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  1. Inaktiver User

    AW: Bildungsgerechtigkeit

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Das kenne ich so am Gymnasium nicht. Natürlich gibt es mehr oder weniger talentierte Lehrer. Aber wenn ich etwas nicht verstanden habe, lag es eigentlich immer daran, dass ich nicht zugehört habe, Hausaufgaben für ein anderes Fach erledigt habe, o.ä.
    .. und ich hatte es manchmal schlichtweg nicht verstanden, obwohl ich bei der Sache war. Ich hab mir das dann immer von einem Mitschüler erklären lassen, bei dem ich immer den ach-so-einfach- ist-das Effekt hatte.
    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Nachhilfe haben bei mir im Jahrgang (>100 Schüler) vielleicht 3-4 bekommen. Das waren durchweg diejenigen, die ohne Empfehlung aufs Gym gingen oder die nur gerade so bekommen hatten und überehrgeizige Eltern hatten.
    Bin schon wieder verwirrt, Du unterrichtest auf einem Gymnasium? Ich dachte Fachhochschule.

    In der Klasse unserer Jüngsten war es eher umgekehrt. Das der Schule gegenüberliegende Nachhilfe Institut war ständig ausgebucht. Ich mußte da immer an das Bestattungsinstitut denken, das unserem örtlichen Altersheim gegenüberliegt.


    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Die Elternleistung kenne ich eher aus der Grundschule, später ist das Kind doch meist in der Lage, zuzuhören und ggf verpassten Stoff selbst nachzuarbeiten.
    Stimmt, wenn man den richtigen Freund/in in der Klasse hatte, ging das sogar ohne Eltern oder Nachhilfelehrer.
    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Und in der Grundschule handelt es sich tatsächlich um ein strukturelles Problem.
    Das verstehe ich nicht, kannst Du das näher erklären? Bekommen jetzt Kinder in der Grundschule schon Nachhilfeunterricht?

  2. Inaktiver User

    AW: Bildungsgerechtigkeit

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Das verstehe ich nicht, kannst Du das näher erklären? Bekommen jetzt Kinder in der Grundschule schon Nachhilfeunterricht?
    Nicht gerade wenige. Entweder als Förderstunden (auch über BuT) oder als Zusatztraining für die gymnasiale Empfehlung. Die Nachhilfeindustrie floriert recht gut.

  3. Inaktiver User

    AW: Bildungsgerechtigkeit

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Die schlimmsten pädagogischen Katastrophen unterrichteten fast ausschließlich Mathematik und Naturwissenschaften.
    Vielleicht fällt es Laien, was ja die meisten Eltern sind, bei diesen Fächern am deutlichsten auf. Luschen gibt es aber in jedem Fach, in jedem Beruf. Hab selbst Sportlehrer gesehen, die wohl während ihrer Ausbildung geschlafen haben.

    Allerdings sind es gar nicht so sehr die pädagogischen Fehler, die mich stören. Die Haltung, die Einstellung zum Kind in Deutschland beunruhigen mich viel mehr. Da hilft auch das beste System der Welt nichts.

  4. Inaktiver User

    AW: Bildungsgerechtigkeit

    Zitat Zitat von Paraplumeau Beitrag anzeigen
    Ich habe eine solche Schule nie erlebt, nicht bei mir, meiner Schwester und nicht bei meinen Kindern.
    ...
    Ich kenne buchstäblich nichts von den Horrorerfahrungen..
    Das heißt nicht viel.
    Auch "übereifrige Eltern" wollen beim ersten Vorfall nicht gleich das Schulsystem abschaffen.
    Beim nächsten Mal fragst Du andere Eltern, beim nächsten Mal sprichst du vielleicht mit dem Lehrer, dann liest Du in Lehrerforen, Elternforen, du liest Artikel in Zeitungen, befasst Dich mit wissenschaftlichen Studien usw.

    Das fordert viel Zeit und Aufwand. Ich kümmerte mich darum, als ich merkte, dass es ihr nicht gut ging, wenn sie aus der Schule kam, dass sie sich dort nicht wohl fühlte.

  5. Inaktiver User

    AW: Bildungsgerechtigkeit

    Habt Ihr eher ländlich gewohnt? Ich bin städtisch aufgewachsen, wenn es dem Kind da auf einer Schule nicht gut geht, erst recht nach der Grundschule, wird eben gewechselt, Auswahl war hier genug - und da wir einige Pendlerkinder aus dem Umland hatten, schließe ich, dass in vielen Gebieten auch Landkinder noch mindestens eine andere Schule mit eben ggf. längerer Strecke zur Auswahl hätten.



    Und ja, das Schulklima kann an unterschiedlichen Schulen der gleichen Schulform im gleichen Bundesland, sogar im gleichen Schülereinzugsgebiet, sehr unterschiedlich sein, es passt auch nicht jede Schule zu jeden Schüler und manches ist auch einfach Pech.

    Beispiel: Ich war in der Grundschule unglücklich - die Lehrkräfte waren gut, der Unterricht machte Spaß, aber ich passte nicht in die Klasse, vom Wesen und den Interessen her.
    Nach vier Jahren kam der Wechsel ans Gymnasium, und alles wurde besser, weil ich in die Klasse passte.
    Das hätte an einem anderen Gymnasium ganz anders laufen können, ich hatte eben beim zweiten Mal Glück.

    Da kann aber die Schulform nichts dafür.

  6. gesperrt

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    AW: Bildungsgerechtigkeit

    Zitat Zitat von xanidae Beitrag anzeigen
    Das führt zu irrigen Konstellationen, dass Kinder sich jahrelang durchwurschteln, Dinge falsch oder gar nicht lernen. Die meisten Eltern können das nicht überprüfen (z. B. Wird heute mit einer anderen Technik subtrahiert, als ich das lernte) und die Lehrer bemerken es auch nicht.
    Solange das Ergebnis richtig ist, ist die Methode doch egal, wie man dazu kommt, oder nicht?


    gruss, barbara

  7. Inaktiver User

    AW: Bildungsgerechtigkeit

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich bin ja dankbar für meine Grundschullehrerin - die wies nämlich laut meiner Mutter beim ersten Elternsprechtag darauf hin, dass bitte keine Hilfe bei den Hausaufgaben erfolgen solle, sie wolle nicht wissen, ob die Eltern den Stoff beherrschen, sondern ob die Kinder es tun.

    Ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass zu meiner Grundschulzeit (Mitte/Ende 90er) eine Mitarbeit der Eltern gefordert war. Eher im Gegenteil.
    Mir scheint der Unterricht zu damals aber deutlich anspruchsvoller geworden zu sein. Diese ständigen Lernzielkontrollen kenne ich von meiner Zeit nämlich auch nicht.
    Ich denke, die LehrerInnen stehen auch deutlich mehr unter Druck, die Kinder auf ein einheitliches Lernniveau zu bringen als das vor ein paar Jahrzehnten noch der Fall war.

    Aber gut ich hatte auch Glück - lauter damals schon alte (kurz vor Pensionierung) Grundschullehrer, die mit Klassen mit 50 Kindern, teils über mehrere Jahrgänge, angefangen hatten zu unterrichten und (das erzählten sie selbst so!) hoch erfreut darüber waren, dass die Klassen mit nur 25-30 Schülern nun so klein waren.
    Meine Klassenlehrerin war ebenfalls hochbetagt und eher unsensibel im Umgang mit ihren Schülern. Ich weiß noch, dass ich in der ersten Klasse bereits mehrmals vor die Tür musste, weil ich angeblich geschwätzt hatte.
    Dabei war ich ein eher schüchternes und zurückhaltendes Kind.


    Unter anderem aufgrund der Erinnerungen an diese Leher (es waren ja gleich mehrere) denke ich bei heutigen Lehrern, die sich über zu große Klassen beschweren (ok, die kannten halt nie 50er-Klassen) , dass die unnötig jammern.
    Ich bin schon froh darum, dass die Klassengrößen abgenommen haben. Die Qualität und individuelle Förderung profitieren doch erheblich davon.
    Geändert von Inaktiver User (04.01.2019 um 21:01 Uhr)

  8. Inaktiver User

    AW: Bildungsgerechtigkeit

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Die mag es geben. Von meinen Kindern hat nur eins in der Schule aufgepasst und dann gelernt, wenn es notwendig war, und damit ein ziemlich gutes Abi gemacht. Dass sie aber besonderes Interesse an den Inhalten hatte, konnte ich jetzt nicht erkennen. Die schlimmsten pädagogischen Katastrophen unterrichteten fast ausschließlich Mathematik und Naturwissenschaften.
    Ich überlege gerade, wie das bei mir war...
    Nein, den Zusammenhang kann ich nicht bestätigen. Es gab solche und solche.
    Der in pädagogischer Hinsicht schlechteste Lehrer, den ich je hatte, war mein Deutschlehrer, der unter anderem die Theater-AG leitete. Der bekam regelmäßig Aussetzer im Unterricht, schrie wie von Sinnen herum, manchmal verließ er sogar tobend den Klassenraum und ward für den Rest der Stunde nicht mehr gesehen...

    Dafür hatte ich eine exzellente Mathematiklehrerin, die selbst an einer TU studiert hatte und enormen Wert darauf legte, uns ein tiefergehendes Verständnis für den Stoff zu vermitteln, das über die bloße Anwendung hinausging.
    Das interessierte zwar nicht alle in gleichem Maße. Für mich war es aber ein Segen.

    Unser Chemielehrer wiederum hatte die außerordentliche Gabe, den ursprünglich leichtesten Stoff extrem kompliziert und unverständlich zu vermitteln. Zur Definition des Mol hieß es etwa "ach, das ist viel zu kompliziert. Das erkläre ich euch gar nicht erst. Merkt euch einfach die Zahl"
    Sehr motivierend.
    Wie einfach das tatsächlich ist, erfuhr ich erst deutlich später, als ein Freund von mir Chemie studierte und ich mich mit ihm darüber unterhielt.

    Und unser Physiklehrer...ach Gott. Dazu schweige ich lieber
    Oder nein, ich erzähls doch: das war ein Chauvi vor dem Herren!
    Er prahlte immer damit, dass er eigentlich Fußballer werden wollte. Nachdem er sich am Knie verletzt hatte, wurde daraus aber leider nichts und so entschied er sich kurzerhand fürs Physikstudium

    Natürlich hielt er uns alle für viel zu doof, um sein Fach zu kapieren. Dh., die wirklich interessanten, weil etwas anspruchsvolleren, Themen enthielt er uns vor und stattdessen schrieben wir stumpfsinnig Formeln in unser Heft. Ohne jeglichen Bezug und Hintergrundinformation.
    Zum Glück hatten wir ein gutes Schulbuch. In dem las ich ab und zu und umso süffisanter der Lehrer wurde, desto ehrgeiziger wurde ich. Ich hatte also gelernt, gelernt, gelernt...beherrschte sogar die mathematischen Herleitungen, die nicht mal verlangt wurden.
    Doch als ich im Zuge einer Prüfung mein Wissen unter Beweis stellen wollten, unterbrach er mich frühzeitig und wollte stattdessen wissen, in welche Richtung man eine Schraube in die Wand dreht. Was zum Teufel?!
    Ich sagte, nach rechts.
    Er sah mich dumm an, wie nach rechts? Was soll das bedeuten?
    Na, im Uhrzeigersinn!
    Ok...passt schon. Ich schenk dir eine 2.

    Arrgh, was für ein Ar...h!

    Tja, jetzt weiß jeder, woher mein Physik-Trauma rührt

  9. gesperrt

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    AW: Bildungsgerechtigkeit

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Doch als ich im Zuge einer Prüfung mein Wissen unter Beweis stellen wollten, unterbrach er mich frühzeitig und wollte stattdessen wissen, in welche Richtung man eine Schraube in die Wand dreht. Was zum Teufel?!
    Ich sagte, nach rechts.
    Er sah mich dumm an, wie nach rechts? Was soll das bedeuten?
    ja das frag ich mich auch immer wieder. Wenn man, sagen wir, den Schlitz im Schraubenkopf am Anfang senkrecht hat, so wird er auf der Position der 12 nach rechts gehen, aber gleichzeitig auf der Position der 6 nach links! - ist ja ein Kreis. es geht IMMER irgendwo nach rechts und IMMER irgendwo nach links.

    mit solchen Anweisungen kann man mich dazu bringen, minutenlang über Marmeladegläsern zu meditieren, anstatt sie ohne nachzudenken einfach zu öffnen.

    Mein Deutschlehrer im Gymnasium war zwar kein böser Mensch, aber der hat es geschafft, mich für den Rest des Lebens von deutscher Literatur zu entwöhnen. Einmal mussten wir das Buch "Wunschloses Unglück" lesen, und das ist genauso depressiv, traurig und grau, wie der Titel es vermuten lässt.

    gruss, barbara

  10. Inaktiver User

    AW: Bildungsgerechtigkeit

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    ja das frag ich mich auch immer wieder. Wenn man, sagen wir, den Schlitz im Schraubenkopf am Anfang senkrecht hat, so wird er auf der Position der 12 nach rechts gehen, aber gleichzeitig auf der Position der 6 nach links! - ist ja ein Kreis. es geht IMMER irgendwo nach rechts und IMMER irgendwo nach links.
    Aus dem Grund war die Antwort "nach rechts" auch nicht richtig bzw. zu unpräzise.
    Die eigentliche Gemeinheit bestand aber sowieso darin, dass er mich das überhaupt gefragt hat. Das war nicht mal Lehrstoff


    mit solchen Anweisungen kann man mich dazu bringen, minutenlang über Marmeladegläsern zu meditieren, anstatt sie ohne nachzudenken einfach zu öffnen.
    Das gibt sicherlich ein lustiges Bild ab

    Mein Deutschlehrer im Gymnasium war zwar kein böser Mensch, aber der hat es geschafft, mich für den Rest des Lebens von deutscher Literatur zu entwöhnen. Einmal mussten wir das Buch "Wunschloses Unglück" lesen, und das ist genauso depressiv, traurig und grau, wie der Titel es vermuten lässt.
    Strenggenommen handelt es sich hierbei um österreichische Literatur. Peter Handke ist Österreicher.
    Das Buch hatten wir in der Oberstufe ebenfalls gelesen.

    Schlimmer fand ich aber "Die letzten Kinder von Schewenborn", das wir in der 8. Schulstufe lesen mussten. Das Buch hat mich enorm mitgenommen. Darin wird das Szenario eines Westdeutschlands nach einem Atomkrieg beschrieben, aus Sicht einer Familie mit drei Kindern.

    Langsam aber sicher lichten sich die tieferliegenden Ursachen meiner politischen Überzeugungen!

    Offenbar prägt Schule wirklich fürs Leben
    Geändert von Inaktiver User (04.01.2019 um 21:36 Uhr)

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