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    Rassismus in Deutschland – Randphänomen oder Alltagsproblem?

    Nach dem Ausscheiden Mesut Özils aus der Fußballnationalmannschaft und seiner Begründung ist eine Debatte über das Thema Rassismus hochgekommen, auch im Türkei-Strang dieses Forums. Da ich finde, dass dieses Thema zu wichtig ist, als nur im Zusammenhang mit einem für mich eher unwichtigen Fußballer diskutiert zuwerden und möglicherweise den Strang zu sehr ins OT führt, hier ein neuer Thread, in dem es um Rassismus in Deutschland gehen kann/soll.

    Ist Rassismus ein Alltagsproblem in Deutschland oder nur ein Randphänomen, erwächst aus ihm eine Bedrohung, oder ist er eher harmlos, und was kann man gegen Rassismus tun, sind Fragen die hier diskutiert werden können.

    Hintergrund ist u.a. #metwo auf Twitter, wo in den letzten Tagen tausende User/innen ihre Rassismus-Erfahrungen geschildert haben. Ich verzichte bewusst auf die Verlinkung von Medienartikeln darüber, weil ich hoffe, dass Ihr Euch selber ein Bild macht.

    Noch etwas, weil mit den entsprechenden Einwänden zu rechnen ist: Natürlich gibt es Rassismus auch in anderen Ländern, und auch das ist ein Problem. Aber das ist m. E. kein Grund nicht über Rassismus in Deutschland zu sprechen. Und natürlich wird Rassismus in Deutschland auch von Migrant/innen und von Menschen mit ausländischen Wurzeln ausgeübt. Aber auch das ist m. E. kein Grund, nicht über Rassismus zu sprechen, der von Deutschen ausgeübt wird.

  2. Moderation Avatar von maryquitecontrary
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    AW: Rassismus in Deutschland – Randphänomen oder Alltagsproblem?

    @knirrsch: ein ehrenwerter Versuch.

    Meine 2 øre dazu als binationale Deutsche ist dieser Link, den es leider nur auf Englisch gibt: Why I’m no longer talking to white people about race | World news | The Guardian

    Aber ich wünsche gutes Gelingen denen, die sich austauschen.
    that was the river - this is the sea


    Moderation im Forum "Persönlichkeit"

  3. Inaktiver User

    AW: Rassismus in Deutschland – Randphänomen oder Alltagsproblem?

    Ein spannendes und wichtiges Thema. Und dazu ein paar Beobachtungen von mir.

    Ich bin gerade, zum ersten Mal seitdem ich die Hauptstadt, meine Heimatstadt, verlassen habe, mal wieder fuer einen etwas laengeren Urlaub hier. Und mir fallen ein paar Dinge auf. Zum Beispiel, dass ich irritiert bin rechts, links und geradeaus Spanisch, Franzoesich und Italienisch zu hoeren. Das von mir, die selber relativ haeufig auf Englisch antwortet, einfach weil das seit fast zwei Dekaden meine Alltagssprache ist und mein Gehirn im Moment der Ansprache offenbar auf Englisch gepolt war, das irritiert mich auch. Gilt heimlich still und leise also in meinem Kopf: Globales Dasein, Arbeitnehmerfreizuegigkeit und so weiter, ist alles toll, aber bitte nicht in meiner Heimatstadt?

    Bin ich nur genervt von zuvielen Touristen?

    Oder hab ich eben doch rassistische Tendenzen?

    Ich fuerchte, es gibt einen Rassissmus den man selbst gar nicht so bemerkt. Irgendwann in den 1950gern (glaube ich) wurde eine Rassissmus-studie in den USA durchgefuehrt. Zunaechst wurde ein Fragebogen an Hotels verschickt, ob man auch Chinesen (die damalige Super-Rassismus-Opfer) als Gaeste aufnehmen wuerde. Eine riesig grosse Anzahl der angeschriebenen Hotelbesitzer sagte, na klar.

    Danach fuhr der durchfuehrende Forscher mit einer chinesischen Studentin, die er als seine Frau ausgab, durchs Land und klapperte die Chinesenfreundlichen Hotels ab.

    Alle sagten, sie haetten leider, leider kein Zimmer frei.

    Eine Kontrollanfrage anschliessend durch ein amerikanisches Paerchen ergab das durchaus Zimmer frei waren.

    Wie gesagt, ich denke, wir machen uns haeufig selbst etwas vor wenn wir glauben es gaebe keinen / kaum Rassismus. Als weisshaeutige Deutsche erleben wir ihn ja auch nicht.


  4. Registriert seit
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    AW: Rassismus in Deutschland – Randphänomen oder Alltagsproblem?

    Ich würde nie behaupten, es gebe keinen Rassismus. Allerdings verlockt eine solche Sensibilisierung dazu, alles Ungemach auf Rassismus zurückzuführen. Manches hat eben doch mit einem selbst, mangelnder Qualifzierung/Benehmen/Charm/ es passt nicht usw. zu tun.

    Es stimmt allerdings nicht, dass man als weisshäutige Deutsche so etwas nicht erlebt. Ich bin als geborene Schwäbin im tiefsten Baden zur Schule gegangen, es gab damals Aufkleber zu kaufen mit Aufschriften wie: Über Baden lacht die Sonne, über Schwaben die ganze Welt und ähnliches. Allerdings gehören Kabbeleien zwischen Badenern und Schwaben sei Jahrzehnten zur Folklore.

    Anders wird das in der Wahrnehmung der Ostdeutschen angekommen sein, die nach der Wende plötzlich westdeutsche Führungskräfte vorgesetzt bekamen oder in den Westen pendelten.

  5. Inaktiver User

    AW: Rassismus in Deutschland – Randphänomen oder Alltagsproblem?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Wie gesagt, ich denke, wir machen uns haeufig selbst etwas vor wenn wir glauben es gaebe keinen / kaum Rassismus. Als weisshaeutige Deutsche erleben wir ihn ja auch nicht.
    Zum einen frag ich mich, wer das denn glaubt?

    Es ist doch offensichtlich, dass es Diskriminierung wegen Andersartigkeit gibt, und Rassismus ist eben eine Form davon.

    Wichtig find ich zu unterscheiden, ob die Andersartigkeit nur wahrgenommen und benannt wird, ohne Bewertung, oder ob sich Nachteile daraus ergeben.

    Mich stört sehr, wenn bereits ersteres als Diskriminierung bezeichnet wird.


  6. Registriert seit
    02.01.2006
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    AW: Rassismus in Deutschland – Randphänomen oder Alltagsproblem?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Wie gesagt, ich denke, wir machen uns haeufig selbst etwas vor wenn wir glauben es gaebe keinen / kaum Rassismus. Als weisshaeutige Deutsche erleben wir ihn ja auch nicht.
    Das stimmt nicht.
    flying is the art of falling to the ground without touching

  7. Inaktiver User

    AW: Rassismus in Deutschland – Randphänomen oder Alltagsproblem?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Zum einen frag ich mich, wer das denn glaubt?
    Offenbar die, die behaupten Oezil (kann beliebig ein anderer Name eingesetzt weden) verstecke Leistungsabfall hinter der Rassismus-Keule.

    Wichtig find ich zu unterscheiden, ob die Andersartigkeit nur wahrgenommen und benannt wird, ohne Bewertung, oder ob sich Nachteile daraus ergeben.
    Tja, wo ist denn der gemeinsame Nenner zwischen allen Biodeutschen und was macht einen Oezil (aufgewachsen im Ruhrpott) eigentlich ‘anders’?

    Ich schaetze das bringt uns zu der Frage, wielange ein Migrant oder ein ‘Deutscher mit Migrationshintergrund’ eigentlich hier sein muss oder erreichen muss um als ‘Deutscher’ zu gelten.

    Ich bin mir auch nicht ganz sicher ob ‘Andersartigkeit benennen ohne Wertung geht’. Social Identity Theory sagt (unter anderem), dass die Einteilung in Out und Ingroup immer einher geht mit positiver Diskriminierung der Ingroup. (schwer verkuerzt).


  8. Registriert seit
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    AW: Rassismus in Deutschland – Randphänomen oder Alltagsproblem?

    Kann hier bitte, bitte einmal ein anderes Rassismusopfer herangezogen werden als ein kickender Multimillionär? Mich würde Rassismus gegenüber einer mongolische Putzfrau weitaus mehr interessieren.


  9. Registriert seit
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    AW: Rassismus in Deutschland – Randphänomen oder Alltagsproblem?

    Was meinst du eigentlich mit Biodeutschen, was bedeutet das innerhalb derart unterschiedlicher Bundesländer, wie Sachsen, Hamburg und Nordrhein-Westfalen?

    Wenn deine Theorie zuträfe, könnte man keine Andersartigkeit benennen, was praktisch Kommunikation unmöglich machte. Insofern habe ich sehr starke Zweifel.

  10. Inaktiver User

    AW: Rassismus in Deutschland – Randphänomen oder Alltagsproblem?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Offenbar die, die behaupten Oezil (kann beliebig ein anderer Name eingesetzt weden) verstecke Leistungsabfall hinter der Rassismus-Keule.
    Zu seinen sportlichen Leistungen kann ich nix sagen. Aber wenn ein Deutsch-Türke Erdogan als seinen Präsidenten bezeichnet find ich es eine ziemliche Heuchelei, wenn er sich dann beschwert als Türke gesehen zu werden.

    Ich bin mir auch nicht ganz sicher ob ‘Andersartigkeit benennen ohne Wertung geht’. Social Identity Theory sagt (unter anderem), dass die Einteilung in Out und Ingroup immer einher geht mit positiver Diskriminierung der Ingroup. (schwer verkuerzt).
    Doch, das geht schon.

    Wenn in Niederbayern ein Broder Brodersen eingeschult wird, dann wird man ihn vielleicht fragen wo er herkommt, einen Korbinian Dimpflgruber eher nicht.

    Man stellt einfach eine Abweichung fest, die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit nahelegt, dass er nun eher nicht aus Niederbayern stammt.

    Darüber ob die niederbayrische Abstammung höherwertiger ist als die von der Nordsee, darüber ist doch damit noch gar nix ausgesagt.

    Also kann ich da keine Diskriminierung erkennen.

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