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    metoo - Ihr nicht?

    Landauf, landab, auf verschiedenen Kontinenten, in persönlichen Gesprächen und in Parlamenten wird nach dem Bekanntwerden der Schweinereien von Weinstein und Konsorten und dem Hashtag metoo über sexuelle Übergriffe auf Frauen gesprochen und diskutiert. Nur im Forum einer großen Frauenzeitschrift erstaunlicherweise nicht.

    Sind die Frauen in der Brigitte-Community nicht davon betroffen? Ist ihrer Meinung nach die Diskussion überflüssig? Ist Schweigen die bessere Alternative? Was meint Ihr?

    Ich beispielsweise habe damals darüber geschwiegen. Über die Anzüglichkeiten des Vorgesetzten, über die Ellenbogen, die „zufällig“ meinen Busen und die Hüften, die meinen Po streiften. Es war mir natürlich total fies, aber es wurde verdrängt und nicht darüber gesprochen, da mit Reaktionen wie „Nicht so gemeint“, „Ist doch nichts passiert“, „Stell dich nicht so an“ zu rechnen war.

    Hat sich seitdem wirklich so wenig geändert?

    Laut einem FRA-Bericht von 2014 haben 55 Prozent der Frauen in Europa sexuelle Belästigung, 33 Prozent sogar körperliche oder sexualisierte Gewalt erleben müssen. Es ist sicher nicht jederfraus Sache, gegen Übergriffigkeit und Gewalt auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren. Aber sollten wir nicht wenigstens reden, reden, reden, um unsere Position deutlich zu machen und zu verteidigen? Natürlich auch außerhalb von Internet-Foren und nicht nur als anonyme Nutzerinnen.

    Wie seht Ihr das, und wie geht Ihr mit dem Thema um?

  2. Inaktiver User

    AW: metoo - Ihr nicht?

    Ist mir noch nicht passiert.

    Aber erlebt bei anderen Frauen - und geholfen habe ich auch.

    Was mir auffällt, immer wieder, Frauen in dieser Situation positionieren sich nicht, wehren sich nicht, sagen nichts.

    Erlebt Silvester 2015 in HH - und es war leicht zu helfen. Laut reden, mit der Polizei drohen.

    Kein Opfer sein!

    Reden ist sicher wichtig - als Frau lernen Grenzen zu wahren, vor allem die Eigenen und sich zu wehren, finde ich wichtiger.

    Selbstverteidigungskurse zum Beispiel. Und im Job? Reden, beschweren... sicher! Immer!


  3. Registriert seit
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    AW: metoo - Ihr nicht?

    Ich habe das auch mal bei einem Chef erlebt - wenn er mit mir alleine war, hat er mich "zufällig" irgendwo berührt.

    Beschweren? Das war eine kleine Firma mit insgesamt 5 Leuten, und besagter Herr war der Firmenchef und der Chef von allen. Ich war die einzige Frau in der Firma. Ich konnte damals damit nicht umgehen und bin irgendwann wirklich krank geworden. Ich habe mich meinem Arzt anvertraut, der schrieb mich zwei Wochen krank. Ich als dann wieder in die Firma kam, bekam ich die Kündigung - noch in der Probezeit. Ich war froh, als ich dort weg war.
    Der Kluge lernt aus allem und von jedem, der Normale aus seinen Erfahrungen und der Dumme weiß alles besser. (Sokrates)

    Nenne dich nicht arm, weil deine Träume nicht in Erfüllung gegangen sind.
    Wirklich arm ist nur, wer nie geträumt hat. (Marie von Ebner-Eschenbach)

  4. Moderation Avatar von Anemone
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    AW: metoo - Ihr nicht?

    Ich finde die Initiative gut. Vor allem, weil mir bei intensivem Nachdenken zuerst! nichts wirklich Gravierendes einfiel.

    Wobei: was ist gravierend und wer legt das fest? Was ist in einem langen (bei mir) Frauenleben passiert, wie ist das überhaupt aufgefallen, was fiel unter die Rubrik "Schulterzucken" und " so sind die Männer halt" und wo fällt frau das vielleicht schon gar nicht mehr auf...
    Klar, ich hatte mal einen Vorgesetzten, der gerne dicht hinter mir stand und schmierige Witzchen riss. Fand ich nur blöd und lästig.

    Aber ich hatte doch noch ein Erlebnis, und da war ich noch sehr jung, ca. 20. Ein Kommilitone, mit dem ich ein bisschen geflirtet hatte, bedrängte mich heftig, noch dazu in einem Keller, in dem wir eine Art Galerie einrichten wollten. Die anderen waren weg und er wurde massiv. Was außer dieser Bedrohungssituation schlimm war, war die Hemmung, Gewalt anzuwenden. Ich schaffte es nämlich auf die Treppe zur Straße hin und er setzte mir nach und zerrte an mir. Die Tür war auf und ich erinnere mich, dass ich
    1. Hemmungen hatte, um Hilfe zu rufen.
    2. die Eisenstange einzusetzen, die ich als Waffe ergriffen hatte. Trotz wirklicher schrecklicher Angst.
    Viel ist verblasst, sind ja schon mehrere Jahrzehnte her, aber ich glaube, ich habs geschafft, meine Hemmung zu überwinden und zuzuschlagen. Sehr leicht.
    Und die Hilfe anzunehmen, die von draußen nahte.

    Dann musste ich zuhause von Freund und Eltern quasi überredet werden, zur Polizei zu gehen. Weil: wir kannten uns ja, er hatte mich nicht vergewaltigt, es war ja "eigentlich" nichts passiert.
    Ich schlief wochenlang mit einem Messer (das ich ihm heimlich abgenommen hatte) unterm Kopfkissen.
    Ich öffnete das Fenster nicht nachts.

    Und was war? Er wurde wohl verhört, und da nichts Besonderes vorgefallen war, wieder freigelassen. Und wir liefen uns weiterhin jeden Tag über den Weg.

    Ich habe sicherlich keine bleibenden Ängste davon getragen. Im Gegenteil, je älter ich wurde, desto sicherer wurde ich. Heute, auch vor 10 oder 20 Jahren, wäre ich sehr anders und auch rabiater bei einer solchen Bedrohung vorgegangen.

    Ich finde es enorm wichtig, heute auch Mädchen schon früh dazu zu erziehen, sich nichts gefallen zu lassen.
    Meine große Tochter hat sowas mal gebracht: sie war noch in der Grundschule und erzürnt von einem Mann, der irgendwie anbiedernd quatschend hinter einer Gruppe von ca. 10jährigen Mitschülerinnen herlatschte. Darauf hin hat sie dem einfach einen Schirm über den Kopf gehauen. Einfach so. Hat genutzt, aber nachträglich wurde mir schon mulmig.
    Und führe mich nicht in Versuchung -
    ich finde den Weg allein (Mae West)


    Wir glauben Erfahrungen zu machen,
    aber die Erfahrungen machen uns. (Eugène Ionesco)
    ------------------------------------

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    Essen - Genuss oder Frust? Rücken

  5. Avatar von Hillie
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    AW: metoo - Ihr nicht?

    Als die Kampagne gestartet wurde, dachte ich auch zunächst: das ist mir nicht passiert, aber dann kam es doch hoch und ich erinnere mich an zwei Ereignisse.
    Das erste war vor ca. 55 Jahren. Ich durfte mit meinen Eltern zu einem Tanzabend von der katholischen Gemeinde. Ein guter Jugendfreund meines Vaters und seine Frau waren auch dabei und er tanzte mit mir. Dabei bekam er eine Erektion (die ich, unaufgeklärt wie ich war, nicht als solche erkannte) und flüsterte immer: Drück's nur ran. Mir war das einfach nur unangenehm; meinen Eltern sagte ich aber nichts.
    Beim zweiten Mal war ich viele Jahre später bei einer Fortbildung und beim abendlichen Zusammensein grapschte einer, der neben mir saß, mir am Oberschenkel. Da war ich schon mutiger, ich schlug ihm auf die Hand und rief laut: Nimm die Hand weg. Das war ihm aber peinlich.
    Niemand ist mit einem Etikett um den Hals auf die Welt gekommen, auf dem steht "Mensch erster Qualität" oder "Mensch zweiter Qualität". Die Etiketten haben wir Menschen erfunden.
    Anita Lasker-Wallfisch (geb. 1925), eine der letzten bekannten Überlebenden des Mädchenorchesters von Auschwitz



  6. Inaktiver User

    AW: metoo - Ihr nicht?

    Zitat Zitat von knirrsch Beitrag anzeigen
    Landauf, landab, auf verschiedenen Kontinenten, in persönlichen Gesprächen und in Parlamenten wird nach dem Bekanntwerden der Schweinereien von Weinstein und Konsorten und dem Hashtag metoo über sexuelle Übergriffe auf Frauen gesprochen und diskutiert. Nur im Forum einer großen Frauenzeitschrift erstaunlicherweise nicht.

    Sind die Frauen in der Brigitte-Community nicht davon betroffen? Ist ihrer Meinung nach die Diskussion überflüssig?
    Was heißt "Bekanntwerden" ? Das weibliche Hauptrollen von Newcomerinnen im Filmbereich gerne über die "Besetzungscouch" vergeben werden, dürfte jedem, auch außerhalb des Filmbusiness, bekannt sein. Muß man nicht gut finden, aber ich fühle mich da tatsächlich nicht von betroffen, auch wenn ich das Verhalten von diesen alten, lüsternen Kerlen natürlich indiskutabel finde.

    Mir mißfällt an dieser Kampagne auch dieses typisch amerikanisch-hysterisch-aufgesetzte. Ist nicht so mein Ding.

    Sexuelle Belästigungen haben wir ja vermutlich alle schon mal in der einen oder anderen Form erlebt. Aber ich finde, da gibt es heute eine breite Aufklärung drüber, ein öffentliches Bewußtsein. Und jede halbwegs große Firma hat Programme, dies zu verhindern, und/oder betroffene Frauen zu beschützen.

    Dass hier überhaupt nicht über so was gesprochen wird, kann man nun wirklich nicht behaupten, siehe Sylvester in Köln 2015. Das Thema ist halt nur nicht aktuell, und die wenigsten von uns Schauspielerinnen.
    Geändert von Inaktiver User (24.10.2017 um 11:57 Uhr)

  7. Inaktiver User

    AW: metoo - Ihr nicht?

    Zitat Zitat von Anemone Beitrag anzeigen
    Ich finde es enorm wichtig, heute auch Mädchen schon früh dazu zu erziehen, sich nichts gefallen zu lassen.
    Meine große Tochter hat sowas mal gebracht: sie war noch in der Grundschule und erzürnt von einem Mann, der irgendwie anbiedernd quatschend hinter einer Gruppe von ca. 10jährigen Mitschülerinnen herlatschte. Darauf hin hat sie dem einfach einen Schirm über den Kopf gehauen. Einfach so. Hat genutzt, aber nachträglich wurde mir schon mulmig.
    Das finde ich den wesentlichen Punkt !

    Ich finde es so klasse, dass heute Kinder dazu erzogen werden, sich ÜBERHAUPT KEINE Übergriffigkeiten mehr gefallen lassen zu müssen.
    Auch nicht, wie mir z.B., mich von der fetten 2. Frau meines Großvaters als Kind zwischen ihre Brüste pressen- und ausführlichst abknutschen zu lassen. Was habe ich das gehasst. Aber damals galt "Du mußt der Oma doch ein Küßchen geben !"


  8. Registriert seit
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    AW: metoo - Ihr nicht?

    Mich stören an der Sache mehrere Dinge:

    1. Feigheit: Weinstein ist ohnehin Geschichte, als er mächtig war, hat sich niemand gefunden, der sexuelle Belästigungen angeprangert hat. Jetzt scheint es manchen nicht schnell genug zu gehen, auch unter den Belästigten zu sein. Hätten zumindest die Stars nicht vorher den Mund aufmachen können?

    2. das Hysterische, das Lorelei aufgesetzt hat.

    3. Bringt es was? Was ist aus der Aufschrei Debatte vor einigen Jahren tatsächlich geworden?

    4. Ich sehe das Problem an anderer Stelle, nämlich dass Frauen sich nicht wehren, wo sie sich sehr wohl wehren könnten. Als Beispiel seien die norwegischen Ministerinnen genannt, die in der EU begrabscht wurden. Ja lieber Himmel, wenn ich als Ministerin keine effektive Abwehr hinbekommen, wie soll ich mich dann für die Frauen einsetzen, die keine herausragende Stellung bekleiden?

    ein anderes Beispiel aus meinem Umfeld: 2 Azubis wurden verbal belästigt und sind zum Betriebsrat. Dort wurden sie unterstützt, eine Betriebsrätin hat sie zu dem angesetzten Gespräch begleitet. Zusätzlich wurde ihnen eingeschärft, dass sie - wenn sie so etwas anzeigen - auch Beispiele nennen müssten, damit der Fall geahndet werden kann. Was passierte? Die Damen sagten nichts, der Täter stritt alles ab, alles verlief im Sande.

    Solange Frauen ihre eigene Sache so schlecht verteidigen, wird es immer so weitergehen, und daran ändert kein Sturm im Wasserglas etwas.

  9. Avatar von Fourthhandaccount
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    AW: metoo - Ihr nicht?

    Mich wundert bei der Sache, dass den berühmten, schwerreichen Frauen, die es geschafft haben, keine Wut entgegenschlägt. Ich bin empört über ihr jahrelanges Schweigen. Sie wussten doch genau wie es läuft, sie wussten, dass ihre "Nachfolgerinnen" ebensolches erleben mussten. Sie hätten ihre Position (aus)nutzen müssen.
    Da gilt meine Hochachtung Taylor Swift, die sich nicht kleinmachen ließ und die ihren Prozess auch als einen Prozess für alle Frauen sieht, die Belästigungen ausgesetzt sind.
    Die Arche wurde von Laien gebaut, die Titanic von Fachleuten | Unbekannt

    Hoffnung ist in Wahrheit das übelste der Übel, weil sie die Qual der Menschen verlängert | Nietzsche
    Kein Wunder, dass er in der Anstalt landete ...

  10. Avatar von overknee
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    AW: metoo - Ihr nicht?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen

    Selbstverteidigungskurse zum Beispiel. Und im Job? Reden, beschweren... sicher! Immer!
    So einfach ist das aber nicht Dharma. Als ich jung war, wurde ich vom Ärztlichen Direktor und Professor in sein Arbeitszimmer bestellt. Dann hat er sich auf mich gestürzt und wollte mich mit sanfter Gewalt auf die Couch zwingen. Das hat er 2 x versucht. Ich habe mich jedes Mal gewehrt und bin raus. Die Sekretärinnen saßen da und grinsten. Die wußten Bescheid. Er hat es bei jeder neuen Kollegin versucht. Und auch oft geschafft.
    Als ich zum Kliniktreffen vor einigen Jahren war, saß er auch da neben seiner Sekretärin. Und immer wenn ein weibliches Wesen reinkam, fragte er die Dame: Hatte ich mit der auch was?

    Heute, mit meinem Selbstbewußtsein hätte ich das gemeldet. Aber damals, mit Kind hatte ich Angst um den Job.

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