krank ist denn das? Umziehen, damit das Kind mit den "richtigen" Kindern in der Klasse sitzt?

    Zumal Tochter 1 auf der damals zuständigen "Brennpunktgrundschule" deutlich mehr gelernt hat als die beiden Jüngsten auf der Bullerbü Grundschule im jetzigen Dorf. Zeugnis voller Einsen ohne was dafür zu tun, aber nix im Kopp.

    Die legten in Klasse 5 ganz schön die Ohren an.

    Obwohl wir sie trotz Gym Empfehlung nicht dort angemeldet haben, sondern zwei auf der integrierten Gesamtschule, eine auf der Realschule. Der hohe Migrantenanteil von über 30 Prozent hat Ihnen nicht geschadet, sie sind tolle junge Frauen geworden, die ihren Weg gehen und allesamt mit 20 auf eigenen Beinen stehen (werden), was ich von einigen gleichaltrigen ehemaligen "Päppelkindern" nicht sagen kann.

  7. Avatar von mono17
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    AW: Soziale Gerechtigkeit oder welchen Staat hätten 's denn gern?

    Zitat Zitat von Unayza Beitrag anzeigen
    ..
    . aber es gibt doch gar kein "gemeinsames" Lernen (mehr),...
    Das ist das Problem. Und es lässt sich ändern.
    Gib dem Leben Farbe, bring dich ein mit einem Wort, einem Lächeln.

  8. Avatar von BlueVelvet06
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    AW: Soziale Gerechtigkeit oder welchen Staat hätten 's denn gern?

    Zitat Zitat von mono17 Beitrag anzeigen
    Das Steuerrecht müsste vor allem einfacher sein .
    Das wäre wünschenswert, sehe ich in Deutschland aber nicht. Alle wollen ein einfaches Steuersystem, aber jeder möchte, dass seine individuelle Situation möglichst genau abgebildet wird und wenn das nicht passiert, wird „ungerecht“ geschrieen.
    Gute Nachricht: ich bekomme den obersten Knopf meiner Jeans wieder zu.
    Schlechte Nachricht: ich habe sie nicht an
    .


  9. Registriert seit
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    AW: Soziale Gerechtigkeit oder welchen Staat hätten 's denn gern?

    Zitat Zitat von BlueVelvet06 Beitrag anzeigen
    wird „ungerecht“ geschrieen.
    DAS sehe ich als das größte Problem und zwar in allen Belangen....
    Hier sah man die Krux ja schon an den sofortigen Reaktionen auf Schulstunden - "Wie lange" (zu "was" waren wir noch gar nicht vorgedrungen )

    Einfaches Steuerrecht würde bei allen Vorzügen bedeuten, dass viele doch über einen Kamm geschoren würden, der ihnen nicht zusagt.

    Daher fände ich es interessant den Begriff "Gerechtigkeit" zu diskutieren - am besten auf einer konzeptuellen (Meta)ebene (sonst ist es eh gleich aus ).

    Was ist gerecht? Dass jeder bekommt, was er verdient?
    Oder dass jeder eine Chance bekommt? oder zwei? drei? Wie viele?

    Ich tue mich das sehr sehr schwer. Ich empfinde das Dasein nämlich als per se ungerecht. Ich glaube nicht, dass man "Gleichheit und Chance" so machen kann. Was man kann ist, zu schauen, dass es nicht immer krasser wird mit der Ungleichheit und -gerechtigkeit.


  10. Registriert seit
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    AW: Soziale Gerechtigkeit oder welchen Staat hätten 's denn gern?

    Sasapi, meine Stimme hättest du auch

    Zitat Zitat von Sasapi Beitrag anzeigen
    Obwohl wir sie trotz Gym Empfehlung nicht dort angemeldet haben, sondern zwei auf der integrierten Gesamtschule, eine auf der Realschule. Der hohe Migrantenanteil von über 30 Prozent hat Ihnen nicht geschadet, sie sind tolle junge Frauen geworden, die ihren Weg gehen und allesamt mit 20 auf eigenen Beinen stehen (werden), was ich von einigen gleichaltrigen ehemaligen "Päppelkindern" nicht sagen kann.
    Ja, vielleicht haben sie in dieser Konstellation mehr (fürs Leben) gelernt?

    Das gehört für mich auch zur Chancengleichheit - diese frühe Aufteilung der Schüler, sowohl was die "Qualität" einzelner Schulen anbelangt, wie auch und vor allem die Aufteilung in Gymnasium und Realschule bereits nach der 4. Klasse.
    Ich finde da Gemeinschaftsschulen tatsächlich besser - Schüler lernen auch voneinander, sie lernen anderen zu helfen. Sie erleben sich mehr als Gemeinschaft unterschiedlicher Leistungsspektren. Das führt zu Akzeptanz.

    Dieses frühe Wettrennen um den Zugang zum Studium halte ich nicht für sinnvoll. Sozial gerecht ist es oft auch nicht - wer wird wohl die Kinder notfalls mit zig (teuren) Nachhilfestunden etc. quälen, nur damit sie die Gymnasialempfehlung bekommen?
    Manche fangen sich auch erst später, würden davon profitieren wenn diese Entscheidung erst später fiele.

    Dass Eltern sogar umziehen, damit Kinder in die "richtige" Schule kommen ist dann die Folge.
    Think before you print.

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