Wenn jemanden, der H4 bezieht eine Arbeit angeboten wird, muss er sie ja auch nehmen, wenn zumutbar. Auch wenn es nicht mehr Geld wird und er aufstocken muss. Das Ziel ist ja, dass er sich selbst um seinen Lebensunterhalt kümmern soll, egal, ob er dann mehr oder weniger hat. Verdient er wenig, wird aufgestockt. Aber er benötigt dann ja trotzdem weniger Geld vom Staat.
Bei uns gibt es jede Menge Helferstellen, Putzstellen, Hausmeisterstellen... will scheinbar keiner machen. Wenn dann mitunter jemand aus H4 dazu "verdonnert" wird, fällt dem ganz schnell ein, wie er den unliebsamen Job wieder los wird. Das kanns ja auch nicht sein.
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16.03.2018, 13:03
AW: Ca. 1000 Tafeln in Deutschland .... Strang zu "den Tafeln"!
Bevor man anfängt zu reden, könnte man sich überlegen:
Ist es wichtig?
Ist es wahr?
Und ist es besser, als die Stille?

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16.03.2018, 13:10
AW: Ca. 1000 Tafeln in Deutschland .... Strang zu "den Tafeln"!
Ich kann dir sage, wie das damals bei mir war.
Ich habe eine Teilzeitstelle besetzt, ohne Aufstockung ( damit ich eben nicht arbeitslos bin ) Die Firma ist dann insolvent gegangen.
Der Herr vom AA hat mir dann ganz lieb eine 450 Euro Putzstelle "angeboten". Das war´s.
Und mir dann noch gesagt, das er ja auch nebenbei noch arbeiten geht, um sein Haus abzubezahlen.
ICH wollte aber keine vermittelte 450 Euro Putzstelle, sondern OHNE UNTERSTÜTZUNG mein eigenes Geld verdienen.
Ich habe diese Stelle nicht angetreten und mir selber wieder Arbeit gesucht.
BEVOR es zu angedrohten Sanktionen kam.Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der "Ent-täuschung"
Erich Fromm
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16.03.2018, 13:25
AW: Ca. 1000 Tafeln in Deutschland .... Strang zu "den Tafeln"!
Nein, annehmen muss man einen regulären Job erst dann, wenn er mindestens einen Euro mehr bietet als Hartz4.
Also einen 450-Euro-Job beispielsweise nicht.
Den nehmen aber trotzdem viele Hartzer gern an, weil sie damit wenigstens etwas mehr Geld haben als nur Hartz4.
So die Milchmädchenrechnung des Staates, was Vollzeitstellen angeht.... Das Ziel ist ja, dass er sich selbst um seinen Lebensunterhalt kümmern soll, egal, ob er dann mehr oder weniger hat. Verdient er wenig, wird aufgestockt. Aber er benötigt dann ja trotzdem weniger Geld vom Staat. ...
Wäre das generell so, würde es bedeuten, die Masse der Steuerzahler ergänzt das zu niedrige Gehalt, damit der Arbeitgeber weiter zuwenig zahlen kann und dadurch mehr Profit einstreicht.
Abgesehen davon, dass es eine unzulässige Subvention wäre (und selbst beim heutigen Standard schon ist), möchtest Du das so haben?
Möchtest Du als Arbeitnehmerin mehr Steuern zahlen, damit ein Bauunternehmen, ein Automobilzulieferbetrieb, eine Friseurgroßkette oder ein Schlachthof mehr Profit abwirft?
Wo ist "bei euch"?... Bei uns gibt es jede Menge Helferstellen, Putzstellen, Hausmeisterstellen... will scheinbar keiner machen. Wenn dann mitunter jemand aus H4 dazu "verdonnert" wird, fällt dem ganz schnell ein, wie er den unliebsamen Job wieder los wird. Das kanns ja auch nicht sein.
Und wie wäre es denn damit, diese Arbeit ordentlich zu bezahlen?
Hier freut sich nämlich jeder H4er über einen vernünftig (sprich Mindestlohn oder besser) bezahlten 450-Euro-Job.
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16.03.2018, 14:19Inaktiver User
AW: Ca. 1000 Tafeln in Deutschland .... Strang zu "den Tafeln"!
Vielleicht weil man selber für sein Auskommen sorgt, wenn man arbeiten kann? Ist das so abwegig?
Wieviel ist denn für dich ordentlich? Der Mindestlohn ist es anscheinend nicht, wieviel dann?
Und wo „bei Euch“ ist, weiß ich nicht. Ich wohne im „reichen“ Süden. Wenn ich hier gucke, was an ungelernten Tätigkeiten angeboten wird, kann ich ein Beispiel nennen, das ich gut kenne: für Arbeiten in sauberer Produktion (kein Dreck, keine Emissionen) werden einfache Leute gesucht, die keine Kenntnisse haben müssen. Bezahlt wird dafür derzeit meistens ungefähr 2500 Euro brutto. 40 Stunden Woche. Derzeit keine Schicht. ÖPNV nah. Es ist schwer, dafür Leute zu finden. Aber wieviel soll man für einen sehr einfachen Job an einer kleinen Produktionsanlage denn bezahlen müssen? Der Inhaber überlegt derzeit, die Produktion nach Tschechien zu verlagern, da es dort genügend Leute gibt. China ist zum Glück (noch) keine Alternative.
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16.03.2018, 16:51
AW: Ca. 1000 Tafeln in Deutschland .... Strang zu "den Tafeln"!
Kommt ja auf den Job an, aber Mindestlohn muss es schon sein. Wobei der mit 8,80 m.E. zu niedrig liegt - ein Mindestlohn sollte da liegen, wo man daraus die Mindestrentenansprüche erwirbt. Alles Andere verlagert Probleme nur in die Zukunft.
Erstaunlich.... Wenn ich hier gucke, was an ungelernten Tätigkeiten angeboten wird, kann ich ein Beispiel nennen, das ich gut kenne: für Arbeiten in sauberer Produktion (kein Dreck, keine Emissionen) werden einfache Leute gesucht, die keine Kenntnisse haben müssen. Bezahlt wird dafür derzeit meistens ungefähr 2500 Euro brutto. 40 Stunden Woche. Derzeit keine Schicht. ÖPNV nah. Es ist schwer, dafür Leute zu finden. ...
Und wieviel Menschen sind dort, also in dieser Kommune arbeitslos bzw. beziehen Hartz4? Weisst Du das zufälligerweise?
Seit wann sucht dieser Betrieb diese Arbeitskräfte, sind das unbefristete Arbeitsverträge?
Findet man dort eine Wohnung, die man mit 1.648,00 netto (SKL 1 von 2.500 brutto) bezahlen kann?
Zur Grundsatzfrage: Man muss für einen Job immer genau soviel bezahlen, dass sich jemand findet, der ihn für das Geld macht.
In Boom-Gegenden kann das dann dazu führen, dass besagte 2.500 Euro zu wenig sind. Wobei ich dafür als junger, familienloser Arbeitsuchender schon umsiedeln würde.Geändert von Kistenkumpel (16.03.2018 um 17:10 Uhr)
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16.03.2018, 17:05
AW: Ca. 1000 Tafeln in Deutschland .... Strang zu "den Tafeln"!
Das ist aber bei meinem Arbeitgeber ähnlich. Das Brutto ist vergleichbar, allerdings sind da steuerfreie Schicht-Zulagen drin. Einstiegslohn für Ungelernte: 11,98.
Für eine durchschnittliche 3 Zimmer Wohnung zahlt man um die 400 kalt, das geht auch billiger.
Wir haben mittlerweile 90 Prozent Zeitarbeiter aus Polen, Tschechien und Portugal, weil wir diese Stellen nicht besetzt bekommen.
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16.03.2018, 17:19Inaktiver User
AW: Ca. 1000 Tafeln in Deutschland .... Strang zu "den Tafeln"!
Ist das tatsächlich so? Was ist denn die Logik dahinter?
Mein Empfinden für Fairness sagt mir, dass ein Steuerzahler nur für Hartz4-Bezüge aufkommen sollte, wenn der Betroffene seinen Lebensunterhalt nicht selbst verdienen kann. Wenn nun jemand nur für 450, 550, 650... Euro arbeiten kann (- sei es aus gesundheitlichen Gründen oder weil er nicht mehr Stunden Arbeit findet), dann ist meine Erwartung, dass der Steuerzahler nur die Differenz zwischen diesem Einkommen und dem Existenzminimum bezahlen sollte, nicht einen kompletten Hartz4-Satz.
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16.03.2018, 17:50
AW: Ca. 1000 Tafeln in Deutschland .... Strang zu "den Tafeln"!
Ja, so dachte ich nämlich auch. Und ich meine ja nicht, dass man unter dem Mindestlohn arbeiten soll, aber wenn man nicht Vollzeit kann, dann eben TZ und aufstocken.
Und ich weiß nicht, wo 1600 € netto zu wenig sein sollen. Das Netto-Einstiegsgehalt im ÖD für einen guten Job (ohne Studium) ist anfangs so, ich glaube sogar noch ein bißchen weniger in der E 8.
Dafür fahre ich seit 13 Jahren jeden Tag 1h zur Arbeit und eine zurück, wobei der Lohn jedes Jahr etwas steigt. Jetzt ist es mehr.
Nun denke ich schon, dass man erwarten kann, dass jeder nach Möglichkeit arbeitet um so wenig wie möglich vom Staat abhängig zu sein. Daher finde ich Sanktionen auch richtig, um die Idee "Da habe ich mit H4 ja dasselbe ohne Arbeit" mal aus den Köpfen rauszukriegen.
Unabhängig davon finde ich auch, dass der Mindestlohn zu niedrig ist.Geändert von marylin (16.03.2018 um 17:58 Uhr)
Bevor man anfängt zu reden, könnte man sich überlegen:
Ist es wichtig?
Ist es wahr?
Und ist es besser, als die Stille?

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16.03.2018, 18:02Inaktiver User
AW: Ca. 1000 Tafeln in Deutschland .... Strang zu "den Tafeln"!
Ja, die Argumentation hat was. Ich bin grad nur mit Smartphone on und kann nicht so gut googeln, deshalb meine Frage: wieviel ist das dann?
Ja, die Arbeitslosigkeit ist niedrig und die Mieten hoch, grundsätzlich gesehen. Sagte ja, reicher Süden. Die Anzahl der ALGII Bezieher schau ich noch nach.Erstaunlich.
Und wieviel Menschen sind dort, also in dieser Kommune arbeitslos bzw. beziehen Hartz4? Weisst Du das zufälligerweise?
Seit wann sucht dieser Betrieb diese Arbeitskräfte, sind das unbefristete Arbeitsverträge?
Findet man dort eine Wohnung, die man mit 1.648,00 netto (SKL 1 von 2.500 brutto) bezahlen kann?
Auch da stimme ich dir zu, also dass es grundsätzlich ökonomisch keinen Mangel gibt, sondern man dann mehr bezahlen muss. Aber ich verstehe dann auch den deutschen Unternehmer, der ab einem bestimmten Punkt seine Produktion in ein anderes Land verlagert, wenn die Alternative dazu bedeutet, dass er zu seinen Wetbewerbern aus China nicht mehr konkurrenzfähig produzieren kann und der Rest der Mitarbeiter dann arbeitslos würde. Ist ja auch keine AlternativeZur Grundsatzfrage: Man muss für einen Job immer genau soviel bezahlen, dass sich jemand findet, der ihn für das Geld macht.
In Boom-Gegenden kann das dann dazu führen, dass besagte 2.500 Euro zu wenig sind. Wobei ich dafür als junger, familienloser Arbeitsuchender schon umsiedeln würde.
Hier lese ich dann immer nur was von "Unternehmerschwein", der sich auf Kosten seiner schwer schuftenden Sklaven einen Lenz macht. ;-)
Ich frag mich dann immer, welche Unternehmer ihr kennt. Solche kenne ich gar nicht.
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16.03.2018, 18:11
AW: Ca. 1000 Tafeln in Deutschland .... Strang zu "den Tafeln"!
Deutsche Gesetzgebung und Logik - ganz schwieriges Thema.
Beispiel: Warum muss jemand, der 30.000 Euro p.a. mit Erwerbsarbeit verdient, darauf mehr Steuern zahlen als jemand, der 30.000 p.a. aus Kapitalerträgen einnimmt?
Meines Wissens kann jedenfalls niemand, der einen Vollzeitarbeitsplatz sucht, gezwungen werden, einen 450-Euro-Job anzunehmen. Ich mag mich da irren.
De facto wird es so sein, dass ein Hartz4-Empfänger einen ordentlichen 450-Euro-Job sowieso sofort nimmt, da er damit etwas mehr Geld im Monat zur Verfügung hat, also ohne.
Und wenn es nur 50 oder 100 Euro mehr sind, das spielt eine große Rolle.
Dieses "Fairness-Empfinden" hat dazu geführt, dass massenhaft Vollzeitarbeitsplätze in 450-Euro-Jobs aufgespalten wurden, da dies für den Arbeitgeber billiger ist.... Mein Empfinden für Fairness sagt mir, dass ein Steuerzahler nur für Hartz4-Bezüge aufkommen sollte, wenn der Betroffene seinen Lebensunterhalt nicht selbst verdienen kann. Wenn nun jemand nur für 450, 550, 650... Euro arbeiten kann (- sei es aus gesundheitlichen Gründen oder weil er nicht mehr Stunden Arbeit findet), dann ist meine Erwartung, dass der Steuerzahler nur die Differenz zwischen diesem Einkommen und dem Existenzminimum bezahlen sollte, nicht einen kompletten Hartz4-Satz.
Genau das ist aber auch ein wesentliches Element der sinkenden Anzahl lebenunterhaltssichernder Vollzeitarbeitsplätze.
Beispielsweise im lokalen Edeka arbeiten zu ca. 75% 450-Euro-Kräfte, davon übrigens nicht wenige Hartz4-Empfänger.
Beim Lidl oder ALDI nebenan arbeiten überhaupt keine 450-Euro-Kräfte.
Dieses "Fairness-Empfinden" hat dazu geführt, dass sich Arbeitgeber in der Lage sahen, Teile des Lohns einzusparen und die Leute dann zum Aufstocken zum Jobcenter zu schicken.
Ist das gut bzw. besser?


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