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    AW: Sozialismus, Kapitalismus und Kevin Kühnert

    Zitat Zitat von Sprachlos Beitrag anzeigen
    Wenn man sich vor Augen führt, wie wenig ein Produkt heutzutage in der Herstellung kostet (z.B. ein Nike-Schuh => ca. 5 €) und wie viel es kostet, dieses Produkt mit "Lifestyle" aufzupimpen und für Verbraucher erstrebenswert zu machen, dann dürfte klar sein, wie viele sinnlose Ressourcen damit verpulvert werden, immer wieder Bedürfnisse zu wecken, die wir ansonsten gar nicht hätten, nur um noch weiter zu wachsen und mit der Konkurrenz Schritt zu halten.
    Das sind die unschönen und sinnlosen Auswüchse des Kapitalismus, die wir uns auf Dauer nicht leisten können.
    Wenn wir nur das produzieren würden, was wir auch wirklich brauchen, müssten wir nicht in Konkurrenz treten sondern könnten mit anderen kooperieren, könnten gegenseitig Know How austauschen und würden einfacher unsere wirklichen Bedürfnisse befriedigen können.
    Wer sollte denn entscheiden, was ich (als Individuum) wirklich brauche und was nicht? In der DDR war es Günter Mittag, und ich war mit seinen Entscheidungen, was ich brauche, mehr als unzufrieden.
    Letztlich läuft deine Idee auf eine Planwirtschaft und die Steuerung der menschlichen Bedürfnisse durch Politbürobeschluss hinaus - etwas, was ich nicht noch einmal erleben möchte.
    Wenn den Nike-Schuh niemand braucht, wird ihn auch niemand kaufen und er wird morgen auch nicht mehr produziert werden. Wer ihn kauft, braucht ihn (denn ansonsten würde er sein gutes Geld für Addidas ausgeben) aus dem einen oder anderen Grund.

    Menschliche Bedürfnisse sind zum großen Teil irrational. Sie befriedigen zu können bedeutet Freiheit. Sie zu reduzieren auf "vernünftige Bedürfnisse" ist bevormundend und erzeugte z.B. in der DDR einen Großteil der Unzufriedenheit.

    Hans
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    "Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.

  2. Inaktiver User

    AW: Sozialismus, Kapitalismus und Kevin Kühnert

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich sprach von Fehlentscheidungen. Vorsatz und Fahrlässigkeit sind die Ausnahme, nicht die Regel. Aber gut, haben wir die der Vollständigkeit halber auch noch erwähnt.
    Schließt sich gegenseitig nicht aus. Fehlentscheidungen entstehen ja nicht selten aus völlig falscher Situationseinschätzung des Managements. Das ist durchaus fahrlässig und sollte aus meiner Sicht auch zu einer Mithaftung führen.

    Andererseits werden daraus resultierende Verluste gerne "vergesellschaftet", wenn das Managementversagen zu groß ist. Da regt sich in der Wirtschaft niemand drüber auf.

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    AW: Sozialismus, Kapitalismus und Kevin Kühnert

    Ich habe das ZEIT Interview mit Kevin Kühnert mehrfach gelesen und finde es prinzipiell gut, über soziale Gerechtigkeit nachzudenken und dabei über den heutigen Status-Quo hinauszudenken. Allerdings überzeugen mich seine Ansätze überhaupt nicht. Kollektivierungen haben den Effekt, Entscheidungen zu erschweren, Verantwortung zu verwässern. Staatliche Konzerne waren in der Vergangenheit häufig ein Muster an Missmanagement. Warum privates Eigentum an Wohnungen an sich ein Problem ist, entzieht sich meiner Wahrnehmung (oder kennt er keine Bilder von DDR Innenstädten Ende der 80er Jahre, als man durch staatliche Wohnraumbewirtschaftung Ruinen ohne Waffen schaffte?).

    Das größte Problem habe ich mit seiner Diktion, das Kollektiv wäre die Lösung aller Probleme. Ich hasse Kollektive! Ich möchte nicht Teil einer Patenbrigade sein, möchte nicht mit 10 anderen Familien das Wohneigentum teilen, möchte nicht Mitbesitzer der Firma sein, für die ich arbeite.

    Den Fokus auf Eigentumsfragen als DER HAUPTFRAGE in einer Gesellschaft zu legen halte ich für eine sozialromantische Verfehlung. Schon die Bolschewiki glaubten, mit der Abschaffung von Privateigentum würden sich alle menschlichen Probleme lösen. Es lösten sich nur leider gar keine, es kamen nur eine Menge dazu.

    Hans
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    "Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.

  4. Inaktiver User

    AW: Sozialismus, Kapitalismus und Kevin Kühnert

    Zitat Zitat von HansDampf Beitrag anzeigen
    Menschliche Bedürfnisse sind zum großen Teil irrational. Sie befriedigen zu können bedeutet Freiheit. Sie zu reduzieren auf "vernünftige Bedürfnisse" ist bevormundend und erzeugte z.B. in der DDR einen Großteil der Unzufriedenheit.

    Hans
    Ist so.
    Obwohl ich als im Osten studierter Werbefuzzi, theoretisch da schon noch einen Unterschied zwischen Bedürfnis und Bedarf mache (der wahrscheinlich irrelevant ist), aber im Großen und Ganzen hat Hans Dampf recht.

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    AW: Sozialismus, Kapitalismus und Kevin Kühnert

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Schließt sich gegenseitig nicht aus. Fehlentscheidungen entstehen ja nicht selten aus völlig falscher Situationseinschätzung des Managements. Das ist durchaus fahrlässig und sollte aus meiner Sicht auch zu einer Mithaftung führen.
    Korrekt.
    Eine solche Mithaftung bringt aber faktisch nicht viel, vor allem dann, wenn die Fahrlässigkeit zur Folge hat, dass x-Milliarden Euro in den Sand gesetzt worden sind - Beispiel Thyssen Krupp:

    In Medienberichten wird der Verlust für Thyssenkrupp aus dem Engagement in den USA und in Brasilien auf acht Milliarden Euro beziffert, dies sei eine „der größten Fehlinvestionen der deutschen Industriegeschichte“

    Diese 8 Milliarden haben eine Handvoll Leute zu verantworten - was soll man da mit Mithaftung kommen?
    Aber man kann sich ja trösten mit der alten Weisheit:
    Das Geld ist ja nicht weg, jetzt haben es ja nur andere Leute ...
    Es gibt so viele schöne Momente im Leben; ich sollte mich entspannen,
    dann durchfluten sie mich wie Regen ...
    American Beauty
    Nothing in life is as important as you think it is, while you are thinking about it.
    Daniel Kahneman

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    AW: Sozialismus, Kapitalismus und Kevin Kühnert

    Hallo HansDampf, schön mal wieder etwas von dir zu lesen.

    Zitat Zitat von HansDampf Beitrag anzeigen
    Wenn den Nike-Schuh niemand braucht, wird ihn auch niemand kaufen und er wird morgen auch nicht mehr produziert werden. Wer ihn kauft, braucht ihn (denn ansonsten würde er sein gutes Geld für Addidas ausgeben) aus dem einen oder anderen Grund.
    Ich finde schon, dass es kein "brauchen" im eigentlichen Sinne ist, wenn das Produkt nur durch ein 19faches Werbebudget - gegenüber dem Herstellungspreis - verkauft werden kann. Tatsächlich fände ich da weniger Konkurrenz sinnvoll bzw. eben, dass es kostenlose Anleitungen im Netz gibt, mit denen ich einen Schuh meiner Wahl individuell, kosten- und ressourcensparend im benachbarten 3-D-Druckshop ausdrucken kann.
    Kreativität kommt von der Freiheit zu scheitern. Und die Freiheit zu scheitern kommt vom Experiment. (Peter Gabriel)

  7. Inaktiver User

    AW: Sozialismus, Kapitalismus und Kevin Kühnert

    Zitat Zitat von Sprachlos Beitrag anzeigen
    Tatsächlich fände ich da weniger Konkurrenz sinnvoll bzw. eben, dass es kostenlose Anleitungen im Netz gibt, mit denen ich einen Schuh meiner Wahl individuell, kosten- und ressourcnsparend im benachbarten 3-D-Druckshop ausdrucken kann.
    Macht Adidas schon. Der Trend geht zu personalisierten Produkten. Nur noch nicht im benachbarten 3D-Druckshop.

    Zeigt eigentlich den Weg, dass Individualisierung jedes Kollektivgefühl schlägt. Was aber nicht heißt, dass der Wirtschaftsrahmen kollektiver gedacht werden kann.

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    AW: Sozialismus, Kapitalismus und Kevin Kühnert

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Macht Adidas schon. Der Trend geht zu personalisierten Produkten. Nur noch nicht im benachbarten 3D-Druckshop.

    Zeigt eigentlich den Weg, dass Individualisierung jedes Kollektivgefühl schlägt. Was aber nicht heißt, dass der Wirtschaftsrahmen kollektiver gedacht werden kann.
    Das mit dem benachbarten 3-D-Druckshop wird aber kommen und so einiges durcheinanderbringen.

    Ich denke einfach, dass die fortschreitende technische Entwicklung Dinge möglich macht, die die Strukturen, auch der Wirtschaft, so stark verändern werden, dass es auch gesellschaftliche Entwicklungen nach sich ziehen wird.

    „Eine Gesellschaftsformation geht nie unter, bevor alle Produktivkräfte entwickelt sind, für die sie weit genug ist, und neue höhere Produktionsverhältnisse treten nie an die Stelle, bevor die materiellen Existenzbedingungen derselben im Schoß der alten Gesellschaft selbst ausgebrütet worden sind. Daher stellt sich die Menschheit immer nur Aufgaben, die sie lösen kann, denn genauer betrachtet wird sich stets finden, daß die Aufgabe selbst nur entspringt, wo die materiellen Bedingungen ihrer Lösung schon vorhanden oder wenigstens im Prozeß ihres Werdens begriffen sind.“

    – Karl Marx: Zur Kritik der Politischen Ökonomie. MEW 13:9
    Geändert von Sprachlos (13.05.2019 um 13:32 Uhr)
    Kreativität kommt von der Freiheit zu scheitern. Und die Freiheit zu scheitern kommt vom Experiment. (Peter Gabriel)

  9. Inaktiver User

    AW: Sozialismus, Kapitalismus und Kevin Kühnert

    Zitat Zitat von Sprachlos Beitrag anzeigen
    Ich denke einfach, dass die fortschreitende technische Entwicklung Dinge möglich macht, die die Strukturen, auch der Wirtschaft, so stark verändern werden, dass es auch gesellschaftliche Entwicklungen nach sich ziehen wird. [COLOR=#000080]
    Denke ich auch, fragt sich aber welche. Der Turbo-Kapitalismus ist noch nicht ausgestanden und hat ja zu beträchtlichen gesellschaftlichen Änderungen geführt, die heute noch entweder gelten oder nachwirken: z. B. der ganze Rechtspopulismus.

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    AW: Sozialismus, Kapitalismus und Kevin Kühnert

    Zitat Zitat von VanDyck Beitrag anzeigen
    Korrekt.
    Eine solche Mithaftung bringt aber faktisch nicht viel, vor allem dann, wenn die Fahrlässigkeit zur Folge hat, dass x-Milliarden Euro in den Sand gesetzt worden sind - Beispiel Thyssen Krupp:

    In Medienberichten wird der Verlust für Thyssenkrupp aus dem Engagement in den USA und in Brasilien auf acht Milliarden Euro beziffert, dies sei eine „der größten Fehlinvestionen der deutschen Industriegeschichte“

    Diese 8 Milliarden haben eine Handvoll Leute zu verantworten - was soll man da mit Mithaftung kommen?
    Aber man kann sich ja trösten mit der alten Weisheit:
    Das Geld ist ja nicht weg, jetzt haben es ja nur andere Leute ...
    Ich beziehe mich nicht im Speziellen auf Thyssen-Krupp, aber man muss als Unternehmer immer wieder Sachen probieren, von denen sich manche oder viele als Fehlschläge herausstellen. Ob etwas funktioniert, weiß man nur, wenn man es in einer Marktwirtschaft ausprobiert. Deshalb sind Fehlschläge nicht per se schlecht, viele davon waren es wert, einmal ausprobiert zu werden.

    Wichtig: Wer den Erfolg davonträgt, muss auch das Risiko tragen. Das sind bei Thyssen-Krupp die Aktionäre, die jetzt 8 Milliarden weniger Gewinn/mehr Verlust haben.

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