Viele, die sich heute mit der Nazizeit beschäftigen, gehen unbewusst bei der Beurteilung von ihrem heutigen transparenten, digitalen Informationstandard aus.
Das gab es damals nicht.
Das kann man sich vielleicht gar nicht wirklich vorstellen, aber es gab nur Radio und Zeitung. Diese erschien erst man nächsten Tag und brachte dann die Neuigkeiten. Wohl dosiert und mit Sicherheit zensiert.
Ich habe mit Zeitzeugen gesprochen, die damals lebten, die mir glaubhaft gesagt haben, dass sie z.B. von der "Reichskristallnacht" nichts mitbekommen haben. Sie wohnten in Berlin in einem Wohnviertel, dass war ein paar Strassen weg von den Geschäften. Sie haben nichts gehört und gesehen. Erst später wurde in der Zeitung darüber berichtet. Aber natürlich in entsprechender Form.
Diese Zeugen haben mir auch berichtet dass sie nicht wussten, was mit den Juden geschehen war. Sie wussten, dass es KZ gab in die Verbrecher (nach dem Recht der Nazis), eingeliefert wurden und die Zwangsarbeit verrichtet haben. Allgemein bekannt war, dass Juden ausgewandert sind oder "in den Osten" transportiert worden, um dort zu arbeiten.
Sehr viele, die weit überwiegende Mehrheit stand auch hinter den Zielen der Nazis - soweit bekannt - und hinter dem Führer.
Die heute gerne kolportierte oder angenommene Nachricht, dass es viele Wiederständler gab und oder viele aufbegehrten, ist einfach falsch.
Und dadurch dass Nachrichten und Tagesgeschehen eben der Bevölkerung nur durch ein Brennglas berichtet wurde, und sie kaum eine andere weitere Möglichkeit hatten, sich zu informiere oder informiert zu werden, war natürlich auch ihr Wissensstand nicht konform mit dem tatsächlichen Ereignissen.
Das vergisst man wohl oft, wenn man sich aufregt und sagt: das hätten alle wissen müssen, alle hätten dagegen sein müssen.
Wir sind nicht erst seit der digitalen Erneuerung immer informiert, wir können viele Kanäle benutzen; wir denken, wir wissen alles, was in unserem Staat passiert. Passiert etwas Brisantes, geht das in Minuten später über den Ticker. Es reicht schon, spiegel online aufzurufen, oder CNN zu sehen, oder die BILD. Man muss heute gar nicht mehr auf twitter gehen dafür.
Das ist richtig, aber auch heute, mauschelt eben die Regierung Dinge aus, - was z.B. Terrorismus und seine unmittelbare Bedrohung angeht, oder Ausgaben für "besondere Zwecke" usw. - , über die sie die Bevölkerung NICHT informiert.
Also alles wissen wir heutzutage auch nicht, aber wir haben Möglichkeiten, nachzufragen, zu bohren, Anträge zu stellen durch unsere Abgeordneten, usw..
Aber in der Nazizeit wusste die Bevölkerung eben nur das, was offiziell verlautbart wurde. Wer mit Geheimen Sachen beschäftigt war, hatte still zu schweigen. Also kursierten bestenfalls Gerüchte.
Das muss man in Betracht ziehen, wenn man über die Menschen von damals urteilt.
Antworten
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14.11.2019, 18:19
AW: Attentat auf Hitler am 8. November 1939
Körperlich Distanz
Sozial zusammen
You'd have to be here
I'm seeing a garden, a place I keep longing to show to you
It's northerly facing and close to an open fjord
The wind that was moving the rhubarb moved through my childhood, too
Calling so slowly from summer's before
Kari Bremnes
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14.11.2019, 18:34
AW: Attentat auf Hitler am 8. November 1939
Das erste ist bei allem Respekt vollkommener Blödsinn. Unsere Verfassung, unser Grundgesetz, unsre Demokratie sind sehr gute Garanten dafür, dass es nicht "wieder" passiert.
Es gibt darüberhinaus ein mitunter sogar hysterisches Dogma in Deutschland dieser Tage, jedes Wort und jeden Satz 50x in den Medien rauf und runter zu drehen und genau daraufhin abzuklopfen, und jedem, der in Marginalien und in vero etwas politisch rechtes sagt, des Faschismus zu zeihen, ihn Nazi zu nennen. Dazu wird immer und immer wieder post NSU Aufklärung aufgezeigt, was für rechtsextreme und rechtsradikale Gruppen es in D gibt.
Das zweite ist demzufolge auch Blödsinn.Körperlich Distanz
Sozial zusammen
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Kari Bremnes
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14.11.2019, 18:35
AW: Attentat auf Hitler am 8. November 1939
So ist es. Einem System, was Gewalt, körperliche, manifeste, tödliche, verbale Gewalt anwendet, kann man nicht mit Flugblätern beikommen, Dazu braucht es Gewalt.
Und ich bin überzeugt, dass es zu keinem Zeitpunkt gereicht hätte, nur den Führer zu töten, man hätte die gesamte Riege der Naziführungskräfte, insbesondere der Militärs, der Vernichtungsbeauftragten und der Chefs der SA und der SS töten müssen.
Es ist auch für uns auch immer sehr einfach in der Nachschau, Hitler als alleinigen Verbrecher zu brandmarken und zu sagen, wäre er getötet worden, wäre alles gut gegangen. Das bezweifle ich sehr stark.Körperlich Distanz
Sozial zusammen
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Kari Bremnes
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14.11.2019, 18:51
AW: Attentat auf Hitler am 8. November 1939
Der Humor ist die Maske der Weisheit. Maskenlos ist die Weisheit unerbittlich. - Dürrenmatt -
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14.11.2019, 19:00Inaktiver User
AW: Attentat auf Hitler am 8. November 1939
Du musst von Menschen ausgehen, die genau das nicht haben wollen und respektieren. Mit einer bestimmten kritischen Masse, Fanatismus und Entschlossenheit gibt es keine Garanten.
Eine Demokratie ist nur so viel wert, wie die Menschen bereit sind zu geben, um das System am Leben zu erhalten.Geändert von Inaktiver User (14.11.2019 um 22:19 Uhr)
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14.11.2019, 19:28
AW: Attentat auf Hitler am 8. November 1939
Mir kann keiner erzählen, es hätte viele gegeben, die nichts zb von den KZs gewusst hätte.
Überlegt mal, wie viele Menschen überall beteiligt waren. Wachleute
in den Konzentrationlagern, Soldaten, Krankenschwestern, Ärzte.
Die kamen aus ganz Deutschlande und waren zwischendurch zuhause.
Meint ihr wirklich, die hätten nix erzählt?Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem andern zu!
Andra tutto bene!
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14.11.2019, 22:10Inaktiver User
AW: Attentat auf Hitler am 8. November 1939
Eine große Anzahl der Berliner Juden lebte in Charlottenburg rund um den Ku’damm. Die Charlottenburger sollen nicht mitbekommen haben, was sich bei der Reichspogromnacht in Charlottenburg abgespielt hat? Einige waren vielleicht zu sehr mit ihrem eigenen Leben beschäftigt, Andere haben sich vielleicht auch direkt selbst bereichert. Aber das Ganze fand am helllichten Tage statt, da sollen sie nichts mitbekommen haben?
Der NS-Staat hat der eigenen Bevölkerung überhaupt nicht vertraut, sonst hätte es die monatlichen Lageberichte von Gestapo und Sicherheitsdienst nicht gegeben, in denen auch beschrieben wurde, dass die Bevölkerung auch sehr genau weiß ode zumindest ahnt, was im Land so abgeht.
Das war dann auch der Ansatzpunkt der „Weißen Rose“, dass der Krieg schon verloren war und die Bevölkerung eben nicht mehrheitlich hinter dem NS-Regime war. Aber der NS-Staat hatte auch schon jede Rechtsstaatlichkeit hinter sich gelassen.
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14.11.2019, 22:51Inaktiver User
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14.11.2019, 23:52
AW: Attentat auf Hitler am 8. November 1939
zur Reichspogromnacht: Es stand sogar in den Zeitungen, dass sich der "gesunde Volkszorn" entladen hat.
Da fragt man sich natürlich schon, wie man das nicht wissen konnte, wenn doch die Zeitungen reichsweit voll von dieser "Aktion" waren.
Im Übrigen glaube ich, dass viele Menschen davon einfach nichts wissen wollten bzw. dies angesichts der Ungeheuerlichkeit gar glauben wollten, dass "ihre Regierung" und ihr geliebter Führer zu so einer Monstrosität fähig wäre.
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15.11.2019, 00:11Inaktiver User


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