Meinerseits auch ziemliches Unverständnis gegenüber Prints Aussage. Hier entscheidet allein die Eignung der Kinder über ihren Weg durch Schule, Ausbildung und Studium.
Man hört zuweilen von „Arbeiterkindern“, dass sie den Weg nicht genommen haben, weil und sowieso und die anderen alle Akademikerkinder sind. Hört man genauer hin, dann war es aber nie das fehlende Geld, sondern die eigene Angst und manchmal auch die eigenen Eltern, die dem eigenen Kind den Erfolg nicht gegönnt haben. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, das gilt auch hier.
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20.05.2019, 14:51
AW: Sozialismus, Kapitalismus und Kevin Kühnert
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20.05.2019, 15:00Inaktiver User
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20.05.2019, 15:04
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20.05.2019, 15:15Inaktiver User
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20.05.2019, 16:10
AW: Sozialismus, Kapitalismus und Kevin Kühnert
Im Jahre 2000 waren 15,6% der Kinder auf dem Gymnasium aus Facharbeiterfamilien, 2015 waren es 24,4%
Im Jahre 2000 waren 11% der Kinder auf dem Gymnasium aus Familien ungelernter Arbeiter, 2015 waren es 20,1%
2015 begannen 27% aller Kinder aus Nichtakademikerfamilien ein Studium.
2009 waren es 23%
2003 waren es 19%
2015 begannen 79% aller Kinder aus Akademikerfamilien ein Studium.
2009 waren es 77%
2003 waren es 71%
47% aller Studenten stammen aus Nicht-Akademikerhaushalten.
Es gibt also eine soziale Mobilität. Diese gute Nachricht wird bei allen berechtigten Klagen über Bildungsbenachteiligung oft unterschlagen. Die Bildungslücke wird also kleiner.
Zitat aus: "Wer schafft es nach oben?" von Martin Spiewak ZEIT 20/2018----------------------------------------------------------------
"Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.
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20.05.2019, 16:46
AW: Sozialismus, Kapitalismus und Kevin Kühnert
Ebenfalls aus "Wer schafft es nach oben?" von Martin Spiewak ZEIT 20/2018
Ob Krippen, Kitas oder Ganztagsschulen: Immer sind Kinder aus Familien mit hohem Sozialstatus überrepräsentiert. Dasselbe gilt für die Option, sich nach der Realschule über ein Berufsgymnasium das Abitur zu sichern. Hier nutzen wieder nicht unbedingt die besten Schüler diese zweite Chance, sondern vor allem jene "aus gutem Hause". Selbst in den Gesamtschulen landen Akademikerkinder eher in den anspruchsvolleren Kursen, auch wenn ihre Leistungen es nicht immer rechtfertigen. Es ist wie beim Hase-und-Igel-Spiel, die Kinder der Bessergestellten sind immer schon da.
Es existiert also sehr wohl eine Aufstiegsmeritokratie in Deutschland, aber so gut wie keine Abstiegsmeritokratie. Überdurchschnittliche Intelligenz und großer Fleiß helfen beim Bildungsaufstieg, doch notwendig sind sie nicht unbedingt – wenn man die richtigen Eltern hat. Man kann diese Ungerechtigkeit als Skandal brandmarken oder als normales Merkmal jeder Gesellschaft betrachten. Einen Bildungstrichter findet man nämlich in jedem Land der Welt. Auch die beschriebenen sozialen Mechanismen – Einfluss des Elternhauses, Streben nach Statuserhalt, Risikoaversion – wirken universell. "
Damit der deutsche Bildungs-Trichter breiter wird, lässt sich an jedem Hindernis noch viel tun. Vor einer Illusion sei jedoch gewarnt: Aus dem Trichter wird niemals ein Rohr. Bildungsungleichheit wird es immer geben, so wie Menschen immer ärmer und reicher sein werden. Als Schicksalskorrekturanstalten sind Kitas, Schulen und Universitäten nur bedingt tauglich. Dafür ist der Einfluss der Eltern einfach zu mächtig.
Damit ist nicht die genetische Mitgift gemeint, auch wenn kein Zweifel daran besteht, dass Intelligenz auch genetische Ursachen hat und damit ebenso der Zusammenhang zwischen Bildungserfolg und Schichtzugehörigkeit. Genauso wichtig ist der kulturelle und soziale Grundstock, den die Eltern ihrem Kind mitgeben und damit Lernfreude und Denkvermögen mehr prägen, als es je ein Lehrer oder eine Lehrerin vermag.
Wie Eltern mit ihren Kindern tausend- und abertausendfach Gesten, Blicke und Berührungen austauschen, ob sie mit ihnen singen, spielen und lesen, ob sie die Freizeit vor dem Fernseher oder im Museum verbringen – all das wirkt sich massiv auf deren spätere Lebenschancen aus. Forscher der Universität Bamberg haben herausgefunden, dass bereits Dreijährige sich stark voneinander unterscheiden. Jungen und Mädchen aus bessergestellten Familien kennen weit mehr Wörter als ihre Alterskameraden aus einfachen Verhältnissen. Sie verstehen komplexere Satzgefüge und haben ein ausgeprägteres Verständnis von Größen und Formen.
Arbeiterkinder seien doch nicht weniger intelligent als solche aus Akademikerfamilien, heißt es oft plakativ. Die Aussage ist politisch gut gemeint, aber insofern leider falsch. Was die geistige Entwicklung angeht, laufen die einen den anderen bereits am ersten Schultag oft weit hinterher, im Extremfall beträgt die Lücke zwei Lernjahre.
Die Weichen, die darüber entscheiden, wer einmal studiert und wer nicht, werden also weder nach dem Abitur gestellt noch im Gymnasium oder in der Grundschule, sondern viel früher. Genau auf diese Zeit vor der Schule müsste sich alle Förderung konzentrieren – bevor jeder Bildungstrichter seine Wirkung entfaltet.
Hans----------------------------------------------------------------
"Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.
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20.05.2019, 16:52
AW: Sozialismus, Kapitalismus und Kevin Kühnert
Interview mit Richard Plomin (Verhaltensgenetiker) "Mein IQ ist mir egal" ZEIT 23/2015
ZEIT: Wer bestimmt denn nun in erster Linie, ob ein Schüler später studieren kann oder nur einen einfachen Schulabschluss schafft?
Plomin: Die Erbanlagen. Die Unterschiede im Lernerfolg von Kindern sind zu einem großen Teil von Genen abhängig, das weiß die Wissenschaft seit Langem. Unsere jüngste Studie zeigt nun, dass neben der Intelligenz auch andere Persönlichkeitsmerkmale, die für ein erfolgreiches Lernen bedeutsam sind – also Zuverlässigkeit, Konzentrationsfähigkeit, geistige Stabilität oder Neugierde –, einem erheblichen genetischen Einfluss unterliegen.
ZEIT: Wie hoch ist der genetische Anteil beim Lernen in der Schule?
Plomin: Wir haben die Abschlussergebnisse von insgesamt 11.000 eineiigen und zweieiigen Zwillingen beim GCSE-Test (analog dem mittleren Schulabschluss in Deutschland, Anm. d. Red.) miteinander verglichen. Dabei kam heraus, dass knapp 60 Prozent des Schulerfolgs auf genetische Faktoren zurückzuführen sind. Den Rest machen die verschiedenen Umweltbedingungen aus – Eltern, Freunde, Lebensweise oder Krankheiten. Den größten Einfluss haben die Gene dabei auf die Intelligenz, also auf das abstrakte Denkvermögen und das Gedächtnis, die räumliche Vorstellungskraft sowie verbale Fähigkeiten.
Haben die Gene also nichts mit dem sozialen Status zu tun?
Plomin: Doch, das haben sie. Unter Menschen mit hohem sozioökonomischem Status sind hochintelligente Männer und Frauen deutlich überrepräsentiert. Nur bilden sie keine Ethnie, sondern sind Ausdruck einer durch Bildung bewirkten Schichtung der Gesellschaft. Wir untersuchen diesen Umstand jetzt mit einer neuen Methode, die uns sagt, wie ähnlich die Erbinformation zwischen zwei Menschen ist. Wenn wir unsere Ergebnisse in Beziehung zum sozioökonomischen Status der Familie, zum IQ ihrer Kinder und zu deren Bildungserfolg setzen, dann bestätigen die Ergebnisse unsere Forschungen mit Zwillingen. Es gibt da einfach eine genetische Komponente, die den sozialen Status mitbestimmt.
Hans----------------------------------------------------------------
"Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.
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20.05.2019, 16:58Inaktiver User
AW: Sozialismus, Kapitalismus und Kevin Kühnert
Kinderarmut in Deutschland (in Kurzform, Tagesschau).
Es geht hierbei nicht um soziale Mobilität, die durchaus vorhanden ist. Es geht um jene, die es schwer haben vorwärtszukommen oder keine Chance haben. Hat bei Kindern nichts aber auch gar nichts mit Selbstverantwortung zu tun. Hier geht es um gezieltes Fördern, und das reicht momentan nicht.
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20.05.2019, 16:59
AW: Sozialismus, Kapitalismus und Kevin Kühnert
Aus "Wir waren mal schlauer" von Nataly Bleuel ZEIT14/2019
Interview mit Frank Spinath, Prof. für Differentielle Psychologie:
ZEIT: Ist Intelligenz erblich?
Spinath: Zu einem bedeutenden Teil ja.
ZEIT: Bringen Akademikerinnen von Natur aus schlauere Kinder zur Welt?
Spinath: Ja, statistisch schon.
ZEIT: Haben Menschen mit wenig Geld im statistischen Mittel einen geringeren IQ?
Spinath: Ja, auch das.
Hans----------------------------------------------------------------
"Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.
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20.05.2019, 17:05Inaktiver User



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