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  1. Inaktiver User

    AW: metoo - Ihr nicht?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Also doch so was wie "schuld/nicht gut/die Kritik landet beim Opfer", weil man nicht gut gehandelt hat? Das verstehe ich eben nicht so wirklich. Ich würde mich da angegangen fühlen, obwohl ich sowieso schon die Leidtragende der Situation war und eben jener Schock eingesetzt hat, der ja eine Überlebensfunktion ist.
    Das ist mir jetzt zu dramatisch, es ging ja bei metoo nicht nur um massive Nötigungen oder gar Vergewaltigung. Muss man in die Überlebensfunktion rutschen, weil bei einem Fototermin die Hand von der Taille auf den Hintern rutscht, wie bei dem Gauck Beispiel, oder George Bush sen.?

    Ich versteh halt deine Sicht nicht, dass man dem Opfer Schuld gibt, wenn man sagt, du warst etwas nicht alternativlos ausgesetzt, sondern hättest Handlungsoptionen gehabt. Es geht doch immer auch darum, dass man sowas nicht nochmal erleben muss, und dazu greift mir einfach zu kurz, sich nur mit der Täterschuld zu befassen. Die ist für mich unstrittig - aber den Schaden hat eben das Opfer. Und ich persönlich würde alles tun, damit ich den Schaden nicht nochmal habe, und, wenn möglich, auch dazu, dass andere nach mir nicht ebenso geschädigt werden.

    Mir ist nicht klar, wieso das nicht thematisiert werden soll, gerade im Interesse der Opfer.

    Dass der Täter schuldig ist macht ja nicht ungeschehen, was ihnen passiert ist.

  2. Inaktiver User

    AW: metoo - Ihr nicht?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Du stellst die Machtstrukturen nicht infrage, sondern suchst dein Heil in der individuellen Verteidigungsstrategie.
    Mir ist tatsächlich völlig unverständlich, wie man darauf kommen kann.

    Ich seh da kein entweder oder, für mich geht das ganz im Gegenteil sogar nur zusammen: nur wenn ich die Machtstrukturen infrage stelle wage ich überhaupt Gegenwehr.

  3. User Info Menu

    AW: metoo - Ihr nicht?

    Ich habe ein Verständnisproblem, wenn theoretisch von 'die Machtstrukturen' gesprochen wird. Das klingt, als könne man theoretisierend und mit Twitterstürmen daran etwas ändern, so man nur laut genug ist und sich Gehör verschafft.

    Ich glaube das nicht. Zum einen sind 'Machtstrukturen' nicht eindeutig sondern bestehen aus Menschen, die sich kennen und wieder einen kennen usw.

    Zum anderen funktioniert Macht nicht so wie sie von außen aussieht. Frau kann von innen etwas ändern (muss aber nicht) aber nicht indem sie weit draußen steht und laut mit dem Fuß aufstampft.

  4. User Info Menu

    AW: metoo - Ihr nicht?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Oh, dann habe ich dich bisher missverstanden.
    Auf mich wirkt dein Schreiben hier sehr so als würdest du dir wünschen, dass alle, gestählte Individualisten sein sollen.

    Birgit Kelles religiöser Hintergrund stört mich nicht,auf mich wirkt sie sehr unsympatisch und zickig, als sei die ganze Welt ihr Feind und sie müsse mit allen Leuten wettlaufen. Sie ist ja auch nicht unbekannt und "anders" sondern ist ein ziemlich viel beachtetes Sprachrohr. Ebenso Don Alphonso, der der Harald Maartenstein der FAZ ist und ein riesiges Publikum hat.

    So sehr unterscheiden sich die Lesarten.
    Ich wünsche allenfalls - wenn auch vergeblich - dass Individualistinnen nicht unterstellt würde, dass sie mit der Keule auf Opfer hauen.

    Don Alphonso finde ich amüsant, ich mag Individualisten, die sich selbst nicht ganz ernst nehmen.

  5. Inaktiver User

    AW: metoo - Ihr nicht?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich versteh halt deine Sicht nicht, dass man dem Opfer Schuld gibt, wenn man sagt, du warst etwas nicht alternativlos ausgesetzt, sondern hättest Handlungsoptionen gehabt.
    Ich lese das deshalb so, weil es ja um längst vergangenes geht. Das lässt sich nicht mehr ändern.

    Um mal ein anderes Beispiel zu nehmen, wenn jemand schlecht in Mathe ist, nutzt es ja auch nichts, ständig nur zu sagen, aber die Aufgabe Nr. 5 der Mathearbeit im Januar hast du falsch gelöst.

    Der Sinn der Aussage erschließt sich mir nicht richtig.
    Und wenn einem das ständig gesagt wird, dann halte ich es für wahrscheinlicher, dass der Mensch sich dann unzulänglich fühlt, weil ständig darauf herumgeritten wird und das Selbstbewusstsein eben im Gegenteil noch sinkt, statt besser zu werden.

    Es ist für mich etwas völlig anderes zu sagen: hier lass uns zusammen setzen und schauen, wie man z.B. Selbstverteidigungskurse für Frauen flächendeckend kostenlos macht oder so.
    Es geht doch immer auch darum, dass man sowas nicht nochmal erleben muss, und dazu greift mir einfach zu kurz, sich nur mit der Täterschuld zu befassen.
    Eben noch...ging es doch gerade darum, das nicht zu tun.
    Ich komm nicht mehr mit.


    Und ich persönlich würde alles tun, damit ich den Schaden nicht nochmal habe, und, wenn möglich, auch dazu, dass andere nach mir nicht ebenso geschädigt werden.
    Ich glaube jeder tut alles dafür nicht geschädigt zu werden.

    Dass der Täter schuldig ist macht ja nicht ungeschehen, was ihnen passiert ist.
    Ich kann dir nicht ganz folgen, manchmal lese ich bei dir Widersprüche raus....

  6. Inaktiver User

    AW: metoo - Ihr nicht?

    Zitat Zitat von tuerkisblau Beitrag anzeigen
    dass Individualistinnen nicht unterstellt würde, dass sie mit der Keule auf Opfer hauen.
    Individualisten ist vielleicht das falsche Wort. Mir fällt gerade kein anderes ein.


    momentchen Mal...
    Birgit Kelle spielt doch damit, dass sie gern mal austeilt und das gern und mit voller Freude. Ihr Blog heißt doch "Volle Kelle".

  7. Inaktiver User

    AW: metoo - Ihr nicht?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich seh da kein entweder oder, für mich geht das ganz im Gegenteil sogar nur zusammen: nur wenn ich die Machtstrukturen infrage stelle wage ich überhaupt Gegenwehr.
    Verstehe ich nicht. Für Gegenwehr muss niemand etwas infrage stellen noch verstehen.

  8. Inaktiver User

    AW: metoo - Ihr nicht?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Verstehe ich nicht. Für Gegenwehr muss niemand etwas infrage stellen noch verstehen.
    Doch, natürlich.

    Als Dienstmädchen im 19. Jhdt hätt ich auch schön stillgehalten, wenn ich vom Dienstherrn betatscht worden wäre, denn hätt ich mich gewehrt wär ich ohne Geld und ohne Zeugnis auf der Straße gelandet, der direkte Weg in Prostitution oder Armenhaus.

    Da gab es Machtstrukturen, denen ich mich unterwerfen musste, die Option kündigen und wo anders oder in einem anderen Beruf arbeiten gab es eben nicht, genauso wenig wie Strafanzeige erstatten oder gar bei einem Frauennotruf und einer Anwältin oder Gewerkschaft Unterstützung suchen. Das schaut heut doch etwas anders aus.

    Heute gibt es das alles, seit Jahren und Jahrzehnten schon, und dennoch wird es so dargestellt als wäre man so ausgeliefert wie eh und je. Das finde ich frustrierend, und auch schwächend. Meiner Tochter habe ich das so nicht weitergegeben, dass sie sich nicht wehren kann.

  9. Inaktiver User

    AW: metoo - Ihr nicht?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Meiner Tochter habe ich das so nicht weitergegeben, dass sie sich nicht wehren kann.
    Wer gibt denn weiter, dass man sich nicht wehren kann?
    "Man" finde ich sowieso schwierig, denn eine Lösung für alles gibt es nicht.

    Einige haben die Chupze zu brüllen, andere kann man unterstützen, dass sie es melden. Und auch immer wieder halte ich es hier für zielführender, den Jungs eher zu erziehen, dass Gentleman besser ist als "wumms ego der sich halt nimmt was er will".

    Letzteres wurde leider wieder in den 90er Jahren gehypt als Männerideal, so kommt es mir in der Retrospektive vor. Und leider ist es ja auch wieder hip solchen Alphatieren "ich nehm mir was ich will auch dich" wie Erdogan, Putin und Trump hinterherzulaufen.

    Gegen wen oder was argumentierst du da, ich kann das nicht nachvollziehen?

  10. Inaktiver User

    AW: metoo - Ihr nicht?

    Gegen die Behauptung, die betroffenen Frauen hätten damals und bis Ende 2017 über Jahrzehnte alle keinerlei Möglichkeit gehabt sich zu wehren bzw den Täter zur Verantwortung zu ziehen, obwohl es teilweise sehr viele Betroffene gab und das Verhalten ein offenes Geheimnis war (und x andere in genau der gleichen Zeit, wo das angeblich gar nicht möglich gewesen wäre, sehr wohl Täter angezeigt und somit zur Rechenschaft gezogen haben).

    Mit der Folge, dass die Täter ungehindert weitermachen konnten.

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