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  1. Inaktiver User

    AW: metoo - Ihr nicht?

    Zitat Zitat von tuerkisblau Beitrag anzeigen
    Als allererstes würde ich mir abgewöhnen bitte zu sagen. Wer bitte sagt, hat verloren, er ist nämlich Bittsteller. Das Zauberwort heißt hier Respekt, und den muss man sich verdienen, auch mit einer raumgreifenden Präsenz. Der Ranghöhere bittet nicht und er geht davon aus, dass ihm Platz gemacht wird. Ob das bei solchen Männern wirkt, wage ich dennoch zu bezweifeln. Bei Rudeln von Halbwüchsigen klappt das aber ganz gut.
    Hm, das ist bei mir so eine Sache. Einerseits will ich mich dadurch "absichern", andererseits sage ich das in keinem Bittsteller-Ton, sondern eher im Befehlston. Bei dem Typen allerdings bin ich mir relativ sicher, dass er kein Deutsch verstanden hat. Dafür war er einfach zu "anders" vom Verhalten her.

    Außerdem muss ich mir von meinem Freund (lebt in Deutschland) oft anhören lassen, dass ich unhöflich rüberkomme. Auch deshalb dieses "Absichern" (auch wenn er nicht dabei war).

    Noch was zu meinem Freund, sehr interessanter Gegensatz: ich hab ihn mal in einer Situation, wo er von mehreren sehr aggressiven Typen (türkisch/arabischer Hintergrund?) körperlich angegriffen wurde, körperlich verteidigt (war danach aber noch stundenlang extrem aufgewühlt). Er ist klein und schmächtig. Dagegen hat er mich mal verbal und mit "psychologischen Waffen" (aggressives Anzischen, sehr leises Sprechen, kann's kaum beschreiben) verteidigt, als ich dazu nicht in der Lage war. Sein Gegenüber war viel größer, körperlich also auf jeden Fall überlegen. Ich fand's interessant, dass er ihm so was wie Gewalt angedroht hat (impliziert), was natürlich völlig unrealistisch war. Der Typ ist aber voll drauf eingegangen (wie ein Kaninchen vor der Schlange) und hat sich sogar kleinlaut entschuldigt.

    Ein Ex-Freund wollte mich körperlich / verbal / psychisch nie verteidigen, hatte wohl Angst, das hab ich dann immer übernommen (z.B. jem. nachlaufen und zur Rede stellen).

    Früher war ich generell recht aufmüpfig und meine Füße waren schnell mal irgendwo, wenn mir was nicht gepasst hat (gegen Autotüren treten etc.), obwohl ich Null Muskeln oder so hab. Einmal hat ein Typ einen Schlagstock aus seinem Auto geholt, mir ist aber auch nichts passiert, hab mich davon nicht abhalten lassen... (Siehe mein Nick???)
    Geändert von Inaktiver User (28.10.2017 um 15:52 Uhr)

  2. Inaktiver User

    AW: metoo - Ihr nicht?

    Zitat Zitat von Butterblume Beitrag anzeigen
    Interessanter Artikel, Serlina, gerade ihn aus heutigem Abstand zu lesen.

    Ich schwankte zwischen ungläubiger Verärgerung, als Hecker sein Verhalten - Brustgrapschen bei Kolleginnen, mehrmals und auch in Gesprächen uneinsichtig - begründete mit "Versuch, sich Menschen näher zu bringen" und "Ausdruck von Verlassenheit"

    Zumindest das klingt aus dem Mund eines verheirateten 53jährigen heute dermaßen idiotisch, dazu würde sich niemand mehr öffentlich erblöden. .
    Eben drum wundert es mich, dass Userinnen hier ERNSTHAFT meinen, in den letzten Jahrzehnten habe sich garnichts geändert, und Frauen seien total rechtlos.

    Als ich ein Kind war, war es "normal", dass Grenzen überschritten - und man von alten Kerlen aus dem Umfeld begrapscht wurde. Das wurde durchaus von anderen gesehen, aber weder kommentiert, noch verhindert. Kinder hatten keine Rechte.

    Und ich habe von mehr als einer Freundin /Bekannten gehört, dass man ihnen ihre kindliche Klage über "richtigen", also darüber hinausgehenden, Missbrauch nicht abnahm. "Das Kind hat halt eine blühende Fantasie".

    Das wäre heute SOWAS von undenkbar.

    Mein Ex, Erzieher, musste vor ein paar Jahren mal ein hochnotpeinliches "Verhör" über sich ergehen lassen, weil eine seiner Schutzbefohlenen einen blauen Fleck am Oberschenkel hatte, und die Mutter austickte. Zum Glück haben sie ihm seine -zutreffende - Erklärung dafür abgenommen.
    Heutzutage steht ein Mann in diesen Berufen sozusagen stets mit einem Bein im Gefängnis, auch, wenn er sich nichts zuschulden kommen lässt.
    Geändert von Inaktiver User (28.10.2017 um 16:07 Uhr)

  3. Inaktiver User

    AW: metoo - Ihr nicht?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Eben drum wundert es mich, dass Userinnen hier ERNSTHAFT meinen, in den letzten Jahrzehnten habe sich garnichts geändert, und Frauen seien total rechtlos.
    Das habe ich hier nicht gelesen. Ich las, dass das immer noch vorkommt.

    Und das ist das Thema. Es hat sich schon was geändert. Aber... es gibt es eben immer noch.

  4. Moderation

    User Info Menu

    AW: metoo - Ihr nicht?

    Liebe Lorelei, wo meint denn hier bitte jemand, Frauen seien rechtlos?


    Es geht doch eher um Kontexte und Situationen, in denen sich Übergriffe entwickeln und Frauen es schwer(er) haben, sich zu wehren. Trotz Rechtslage.


    Außerdem ist Recht haben und Recht bekommen nicht das gleiche.

    In einem Prozess wegen sexueller Nötigung oder Vergewaltigung erleben viele Frauen einen sehr belastenden Fokus auf sie selbst, ihr Leben, ihr Verhalten - obwohl doch eigentlich das Verhalten des Angeklagten auf dem Prüfstand steht.
    that was the river - this is the sea


    Moderation in den Foren "Kindergesundheit", "Persönlichkeit" und im "Corona"-Forum

  5. Inaktiver User

    AW: metoo - Ihr nicht?

    Ich glaube, mit der Ausrede "Ausdruck von Verlassenheit" würde es heute niemand mehr versuchen (in Deutschland). Also zumindest kein Politiker. :)

  6. User Info Menu

    AW: metoo - Ihr nicht?

    Zitat Zitat von tuerkisblau Beitrag anzeigen
    Amelie, das sind wichtige Dinge, die du ansprichst. Gerade auch das Thema sexuelle Übergriffigkeiten in der Pubertät. Ich hatte auch ein ähnliches Erlebnis, und wusste nicht wie mit umgehen. Der eigentliche Hammer war aber: von meiner Mutter kam keine Unterstützung, im Gegenteil. Mir war von da an klar: wenn mir etwas in der Richtung passieren sollte, im Zweifel bin ich ohnehin dran schuld. Als Konsequenz habe ich wichtige Dinge von dem Zeitpunkt an mit mir selbst ausgemacht.

    Auch das gehört zum Sexismus dazu: zu lernen, andere zu unterstützen, die nicht so wehrhaft sind.
    genau so gings mir auch. Meine Mutter hätte den Satz nur ausgesprochen, den ich schon in mir hatte: "warum gehste mit dem auch mit? Selber schuld"

    Sexuelle Übergriffe sind - und waren v.a. in früherer Zeit ja auch so "erfolgreich", weil die Betroffenen dadurch auch noch in eine Isolation getrieben wurden. Dass wir heute Strukturen haben, die helfen, diese Isolation verlassen zu können, z.B. Beratungsstellen oder Betriebsrat usw, das ist schon eine echte Errungenschaft. Aber das alleine ist noch nicht die Lösung, genauso wenig wie der vermehrte Tritt in irgendwelche Eier. Ich komme leider immer wieder zu dem Fazit, dass es auch und vor allem um Selbsterkenntnis, Selbstreflektion, Kulturgeschichtswissen- und entsprechende Kommunikation auf allen Seiten und in allen Lebenssituationen gehen muss. Es ist nicht weniger als die Frage: was wollen wir - als Gesellschaft, und als Indivduum - eigentlich für einen Umgang miteinander?

    Zitat Zitat von tuerkisblau Beitrag anzeigen
    Was die Besetzungscouch angeht: historisch bedingt haben Männer mehr Macht, also steht Frauen klassischerweise der Weg offen, über das Bett erfolgreich zu werden. Mittlerweile sehen wir aber Frauen mit viel Macht, und können das umgekehrte Phänomen beobachten. Wäre Ashton Kutcher wirklich bekannt geworden, wäre er nicht mit Demi Moore liiert gewesen? Ich wage dies zu bezweifeln. Was wiederum heißt: Sexismus verlagert sich lediglich, wenn sich Machtverhältnisse ändern.
    Ja das denke ich auch. Weil es eben vorrangig ein strukturelles Problem ist und weniger ein individuelles. D.h. wenn sich die Machtverhältnisse ändern, werden sich die Machtvollen in den selben Strukturen bewegen, die sich bisher auch bewährt haben, unabhängig vom Geschlecht. Wenn der Weg nach oben für Männer schwerer wird, weil sie durch Frauen mehr Konkurrenz haben, dann werden auch unter Männern immer mehr den vermeintlich einfacheren Weg wählen und sich "nach oben schlafen". Mächtige Frauen werden dieses Angebot nach "unten" ebenso machen wie es viele Männer machen. Ich sehe da auch keinen wirklichen Unterschied.

    Unterschiede sehe ich in Bereichen wie Prostitution und Pornokonsum. Ob es da eine umgekehrte geschlechtsverachtende Entsprechung gäbe, wenn die Machtverhältnisse andersrum wären, das bezweifle ich dann doch, weil es keine gewachsene Kultur gibt in der Objektivierung und gleichzeitig Kommerzialisierung von Männerkörpern, die dann auch noch so eng mit organisiertem Verbrechen verflochten wäre.

    Die Bereiche erwähne ich v.a. auch deshalb, weil erschreckend viele Frauen immer noch glauben, dass eine solche "Kultur" das Risiko eines sexuellen Übergriffs auf sie mindern würde. Das Gegenteil ist der Fall, weil eben diese "Kultur" generell kultur- und menschenbildprägend ist, und weil, wie schon geschrieben, sexuelle Gewalt nichts mit Trieb an sich zu tun hat, sondern der dient lediglich als Rechtfertigung , wird aber letztlich als Waffe bzw. Kompensation übergriffig eingesetzt.
    Geändert von Amelie63 (28.10.2017 um 16:16 Uhr)
    Grüße
    A.

    Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.

  7. Inaktiver User

    AW: metoo - Ihr nicht?

    @Lorelei
    Falls es darum geht, dass viele solche Straftaten nicht anzeigen:
    Zu den Gründen, warum sie nicht angezeigt haben und was generell dagegen spricht, haben sich in diesem Thread mehrere Userinnen geäußert.

    Ich verstehe aber nicht, wie man hier rausliest, dass Frauen keine Rechte hätten heutzutage nach Ansicht mancher Mitschreiberinnen hier.

    Es ist nur so, dass man als Betroffener von Sexualstraftaten schnell einer Art Spießrutenlauf ausgesetzt ist, anders als wenn man ausgeraubt oder bestohlen wurde o. ä..
    Geändert von Inaktiver User (28.10.2017 um 16:15 Uhr)

  8. User Info Menu

    AW: metoo - Ihr nicht?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Sind das Männer oder Frauen, die so denken, die dir einfallen?
    Mir fallen leider beiderlei Geschlechts, unterschiedlichen Alters und jeglichen Bildungsstands - da war ich schon manches mal perplex.
    ja, geht mir auch so. Geht durch alle Schichten und Geschlechter. Daran sieht man, wie tief das kulturell verankert ist.
    Grüße
    A.

    Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.

  9. Inaktiver User

    AW: metoo - Ihr nicht?

    Zitat Zitat von Quirin Beitrag anzeigen
    Man liest immer mal wieder, dass eine Touristin, die eine Vergewaltigung in den vorsintflutlichen islamischen Ländern auf der arabischen Halbinsel anzeigt, wegen außerehelichem Geschlechtverkehr eingesperrt wird. Da lässt sich dann aber auch eines ableiten: Man muss nicht in diesen Ländern Urlaub machen. Das sind einfach keine Rechtsstaaten.
    Warum Frauen in Ländern Urlaub machen, wo sie der letzte Dreck sind, wird sich mir nie erschließen.

    Aber ich meinte Folgendes: Ich habe mal in einem Buch von "amnesty for women" gelesen, dass in diesen Ländern häufiger mal Großväter die Enkelinnen befingern, und dadurch das Hymen reisst.
    Das sind dann die Mädchen, die wegen "Unkeuschheit " nach der Hochzeitsnacht "zurück gegeben " werden. Mit den bekannten Folgen, von gesellschaftlich erledigt sein, wenn es "gut" läuft, bis zum Tod.

    (Ich wollte das nicht so klar schreiben, weil jetzt sicher wieder einige wegen "Antiislamismus" hyperventilieren werden).

  10. Inaktiver User

    AW: metoo - Ihr nicht?

    Zitat Zitat von Akzent Beitrag anzeigen
    Könnte sein. War denn seine Frau bei diesem Verhalten von dem altzen Mann dabei, sorry, wenn ich das überlesen habe?
    Mary schrieb, sie war ausser Haus.
    Die Frage stellt sich, ob das Zufall war, oder ob sie ihrem Mann bewusst freie Bahn gab.

    Es gibt ja sogar Frauen, die mit ihrem Alten nicht mehr schlafen wollen, und es billigend in Kauf nehmen, wenn statt dessen die Tochter her halten muss. Unvorstellbar, aber wahr.

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