ich kenn durchaus auch Gymnasiallehrer, deren Frontalunterricht von den Schülern sehr geschätzt wird. :-)
Lehrformen haben einen gewissen Sinn und Zweck, der Kontext muss passen.
Projektarbeit, selbständiges Erarbeiten von Themen etc ist dann gut, wenn tatsächlich intrinsische Motivation vorhanden ist.
Heute gibt's in der Schule leider zu viel, das weder Fisch noch Vogel ist - keine offene, klare Autorität, die durchsetzt, was immer sie durchsetzen will, aber auch keine echte Freiheit für die Kinder; sondern etwas, das so tut, als ob's viel Freiheit gäbe, aber die gibt es dann gar nicht. ist sehr sehr schräg, finde ich.
wenn Freiheit, dann bitte echte Freiheit; wenn Autorität, dann bitte echte Autorität; und bitte klar benennen, wann was gerade gilt. nicht so ein komischer Kudddelmuddel, bitte.
gruss, barbara
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Thema: Bildungsgerechtigkeit
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19.12.2018, 17:19
AW: Bildungsgerechtigkeit
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19.12.2018, 18:00Inaktiver User
AW: Bildungsgerechtigkeit
Im letzten Halbjahr hatte mein eher nicht schulkompatibler Sohn in einem Nebenfach einen Lehrer, der schon zu Zeiten seines Vaters an der Schule unterrichtet hat, ein echtes "Fossil". Der hat Frontalunterricht gemacht, das aber so spannend, dass mein Sohn ihn als "besten Lehrer der Schule" bezeichnet hat. Obwohl der sogar am Ende immer diktierte, was die Schüler aufzuschreiben und zu lernen hatten, und sie das zu Hause noch mal schön abschreiben sollten.
Allerdings! An der Grundschule hatten wir so eine angebliche Freiheit, versteckt gab es aber Anforderungen. Die wurden den Kindern nicht kommuniziert, nur die Enttäuschung, wenn diese nicht klar geäußerten Anforderungen nicht erfüllt wurden. Das war so furchtbar! Dann lieber den autoritären Lehrer, bei dem jeder weiß, woran er ist.
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19.12.2018, 19:07Inaktiver User
AW: Bildungsgerechtigkeit
Das klingt ja sehr hübsch und bedarfsorientiert. Tja, aber was ist, wenn das Kind nun einmal nur basteln will?
"Später" kann aber heißen, dass den Kindern wunderbare und ganz elementare Erfahrungen verwehrt bleiben. Wer erst mit 13 Lesen lernt, wird eben nie als Grundschulkind mit der Taschenlampe unter der Bettdecke Bücher verschlungen haben, und er wird in anderen Fächern vieles nicht erfassen oder wiedergeben können, auch wenn ihm diese Fächer prinzipiell Spaß machen könnten. Diese Idealvorstellungen funktionieren mit Eltern die sich sehr reinhängen, mit sehr engagiertem Lehrpersonal, mit Mittelschichtskindern, kleinen Klassengrößen. Ein pfiffiges Kind kann von solchen Methoden profitieren, anderen kann solch eine Schule die gesamte Bildungkarriere verhageln. Ich habe kein Interesse daran, dass mein Kind nur lernt was es will. Ich möchte, dass es auch unliebsamen Stoff zu meistern lernt, Frustration auszuhalten lernt, aus Fehlern lernt.
Btw: Nichts habe ich in der Schule mehr gehasst, als diese windelweichen Rückmeldungen. "Du kannst dies gut und das und das und deshalb bekommst Du eine drei." Hä? Geht es etwas konkreter? Was war falsch? Was muss ich besser können um eine zwei zu bekommen? Ich habe leider nur ein einziges Mal einen Monat Fremdsprachunterricht bei einer Lehrerin haben dürfen, die meine Fehler sofort (!) korrigiert hat. Da habe ich in einer einzigen Stunde mehr gelernt als bei anderen in einem halben Jahr. Was habe ich diesem Unterricht hinterhergetrauert
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19.12.2018, 19:17Inaktiver User
AW: Bildungsgerechtigkeit
Ich hatte einen Lehrer der bestimmte Vokabeln durch reinen Drill (über mehrere Stunden immer wieder abfragen, und zwar alle Schüler, da ging richtig Zeit für drauf) in uns "reingeprügelt" hat - was bin ich dem Mann dankbar dafür!
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19.12.2018, 19:22
AW: Bildungsgerechtigkeit
[QUOTE Zitat von HAPPYpur
Kinder lernen alles freiwillig, was Ihnen erreichbar ist, auch Lesen, Schreiben, Rechnen.
Die Einen früher, die Anderen später.[/QUOTE]
Soll ich jetzt daraus schließen, dass für Analphabeten das Lesen und Schreiben nicht erreichbar ist?
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19.12.2018, 19:32Inaktiver User
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19.12.2018, 20:42
AW: Bildungsgerechtigkeit
Kinder lernen freiwillig - das ist ihnen angeboren. Aber nicht alles gleich gerne.
Und gerade mit 14 haben die meisten Kinder alles im Kopf, aber nicht die Schule. Da ist die Schule ein Ort, an dem man seine Freunde trifft, sich gut unterhält... Das Leben könnte gar herrlich sein, wenn da nicht die Lehrer wären, die so seltsame Dinge wie Aufpassen und Mitarbeiten verlangen....
Ein Kind hat Panik beim Vorrechnen? Woran liegt es, lachen die Klassenkameraden, wenn jemand einen Fehler macht? Dann ist es am Lehrer, so eine Unsitte abzustellen.
Das genannte Bulimie Lernen ist etwas, was ich nur vom Gymnasium kenne. Es tut mir leid, aber : Das Gymnasium hat den Auftrag, die Schüler auf ein Studium vorzubereiten. Nicht auf Berufsausbildung oder anderes.
Das Gym soll eine vertiefte und breite Allgemeinbildung vermitteln - das ist dann, zumal nach Verkürzung auf G8, viel Stoff in sehr kurzer Zeit.
Kinder, die tatsächlich fürs Gym geeignet sind, eine entsprechend schnelle Auffassungsgabe und Spaß an Fleissarbeiten haben, schaffen das in aller Regel auch.
Probleme bekommen die, die mit elterlicher Hilfe und regelmäßigem Lernen schon in der Grundschule eine Gym Empfehlung bekommen haben.
Wer nicht problemlos mit "Ich passe im Unterricht auf und mache meine Hausaufgaben" auf einen Einserschnitt am Ende von Klasse 4 kommt, gehört da nicht hin. Zumindest, wenn es um mein Bundesland geht, hier war die Empfehlung noch nie Bindend.
Wenn heute viele Eltern aus mannigfaltigen Gründen ihr Kind auf dem Gym sehen wollen, entsprechend engagiert sind, dann sollten sie nicht klagen, sondern sich an die eigene Nase fassen...
Es gibt diverse andere Schulformen, in denen weder derart gesiebt noch "mit Stoff zugeknallt" wird.
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19.12.2018, 20:55
AW: Bildungsgerechtigkeit
Wenn das Kind Panik beim Vorrechnen hat, dann können auch die Eltern mit dem Kind üben. Diese Angst verlernt man durch Übung des Vorrechnens an einer Tafel vor Menschen, zu Beginn im geschützten Rahmen.
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19.12.2018, 20:58
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19.12.2018, 21:08
AW: Bildungsgerechtigkeit
Ich gehe ihn seit einigen Jahren und unterrichte - sogar ein Fach, das bei den vielen Schülern erst einmal Würgereiz auslöst. Nach einem Schuljahr dann gibt es bis auf 10% ein Geheule, wenn ich das nächste Jahr eine andere Klasse unterrichte. Irgendetwas muss ich also richtig machen.
Was ich mache?
Eigentlich versuche ich seit Jahren vom reinen Frontalunterricht wegzukommen und werde immer wieder von meinen Schülern dahin gezwungen - weil sie so das Gefühl haben, alles mitzubekommen. Gruppenarbeit und Einzelarbeit gibt's nur selten - eben weil ich dann alles nochmals zusammenfassen muss, was für sie doppelte Arbeit darstellt. In den ersten Wochen wird über die ellenlangen Einträge gemeckert - und später gemault, wenn ich nicht noch x und y anschreibe, damit sie das auf keinen Fall vergessen. Vor einigen Jahren habe ich mitbekommen, dass meine Aufzeichnungen an Mitschüler aus Parallelklassen weitergegeben wurden, weil sie sich somit perfekt (weil so ausführlich) auf die Abschlussprüfungen vorbereiten konnten. Ehrlich gesagt fühlte ich mich wie zum Ritter geschlagen.
Was immer dazu gehört: Lachen
Konkrete Beispiele - manchmal durchaus überzogen, Rückgriffe auf bereits gelernte Dinge und Sachverhalte, regionale Bezüge und aktuelle politische oder gesellschaftliche Beispiele. Erst letzte Woche habe ich innerhalb einer Dreiviertelstunde gar nichts an die Tafel geschrieben, weil ich im Gespräch war: Frage - Antwort. Meine Schüler haben sich gefreut (nix im Heft heißt keine Abfrage nächste Stunde - und trotzdem war die Stunde in ihren Augen supertoll und sie können sich an viele Details erinnern).
Mündliche Noten müssen nachvollziehbar und belegbar sein. Das ist die Vorschrift in allen Bundesländern. Wenn das nicht der Fall ist, ist die Note oft streichbar.
Mir geht es doch auch so: Ein oder zwei Schüler mag ich nicht - aber ihnen bewusst eine schlechte Note zu geben, weil ich sie nicht mag, darf ich nicht und mache ich auch nicht. Das ist unfair.
Selektion - gerne von Eltern gebraucht, die noch nie im Unterricht den Platz eines Lehrers eingenommen haben.
Alle Schüler wollen lernen und haben doch unterschiedlichste Voraussetzungen. Wenn ein Kind - ich habe es schon geschildert - keine Hausaufgaben macht und sich so vorbereitet, dann gibt es irgendwann schlechte Noten, weil das Aufpassen im Unterricht nicht reicht. Ein wenig Übung ist schon nötig. Es gibt Schüler, die so unglaublich leicht lernen, dass ich nach fünfzehn Minuten auf Gymnasialniveau gehen könnte, während andere immer noch Zeit brauchen, um die Grundlagen zu verstehen. Stellenweise muss ich einfachste Begriffe erklären, weil diese nicht bekannt sind, obwohl die in den normalen Sprachgebrauch gehören oder in den letzten Jahren Stoff gewesen sind. Selten habe ich Klassen, die wirklich auf einem Leistungsstand sind.
Es gibt nicht zu viel Stoff, sondern nur entweder doof eingeteilten Stoff oder Kinder, die sich dem Stoff verweigern. Da kann ich dann Handstand machen - der Schüler, der partout nicht lernen will, wird sich immer über zu viel beklagen.
Doch jeder braucht Grundlagen - Grammatik, Vokabeln, Fakten, Bildlesetechnik, Spezialausdrücke, Rechenwege - damit der Stoff von der einfachen Basis weg hin zum Leben kommt. Und dann wird's interessant für die Schüler. Aber ich kann nicht über politische Lösungen diskutieren, wenn ich parlamentarische Grundzüge nicht kenne oder etwas Spezialwissen habe.
Bei "meinen" Schüler stelle ich fest, dass es wichtig für alle ist, wenn ich gute bis schlechte Noten verteile. Das ist die Rückmeldung, wie gut sie in diesem Fach, in dieser Sequenz, in diesem Fach sind. Aber - jeder weiß, wie er an gute Noten kommt, so dass am Ende des Schuljahres die Note als gerecht empfunden wird und der Erkenntnisgewinn als immens angesehen wird. Später ist es ja auch so: keine Leistung, kein Geld.
Du arbeitest doch auch und willst dafür Lohn. Oder?
Zu gut ist genauso verdächtig wie zu schlecht. Mittelmaß ist stromlinienförmig und daher angenehm.
Aber - Leistungen müssen auch vergleichbar sein. Ansonsten braucht niemand ein Zeugnis für die Ausbildung oder für die Universität oder einen späteren Beruf. Vergesst bitte nicht: Auch rein sprachliche Zeugnisse benennen Stärken und Schwächen und zeigen Lücken auf.
Ab der 8. Klasse ist es für viele fast schon zu spät.
Denn am leichtesten lernen Kinder zwischen der dritten und sechsten Klasse. Ab der siebten Klasse setzt die Hormonumstellung ein, so dass z.B. das Vokabellernen nicht mehr so flott geht, sondern manchmal wirklich geackert werden muss. Wer erst in der 8. Klasse einsieht, dass er oder sie sich gezielt zu Hause vorbereiten muss (Oft reicht eine Stunde Hausaufgaben und Wiederholung des Stoffes), der tut sich schwer, weil er seine Lücken aus den letzten Jahren zeitgleich schließen muss. Der Stoffumfang ist also um einiges größer. Wer dagegen ständig ein wenig mitgelernt hat, der kann sich nun endlich vertiefen, gewinnt an Sicherheit und ist den anderen eine Nasenlänge voraus.
Das ist nur für wenige Schüler wirklich die beste Unterrichtsform. Außerdem muss sie anderen Kindern erst einmal beigebracht werden.
Und wie sieht's in der Realität aus?
Team = toll, ein anderer macht's. Einer von vieren erstellt die Text, der andere die Bilder, der dritte entwirft das Layout und der vierte präsentiert, weil er am besten schwätzen kann. Echte Zusammenarbeit sieht anders aus, weil alle alles gemeinsam tun. Ansonsten ist es Arbeitsteilung, damit das Team nach drei Stunden statt nach zehn fix und fertig ist und sich anderen Dingen zuwenden kann.
Aus den eigenen Fehlern lernt ein Kind am schnellsten. Allerdings muss es das Wohlwollen des Lehrers spüren und Lob hören, wenn es eine Aufgabe gut gelöst hat.



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