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Thema: Bildungsgerechtigkeit
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08.12.2018, 15:39
AW: Bildungsgerechtigkeit
Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der "Ent-täuschung"
Erich Fromm
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08.12.2018, 18:03Inaktiver User
AW: Bildungsgerechtigkeit
Ein Kind muss Förderung erfahren, das es auch mit "schlechteren" Leistungen nicht hinten über fällt bzw. angenommen wird. Dazu müssen gerade in der Grundschule Lehrer bzw. in den meisten Lehrerinnen geschult werden, Lese-/Rechtschreibeschwächen oder Dyskalkulie zu erkennen und recht schnell spezielle Förderungen in die Wege zu leiten. Der Grundgedanke müsste eigentlich sein, dass man jedes Kind mitnimmt. Dafür braucht es Geld, das zum Teil bei uns in unötig vielen Administrationsebenen versickert.
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08.12.2018, 18:30
AW: Bildungsgerechtigkeit
Niemand interessiert sich für alles in gleichem Maß. Da können sich Eltern und Lehrer die Beine ausreißen. Es ist nicht möglich, Kinder voll und ganz für ein Gebiet zu begeistern, was sie selbst eher langweilig /uninteressant finden.
Der Anspruch, Kinder von klein auf für eine Sache "begeistern zu wollen" führt dazu, dass wir heute deutlich mehr junge Leute, Teenager wie junge Erwachsene haben, die entweder etliche Ausbildungen (Berufsausbildung oder Studium) abbrechen oder an jedem Job, jeder Tätigkeit irgendwas auszusetzen haben, weil sie dauerhaft latent unzufrieden sind.
Es gibt schlichtweg keinen Beruf, der immer begeistert, immer erfullend und rasend interessant ist.
Manchmal sind halt notwendige, nervige und grottenlangweilige Tätigkeiten dabei.
Praktisches Beispiel aus der Kleinkindzeit : Die dreijährige soll aufräumen und schreit empört : "Ich habe keinen Bock!". Antwort : Na, dann räumst du halt ohne Bock auf.... Und wenn Kind merkt, es nützt alles Theater nichts, räumt es irgendwann auf.
Behält man das bei, setzt irgendwann ein "Es nützt nichts, also je eher dabei, desto eher davon" Effekt ein.
Das ist dann, so meine Erfahrung, im Teenageralter vergleichbar. Wenn ich es in ungeliebten Fächern in einen einigermaßen vernünftigen Notenbereich schaffe, muss ich mich damit nicht so übermäßig beschäftigen. Bin ich darin grottenschlecht, dann droht Nachhilfe - noch mehr Beschäftigung mit dem ungeliebten Schulfach.
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08.12.2018, 19:10Inaktiver User
AW: Bildungsgerechtigkeit
Danke Sasapi!
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08.12.2018, 19:24Inaktiver User
AW: Bildungsgerechtigkeit
Meiner Erfahrung nach wollen Kinder Strukturen, an die sie sich halten können. Wo sind die Grenzen, was darf ich innerhalb der Grenzen, wie teste ich sie aus. Disziplin ist nur ein Teil innerhalb der Strukturen, denn wann ist Disziplin sinnvoll, wann lohnt sie sich und ab wann ist sie kontraproduktiv. Selbstdisziplin - denke ich - ist zu einem nicht unerheblichen Teil angeborene Persönlichkeit. Dafür braucht ein Kind Motivation aus sich selbst heraus. Lässt sich nur begrenzt erlernen.
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08.12.2018, 19:38
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08.12.2018, 20:38Inaktiver User
AW: Bildungsgerechtigkeit
In Schweden hat man in den 80-ziger Jahren das Schulsystem umgestellt. Zunächst wurde eine Studie erstellt, die besagte, dass 98,9 % aller schwedischen Kinder einen ausreichenden IQ hätten, um den Anforderungen zu genügen, die von der Gesellschaft an sie gestellt werden. Der Rest wird mitgenommen. Danach wurde in Schweden kein Kind mehr selektiert. Die Pädagogik hat sich ausschließlich auf Förderung konzentriert.
Kinder durften ihre Lehrer bewerten und nicht umgekehrt.
Ich hatte zwei meiner Kinder auf verschiedenen Schulen in Schweden. Beide gingen morgens fröhlich zur Schule und kamen fröhlich nach Hause. Kein Stress, keine Selektionsangst, jedes Kind wurde bis zum Abitur mitgenommen.
Es gab Elternabende, an denen unterhielten wir uns und die Lehrer über alles, aber nicht über unsere Kinder und die Schule.
Zwei Mal im Jahr wurde landesweit der Unterricht mit Tests evaluiert. Schlechte Ergebnisse wurden der Schulleitung vorgelegt und Ansätze erarbeitet, damit es besser wird. Die Kinder bekamen die Ergebnisse, nur wenn explizit danach gefragt wurde, aber ohne irgendwelche Konsequenzen.
Kinder werden in Schweden sehr respektvoll behandelt. Ich war schockiert, als ich erfahren musste, wie respektlos Schule in Deutschland immer noch mit Kindern umgeht, als unser jüngstes Kind hier in die Schule musste.
Das ist jetzt vier Jahre her, sie hat ihr Abitur. Und sie hat die Schnauze immer noch gestrichen voll von diesem "LERNEN"
Ich hadere immer noch damit, dass ich damals kein Darlehen aufgenommen habe, um ihr die Privatschule nebenan zu ermöglichen. Heute, im Nachhinein würde ich es sofort machen.
Ich kann nicht verstehen, dass Eltern in diesem Land nicht aufstehen und die Abschaffung dieser unseligen Selektion verlangen.
Ist es Lethargie, Unwissen, dass es soviel besser sein könnte? Sind unsere Kinder immer noch Menschen 2. und 3. Klasse?
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09.12.2018, 08:54
AW: Bildungsgerechtigkeit
Du liest anscheinend sehr selektiv.
Es gibt in Deutschland nicht nur das dreigliedrige Schulsystem, sondern diverse andere (staatliche) Schulen, in denen nicht nach Schulform differenziert wird, sondern nach Leistungsniveau. Sehr "unausgewogene" Schüler werden dann in ihren starken Fächern auf erhöhtem Niveau, in den schwachen Fächern auf grundlegenden Niveau unterrichtet. Über den Abschluss in Klasse 10 entscheiden dann die Kurskombination und die Ergebnisse der zentralen Abschlussprüfung.
Auch in Deutschland werden Schulen regelmäßig evaluiert - seit dem ersten PISA Schock Ende der 90er.
Und wir haben auch im dreigliedrigen Schulsystem eine gewisse Durchlässigkeit - wenn man sich bitte vor Augen hält, dass man die Möglichkeit hat, über berufsbildende Schulen bis zur Allgemeinen Hochschulreife zu gelangen.
Wobei man gar nicht das Abitur für alle braucht, sondern schlichtweg Abschlüsse mit "Substanz".
Wir brauchen kein anderes Schulsystem, sondern mehr zusätzliches pädagogisches Personal in den Haupt- und Realschulen. Viele Schüler knallen in der Pubertät derart durch, dass sie gar nicht aufnahmefähig sind (schon mal in einer 8ten Klasse hospitiert? Halleluja..) Zwei, drei Pubertätsmonster können dann eine komplette Schulstunde lahmlegen.
Es wäre viel gewonnen, wenn die Lehrer sich auf die Wissensvermittlung beschränken könnten und die sozialen Nebengeräusche von anderen, dafür ausgebildeten Personen behandelt werden können.
Vor Jahren ging ein mittleres Erdbeben durch die hiesige Schullandschaft. Der Sprecher der hiesigen Polizei erklärte in einem Interview mit der örtlichen Tageszeitung, nirgends gäbe es ein größeres Problem mit Alkohol, Prügelei und Drogen als an den Oberstufen im hiesigen Landkreis.
Alle waren entsetzt, nur die Schüler nahmen es gelassen. Sie wussten das längst.
Es gibt keine Schule oder Schulform, die vor solchen Problemen gefeit ist. Liegt in der Natur der Sache, nach meiner Erfahrung kommen nur die wenigsten Kinder völlig unauffällig durch die Pubertät. Man kann froh sein, wenn es einigermaßen glimpflich abgeht.
Unsere Töchter sind gut geraten, aber es gab Phasen, da hätten wir sie gerne im Wald ausgesetzt oder ins All katapultiert. Unser Mantra war manchmal "Es ist nur eine Phase - und wenigstens sind sie nicht Kriminell oder drogensuchtig".
Wichtig finde nur, wie eine Schule mit solchen Problemen umgeht....Geändert von Sasapi (09.12.2018 um 09:23 Uhr)
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09.12.2018, 10:06
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09.12.2018, 10:50
AW: Bildungsgerechtigkeit
Komisch, von solchen Geschichten lese ich nur, aber gehört und erlebt hab ich sie nie. Bei allen mir persönlich Bekannten haben allein die Noten in Klasse 4 entschieden, ob Hauptschule, Realschule oder Gymnasium. Vielleicht hängt es aber auch mit der (in meinem Bundesland bis vor Kurzem) verpflichtenden Grundschulempfehlung zusammen, wo Objektivität das Hauptkriterium ist, kann man schlecht was anderes raten.



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waren wir auf der selben schule? (so viele angebote für russisch gab's ja in niedersachsen nicht, zumindest früher)

