Das hängt in gewisser Weise eben doch zusammen:
Kevin Kühnerts Aussagen zur Kollektivierung von Großunternehmen können sich auf Artikel 14 und 15 des Grundgesetzes berufen.
Diese beiden Artikel wiederum sind von den Müttern und Vätern des Grundgesetzes formuliert worden vor dem Hintergrund bzw. der Einsicht, dass die Machtübertragung an die Nazis nicht möglich gewesen wäre, wenn nicht bedeutende Teile der deutschen Industrie ihre Macht missbraucht hätten, um die Errichtung der Diktatur zu befördern.
Insofern schließt sich hier gewissermaßen der Kreis zwischen Kühnerts Aussagen und einer Debatte bzgl. der Machtübertragung an die Nazis.
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23.05.2019, 18:42
AW: Sozialismus, Kapitalismus und Kevin Kühnert
Es gibt so viele schöne Momente im Leben; ich sollte mich entspannen,
dann durchfluten sie mich wie Regen ...
American Beauty
Nothing in life is as important as you think it is, while you are thinking about it.
Daniel Kahneman
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23.05.2019, 19:48Inaktiver User
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23.05.2019, 20:02
AW: Sozialismus, Kapitalismus und Kevin Kühnert
gem. den Forschungen von einem der anerkanntesten Wahlforschern in Deutschland, nämlich Professor Jürgen W. Falter spielten die Frauen bis 1933 praktisch keine Rolle, wenn man den 'Erfolg' der Nazis erklären will.
Untersuchung der Mitgliederstruktur - Uberraschende Erkenntnisse uber die NSDAP (Archiv)
Auszug:
„Nur etwa zwischen fünf und sieben Prozent der in die NSDAP-Eintretenden zwischen 1925 und 1932 waren Frauen. 1933 fällt das noch einmal, wird noch einmal weniger, um dann allmählich anzusteigen. Und im Krieg steigt der Frauenanteil unter den Neueintretenden auf 30 Prozent. Warum? – Die Männer waren im Feld, Frauen haben andere Rollen im Krieg übernehmen müssen, sind sehr viel selbstständiger geworden und sind dann auch stärker in die Partei gegangen.“
Ja, ich weiß: es geht um die Mitglieder der nsdap - gleichwohl gibt das aus meiner Sicht sehr wohl einen Hinweis darauf, dass Frauen bei den Wahlen vor 1933 keine entscheidende Rolle gespielt haben können bzgl. der Wählerzustimmung zu den Nazis.
Hier - in einem Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung - findet sich folgende Aussage, die durchaus kompatibel ist mit den Forschungsergebnissen von Jürgen Falter:
Auch gesichert ist die Tatsache, dass Frauen die NSDAP erst spät, das heißt ab 1931 stärker unterstützten, während die Partei vorher vor allem von Männern gewählt wurde. Frauen haben Hitler also nicht an die Macht gebracht, wie in früheren Jahren noch verschiedentlich kolportiert wurde.Geändert von VanDyck (23.05.2019 um 20:12 Uhr)
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24.05.2019, 12:34Inaktiver User
AW: Sozialismus, Kapitalismus und Kevin Kühnert
Hm... ist es nicht die Demokratie die für die Stabilität und einen gewissen Ausgleich sorgt?
Ich würde dann eher sagen dass Demokratie ohne Kapitalismus lasch und kraftlos wirkt - aus heutiger Sicht.
Weil wir uns keinen anderen Treiber für Innovation vorstellen können, ich denke aber so etwas wie Kreativität und ein Wunsch nach Entwicklung besteht auch ohne Kapitalismus.
Allerdings wird das eher kritisch beäugt, das sind dann oft als "Gutmenschen" benannte, Träumer und Fantasten. Visionäre, die besser zum Arzt gehen sollten....
Ich eben nicht. Demokratie schafft einen Rahmen, was in dem Rahmen steckt hat damit eher weniger zu tun solange es dem Rahmen nicht (allzusehr) zuwider läuft.Auch für mich ist die Demokratie das wesentliche, aber ich sehe gerade in einigen Kernelementen der Demokratie (z.B. Schutz des Eigentums, Rechtsstaatlichkeit, Freiheit der wirtschaftlichen Tätigkeit, Vertragsfreiheit) eine Affinität zum kapitalistischen Wirtschaften.
Das Problem scheint mir dass in der letzten Zeit vergessen wurde dieses Versprechen nach Möglichkeit einzulösen.Ich kann mir Demokratie ohne Marktwirtschaft nicht als stabil vorstellen, ich denke, er kippt schnell in eine mehr oder minder kapitalistische Form, da die Menschen in der Dermokratie diese Art des Wirtschaften wollen (weil es ihnen Wohlstand verspricht).
Wir haben einige gute Jahre gehabt zuletzt was das wirtschaften anbelangt, der Abstand zwischen den sehr wenigen sehr Reichen und der unteren Hälfte ist dabei größer geworden.
Das kann und darf man auch ungerecht und veränderungswürdig finden wenn man dabei trotzdem noch ganz gut lebt.
Die meisten Menschen haben einen feinen Sinn für Gerechtigkeit und fühlen sich betrogen wenn Versprechen nicht eingelöst werden.
Für eine Revolution geht es uns wirklich zu gut, was Wohlstand anbelangt.
Für anwachsende Frustration und Unwillen reicht es allemal.
Ich mache mir dann eher Sorgen dass immer mehr Menschen ihren Unmut der Demokratie anlasten: da liegt dann der gefühlte Verursacher dass es beim eigenen Wohlstand nicht so nach vorne geht und Unsicherheit zunimmt.
Das sehe ich teilweise auch so als Entwicklung wobei eben die Konflikte dazu führten dass sich die Demokratie erweiterte, nicht der Kapitalismus.Moderne Demokratie hat sich parallel mit dem Kapitalismus entwickelt, seit dem 17. Jh. in England. Es waren demokratische Prinzipien, die dem Kapitalismus zum Aufschwung verholfen haben. Und es war der kapitalistische Wohlstand, der aus einer Oberschicht-Demokratie eine Massendemokratie gemacht hat. Kein konfliktloser Prozess, beileibe nicht.
Diese Sicht ist aber vieleicht nur meiner mangelnden Fantasie geschuldet.
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24.05.2019, 12:49Inaktiver User
AW: Sozialismus, Kapitalismus und Kevin Kühnert
Beides steht aber immer im Verhältnis zur Gruppe: der eine will ein Teil der Gruppe sein und in der Gruppe für sich selbst profitieren (was er logisch auch im selben Maße den anderen Teilnehmern der Gruppe zubilligt).
Der andere will sich von der Gruppe abheben, sie gar dominieren und ist dadurch zu besonderen Leistungen bereit die wiederum der Gruppe nutzen können.
Es sei denn, es findet eine Entkopplung statt und dazu bietet der Kapitalismus ein verführerisches Modell - der Gewinn, der Wohlstand des einzelnen steigt um so stärker je weniger er auf die anderen Rücksicht nimmt.
Ein paar Soziopathen können durchaus die Welt verändern. Effektvoller als eine Masse netter Menschen.
Solange beides aber ausgewogen ist und Reziprozität besteht und bejaht wird, dann kann beides positiv wirken.
Wenn man sich bedeutende Personen in der Geschichte ansieht dann gab es früher viel häufiger den Typus des herausragenden Menschen in Wirtschaft (Unternehmertum), Politik, Kunst und Kultur die sich auch selbst als Entwickler im Sinne einer gesamtgesellschaftlichen Wirkung betrachteten. Dabei sicherlich nicht unabhängig von der Entwicklung des eigenen Wohlstands, aber das war irgendwie mehr "in Ordnung".
Für mich ist für die Moderne Henry Ford einer der frühen Prototypen eines genialen Innovators der sich entkoppelt hat von der sozialen Gruppe.
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24.05.2019, 14:26
AW: Sozialismus, Kapitalismus und Kevin Kühnert
Nein Ma'am, es ist nicht das Kleid, das sie fett aussehen läßt; es ist das Fett, das sie fett aussehen läßt. (Al Bundy)
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24.05.2019, 16:27Inaktiver User
AW: Sozialismus, Kapitalismus und Kevin Kühnert
Das ist aus dem Zusammenhang gerissen und trotzdem leicht zu widerlegen.
Die Globalisierung erleichtert es sehr gut genau nach dem beschriebenen verführerischen Modell (der Einzelne ist im Kapitalismus "erfolgreicher" wenn er sich nicht um das Wohl der anderen schert) zu agieren denn diejenigen, die die Produkte herstellen sind oft nicht deckungsgleich mit der Kundschaft.
So kann es auch heute immer noch geschehen dass Arbeiter sich die Produkte nicht leisten können die sie herstellen, z.B. Kleidung aus Bangladesh oder "deutsche" Autos aus Polen.
Außerdem gibt es genug "sinnlose" Produkte welche durch Marketing gepusht werden, die Nachfrage ist für mich lediglich ein Gradmesser für die Nachfrage, mir geht es aber auch um das was Menschen gut tut und was sie wirklich brauchen aber teilweise gar nicht bekommen können.
Wer will z.B. wirklich Lebensmittel die dick und krank werden lassen weil voll von Zusatzstoffen, zugesetztem Zucker und Fett?
Nachfrage ist etwas was man wunderbar manipulieren kann und es wird auch gemacht.
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24.05.2019, 18:06
AW: Sozialismus, Kapitalismus und Kevin Kühnert
wäre ja schön :-/
es scheinen es z.B. alle Telekom-Anbieter es wunderbar auf die Reihe zu kriegen, super komplizierte Systeme zu haben, wo man sich ewig durchwählen muss. Service? echte Menschen am Telefon? vergiss es.
wechseln geht nicht, alle machen es so :-(
sind halt fast Monopolisten. ist nicht wie bem Bäcker, wo ich in 500 m Entfernung zwei weitere finde, wenn mir einer nicht passt
gruss, barbara
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24.05.2019, 18:16
AW: Sozialismus, Kapitalismus und Kevin Kühnert
@print, finde vieles richtig gut was du schreibst :-)
@Innovation:
Menschen sind von Natur aus neugierig und kreativ. es reicht, wenn man sie nicht dran hindert, es zu sein.
Kapitalismus braucht es dazu nicht unbedingt.
gruss, barbara
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24.05.2019, 18:39Inaktiver User



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