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  1. Registriert seit
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    Klima- oder Wertewandel?

    Die Wissenschaft sagt: Die Zeit ist knapp, entweder wir ändern unser Verhalten, unseren Lebensstil und unsere Wirtschaft, oder die Klimakatastrophe wird das für uns erledigen.

    Der Meeresspiegel steigt, die Vision der untergegangenen Stadt Hamburg ist mehr als reine Fiktion, Dürre und Unwetter breiten sich auch in Mitteleuropa aus.

    Und wenn in Sibirien das gesamte im Permafrostboden eingelagerte Methan entweicht, dann Halleluja!

    Es steht uns also ein bedrohlicher Klimawandel bevor, wenn wir keinen Wertewandel vollziehen.

    Es geht dabei aber nicht nur um Verzicht und Verbote, wie uns gerade manch junge Menschen zur Zeit in beeindruckender Weise zeigen, sondern auch darum, neue Formen der Lebensqualität kennen zu lernen.

    Schließlich ist es schöner, wenn der Schmetterling am Fahrrad vorbeiflattert, statt auf der überhitzten Windschutzscheibe zu kleben.

    Persönlicher Lebenswandel allein aber kann keine wirkliche Änderung hervorrufen.
    Da sind auch Politik und Wirtschaft und Industrie gefragt, sich einzubringen und neue Wege zu gehen.
    Der Klimawandel betrifft persönliche Lebensbereiche und ist doch ein Thema, das nur global zu lösen ist.

    Die Debatte zum Klimawandel erstreckt sich ja bereits quer über die verschiedensten Stränge in der Bricom.

    Nach Rücksprache mit Analuisa und Flau habe ich die Erlaubnis bekommen, einen „übergreifenden“ Strang zum Thema zu eröffnen, vielleicht auch, um in den anderen Strängen leichter „beim Thema“ bleiben zu können.

    Hier soll das Thema in seiner Gesamtheit diskutiert werden, Platz soll vor allem für die folgenden Themenbereiche sein:

    • die Notwendigkeit eines gesellschaftlichen Wertewandels
    • die Idee eines neuen Wirtschaftsmodells
    • die europäische/globale Perspektive
    • die Ebene des individuellen Verhaltens.


  2. Registriert seit
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    AW: Klima- oder Wertewandel?

    Um die Diskussion nicht allzusehr ausarten zu lassen, möchte ich folgendes gerne als Gegeben voraussetzen:

    Zehn Fakten zum Klimawandel, die man sich merken kann | ZEIT ONLINE

    Oft wird behauptet, es gäbe große Uneinigkeit darüber, ob der Klimawandel stattfindet und ob er auch menschengemacht ist. Das ist falsch. Das Team des Kognitionspsychologen John Cook wertete knapp 12.000 Studien zum Thema globale Erwärmung aus: 97 Prozent derjenigen, die sich zum Klimawandel positionierten, waren sich einig, dass der Klimawandel auch menschengemacht ist (Environmental Research Letters: Cook et al., 2013). Es sind Lobbygruppen der fossilen Industrie, die seit Jahrzehnten bewusst Zweifel an diesem wissenschaftlichen Konsens streuen. Wenn Menschen, die daran zweifeln, diese hören, fühlen sie sich durch den confirmation bias bestätigt.

    Des weiteren bietet der Artikel auch Information zu den Themen:
    -Menschengemachter CO2-Ausstoß führt zur Erderwärmung
    - Kippeffekte können zu einer Irreversibilität des Temperaturanstiegs führen
    - Der Meeresspiegel stieg schneller, als es der (konservative) Ipcc vorausgesagt hat
    - Für das dramatische Artensterben ist der Mensch verantwortlich
    -Erneuerbare Energien sind zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden
    - E-Mobilität wird die Welt nicht allein retten
    - Fleischkonsum ist mitverantwortlich für den Klimawandel


  3. Registriert seit
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    AW: Klima- oder Wertewandel?

    Schöne Idee!

    Ich habe gerade ein interessantes Buch über Minimalismus gelesen.
    Fumio Sasaki: Das kann doch weg!

    Ein sehr persönliches Buch, beschreibt eine Entwicklung zu weniger Besitz und Konsum.
    Und wie sich das positiv ausgewirkt hat beim Author.

    Interessant auch zu lesen warum der Minimalismus in Japan ein echter Dauertrend ist: zum einen sind dort traditionell "aufgeräumte" und reduzierte Räume geschätzt, zum anderen verstärkt sich das seit einigen Jahren wieder.
    Viele Menschen haben aufgrund der letzten Erdbeben und anderer Katastrophen in Japan über die ganzen Sachen nachgedacht, die da kaputt gingen - und ob sie das alles überhaupt (wieder) brauchen.

    Für mich in der beschriebenen Konsequenz zu extrem, aber sehr interessant weil durch dieses weniger an Besitz auch weniger Wohnraum benötigt wird den man bereitstellen und auch heizen muss.
    Wohnraum, der genau genommen von Dingen belegt ist.

    Ich glaube, wenn die Menschen sich ernsthaft überlegen was WIRKLICH wichtig ist für sie - dann werden doch einige darauf kommen dass es weniger Sachen (Besitz) sind als Menschen und Erlebnisse.

    Wertwandel in dieser Richtung kann nur "von innen" kommen - wenn andere Menschen, die das praktizieren, neugierig machen und man selber in diese Richtung einen Versuch wagen möchte.
    Ist nur ein kleiner Teil des ganzen, aber genau genommen glaube ich sowieso mehr an kleine, individuelle Entwicklungen. Wenn es erzwungen wird (Rationierung, Reglementierung) - da kommt bei vielen eher Widerstand als Einsicht, und sei die Maßnahme noch so sinnvoll. Es scheint die Autonomie in Gefahr.
    Think before you print.


  4. Registriert seit
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    AW: Klima- oder Wertewandel?

    Ich glaube (und erlebe das auch persönlich bei meinen Kindern und in ihrem Freundeskreis), dass es gerade die junge, komplett konsumgesättigte (Post-)Millenial -Generation ist, die langsam aber sicher auf diesen ganzen Überkonsum pfeift.

    Ich erlebe folgendes:
    Mein Sohn (Mitte 20) ist per se eher der genügsame Typ, der hat sich irgendwann entschieden, seinen Pullover-pro-Jahr halt in Fairtrade zu kaufen (als Beispiel). Der hat aber noch ein wenig die Großmutter erlebt, die "weil es immer so war" nachhaltig war. einfach, weil sie der Kriegsgeneration entstammte, vieles selbst machte, ihr Leben lang zu Fuß ging - ein "langsameres Leben" führte.
    Meine Tochter (unter 20), hat mir mit 13 kurz mal am pubertären Höhepunkt kurzzeitig die Hölle heiß gemacht, warum wir "so wenig Fernreisen", shoppte sich permanent mit Freundinnen in Billigläden weg etc.
    - Sie hat ihr Verhalten, ihren Zugang zum Leben am dramatischsten geändert in den letzten 5 Jahren, kam erst mit Kleidertauschparties, mit vegetarischem Essen an, das Wort "flightshaming" habe ich wie viele andere von ihr gelernt.
    (Ich nehme meine Kinder hier nur als Beipiel, erlebe es aber bei vielen anderen auch so)

    Ich glaube, es liegt an diesem Unterschied, nämlich der Tatsache, dass wir es mit einer Generation zu tun haben, die "die alte", nicht- neoliberale Sparsamkeit und dadurch "ganz normale" Nachhaltigkeit überhaupt nicht mehr kennengelernt hat.
    Stattdessen lebt diese Generation unter einem Leistungs- und Anpassungsdruck wie nie eine zuvor.

    Und nun stellt diese Generation fest "wir klauen ihnen die Zukunft", weil wir zu lange nichts gegen den Klimawandel getan haben (und sie stattdessen im Auto von a nach b geführt haben).
    Ich glaube, die junge Generation (oder zumindest Teile davon) wünscht sich diesen Wertewandel, weg von der neoliberalen Perfektionsmaschinerie, am meisten.


  5. Registriert seit
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    AW: Klima- oder Wertewandel?

    Zitat Zitat von print Beitrag anzeigen
    Wertwandel in dieser Richtung kann nur "von innen" kommen - wenn andere Menschen, die das praktizieren, neugierig machen und man selber in diese Richtung einen Versuch wagen möchte.
    Ist nur ein kleiner Teil des ganzen, aber genau genommen glaube ich sowieso mehr an kleine, individuelle Entwicklungen. Wenn es erzwungen wird (Rationierung, Reglementierung) - da kommt bei vielen eher Widerstand als Einsicht, und sei die Maßnahme noch so sinnvoll. Es scheint die Autonomie in Gefahr.
    Wir haben aber nicht mehr die Zeit für ausschließlich kleine, individuelle Entwicklungen......leider.

    Was nun das "Große und Ganze" angeht, auch da gibt es -teilweise sehr radikale Ansätze, etwa die Gemeinwohl- Ökonomie, die hier kurz erklärt wird.

    Oder die Forderung, die Arbeitszeit radikal zu reduzieren:

    In seiner Studie kommt Frey zu dem Schluss: Wenn wir etwas ausrichten wollen, müssen wir unsere Arbeitszeit reduzieren. Anstelle der üblichen 40 Stunden wäre laut des Papers eine neun-Stunden-Woche nachhaltig. So sagte auch der Leiter des Think Tanks, Will Stronge, dem britischen Guardian: „Der Weg zu einer grünen, nachhaltigen Gesellschaft erfordert ein Reihe von Strategien – eine kürzere Arbeitswoche ist nur eine davon.“

    Dabei sind andere positive Auswirkungen von weniger Arbeit auf unseren Planeten – wie beispielsweise geringeres Verkehrsaufkommen durch weniger Pendler*innen, niedrigere Produktion von Gütern und weniger Transport durch weniger Konsum – nicht mal berücksichtigt.

    Ressourcen schonen gegen die Klimakrise
    Warum genau weniger Arbeitszeit, auch über das nachhaltige BIP hinaus, so wichtig ist, erklärt die österreichische Klimaforscherin und emeritierte Professorin Helga Kromp-Kolb genauer: „Die Klimakrise ist ein Symptom für die Übernutzung der Ressourcen unseres Planeten. Diese Übernutzung hängt einerseits mit der Zahl der Menschen zusammen; andererseits auch mit unserem Lebensstil und mit den Energieträgern und Materialien, die wir nutzen, um ihn zu ermöglichen“, sagte Kromp-Kolb zu ze.tt. „Wenn wir unsere materiellen Ansprüche zurückschrauben – und das müssen wir, auch mit einer Kreislaufwirtschaft – dann muss weniger produziert werden, dadurch wird der Planet entlastet und die Arbeitszeit sinkt.“

    Weniger arbeiten gegen die Klimakrise › ze.tt

    Mir ist schon klar, zwei sehr utopische Ansätze - aber doch überlegenswert.


  6. Registriert seit
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    AW: Klima- oder Wertewandel?

    Zitat Zitat von Chilirose Beitrag anzeigen
    Ich glaube, es liegt an diesem Unterschied, nämlich der Tatsache, dass wir es mit einer Generation zu tun haben, die "die alte", nicht- neoliberale Sparsamkeit und dadurch "ganz normale" Nachhaltigkeit überhaupt nicht mehr kennengelernt hat.
    Stattdessen lebt diese Generation unter einem Leistungs- und Anpassungsdruck wie nie eine zuvor.
    Interessanter Gedanke.

    Schade eigentlich - da gibt es in jeder Gesellschaft Konservative, aber diese Nachhaltigkeit, einmal aus Not geboren und dann zur Gewohnheit geworden - die wollte keiner bewahren?
    Weil sie vielleicht auch an schlechte Zeiten erinnert?

    Der Ausdruck "schlechte Zeiten" wird eben gerade auch neu besetzt.
    Es geht ja nicht nur um postapokalyptische Szenarien sondern wir haben ja jetzt schon so viel Dreck (Plastikabfall, Feinstaub, Gülle....), Lärm.... eben Emissionen aller Art die direkt oder indirekt die bisher bekannte und geschätzte Natur zerstören.
    Dass fossile Brennstoffe endlich sind, weiß man auch.

    Ich kann verstehen dass es den jungen Menschen nicht schnell genug geht und dass sie ihre eigene Vorstellung von Nachhaltigkeit mangels Erfahrungen im notgedrungenen Verzicht selbst neu erfinden müssen.
    Think before you print.


  7. Registriert seit
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    AW: Klima- oder Wertewandel?

    Zitat Zitat von Chilirose Beitrag anzeigen
    Wir haben aber nicht mehr die Zeit für ausschließlich kleine, individuelle Entwicklungen......leider.
    Ich weiß.
    Leider.
    Könnte man doch die Welt aufteilen in 2 Hälften: die einen probieren es mit Nachhaltigkeit/Verzicht, die anderen dürfen weiter machen wie bisher.
    Geht leider auch nicht.

    Das ist ja die kapitalste Einsicht, die erst einmal zugelassen werden muss: wir sitzen wirklich alle in einem Boot.

    Sagen wir mal so: es schadet nichts, das individuelle zu wagen auch wenn es im einzelnen nicht viel bewirkt.
    Es schließt ja andere Maßnahmen, die wohl irgendwann auch kommen werden, nicht aus.
    ES wird aber dem leichter ums Herz sein dem man sein SUV oder seine Zigtausend Flugmeilen/Jahr nicht erst verbieten muss.

    Mir ist schon klar, zwei sehr utopische Ansätze - aber doch überlegenswert.
    Ich habe kein Auto, dafür kann ich mir leisten etwas weniger zu arbeiten.
    Machen in meiner Firma einige, inzwischen. 80% ist sehr beliebt und immerhin etwas - ein kleiner Beitrag.
    Think before you print.

  8. Avatar von red_gillian
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    AW: Klima- oder Wertewandel?

    Zitat Zitat von print Beitrag anzeigen
    Das ist ja die kapitalste Einsicht, die erst einmal zugelassen werden muss: wir sitzen wirklich alle in einem Boot.
    Ja. Und ich finde es erschreckend, wie viele sich gegen diese Einsicht wehren. Und auf welche Art und Weise.
    Ich finde es ewig schade, dass die ZEIT online einen wichtigen Artikel nur sehr kurze Zeit frei zugänglich gemacht hat: "Bis sie ertrinken".
    Die Fähigkeit des Menschen, Unangenehmes zu verdrängen, ist ... erstaunlich.
    Whoever is unjust, let him be unjust still.
    Whoever is righteous, let him be righteous still.
    Whoever is filthy, let him be filthy still.
    Listen to the words long written down
    When the man comes around.

    - Johnny Cash, When the man comes around

  9. Avatar von Arabeske_H
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    AW: Klima- oder Wertewandel?

    Das ist doch mal ein sehr vernünftiger artikel - allerdings ist zu befürchten, dass vielen menschen für die verwendung von mehr freizeit eher mehr konsum einfällt, da braucht es sicher eine menge umdenken.
    Wenn die Hand eines Mannes
    die Hand einer Frau streift,
    berühren sich beide bis in alle Ewigkeit.
    Khalil Gibran

    ***********************************
    Das beste Vorspiel ist die Einhaltung eines strikten Zeitplans.
    Sheldon Cooper


  10. Registriert seit
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    AW: Klima- oder Wertewandel?

    Ich halte diese Idee der Arbeitszeitreduzierung auch für sehr sinnvoll.
    Die Überproduktion ist schlicht Wahnsinn und unverantwortlich.

    Eine drastische Reduzierung wäre nötig. Und verbinden ließe sich das mit einer bestimmten Stundenzahl, die verpflichtend in sinnvollen ortsansässigen Gemeinschaftsprojekten abzuleisten wäre.

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