natürlich nicht.Es gibt keine perfekten Menschen.
innerhalb ihres wertesystems ist sie ja durch die schwangerschaft schon schuldig geworden.
unrealistisch erscheint mir dann aber, dass die andere grafenfamilie, vor allem der nazi- graf, sie trotzdem akzeptiert.
lieben zwischen zwangsarbeitern und einheimischen gabs aber . ich habe erst neulich von einer geschichte gehört, wo eine frau dreißig jahre später ihre große liebe und den vate ihres kindes, einen zwangsarbeiter, wiedergefunden hat. sie blieb dann bis zu ihrem tod in seinem land ( das ist übrigens eine reallife geschichte von bekannten).
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Ergebnis 11 bis 15 von 15
Thema: Die flucht
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06.03.2007, 11:34Inaktiver User
AW: Die flucht
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06.03.2007, 11:46Inaktiver User
AW: Die flucht
Mag sein, dass es Liebe zwischen Deutschen und Kriegsgefangenen gab. Aber waren das dann traditionsbewusste Adelige?
Es gab bestimmt disziplinierte, pflichtbewusste Landadelige, die ohne Willkür ihre Aufgaben erledigten. Aber waren das dann Frauen, die die arrangierte Hochzeit ablehnten, mit dem Vater brachen und mit einem unehelichen Kind fern der Heimat lebten?
Das, was die Filmfigur umfasst, gab es und gibt es, irgendwo und irgendwie. Aber nicht alles in ein und derselben Persönlichkeit vereinigt, es sei denn diejenige ist schizophren.
Die übrigen Figuren im Film sind glaubwürdig, auch in ihren Widersprüchen. Nur die Hauptfigur ist unrealistisch, weil sie heutiges Denken mit damaligem krampfhaft verbindet, damit wir uns mit ihr besser identifizieren können.
Da es sich bei dieser Person ausgerechnet um eine handelt, die in fast jeder Filmeinstellung vorkommt und den roten Faden des Films bestimmt, beinflusst sie die Haltung des heutigen Zuschauers gegenüber diesen Frauen und vermittelt ein stark idealisiertes Bild, das mit der Wirklichkeit nur begrenzt zu tun hat.
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07.03.2007, 08:16Inaktiver User
AW: Die flucht
Schon das Leben der bei den pflichtbewussten preussischen Landadligen arbeitenden meist in ärmlichsten Katen hausenden Landarbeiter war ja dann in der Regel ... "untermenschlisch" um es mal hart auszudrücken.
Der pflichtbewusste preussische Landadel: Das ist bis ins 20. Jh. hinein ein Mythos, der unter sich gnadenlose Ausbeutung verbarg.
LG herbstblatt2
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07.03.2007, 08:28Inaktiver User
AW: Die flucht
das stimmt sicher herbstblatt.
ich habe ja mit dieser gegend und mentalität persönlich gar nichts auf dem hut, pflichte dir aber bei, dass aristokratie immer ausbeuterisch war.
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07.03.2007, 09:29Inaktiver User
AW: Die flucht
Das ist einer der Punkte, die mich an diesem Film stören: dass gar nicht thematisiert wird, wie sich die preussischen Landadeligen ihren Landarbeitern gegenüber tatsächlich verhalten haben.
Zitat von Inaktiver User
Ein weiterer Punkt ist die Behandlung der Kriegsgefangenen. Das ist in dem Film angedeutet, als Francois sagt, die Kriegsgefangenen brauchen mehr Essen und ihnen das verweigert wird, weil die Rationen korrekt seien. Was war in der Nazizeit eine korrekte Kriegsgefangenen-Ration ?!
Die filmischen Darsteller sämtlicher Kriegsgefangener wurden so ausgewählt, dass sie rundlich bis pausbackig aussehen. Dadurch kann man als Zuschauer den Hunger der Kriegsgefangenen eigentlich kaum ernst nehmen, obwohl er erwähnt wird und obwohl man von dieser historischen Tatsache eigentlich weiss.
Überhaupt sind in dem Film kritische Punkte nicht in ihrer vollen Tragweite gezeigt: wenn die Hauptfigur nach der Ankunft am Bahnhof Francois die Zügel des Pferdewagens aus der Hand nimmt, ist das eine allzu harmlose Geste, die zeigt und doch zugleich beschönigt, was für eine herrische Person die Gräfin ist.
Oder als sie ihre Tochter dafür tadelt, dass sie zu oft bei den Kriegsgefangenen sei. Sie tut das mit allzu sanfter Stimme, so dass wir kaum wahrnehmen, was das bedeutet: dass man es nicht gern sah, wenn es private Kontakte zwischen Kriegsgefangenen und Deutschen gab.
Man muss sich vor Augen führen, was dieser Film bewirken will:
Einerseits will er zwar authentische historische Einblicke gewähren, zugleich aber diese Frauen als sympathische, weitgehend schuldlose Heldinnen darstellen, die man rundum bewundern muss. Das ist Geschichtsklitterung - wobei daran nicht der Text des Drehbuchs schuld ist, sondern die unehrliche Ausführung der Szenen.Geändert von Inaktiver User (07.03.2007 um 09:49 Uhr)


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