Wer sollte denn entscheiden, was ich (als Individuum) wirklich brauche und was nicht? In der DDR war es Günter Mittag, und ich war mit seinen Entscheidungen, was ich brauche, mehr als unzufrieden.
Letztlich läuft deine Idee auf eine Planwirtschaft und die Steuerung der menschlichen Bedürfnisse durch Politbürobeschluss hinaus - etwas, was ich nicht noch einmal erleben möchte.
Wenn den Nike-Schuh niemand braucht, wird ihn auch niemand kaufen und er wird morgen auch nicht mehr produziert werden. Wer ihn kauft, braucht ihn (denn ansonsten würde er sein gutes Geld für Addidas ausgeben) aus dem einen oder anderen Grund.
Menschliche Bedürfnisse sind zum großen Teil irrational. Sie befriedigen zu können bedeutet Freiheit. Sie zu reduzieren auf "vernünftige Bedürfnisse" ist bevormundend und erzeugte z.B. in der DDR einen Großteil der Unzufriedenheit.
Hans
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13.05.2019, 12:14
AW: Sozialismus, Kapitalismus und Kevin Kühnert
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"Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.
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13.05.2019, 12:25Inaktiver User
AW: Sozialismus, Kapitalismus und Kevin Kühnert
Schließt sich gegenseitig nicht aus. Fehlentscheidungen entstehen ja nicht selten aus völlig falscher Situationseinschätzung des Managements. Das ist durchaus fahrlässig und sollte aus meiner Sicht auch zu einer Mithaftung führen.
Andererseits werden daraus resultierende Verluste gerne "vergesellschaftet", wenn das Managementversagen zu groß ist. Da regt sich in der Wirtschaft niemand drüber auf.
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13.05.2019, 12:45
AW: Sozialismus, Kapitalismus und Kevin Kühnert
Ich habe das ZEIT Interview mit Kevin Kühnert mehrfach gelesen und finde es prinzipiell gut, über soziale Gerechtigkeit nachzudenken und dabei über den heutigen Status-Quo hinauszudenken. Allerdings überzeugen mich seine Ansätze überhaupt nicht. Kollektivierungen haben den Effekt, Entscheidungen zu erschweren, Verantwortung zu verwässern. Staatliche Konzerne waren in der Vergangenheit häufig ein Muster an Missmanagement. Warum privates Eigentum an Wohnungen an sich ein Problem ist, entzieht sich meiner Wahrnehmung (oder kennt er keine Bilder von DDR Innenstädten Ende der 80er Jahre, als man durch staatliche Wohnraumbewirtschaftung Ruinen ohne Waffen schaffte?).
Das größte Problem habe ich mit seiner Diktion, das Kollektiv wäre die Lösung aller Probleme. Ich hasse Kollektive! Ich möchte nicht Teil einer Patenbrigade sein, möchte nicht mit 10 anderen Familien das Wohneigentum teilen, möchte nicht Mitbesitzer der Firma sein, für die ich arbeite.
Den Fokus auf Eigentumsfragen als DER HAUPTFRAGE in einer Gesellschaft zu legen halte ich für eine sozialromantische Verfehlung. Schon die Bolschewiki glaubten, mit der Abschaffung von Privateigentum würden sich alle menschlichen Probleme lösen. Es lösten sich nur leider gar keine, es kamen nur eine Menge dazu.
Hans----------------------------------------------------------------
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13.05.2019, 12:47Inaktiver User
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13.05.2019, 12:47
AW: Sozialismus, Kapitalismus und Kevin Kühnert
Korrekt.
Eine solche Mithaftung bringt aber faktisch nicht viel, vor allem dann, wenn die Fahrlässigkeit zur Folge hat, dass x-Milliarden Euro in den Sand gesetzt worden sind - Beispiel Thyssen Krupp:
In Medienberichten wird der Verlust für Thyssenkrupp aus dem Engagement in den USA und in Brasilien auf acht Milliarden Euro beziffert, dies sei eine „der größten Fehlinvestionen der deutschen Industriegeschichte“
Diese 8 Milliarden haben eine Handvoll Leute zu verantworten - was soll man da mit Mithaftung kommen?
Aber man kann sich ja trösten mit der alten Weisheit:
Das Geld ist ja nicht weg, jetzt haben es ja nur andere Leute ...
Es gibt so viele schöne Momente im Leben; ich sollte mich entspannen,
dann durchfluten sie mich wie Regen ...
American Beauty
Nothing in life is as important as you think it is, while you are thinking about it.
Daniel Kahneman
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13.05.2019, 13:01
AW: Sozialismus, Kapitalismus und Kevin Kühnert
Hallo HansDampf, schön mal wieder etwas von dir zu lesen.

Ich finde schon, dass es kein "brauchen" im eigentlichen Sinne ist, wenn das Produkt nur durch ein 19faches Werbebudget - gegenüber dem Herstellungspreis - verkauft werden kann. Tatsächlich fände ich da weniger Konkurrenz sinnvoll bzw. eben, dass es kostenlose Anleitungen im Netz gibt, mit denen ich einen Schuh meiner Wahl individuell, kosten- und ressourcensparend im benachbarten 3-D-Druckshop ausdrucken kann.
Kreativität kommt von der Freiheit zu scheitern. Und die Freiheit zu scheitern kommt vom Experiment. (Peter Gabriel)
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13.05.2019, 13:06Inaktiver User
AW: Sozialismus, Kapitalismus und Kevin Kühnert
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13.05.2019, 13:24
AW: Sozialismus, Kapitalismus und Kevin Kühnert
Das mit dem benachbarten 3-D-Druckshop wird aber kommen und so einiges durcheinanderbringen.
Ich denke einfach, dass die fortschreitende technische Entwicklung Dinge möglich macht, die die Strukturen, auch der Wirtschaft, so stark verändern werden, dass es auch gesellschaftliche Entwicklungen nach sich ziehen wird.
„Eine Gesellschaftsformation geht nie unter, bevor alle Produktivkräfte entwickelt sind, für die sie weit genug ist, und neue höhere Produktionsverhältnisse treten nie an die Stelle, bevor die materiellen Existenzbedingungen derselben im Schoß der alten Gesellschaft selbst ausgebrütet worden sind. Daher stellt sich die Menschheit immer nur Aufgaben, die sie lösen kann, denn genauer betrachtet wird sich stets finden, daß die Aufgabe selbst nur entspringt, wo die materiellen Bedingungen ihrer Lösung schon vorhanden oder wenigstens im Prozeß ihres Werdens begriffen sind.“
– Karl Marx: Zur Kritik der Politischen Ökonomie. MEW 13:9Geändert von Sprachlos (13.05.2019 um 13:32 Uhr)
Kreativität kommt von der Freiheit zu scheitern. Und die Freiheit zu scheitern kommt vom Experiment. (Peter Gabriel)
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13.05.2019, 13:44Inaktiver User
AW: Sozialismus, Kapitalismus und Kevin Kühnert
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13.05.2019, 14:08
AW: Sozialismus, Kapitalismus und Kevin Kühnert
Ich beziehe mich nicht im Speziellen auf Thyssen-Krupp, aber man muss als Unternehmer immer wieder Sachen probieren, von denen sich manche oder viele als Fehlschläge herausstellen. Ob etwas funktioniert, weiß man nur, wenn man es in einer Marktwirtschaft ausprobiert. Deshalb sind Fehlschläge nicht per se schlecht, viele davon waren es wert, einmal ausprobiert zu werden.
Wichtig: Wer den Erfolg davonträgt, muss auch das Risiko tragen. Das sind bei Thyssen-Krupp die Aktionäre, die jetzt 8 Milliarden weniger Gewinn/mehr Verlust haben.



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