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Thema: Straftaten

  1. gesperrt

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    AW: Straftaten

    Libentia,
    Ich habe dich aus gutem Grund nicht zitiert. Ich zitiere dich nie.
    Ich zitierte Opelius.
    Natürlich ist Neoliberalismus kein Begriff aus der Erziehungswissenschaft, wo fangen wir denn an zu diskutieren, wenn wir das klären müssen?

    Kriminologisch kann jedes Täterverhalten erklärt werden.
    Merton bietet interessante Ansätze, die die politisch-wirtschaftlichen Verhältnisse einbeziehen - da kommt dann der Begriff Neoliberalismus ins Spiel.

  2. Inaktiver User

    AW: Straftaten

    Zitat Zitat von Paraplumeau Beitrag anzeigen
    Merton bietet interessante Ansätze, die die politisch-wirtschaftlichen Verhältnisse einbeziehen - da kommt dann der Begriff Neoliberalismus ins Spiel.
    Das hatte ich falsch verstanden, ich dachte, das wäre konkret auf Erziehungsverhalten bezogen.

    Ich habe dich aus gutem Grund nicht zitiert. Ich zitiere dich nie.
    Was schon okay ist für mich. Man muß weder jeden mögen, noch jeden verstehen. Allerdings geht es hier im Forum schon darum, sich (inhaltlich) zu verstehen, sonst bringt der Austausch ja nicht so viel.
    Aber soll jetzt nicht heißen, daß Du, was immer jener Merton sagt, näher erklären müßtest, meiner Meinung nach. Ich hätte es schon interessant gefunden. Aber dann bleibt das eben so stehen, als Lesetip, und wer näher interessiert ist, der liest eben selber nach.

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    AW: Straftaten

    Ich habe eine Studie von 2015 gelesen, dass immer noch 30 Prozent aller Kinder in Deutschland geschlagen werden. Das ist furchtbar.

    Auf der anderen Seite haben wir einen sehr großen Anteil an Eltern, die der Meinung sind, sie erzögen ihre Kinder auf Augenhöhe. Was aber nicht funktioniert, denn kleine Kinder, denen nie ein Widerstand geboten wird, die immer auf einen "Wackelpudding" als Elternteil stossen, gelten sehr schnell als verhaltensauffällig. Wenn im Elternhaus jedwede Strafe oder Konsequenz verpönt ist, setzt der normale Lernprozess "Halte ich mich nicht an die Regeln, gibt es Ärger" nicht ein.
    Frag mal in Grundschulen, wie die Lehrer es finden, dass in ihren Klassen überwiegend Prinzen und Prinzessinnen sitzen, die daran gewöhnt sind, dass sich die Welt um sie zu drehen hat.

    Eine angemessene Impulskontrolle fehlt sehr vielen Kindern.

    Und genau das zeigt so eine Tat- eine mangelnde Impulskontrolle. Denn, stimmen die Umstände, wäre fast jeder in der Lage, eine Straftat zu begehen.

    Da mit " Keine Gewalt gegen Kinder" als erstes um die Ecke zu kommen ist bestenfalls...naiv.

  4. Inaktiver User

    AW: Straftaten

    Ich habe mal gegoogelt nach Merton, und folgendes gefunden. Es geht um die Abwesenheit gemeinsamer Werte und Normen als Ursache für abweichendes bzw. kriminelles Verhalten. (so eine Beschreibung eines Buches über seine Theorie bei Amazon).

    Hier noch was dazu bei Wikipedia:

    Anomie (...) bezeichnet in der Soziologie einen Zustand fehlender oder schwacher sozialer Normen, Regeln und Ordnung. Vor allem in England war der Begriff ursprünglich ein theologischer Ausdruck für das Brechen religiöser Gesetze. Zur Beschreibung einer Anomie wird umgangssprachlich und irreführend häufig auch das Wort Anarchie (Abwesenheit von Herrschaft) benutzt.
    Anomie – Wikipedia

    Das finde ich auch interessant.

  5. Inaktiver User

    AW: Straftaten

    Zitat Zitat von Sasapi Beitrag anzeigen
    Wenn im Elternhaus jedwede Strafe oder Konsequenz verpönt ist, setzt der normale Lernprozess "Halte ich mich nicht an die Regeln, gibt es Ärger" nicht ein.
    Frag mal in Grundschulen, wie die Lehrer es finden, dass in ihren Klassen überwiegend Prinzen und Prinzessinnen sitzen, die daran gewöhnt sind, dass sich die Welt um sie zu drehen hat.

    Eine angemessene Impulskontrolle fehlt sehr vielen Kindern.

    Und genau das zeigt so eine Tat- eine mangelnde Impulskontrolle. Denn, stimmen die Umstände, wäre fast jeder in der Lage, eine Straftat zu begehen.
    Impulskontrolle, Selbstregulation, Frustrationstoleranz, diese Dinge kann man alle auch anders lernen als durch Strafen (oder Drohungen etc.). Kinder sind von Geburt an soziale Wesen, und wenn sie nicht schon massiv "schlecht erzogen" wurden (diese Fälle mag es durchaus geben), können alle Kinder auch auf der Vernunft- und Verstandes- und Einsichtsebene erreicht werden. Ausnahmen bestätigen die Regel.
    Wenn das nicht möglich wäre, wären ja Drohungen (oder drohende Strafen etc.) die einzige Möglichkeit, ein sozialverträgliches Verhalten aufrechtzuerhalten.

    Das, was ich oben von Dir zitiert habe: Willst Du damit sagen, alle Kinder, die nicht mit Strafen und Drohungen (und schon gar nicht mit Gewaltanwendung) erzogen wurden, hätten keine Impulskontrolle und würden später geneigt sein, Gewalttaten zu begehen? Ich denke ja nicht. Es geht auch nicht darum, keinerlei Regeln aufzustellen (oder daß ein Kind keinerlei Regeln befolgen müßte). Es gibt nicht nur entweder schwarz oder aber weiß. Also nicht nur "immer durchgesetzte Regeln auf Deufel komm raus, das Kind muß lernen, alle Regeln einzuhalten" oder aber: "gar keine Regeln". Also es geht keineswegs um: entweder den Unterjochten oder aber den hofierten Prinzen.

    Sondern es geht um das Wie:
    Ich glaube, die meisten Leute unterschätzen die Einsichtsfähigkeit von Kindern, sich an Regeln zu halten, - wenn diese nämlich verstanden werden. Oder, übrigens: Ein Kind vertraut ja auch, auf "seine Erwachsenen", die Eltern, Lehrer usw., es glaubt also Gründe auch erstmal, auch wenn es sie nicht ganz versteht. Dieses Vertrauen darf man aber nicht mißbrauchen. (gilt ja auch unter Erwachsenen, umso mehr bei Kindern).

    Nur weil manche auch mit Strafen,und einige sogar mit Gewalt, erziehen, ist das längst nicht die einzige, und schon gar nicht die beste (meiner Meinung nach) Erziehungsmethode. Erziehung sollte nicht heißen, daß die Machtstellung, die ein Erwachsener einem Kind natürlicherweise hat, mißbraucht wird, um "seine Regeln" durchzusetzen, das Kind "gefügig" zu machen.
    Geändert von Inaktiver User (16.09.2018 um 22:20 Uhr)

  6. User Info Menu

    AW: Straftaten

    Zitat Zitat von Sasapi Beitrag anzeigen
    Frag mal in Grundschulen, wie die Lehrer es finden, dass in ihren Klassen überwiegend Prinzen und Prinzessinnen sitzen, die daran gewöhnt sind, dass sich die Welt um sie zu drehen hat.

    Eine angemessene Impulskontrolle fehlt sehr vielen Kindern.

    Und genau das zeigt so eine Tat- eine mangelnde Impulskontrolle. Denn, stimmen die Umstände, wäre fast jeder in der Lage, eine Straftat zu begehen.
    Ergänzend dazu noch
    niedrige Frustrationsgrenzen
    Geändert von Lilith10 (16.09.2018 um 22:14 Uhr)
    Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der "Ent-täuschung"

    Erich Fromm

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    AW: Straftaten

    Manche erinnern sich noch an die "antiautoritäre Erziehung", die, wenn ich mich recht erinnere so vor 4 Jahrzehnten in nicht wenigen Haushalten praktiziert wurde. Ich habe aber in keiner Statistik einen Hinweis darauf gefunden, dass die so sich selbst überlassenen Kinder kriminologisch besonders auffällig waren. Diese Kinder sind inzwischen selbst Eltern, und soweit ich da Einblick hatte, hielten diese nichts von ihrer eigenen erlebten Erziehung. Es sei für sie unbefriedigend gewesen.

    Vor vielen Jahren habe ich einmal in einer Erziehungsberatungsstelle einen Persönlichkeitstest für Eltern gemacht. Unter sehr viel Fragen zur eigenen Kindheit versteckten sich insgesamt 4 Fragen zur eigenen Devianz, z.B. ob man schon einmal schwarzgefahren sei, etwas geklaut habe, eine Prügelei angefangen habe oder bewusst die Eltern belogen habe.
    Ich fragte nach dem Grund dieser Fragen und die Psychologin meinte, wer von diesen Fragen drei mit nein beantworte, sei insgesamt unglaubwürdig, da er eigenes Fehlverhalten verdränge.

    Ich war sehr erstaunt. Heute stimme ich der Einschätzung zu.
    Geändert von Opelius (17.09.2018 um 07:27 Uhr)
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  8. gesperrt

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    AW: Straftaten

    Zitat Zitat von Opelius Beitrag anzeigen
    ...
    ...
    Ergänzung:
    ich halte jeden Menschen, insbesondere mich selbst, für jedes Verbrechen fähig. Man muss nur sich selbst völlig an die Wand gedrückt fühlen, sich in einer subjektiv aussichtslosen Lage fühlen, dann kann man das. In Gedanken habe ich schon viele Verbrechen ausgeführt, bisher allerdings nicht begangen.
    Obiges macht mich betroffen...
    -Nie bei solchen Gedanken daran gedacht, dass jede Straftat die eigene Situation nur noch verschlimmert?
    - Der ethische Grundsatz "Tu', was du willst und schade nicht!" so sehr fremd?

    (Übrigens kannst Du Deine eigenen Kinder und Enkel gewaltfrei(!) und klug so erziehen, dass es nur einen einzigen Wutausbruch ihrerseits gibt, wenn sie mal etwas nicht bekommen.)

  9. Inaktiver User

    AW: Straftaten

    Opelius:

    Naja,, 2 von den Fragen beziehen sich auf klar Illegales (Schwarzfahren/Klauen), da würde ich doch in so einem Fragebogen niemals ja sagen, wer weiß ob man mir hinterher was anhängt?

    Mal abgesehen davon dass man damit die, bei denen die Eltern extrem wirksam auf Gehorsam gedrillt haben (funktioniert manchmal tatsächlich, ist aber vermutlich auf die Dauer ungesund) als unglaubwürdig hinstellt.


    (Ergänzung: heutet würde ich sicher mehrere Fragen mit "ja" beantworten, je nachdem was als Prügelei zählt wäre ich als Kind bei völlig wahrheitsgemäßer Beantwortung voll in die "unglaubwürdig"-Schiene gerutscht -klar war das überangepasste Verhalten nicht gesund, aber Fehlverhalten verdrängt wurde da eben auch nicht.)

  10. gesperrt

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    AW: Straftaten

    Zitat Zitat von Opelius Beitrag anzeigen

    Vor vielen Jahren habe ich einmal in einer Erziehungsberatungsstelle einen Persönlichkeitstest für Eltern gemacht. Unter sehr viel Fragen zur eigenen Kindheit versteckten sich insgesamt 4 Fragen zur eigenen Devianz, z.B. ob man schon einmal schwarzgefahren sei, etwas geklaut habe, eine Prügelei angefangen habe oder bewusst die Eltern belogen habe.
    Ich fragte nach dem Grund dieser Fragen und die Psychologin meinte, wer von diesen Fragen drei mit nein beantworte, sei insgesamt unglaubwürdig, da er eigenes Fehlverhalten verdränge.

    Ich war sehr erstaunt. Heute stimme ich der Einschätzung zu.
    Deviantes Verhalten ist ubiquitär. Das ist einer der Grundsätze in der Kriminologie.
    Entscheidend ist einerseits die - untechnisch ausgedrückt - Rechtfertigung dafür und andererseits die Reaktion bzw. Ahndung des abweichenden Verhaltens.

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