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Thema: Bildungsgerechtigkeit
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29.12.2018, 21:12
AW: Bildungsgerechtigkeit
Nein Ma'am, es ist nicht das Kleid, das sie fett aussehen läßt; es ist das Fett, das sie fett aussehen läßt. (Al Bundy)
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29.12.2018, 21:50Inaktiver User
AW: Bildungsgerechtigkeit
Das kann man alles erzwingen, keine Frage, pädagogisch ist es nicht.
Eine Bekannte von mir erzählt immer mal wieder davon, wenn wir uns treffen, wie ihr Vater, er war Arzt, sie dazu brachte, Latein Vokabeln zu lernen. Sie musste sich abends rücklings mit nackten Füssen auf den Wohnzimmerstuhl knien und er fragte die Vokabeln ab.
Wenn sie was nicht wusste, gab es einen kräftigen Hieb auf die nackten Sohlen.
Das Abitur hat sie geschafft. Die Narben und das Trauma blieben.
Bin auch immer skeptisch, wenn mit asiatischen Bildungserfolgen geworben wird.
Ich lerne schnell, gut und gerne, wenn ich es will, bei Kindern ist das auch so.
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29.12.2018, 21:53Inaktiver User
AW: Bildungsgerechtigkeit
drafty, dann müsstest Du ja für Einzelunterricht plädieren. Aber auch das ist ja nicht ideal, die Kinder lernen ja auch voneinander, und Vielfalt in der Klasse bringt ja auch was. Ich denke schon, dass so ca. 20 Schüler keine schlechte Klassengröße sind.
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29.12.2018, 21:55
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29.12.2018, 22:16
AW: Bildungsgerechtigkeit
Da bin ich ziemlich nahe bei dir. Wir müssen aber auch so ehrlich sein und eingestehen, daß das Schulsystem nie dazu da war, den Kindern und Jugendlichen unmittelbar während ihrer Zeit der Anwesenheit die angenehmste Option der Freizeitgestaltung zu sein.
Wir schicken unseren Nachwuchs in die Schule, weil wir glauben, daß dies gesamtheitlich(!) der beste Weg für unsere Gesellschaft ist. Also für die Betroffenen selbst, auf ihr ganzes Leben gemünzt, und nicht zuletzt auch für uns und die älteren Generationen. Diese Einsicht bzw. Denkweise wird man einem Kind oder einem pubertierenden Jugendlichen kaum 1:1 so vermitteln können, daß er mit jeder Faser seiner Persönlichkeit dabei ist, wenn es darum geht Lateinvokabeln zu lernen oder sich die Schönheit der Infinitesimalrechnung zu erschließen.
Wir versuchen unseren Kinder letztlich das beizubiegen, was sie evtl. 20 bis 60 Jahre später interessieren könnte, sie aber aus rein pragmatischen Gründen schon viel früher wissen/können sollten.Nein Ma'am, es ist nicht das Kleid, das sie fett aussehen läßt; es ist das Fett, das sie fett aussehen läßt. (Al Bundy)
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29.12.2018, 22:28
AW: Bildungsgerechtigkeit
Ich habe während meines Studiums ein paar Jahre lang Nachhilfe gegeben (Mathematik und Physik, manchmal noch technische Fächer für Erwachsene). Das war im wesentlichen Einzelunterricht, meist Mittelstufe und es hat mir einigen Spaß bereitet. Aber ich werde nicht den Fehler machen, das mit den Aufgaben eines "klassischen" Lehrers gleichzusetzen, der eine ganze Klasse vor sich hat und sich in einer ganz anderen Situation befindet. Einzelunterricht wäre sicher in einigen Punkten vorteilhaft. Aber es wäre dennoch keine "Nachhilfe", des weiteren nicht finanzierbar und die Pluspunkte eines "Heranwachsens in einer Gemeinschaft" wären auch nicht gegeben, da stimme ich dir also zu.
Ich habe kein optimales Konzept - leider. Es gibt sicher immer Bedarf, unser System zu hinterfragen und zu verbessern - das sollten wir auch tun - aber wird nicht ohne Kompromisse gehen. Auch den betroffenen Kindern wird die Schule vermutlich nicht immer und in jeder Hinsicht gefallen können.
Nein Ma'am, es ist nicht das Kleid, das sie fett aussehen läßt; es ist das Fett, das sie fett aussehen läßt. (Al Bundy)
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30.12.2018, 00:10Inaktiver User
AW: Bildungsgerechtigkeit
Ich habe als Fachsportlehrer gearbeitet, BWL bei kaufmannischen Auszubildenden in einem grossen Konzern unterrichtet und Nachhilfe in Englisch gegeben.
Meinen grössten Erfolg hatte ich bei unserer Jüngsten, die Schwierigkeiten in Mathe hatte.
Ich habe herausgefunden, wie sie für die Lösung rechnerischer Aufgaben ihre Gehirnhälfte "Sprachzentrum" benutzte und habe verstanden, was die Gehirnforschung als "Diskalkulie" beschreibt.
Der Erfolg bestand darin, mir Übungen zu überlegen, die dazu führten, die komplizierten Überlegungen bei Rechenaufgaben abzukürzen, wodurch sich vermutlich die Synapsen bildeten, die für die Rechenleistungen in der anderen Gehirnhälfte zuständig sind.
Jedenfalls brauchte sie keinen Eisbeutel mehr auf ihrem Kopf, wenn sie Mathe Hausaufgaben machte und sie bestand ihr Abitur in Mathe mit einer ganz ordentlichen Leistung.
Ansonsten brauche ich bei meinen anderen Lehrtätigkeiten nicht ins Detail gehen, ich habe ja schon geschrieben, dass ich auf Erfolgserlebnisse fokussiert war, ich habe jeden meiner Schüler respektiert, egal ob er 6 Jahre alt war oder 78 Jahre.
Mir kam nie in den Sinn, dass ich Schüler zur Begrüssung 10 Minuten still stehen lasse, damit sie sich für den Unterricht konzentrieren, ich habe nie einen Schüler unfreiwillig an die Tafel geholt, um ihn zu blamieren, schon gar nicht, wenn mir Schwächen bekannt waren.
Körperlich benachteiligte im Sportunterricht hatten immer meine besondere Aufmerksamkeit und Zuwendung, die mir eine besondere Herausforderung bedeuteten, nicht nur aber auch, weil bei jenen das Erfolgserlebnis einen noch grösseren Stellenwert einnahm.
Fragen waren sowieso immer willkommen und Spaß, Freude, Respekt untereinander hatte keine Relevanz zum Alter.
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30.12.2018, 11:08
AW: Bildungsgerechtigkeit
nein, es ist durchaus auch machbar, dass Schüler ihre EIGENEN Themen wählen und bearbeiten. Ist ja bei Maturarbeiten heute schon so. Man kann Prüfungen durchaus so offen gestalten, dass vor allem formale Kriterien vorgegeben werde (Anzahl Seiten oder Worte oder Zeichen, Anforderungen ans Zitieren von Quellen etc). Geht doch genauso wie auch engere Vorgaben gehen.
Darum sollen a) die Kriterien fürs Bestehen deutlich un ddetailliert kommuniziert werden, und b) alte Prüfungen und gegebenenfalls Musterlösungen veröffentlicht werden und c) wird kein Lehrer und kein Schüler an Testläufen zu Übungszwecken gehindert. Wenn man will, kann man das nachstellen inklusive der speziellen Sitzordung während der Prüfung, den Wartezeiten, genau so wie es dann sein wird.Und als Prüfungsvorbereitung ist es mehr als gut, eine ähnliche unter denselben Bedingungen absolviert zu haben, sprich in einer Prüfungssituation gewesen zu sein.
Ein Lehrer sollte fähig sein, Fragen von Schülern zu beantworten UND gleichzeitig das Unterrichtsziel im Auge zu behalten. Und Antworten so zu gestalten, dass sie entweder unterrichtsrelevant sind (wenn womöglich dieses spezielle Thema erst in drei Monaten geplant war, aber wenn die jetzt schon fragen, kann man das auch gleich sofort erklären...), oder sich sonst halt kurz fassen, darauf hinweisen, dass das jetzt etwas neben dem Thema ist (und die Zeit mangelt...) und wieder aufs Thema zurück kommen. ist ja wirklich keine Hexerei.Es mag an sich toll sein, auch weit nebenher zu unterrichten. Nur wenn happy die Schüler glücklich macht, indem die Schüler den Jahresstoff nur ansatzweise haben oder vielleicht gar nicht, können Schüler die Prüfungsaufgaben gar nicht lösen, weil sie den Stoff dazu nicht gelernt haben.
Das erfordert als Voraussetzung, dass es sowas wie ein "Lehrplan des letzten Jahres" gibt. Aber den muss es in der Form ja nicht geben, wenn man Lehrpläne durch Prüfungen ersetzt. und aufhört, dies an ein bestimmtes Alter zu binden, und jeder, der nicht im Alter X die Fähigkeit Y hat, als Versager gilt.Was nützt mir ein "glücklicher" Schüler, der die Techniken und das Grundwissen aus dem letzten Jahr nicht kennt und nicht anwenden kann?
Wenn es zentrale Prüfungen gibt, braucht es auch keine Noten mehr. Ausser natürlich die Noten der jeweiligen Prüfung, die dann entscheiden, ob für diesen Menschen eine bestimmte weiterführende Schule offen steht oder nicht.Der fühlt sich in jeder Stunde als Versager, weil er fast alles vom Stoff nicht gehört hat und nichts anwenden kann. So ein Schüler fragt sich dann, worauf er dann Noten bekommen hat.
gruss, barbara
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30.12.2018, 11:15
AW: Bildungsgerechtigkeit
Wenn ich mich an die eigene Schulzeit erinnere, da hab ich den grösseren Teil davon "abgetaucht" verbracht.
erstens, so lang kann ich gar nicht aufpassen, auch nicht wenn ich es wollte. Ich finde schon eine Stunde wirklcih konzentriertes Arbeiten ziemlich heftig - geschweige denn drei oder fünf oder sieben Stunden.
zweitens, eine Menge vom Stoff empfand ich als langweilig, trocken und irrelevant. Warum sollte ich mich da mehr anstrengen, als einfach so weit, dass ich eine genügende Note habe plus noch was Spielraum, was mir den Ärger mit Erwachsenen und ihren Moralpredigten vom Hals hält, und gut ist.
aber ich hab zu Schulzeiten teils regelrechte Kunstwerke mit der Rasierklinge in meine Bleistifte geschnitzt. Hatte ja mehr als genug Zeit für solchen Zeitvertreib.
gruss, barbara
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30.12.2018, 11:19



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