Was ich an der Tafel-Diskussion und an der Debatte um die Höhe des Existenzminimums nicht verstehe: Warum wird dieser Aspekt für so zentral gehalten, und nicht der Aspekt des Wohnens?
Ich komme mit 100 Euro/Monat für Lebensmittel locker aus und esse damit so gut und gesund wie nie.
In anderen Bereichen könnte ich mich einschränken, wenn ich müsste, sogar was die Wohnraum-qm-Zahl angeht. Sogesehen finde ich die Hartz-IV-Sätze ausreichend. Ich würde nie erwarten, dass mir andere Menschen (= "die Steuerzahler") mehr als dieses Minimum erarbeiten (denn das tun sie ja), wenn ich mich selbst nicht finanzieren könnte.
Trotzdem stelle ich mir ein Hartz-IV-Leben schlimm bis menschenunwürdig vor wegen des Wohnaspekts. Eine schimmelige / verrottete Wohnung an einem abgelegenen Ort, der mich zur Immobilität zwingt, oder gar ein WG-Zimmer mit fehlender Intimsphäre (für mich als Nicht-WG-Typ) ist für mich eine ganz fürchterliche Vorstellung. Aktuell hängt es einzig von Zufallsfaktoren ab, ob ein Hartz-IV-Bezieher eine akzeptable Wohnung findet oder nicht.
Angesichts künftiger Altersarmut rollt hier eine große Bedarfswelle auf uns zu.
Ich wünsche mir, Tafel-analog, private Initiativen, die sich des Wohnungsthemas annehmen, z.B. Bau-Genossenschaften, die akzeptable 1-Zimmer-Appartments in nicht-abgehängter Lage errichten - das könnte gleichzeitig eine Anlagemöglichkeit für Kleinanleger sein.
Von der Politik wünsche ich mir einen Rechtsanspruch auf bezahlbaren Wohnraum, der die Kommunen zur Nachbesserung zwingt.
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16.03.2018, 18:14Inaktiver User
AW: Ca. 1000 Tafeln in Deutschland .... Strang zu "den Tafeln"!
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16.03.2018, 19:09
AW: Ca. 1000 Tafeln in Deutschland .... Strang zu "den Tafeln"!
Weiss ich auch nicht genau, aber die Linke hat mit eben diesem Argument bei der vorletzten BTW (2013) für einen Mindestlohn von 10,00Eur/h gestritten.
Das ist leider sehr wohl die Alternative, wenn man exportorientiert und arbeitskraftintensiv produziert....Auch da stimme ich dir zu, also dass es grundsätzlich ökonomisch keinen Mangel gibt, sondern man dann mehr bezahlen muss. Aber ich verstehe dann auch den deutschen Unternehmer, der ab einem bestimmten Punkt seine Produktion in ein anderes Land verlagert, wenn die Alternative dazu bedeutet, dass er zu seinen Wetbewerbern aus China nicht mehr konkurrenzfähig produzieren kann und der Rest der Mitarbeiter dann arbeitslos würde. Ist ja auch keine Alternative ...
Nur wird D eben auch bei noch größerer Lohnzurückhaltung niemals mit chinesischen (oder tschechischen, rumänischen, bulgarischen) Löhnen mithalten können.
Oder nur um den Preis, dass es den deutschen Arbeitnehmern und Rentnern dann auch so "gut" geht, wie denen dort.
Sieh Dir mal den Artikel an, den Lilith weiter oben gepostet hat - etwas trockene Kost, aber sehr gut fundiert.
Klar kennst Du die: z.B. Hermes, DPD, GLS, Ryanair, Easyjet, Amazon, die Lieferbetriebe der deutschen Automobilindustrie (Bosch, Schaeffler, Continental) ... nur lassen die schmutzige Personalgeschäft auch oft von Subunternehmern erledigen.... Hier lese ich dann immer nur was von "Unternehmerschwein", der sich auf Kosten seiner schwer schuftenden Sklaven einen Lenz macht. ;-)
Ich frag mich dann immer, welche Unternehmer ihr kennt. Solche kenne ich gar nicht.
Persönlich kenne ich allerdings auch nur Unternehmer, die ihre Leute anständig behandeln und bezahlen. Ärzte mal ausgenommen, das ist eine sehr eigene Unternehmerklientel.
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16.03.2018, 19:49
AW: Ca. 1000 Tafeln in Deutschland .... Strang zu "den Tafeln"!
Tja, das leidige "Warum sind nicht alle Menschen so wie ich?".

Entweder es gibt ein offzielles, transparent berechnetes Existenzminimum oder nicht.... Ich würde nie erwarten, dass mir andere Menschen (= "die Steuerzahler") mehr als dieses Minimum erarbeiten (denn das tun sie ja), wenn ich mich selbst nicht finanzieren könnte. ...
Bei uns gibt es lediglich ein "politisch berechnetes" Existenzminimum, das aber nicht ausreicht.
Entweder ein Staat nimmt für sich in Anspruch, dieses Existenzminimum zu garantieren, und kassiert entsprechend hohe Steuern oder nicht.
Bei uns werden u.a. mit diesem (nicht eingelösten) Anspruch Arbeitseinkommen relativ hoch belastet, Kapitaleinkünfte und Großunternehmensgewinne hingegen geschont.
Das ist genauso schlimm wie die Verknappung anderer Lebensresourcen.... Trotzdem stelle ich mir ein Hartz-IV-Leben schlimm bis menschenunwürdig vor wegen des Wohnaspekts. Eine schimmelige / verrottete Wohnung an einem abgelegenen Ort, der mich zur Immobilität zwingt, oder gar ein WG-Zimmer mit fehlender Intimsphäre (für mich als Nicht-WG-Typ) ist für mich eine ganz fürchterliche Vorstellung. Aktuell hängt es einzig von Zufallsfaktoren ab, ob ein Hartz-IV-Bezieher eine akzeptable Wohnung findet oder nicht. ...
Und wenn Du am Regelsatz was sparen könntest, könntest Du das dann ja für eine teuere Wohnung ausgeben. "Problem gelöst."
Ich schrieb es schon, unter Ertragsaspekten würde ich derzeit nur rollstuhlgerechte 35-qm-Wohnungen bauen, denn da sind Bedarf und Mieteinnahme auf Jahrzehnte gesichert.... Angesichts künftiger Altersarmut rollt hier eine große Bedarfswelle auf uns zu.
Ich wünsche mir, Tafel-analog, private Initiativen, die sich des Wohnungsthemas annehmen, z.B. Bau-Genossenschaften, die akzeptable 1-Zimmer-Appartments in nicht-abgehängter Lage errichten - das könnte gleichzeitig eine Anlagemöglichkeit für Kleinanleger sein. ...
Aber anscheinend sind andere Wohnungsbauvorhaben derzeit noch lukrativer oder anderweitig "more sexy".
Aber für eine Privatinitiative à la Tafel ist so eine Genossenschaft dann doch ein paar Nummern zu groß.
Wird nicht kommen, denn Wohnungsbau ist Ländersache und die Länder werden nichts beschliessen, das sie dann nicht bezahlen können.... Von der Politik wünsche ich mir einen Rechtsanspruch auf bezahlbaren Wohnraum, der die Kommunen zur Nachbesserung zwingt.
Die Politik wird das Wohnungsproblem einfach aussitzen, bis die geburtenstärksten Jahrgänge weggestorben sind, also so etwa in den 2040-50er Jahren.
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16.03.2018, 19:55
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16.03.2018, 20:03
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16.03.2018, 20:30Inaktiver User
AW: Ca. 1000 Tafeln in Deutschland .... Strang zu "den Tafeln"!
Hm, dann versuche ich mal zu rechnen. Ich vermute, die 10 Euro wurden aus anderen Gründen gewählt.
Das ist ja auch nicht nötig. Durch die bessere Fertigungsqualität und die Nähe zum Firmenstandort ist man ja bereit, 14-15 Euro pro Stunde zu bezahlen. Aber wenn man dafür auch niemanden bekommt, dann wird’s halt schwierig, dann muss man wohl oder übel nach Tschechien. Ich hab jetzt übrigens mal nachschauen können. Für den speziellen Ort habe ich keine Arbeitslosenquote gefunden, aber da innerhalb des U-/S-Bahn Bereichs München, kann man einfach München nehmen. Dort sind 40.000 Menschen arbeitslos, davon 20.000 Menschen nach ALGII/H4. Jetzt sagen wir mal, wir nehmen die Hälfte raus, weil die vielleicht am anderen Ende der Stadt wohnen, bleiben immer noch 10.000, für die dieser Job anscheinend nicht attraktiv genug ist, sodass sie lieber weiter H4 beziehen. Ist übrigens unbefristet.Das ist leider sehr wohl die Alternative, wenn man exportorientiert und arbeitskraftintensiv produziert.
Nur wird D eben auch bei noch größerer Lohnzurückhaltung niemals mit chinesischen (oder tschechischen, rumänischen, bulgarischen) Löhnen mithalten können.
Oder nur um den Preis, dass es den deutschen Arbeitnehmern und Rentnern dann auch so "gut" geht, wie denen dort.
Ok, mach ich.Sieh Dir mal den Artikel an, den Lilith weiter oben gepostet hat - etwas trockene Kost, aber sehr gut fundiert.
Ja, ich meinte eben auch Unternehmer, die man persönlich kennen kann. Und ich kenne weder Jeff Bezos von Amazon noch ... wobei die anderen keinen „Unternehmer“ haben, den man als Feindbild sehen könnte. Das sind meines Wissens alles Aktiengesellschaften und da müssen die Quartalsergebnisse stimmen. Bis auf Bosch, das ist eine Stiftung meiner Erinnerung nach. Wer da immer gemeint wird, wenn von den fiesen Unternehmern gesprochen wird, frage ich mich. Ersatzweise einfach der CEO?Klar kennst Du die: z.B. Hermes, DPD, GLS, Ryanair, Easyjet, Amazon, die Lieferbetriebe der deutschen Automobilindustrie (Bosch, Schaeffler, Continental) ... nur lassen die schmutzige Personalgeschäft auch oft von Subunternehmern erledigen.
Persönlich kenne ich allerdings auch nur Unternehmer, die ihre Leute anständig behandeln und bezahlen. Ärzte mal ausgenommen, das ist eine sehr eigene Unternehmerklientel.
Das denke ich auch. Von Amazon kenne ich nur kaufmännisches Personal, die sind alle gut bezahlt. Müssen sie auch, sie hätten sonst keine Leute. Dito Continental. Das ist Automobilindustrie im weiteren Sinne, da kenne ich nur sehr gute bis nahezu fürstliche Gehälter. Was zahlt denn Amazon seinen Logistikmitarbeitern?
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16.03.2018, 20:38Inaktiver User
AW: Ca. 1000 Tafeln in Deutschland .... Strang zu "den Tafeln"!
Hab ich selbst gefunden. Das ist aus dem Jahr 2016 (Quelle Süddeutsche Zeitung)
Wobei das unterschiedlich ist, in Leipzig oder anderswo ist es weniger, aber 10 Euro bezahlen sie immer. Hab was aus dem Jahr 2014 für Leipzig gefunden, da heißt es 11,32 Euro. Ist das so schlecht für einen Job, für den man keine Qualifikation vorweisen muss?In Graben bei Augsburg verdienen die Beschäftigten nach Angaben des Unternehmens im ersten Jahr 10,89 Euro pro Stunde, im zweiten 12,35 und im dritten 13,01 Euro. "Hinzu kommen Extras: Bonus, Weihnachtsgeld, Mitarbeiter-Aktien, Gratis-Versicherungen, ein Pensions-Fonds und Mitarbeiterrabatte."Geändert von Inaktiver User (16.03.2018 um 20:43 Uhr)
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16.03.2018, 20:46Inaktiver User
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16.03.2018, 20:48
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16.03.2018, 20:57Inaktiver User


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