Vielleicht sollte mal an der "guten Sozialprognose" gearbeitet werden, die ja schon oft bei Strafgerichtsverfahren als absolut hanebüchen aufgefallen ist. Wer weiß, nach welchen Richtlinien Psychiater und Gutachter arbeiten müssen?
Vielleicht steht der Resozialisierungsgedanke gegenüber dem Schutzgedanken zu sehr im Vordergrund?
Vielleicht sollte man an Glaubensgrundsätzen kratzen wie z.B. dem, dass jeder Mensch resozialisierbar ist und sich an Realitäten orientiert werden?
Oder als erstem Schritt mal auf die Fachleute hören und keine Leute freilassen, bei denen Gutachter immer noch eine Gefahr sehen?
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Thema: Straftaten
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07.10.2018, 16:58Inaktiver User
AW: Straftaten
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07.10.2018, 17:16Inaktiver User
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07.10.2018, 18:49
AW: Straftaten
Die Richtlinien über forensische Gutachten findet man z.B. hier und hier.
Das Vollzugsziel Resozialisierung ist die wichtigste Programmvorgabe für alles, was im, rund um den und nach dem Strafvollzug geschieht oder unterlassen wird. Die Resozialisierung ist in Deutschland ein wichtiger Strafzweck (positive Spezialprävention). Ist in allen Gesetzen zum Strafvollzug und des Maßregelvollzugs enthalten. Ein dauerhaftes Wegsperren ohne regelmäßige richterliche Überprüfung ist Freiheitsberaubung. "Spätestens nach Ablauf von jeweils drei Jahren ist zu überprüfen, ob eine Entlassung der Patientinnen und Patienten angeregt werden kann." Maßregelvollzugsgesetz - MRVG Die Patientinnen und Patienten sind durch ärztliche oder nichtärztliche Sachverständige zu begutachten. Diese dürfen nicht für die Einrichtung arbeiten. Für jeden, der die Rückfallquoten kennt, ein fast unerträglicher Gedanke.
Was aber viel schlimmer ist, dass alle forensischen Einrichtungen völlig überlastet und überbelegt sind. In NRW gibt es 2915 Plätze in 14 Kliniken. Neubauten scheitern immer an den Einsprüchen der Anwohner. Daher sind genau so viele Patienten in normalen Haftanstalten untergebracht wie in Kliniken und überfordern dort das Personal.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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07.10.2018, 19:29Inaktiver User
AW: Straftaten
Tja, das ist natürlich Teil des Problems. Wie soll ein überlasteter Arzt einen Patienten ordentlich begutachten können? Speziell bei Überforderung ist es eine nur allzu menschliche Regung, sich einen Teil der Aufgaben vom Halse zu schaffen. Wenn man ein weiteres Einsitzen mühsam begründen muss, während die Entlassung mit wenigen Worten erledigt ist, besteht schon die Neigung, einen gefährlichen Kerl einfach laufen zu lassen.
Hinzu kommen Richter, die weniger das Individuum als die Gesellschaft für das Auftreten von Straftaten verantwortlich machen und somit die Täter gegen gutachterlichen Rat gern an die Gesellschaft zur Abarbeitung zurückgeben. Richter, die der Meinung sind, dass der Täter auch noch nach der zigsten Tat eine Chance braucht. Die ganzen Strafstränge sind voll von derartigen Fällen.
D.h. nachstehende Aussage ist eine Beruhigungspille ohne Nährwert, ähnlich wie "die volle Härte des Rechtsstaates".
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07.10.2018, 20:12
AW: Straftaten
Echtes Interesse kannst Du gerne bei mit voraussetzen, ich beschäftige mich auch beruflich mit den Fragen.
Bei 17% falschen gutachterlichen Prognosen, die für mich keine hohe Fehlerquote sind, da auch ein Psychiater nicht in den Kopf eines anderen schauen kann, sind immerhin 83% der Prognosen zutreffend.
Einen Beleg für Blauäugigkeit kann ich darin nicht sehen.
@Volterre: was ist an der Feststellung, dass viele in ihrer Schuldfähigkeit eingeschränkte Täter viele Jahre, teils den Rest ihres Lebens, in der Psychiatrie im Massregelvollzug verbringen, eine Beruhigungspille??
Das ist eine Tatsache.
Zu dem was Ihr@Volterre und Magdalena sonst geschrieben habt (und soweit nicht Opelius zutreffend geantwortet hat, zB zu den Massstäben, die für Gutachten gelten):
Wer vertritt denn den Glaubenssatz, dass jeder Mensch resozialisierbar ist?
Selbst wenn man den nicht vetritt, kann man nicht jeden, der eine Straftat, auch eine Sexualstraftat begangen hat, lebenslang in die Sicherungsverwahrung schicken. Denn dass mehr als jeder zweite rückfällig wird, heißt auch, dass mehr als jeder dritte nicht rückfällig wird. Soll man ihn trotzdem mit wegsperren?
Und auch die, die eine Sexualstraftat, die eine andere Qualität als eine Vergewaltigung, wie z.B. eine exhibitionistische Handlung begangen haben?Wenn mich die weltpolitische Lage deprimiert, denke ich an die Ankunftshalle in Heathrow. Es wird immer behauptet, wir leben in einer Welt von Hass und Habgier, aber das stimmt nicht. Mir scheint wir sind überall von Liebe umgeben. Oft ist sie weder besonders glanzvoll noch spektakulär, aber sie ist da. Väter&Söhne, Mütter&Töchter, Ehepaare, Verliebte, alte Freunde.
Ich glaube, wer darauf achtet, wird feststellen können, dass Liebe tatsächlich überall zu finden ist
Intro "Tatsächlich Liebe"
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07.10.2018, 20:37Inaktiver User
AW: Straftaten
Ich beziehe mich hierauf:
Aber, wie bereits belegt, laufen gegen gutachterliches Urteil diverse Täter aus dem Maßregelvollzug frei herum. Zudem sind viele Gutachter überlastet, können die Täter gar nicht gründlich begutachten und senken selber ihre Arbeitslast, wenn sie diese Männer "freigeben".
Das heißt, dass obige Aussage nur in einem Teil der Fälle und keineswegs allgemein zutrifft. Man hat diese gefährlichen Männer bis auf unvermeidliche Einzelfälle, anders als von dir angeführt, mitnichten unter Kontrolle.
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08.10.2018, 12:05
AW: Straftaten
LEBE LIEBER UNGEWÖHNLICH
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08.10.2018, 14:38
AW: Straftaten
Dass Gutachter Männer (gefährliche Frauen im Massregelvollzug sind nach Deiner Meinung kein Thema?) "freigeben" um die Arbeitslast zu mindern, ist wo belegt?
Ein positives Gutachten geht nicht schneller als ein negatives, im Zweifel dauert es einfach länger, wenn der Gutachter überlastet ist.
Entlassene gefährliche Untergebrachte als Massenphänomen sehe ich trotz des einen verlinkten Artikels aus NRW nicht, aber ich kann nachvollziehen, dass der Artikel zu diesen Schlüssen drängt, wenn man keine eigene Erfahrung auf dem Gebiet hat.
Dass man viele gefährliche Menschen nicht unter Kontrolle hat, ist leider so, viele Menschen sind gefährlich, obwohl sie noch nie irgendwo in entsprechender Richtung auffällig waren. Da gibt es dann auch keine Schutzmaßnahmen. Dagegen gibt es für aus der Psychiatrie entlassene Täter engmaschige Kontrollen, Auflagen und Weisungen (bis zur elektronischen Fussfessel) durch die Justiz, da sie unter Führungsaufsicht stehen, bei Sexualstraftätern zusätzlich polizeiliche Programme mit Überwachung und Kontrolle.Wenn mich die weltpolitische Lage deprimiert, denke ich an die Ankunftshalle in Heathrow. Es wird immer behauptet, wir leben in einer Welt von Hass und Habgier, aber das stimmt nicht. Mir scheint wir sind überall von Liebe umgeben. Oft ist sie weder besonders glanzvoll noch spektakulär, aber sie ist da. Väter&Söhne, Mütter&Töchter, Ehepaare, Verliebte, alte Freunde.
Ich glaube, wer darauf achtet, wird feststellen können, dass Liebe tatsächlich überall zu finden ist
Intro "Tatsächlich Liebe"
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08.10.2018, 19:36Inaktiver User
AW: Straftaten
Natürlich gibt es viele gefährliche Menschen, die frei herumlaufen und noch nie aktenkundig geschweige denn verurteilt wurden. Das sind Binsenweisheiten.
Wenn aber dann schon mal einer gefasst ist und als sehr gefährlich erkannt wurde, warum den dann wieder freilassen, wenn weiter Gefahrenpotenzial vorhanden ist?
Wenn deine Tochter/dein Kind/deine Frau/dein Mann/deine Mutter .......tbc von so einem Wiederholungstäter, der schon bekannt und trotzdem frei war, verletzt, gefoltert, ermordet wurde, dann würdest du vermutlich auch anders argumentieren. Nein - ich selber bin nicht betroffen.
Fritzi du vertrittst hier die Täterrechte, argumentierst von ihrer Warte aus. Das ist okay so. Jeder soll eine Stimme haben.
Ich aber argumentiere für die Opfer und für die möglichen präsumptiven Opfer. Auch diese haben Rechte und Würde. Mein Eindruck ist, dass wir in einer Tätergesellschaft leben. Der Täter ist der Arme mit schrecklicher Kindheit und bliblablubb (übrigens gibt es viel mehr Menschen mit furchtbarer Kindheit und/oder schrecklichen Vorerfahrungen, die nicht kriminell werden) Für die Opfer interessiert sich niemand.
Die Opfer sind oft lebenslang traumatisiert - trotz Therapie (falls sie diese überhaupt erhalten) oder - wie mein Vater zu sagen pflegte: "Das Opfer ist ein Leben lang tot".
Der Täter kommt nach ein paar Jahren frei und... tja, das weiß niemand wirklich genau.
Täter zerstören auch nicht "nur" das Opfer/das Leben des Opfers. Opfer haben meistens auch Familien. Deren Leid ist oft immens. Wird ein Täter fast nicht bestraft, ist das ein Schlag ins Gesicht der Familienangehörigen.
Was dabei manchmal auf der Strecke bleibt ist das Vertrauen in den Rechtsstaat. Wir dürfen und sollen darauf vertrauen können, dass der Staat uns Schutz gewährt und für Gerechtigkeit sorgt.
Wird dieses Vertrauen erschüttert, hat das unmittelbare Folgen auf das Verhalten der Menschen. Wenn es viele Menschen werden, deren Vertrauen in den Staat schwindet, haben so genannte "starke Männer" seien sie nun aus Österreich kommend oder sonst wo her leichtes oder zumindest wesentlich leichteres Spiel, weil sich die Menschen nach Sicherheit sehnen, nach Sicherheit und Gerechtigkeit.
So ist es eine der vornehmsten aber auch wichtigsten Aufgaben eines Staates dem Bürger diese Sicherheit zu vermitteln, für Gerechtigkeit und Schutz zu sorgen.
Nicht nur Täter haben Rechte auch die Opfer haben welche und ein Recht auf Würde haben sie auch.
Magdalena
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08.10.2018, 19:51
AW: Straftaten
Kein Staat schafft es, seine Bürger vor Verbrechen zu schützen. Staaten mit längeren Haftstrafen/ härteren Strafen haben auch keine geringere Kriminalitätsrate.
Ich sehe kein bei Fritzi kein Argumentieren aus Tätersicht- eher gesunden Menschenverstand, verbunden mit Fachwissen.



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