Die aus Syrien stammende Lehrerin und Wissenschaftlerin Dr. Abir Alhaj Mawas sieht das vorwiegend ganz anders.
Auszug aus einem Interview mit ihr:
Das „Kinderkopftuch“ als Symbol der Schamkultur
„Ich trage ein Kopftuch, weil ich Angst habe vor Gott. Weil ich Angst habe vor den Männern, die mich komisch anschauen, wenn ich kein Kopftuch trage. Weil es eine Schande ist, kein Kopftuch zu tragen. Weil ich mich sonst schäme.“ Diese und ähnliche Aussagen höre ich immer wieder, wenn ich mich im Rahmen meines beruflichen, aber auch privaten Engagements mit jungen Musliminnen treffe.
Das Mädchen, das mir die oben genannten Begründungen gab, ist zwölf Jahre alt. In der Unterkunft, in der sie lebt, ist sie stets verschleiert. Sobald sie diese, und damit auch die dort lebenden Menschen verlässt, legt sie das Kopftuch ab. Ich habe mich mit ihren Eltern über die Verschleierung ihrer Tochter unterhalten. Sie selbst sind eher liberal und sagten mir, dass sich ihre Tochter frei entscheiden könne, ob sie ein Kopftuch tragen wolle oder nicht.
Ist die Verschleierung bei Minderjährigen eine freie Wahl?
Meiner Meinung nach trägt das Mädchen das Kopftuch nicht freiwillig. Auch wenn ihr niemand das Kopftuch wortwörtlich angelegt hat, so ist dies bildlich, durch den sozialen Druck und die Angst vor den Blicken und der Verachtung der Männer, der Fall. Ich habe das persönlich erlebt durch meine Lebenserfahrung in der syrischen Hauptstadt Damaskus sowie auch in der zweiten größeren Industriestadt Aleppo, wo ich in den letzten fünf Jahren gelebt habe. In einem bestimmten Lebensalter tragen Mädchen wie selbstverständlich das Kopftuch. Innerhalb vieler Familien ist das Kopftuch für die Mädchen kein Diskussionsthema. Das ist ein männlicher Beschluss. Besonders in ländlichen Gebieten sind die Mädchen stark belastet. Sie werden diskriminiert, unter Druck gesetzt und müssen sich komplett verschleiern. Selbst kleine Mädchen dürfen nicht ohne Kopftuch auf die Straße gehen. Das Mädchen-Kopftuch wird in bewaffneten Konflikten in kontrollierten Gebieten/ Ländern von Islamisten oft den Mädchen und Frauen aufgezwungen und mit Terror und Angst vor einer Vergewaltigung begründet. Im Krieg ist die Einhaltung der Rechte von Mädchen und Frauen nicht gewährleistet. Freiheiten für Mädchen und Frauen werden für viele Familien als Luxus angesehen. Daran, dass sich die Eltern bzw. Familien ein Leben lang mit dem Schutz der Familienehre beschäftigen und dass die Frau traditionell als eine Ursache für Schande gilt, sieht man deutlich die extreme Verwurzelung patriarchaler Machtausübung und Unterdrückung von Frauen im Namen von Religion und Tradition. Deswegen werden die Mädchen auch hier in Deutschland viel extremer kontrolliert als in Syrien.
Mädchen, die ich über mehrere Monate hinweg betreut habe, geben an, dass die „arabischen und muslimischen Männer über uns [Mädchen ohne Kopftuch]“ reden würden. Dieser soziale Druck, sonst nicht anerkannt zu werden, verleitet Mädchen und auch Frauen, sich zu verschleiern.
Natürlich gibt es auch Mädchen, die von sich aus sagen, dass sie das Kopftuch freiwillig tragen. Aber diese vermeintlich freie Entscheidung ist in den meisten Fällen lediglich ein unterschwelliger Nachahmungswunsch. So wie manche Achtjährige Lippenstift und Stöckelschuhe tragen möchten, um wie ihre Mütter auszusehen, legen Zwölfjährige ein Kopftuch an, weil sie dies ebenfalls von ihrer Mutter, Tante und Nachbarin kennen. Somit ist es keine selbstbestimmte und freie Entscheidung, sondern die Angst, sonst nicht dazuzugehören.
Antworten
Ergebnis 931 bis 940 von 1087
-
22.09.2018, 14:21
AW: Terre de Femme Petition gegen das Kopftuchtragen von Kindern
Es gibt so viele schöne Momente im Leben; ich sollte mich entspannen,
dann durchfluten sie mich wie Regen ...
American Beauty
Nothing in life is as important as you think it is, while you are thinking about it.
Daniel Kahneman
-
22.09.2018, 14:25
-
22.09.2018, 15:43Inaktiver User
AW: Terre de Femme Petition gegen das Kopftuchtragen von Kindern
Ja und?
Bei Amazon gibt's auch Stahlhelme (und Handgranaten).
Die Frage ist doch, wieviele Kinder mit Stöckelschuhen, Stahlhelmen oder Hijabs in den Kindergarten kommen und was davon zu halten ist.
Vielleicht sind ja auch die mit den Hijabs und den Stöckelschuhen die gleichen ...
*klick*Geändert von Inaktiver User (22.09.2018 um 15:48 Uhr)
-
22.09.2018, 16:14Inaktiver User
AW: Terre de Femme Petition gegen das Kopftuchtragen von Kindern
Die Diskussion zeigt, wie unterschiedlich die persönlichen Erfahrungen den Umgang mit Andersartigkeit prägen.
Wenn hier über ein Verbot des Kinderhijabs nachgedacht wird, fällt mir sofort ein, dass es in meiner Kindheit verboten war, mit einer (West)-Levi’s Jeans in die Schule zu gehen. Als 9 jähriger wurde ich nicht in die Schule gelassen und nach Hause geschickt, weil ich aus Versehen ;-) die Jeans früh angezogen hatte. Auch an die Szene, als mein Sportlehrer mich erst dann in die Leichtathletik- Gruppe des Sportvereins aufgenommen hat, nachdem ich meine Haare auf ein Drittel zurückschneiden musste, zeigt, dass die DDR durch das Verbot westlich orientierter Kleidung, Musik und den Lebensstil bei vielen jungen Leuten damals Unverständnis und eine heftige Opposition gegen die herrschende Regierung erzeugt hatte.
Deshalb warne ich vor politisch begründeten Kleidungsverboten, egal von wem sie kommen und was sie betreffen.
Die Reaktion der Betroffenen wird immer ein Kontra sein. Die Herauslösung der jungen muslimischen Mädchen aus ihren religiösen Fesseln geht nur über die Eltern, und vor allem über die Mütter.
Jede Aktion, die in diese Richtung geht, dass die Mütter über die Chancen ihrer Kinder in der westlichen Gesellschaft aufgeklärt, beraten und informiert werden, unterstütze ich.
Vielleicht sollten wir neben der Aktion „Konzert gegen Rechts“ ein Konzert gegen die „religiöse Versklaverung der Kinder“ organisieren.
Mal sehen, ob der Bundespräsident das auch unterstützt.
Verbote sind eine Einschränkung der persönlichen Freiheit und das lehne ich ab.Geändert von Inaktiver User (22.09.2018 um 16:50 Uhr)
-
22.09.2018, 16:57Inaktiver User
AW: Terre de Femme Petition gegen das Kopftuchtragen von Kindern
Richtig. Aber hier wird ja immer wieder damit argumentiert, dass das nur einen verschwindend kleinen Teil der Mädchen betrifft. Alle anderen werden aufgrund des Verbots gegen islamofaschistische Agitation geschützt.
Es ist hier verboten, seine Kinder nicht zur Schule zu schicken. Und das ist gut so. Islamofaschisten sind Bildungsmöglichkeiten für Mädchen ein Dorn im Auge. Aber wenn sie hier leben wollen, müssen sie diese Möglichkeit für ihre Töchter akzeptieren. Und das haut auch einigermaßen hin, wenngleich genügend Mädchen mit Beginn der Pubertät in die Türkei geschickt werden und ein paar Jahre später mit Staubmantel und Kopftuch wiederkommen. Auch da sollte eine Möglichkeit geschaffen werden, zum Wohle der Mädchen einzugreifen. Aber das ist ein anderes Thema.Verbote sind eine Einschränkung der persönlichen Freiheit und das lehne ich ab.
Doch, Pflichten/Verbote/Gebote sind auch in einer freiheitlichen Gesellschaft für das friedliche und geordnete Zusammenleben ein Stück weit notwendig. Du rauchst doch auch nicht in Restaurants und bremst an roten Ampeln, machst nachts keine laute Musik, etc.
Für mich gehört das Kopftuchverbot aus den in der Petition genannten Gründen unbedingt dazu.
-
22.09.2018, 17:16Inaktiver User
AW: Terre de Femme Petition gegen das Kopftuchtragen von Kindern
Es ist schon ein erheblicher Unterschied, ob ich mit die Freiheit nehme zu rauchen und damit die Freiheit der Mehrheit der im Restaurant sitzenden Menschen durch den Zigarattengestank erheblich einschränke.
Die Wahrnehmung der persönlichen Freiheit ist nur dann gesellschaftlich anerkannt, wenn ich damit nicht die Freiheit anderer einschränke.
Aber welche Freiheitseinschränkung für andere ist es, wenn ein Mädchen ein Kopftuch aufhat.
Keine, außer dass die anderen ihre Haare nicht sehen können.
Euer Konzept hat den falschen Ansatz.
Nicht der Kampf gegen das Kopftuch bei Kindern hat Priorität, sondern der Kampf gegen alle Formen der religiösen, pseudoreliglösen und ideologischen Versklavung der Kinder durch die Eltern und Erzieher.
Und da setze ich die Veganerin, die ihr Kind zwingt, sich einseitig zu ernähren genauso wie den Priester, der einen jungen sexuell missbraucht, weil er meint, dass es gut für das Kind ist auf das gleiche Plateau wie die Mutter, die ihr 10 jähriges Kind zum Kopftuchtragen zwingt.
Es ist immer gegen das Kindeswohl.Geändert von Inaktiver User (22.09.2018 um 17:28 Uhr)
-
22.09.2018, 17:22Inaktiver User
AW: Terre de Femme Petition gegen das Kopftuchtragen von Kindern
Würde ich jetzt nicht mit Springerstiefeln gleichsetzen.
Habe mir das mal angesehen, tatsächlich gibt es Absatzschuhe in Größen für wirklich kleine Kinder (also ab 26, manche ab 27. Das haben doch so 3 und 4Jährige,oder?). Die Schuhe sehen aus wie die der kleinen Suri damals, was einen Sturm der Entrüstung auslöste, sogar Ärzte auf den Plan rief:Bei Andypola, einem Online-Shop für Schuhe in besonders kleinen und großen Größen gibt's High Heels in der gleichen Größe.
Für helle Empörung in den USA sorgen derzeit die Lieblingsschuhe einer Dreijährigen: Suri Cruise, Tochter von Hollywood-Star Tom Cruise und seiner Frau Katie Holmes, trägt neuerdings auf vielen Paparazzi-Schnappschüssen goldene Schuhe – mit drei Zentimeter hohen Absätzen.
(...)
So oft wurde die Kleine mittlerweile darin abgelichtet, dass Mutter Katie Holmes nun öffentlich stark in die Kritik geraten ist und zu den Vorwürfen von Ärzten Stellung beziehen musste.
Denn das häufige Tragen von Absatzschuhen kann laut Orthopäden bleibende Haltungsschäden bei einem Kind hinterlassen. "Die Knochen in ihren Füßen sind noch nicht voll ausgebildet", sagt Orthopäde Rüdiger Dohmann aus Düsseldorf. Kinder bräuchten deshalb weite Schuhe mit einer verstärkten Fersenkappe, damit sich die Längs- und Querwölbung des Fußes richtig ausbilden könne. "Hochhackige Schuhe für ein Kind sind Schwachsinn."
Tochter von Katie Holmes und Tom Cruise: Emporung uber Suri in Stockelschuhen
upss, wird doch nicht als so normal angesehen. (Zu Recht, wenn man mich fragt)
Auch "sexy Overknees"? Doch wohl kaum. Außer vielleicht "im Pädophilenladen".Und Overknees gab es schon vor über 20 Jahren für Babys.....
Sondern zweckmäßige, wärmende, aus Wolle oder Baumwolle, mit Enten drauf usw. Wie es auch Handschuhe gibt für kleine Kinder. Aber keine "verruchten schwarzen mit Spitze". Sondern gelbe oder blaue, mit bunten Kringeln draufgestickt.
Zählst Du die echt als Springerstiefel, wie Neonazis sie tragen?Ich habe einer meiner Töchter im Kigaalter kirschrote Doc Martens gekauft- die waren die einzigen Schuhe, die einlagenfähig waren und ihre ständige Kickerei aushielten.
Ich habe das tatsächlich noch nie an einem Kleinkind gesehen. Du jemals? (Suri in Zeitungen ausgenommen)Allerdings ist mir nicht eingefallen, ihnen High Heels zu kaufen, würden wohl die wenigsten tun
Üblicherweise sogar gerade nicht. Kinderkleidung ist sofort am Schnitt und Stoff, Muster etc. zu erkennen. Es ist fast alles gerade geschnitten, nie tailliert, die Sachen sind weit und praktisch (Stichwort Bewegungsfreiheit), wo sind in der Kleinkinderabteilung denn dann die engen Röcke, die ausgeschnittenen Blusen aus durchscheinender Seide (oder auch Polyester) usw.? Das gibt es schlicht nicht. Die Röckchen sind weit, meist angekraust, damit sich das Kind bewegen kann, die Stoffe sind meist Baumwolle und nie transparent, sondern eher etwas strapazierfähiger sogar. Baumwollbatist gibt es durchaus, aber nicht in so dünn, daß er transparent wäre.Dass Kinderkleidung nicht der Erwachsenenkleidung nachempfunden wird stimmt aber ganz sicher nicht!
Ich nähe ja selbst, nicht mal solche Schnittmuster habe ich je gesehen wie das, wovon Du sprichst. Also von "Damenkleidung", das hieße ja, Ausschnitte, vielleicht noch mit sexy Spitze, enge Röcke, taillierte Mäntel - für Dreijährige. Das gibt es schlicht nicht. Und das ist auch völlig richtig so.
(Wie gesagt, vielleicht im Pädophilenladen
).
-
22.09.2018, 17:25Inaktiver User
AW: Terre de Femme Petition gegen das Kopftuchtragen von Kindern
Für die anderen Mädchen nicht. Aber für das Mädchen selber. Ich erlebe es immer wieder: Mädchen wollen sich westlich kleiden, werden aber vom Umfeld gezwungen, das Kopftuch zu tragen - denn es ist ja erlaubt. Oder den Burkini zu tragen, denn der ist ebenfalls erlaubt. Mädchen, die keine islamische Kleidung wollen, haben keine Chance. In ihren Heimatländern aufgrund der Restriktionen nicht, und im Westen aufgrund der vorgeblichen Toleranz auch nicht.
Das Kopftuchverbot ist Teil dieses Kampfes.Nicht der Kampf gegen das Kopftuch bei Kindern hat Priorität, sondern der Kampf gegen alle Formen der religiösen, pseudoreliglösen und ideologischen Versklavung der Kinder durch die Eltern und Erzieher:
-
22.09.2018, 20:07Inaktiver User
AW: Terre de Femme Petition gegen das Kopftuchtragen von Kindern
Ist mir zuwenig, weil es auch eine Form dogmatischer Vorgaben ist.
Also genau der gleiche Weg, wie es die religiösen Dogmatiker des Islam tun.
Kontrolliert die Imame in den Koranschulen, ob sie verfassungsgemäss predigen und sich an die Werte des Grundgesetzes halten.
Und bringt eine Petition ein, dass nur Imame in Deutschland predigen dürfen die in deutsch predigen und die an deutschen Universitäten ausgebildet worden sind.
Zur Zeit werden sie vom Religionsministerium der Türkei bezahlt und sind auch dort ausgebildet worden.
In den Moscheen ist der Ursprung des Kinderkopftuchs.
-
22.09.2018, 20:26Inaktiver User
AW: Terre de Femme Petition gegen das Kopftuchtragen von Kindern
Gerne, aber wer soll das bitteschön tun? Dafür brauchst du Fachkräfte an allen Ecken und Enden, und bis die bereitstehen, vergehen einige bis viele Jahre.
Ein Kopftuchverbot hingegen ist schnell und ohne größeren Aufwand durchsetzbar und nimmt all jenen den Wind aus den Segeln, die behaupten, dass ein weibliches Wesen ohne Kopftuch respektlos behandelt wird. Die Mädchen werden die Erfahrung machen, dass das nicht der Fall ist. Und dann nicht mehr sklavisch an die Religion gebunden sein, sondern sich einigermaßen frei dafür entscheiden können.
Ich bin mit dir soweit einig, dass ein Kopftuchverbot allein keine Probleme löst. Aber es ist ein guter und vor allen Dingen schnell umsetzbarer und weithin sichtbarer Schritt.



Zitieren