Guter Einwand. Überall wird gesagt, man solle sich nicht von Männern bremsen lassen und seinen Weg gehen. Schließlich leben wir im 21. Jahrhundert. Aber hier wird empfohlen, das Schauspielern gleich zu lassen. Ist ja bekannt, dass diese Männer einen alle anfallen. Mal abgesehen davon, dass die Männer sich bedanken, die ungerechtfertigterweise so gesehen werden. Das Fehlverhalten der Männer wird hingenommen und die Frau hat mal wieder ihr Leben einzuschränken.
Antworten
Ergebnis 3.691 bis 3.700 von 5172
Thema: metoo - Ihr nicht?
-
27.01.2018, 10:18
AW: metoo - Ihr nicht?
-
27.01.2018, 10:23Inaktiver User
AW: metoo - Ihr nicht?
Die Zeit spielt eine große Rolle. Nicht immer.
Du kannst das auch aufs Private übertragen. Es gibt Dinge die dulden keinen Aufschub und andere Sachen werden eben auch mal geschluckt.
Mal zurück: diese Menschen damals standen alle in der Blüte ihres Lebens, am Anfang ihrer Karriere, nur zur Erklärung.
Die waren eben nicht so sicher wie heute.
Zumal ja der Zeitgeist damals auch noch ganz anders war als damals. Heute erst gibt es erst den Tatbestand der Vergewaltigung in der Ehe.
Trotzdem gab und gibt es eben schon immer das Gerechtigkeitsgefühl.
Wir können uns heute wohl kaum vorstellen wieviel Macht Wedel wirklich hatte.
Du musst ja auch die Möglichkeit haben dich gegen jemanden wehren zu können. Im Ernst, anderenfalls ist nicht nur die Karriere im Eimer sondern es steht auch noch ein Prozess wegen Rufmord etc. ins Haus.....
Als ob es soo einfach wäre Gerechtigkeit herzustellen.
Ich finde Wedel hat was Diabolisches an sich, der sieht schon so aus.
Und Spacey sieht für meinen Geschmack auch so aus wie er sein solll...
Finde ich selber eigenartig, weil so einfach.
Bist du noch nie als Weichei bezeichnet worden weil du dich über Sachen aufgeregt hast oder nicht mit gemacht hast?
So was macht einen wirklich nicht automatisch zum Helden.
Rückwirkend vielleicht schon.!!!
Aber, normalerweise landen aufrichtige Menschen eher im Gefängnis als dass sie einen Orden bekommen.
-
27.01.2018, 10:45Inaktiver User
AW: metoo - Ihr nicht?
Nein, nicht heute. Den gibt's schon seit 20 Jahren.
Die Zeitschrift "Emma" gibt's seit 1977 und war speziell in den ersten Jahren ein sehr hilfreiches Sprachrohr für alle Emanzipationsangelegenheiten. Ich habe öfter Briefe hingeschrieben und immer Antwort bekommen. Du hast auch dort Empfehlungen für Anwälte und Co. bekommen.
Wer sagt das? Es ist mit Sicherheit sehr schwer, aber man kann sie nur erreichen, wenn man was tut. Von selber kommt sie nicht.Als ob es soo einfach wäre Gerechtigkeit herzustellen.
Das wiederum dürfte mediale Beeinflussung sein.Ich finde Wedel hat was Diabolisches an sich, der sieht schon so aus.
Doch, natürlich. Aber als erwachsene Frau kann ich das aushalten.Bist du noch nie als Weichei bezeichnet worden weil du dich über Sachen aufgeregt hast oder nicht mit gemacht hast?
Es stimmt. Es ist nicht einfach, ein Held zu sein. Aber sehr lohnend. Und man muss seinen "Aufstand" sehr, sehr gut vorbereiten. Nur wie gesagt: Ab 1977 hatten Frauen in derlei Dingen ein mächtiges Sprachrohr.So was macht einen wirklich nicht automatisch zum Helden.
Rückwirkend vielleicht schon.!!!
Aber, normalerweise landen aufrichtige Menschen eher im Gefängnis als dass sie einen Orden bekommen.
Ja, die Karriere wäre wahrscheinlich im Eimer gewesen. Zumindest vorerst. Man kann halt keinen Kuchen essen und auf dem Teller behalten. Und solche Typen und Strukturen kann man nur auflösen, wenn sich genügend "Helden" finden.
-
27.01.2018, 11:10
AW: metoo - Ihr nicht?
Er sei sehr nett und zuvorkommend gewesen, sagt Thielemann, und habe sich noch nach einem Raum für das Vorsprechen erkundigt. Aber alle Konferenzräume seien belegt gewesen. Darauf folgte Wedels Frage, ähnlich wie bei Jany Tempel und der anderen Schauspielerin, ob es für sie in Ordnung sei, wenn sie in seiner Suite für die Rolle vorspreche. "Ich fand das ein bisschen komisch, aber ich dachte: Ach, sei kein Spießer! So sind eben die Umstände", sagt Thielemann, dann sei sie mitgegangen.
"Sobald die Tür hinter mir zufiel, veränderte sich Wedels Gesicht vollkommen." Das Charmante sei verschwunden gewesen. Ohne Vorwarnung habe er sie bedrängt, ihre Bluse aufgerissen und versucht, sie rückwärts auf die Couch zu werfen, erzählt Thielemann.
Möglicherweise weil sie sich schämten. Weil sie solche Sätze wie "warum gehst du denn zu dem auf's Zimmer" fürchteten. Dem Wedel ging ja der Ruf des Womanizers voraus, es wird auch viele Frauen gegeben haben, die freiwillig mit ihm geschlafen haben oder halbfreiwillig: diejenigen, die sich davon einen Karriereschub erhofften.
Die meisten Schauspieler, es sei denn, sie sind sehr bekannt, sind bei jedem neuen Projekt abhängig von der Gunst der jeweiligen Produzenten, des Senders und des Regisseurs. Jeder Job könnte der letzte sein. So entsteht ein Machtgefüge, in dem ein hohes Maß an Zudringlichkeit auf ein hohes Maß an Willigkeit trifft.
[...]
Wedels langjährige Casterin Sabine Schroth,. die fast alle seine Filme seit Anfang der neunziger Jahre besetzt hat, sagt, ihr gegenüber habe sich nie eine Schauspielerin offenbart. "Die Mädchen haben mir das nie erzählt." Sie habe zahlreiche Vorsprechen in Hotellobbys für Dieter Wedel organisiert, bei vielen sei sie dabei gewesen, da habe er sich stets korrekt verhalten. "Ich wusste auch, dass er ab und zu Schauspielerinnen mit aufs Hotelzimmer nahm." Sie habe aber alle jungen Darstellerinnen stets davor gewarnt, mit einem Regisseur aufs Hotelzimmer zu gehen. Sie kannte die Gerüchte um Wedels sexuelle Annäherungsversuche Schauspielerinnen gegenüber. Die Frauen seien unter Druck gewesen. "Sie wollten arbeiten." Aus Angst, nicht mehr besetzt zu werden und dass die Männer untereinander redeten, hätten sie vermutlich geschwiegen. "Wenn sie es mir gesagt hätten, hätte ich das an die Produktionsleitung weitergeben müssen. Wie schnell ist man raus aus dem Beruf – auch ich", sagt sie. Früher habe keiner über sexuelle Nötigung und Machtmissbrauch gesprochen, heute sei der Umgang damit ein ganz anderer.
Zeit magazinModeration in der Religion, der Politik und im Glücklicher Leben.
... und seit dem 16.11. unter demselben Nick bei Be Friends Online unterwegs
-
27.01.2018, 11:17Inaktiver User
AW: metoo - Ihr nicht?
Das war mit Sicherheit der Fall. Aber in so einer Situation gibt es nur zwei Handlungsoptionen: Stillhalten oder Anprangern. Dazwischen gibt's nichts. Beide haben ihre Nachteile. Aber das Stillhalten führt auf jeden Fall zu noch mehr Opfern. Langfristig kann nur Anprangern das Problem lösen. Ich weigere mich auf jeden Fall, den Mann als einzig Schuldigen zu sehen. Er konnte das, was er tat, nur tun, weil eine Mauer des Schweigens ihn geschützt hat. Die Mauer des Schweigens trägt Mitschuld.
-
27.01.2018, 11:18Inaktiver User
AW: metoo - Ihr nicht?
Was mich bei #metoo irritiert ist nicht unbedingt der Inhalt, sondern die Form.
Es geht da um ernste Sachen und es wird so viel durcheinander gebracht, vom abgesagten Abendessen weswegen man glaubt, eine Szene 30x drehen zu muessen bis zu Missbrauch und Vergewaltigung.
Da ist einfach die Gefahr, in meinen Augen, dass man durch das Tempo ungenau, emotional, fast hysterisch wird. (und nein, ich beziehe hysterisch nicht auf Frauen, sondern allgemein auf das Tempo)
Das irritiert mich auch bei sogenannten Shitstorms, dieses Tempo, dann faellt dem einen noch was ein und dann dem anderen und der postet es dann mal schnell bei Facebook oder Twitter, zwei mir sehr unsympathischen amerikanischen Grossfirmen.
Muss gesellschaftliche Veraenderung heute so funktionieren?
Gerade bei diesen Shitstorms zeigte sich ja im Nachhinein oft wie uebertrieben, fast rauschartig da agiert wurde und dadurch eben auch uebers Ziel hinausgeschossen wurde.
-
27.01.2018, 11:22
AW: metoo - Ihr nicht?
Son Zufall aber auch, dass die übergroße Mehrheit der Produzenten und Regisseure Männer sind ...
Man könnte fast auf den Gedanken kommen, dass sich eine ganz bestimmte Sorte Männer (weltweit) seit vielen Jahrzehnten ganz bewusst eine Art von Refugium aufgebaut haben, wo die Voraussetzungen besonders günstig sind, um Frauen zu demütigen und sexuell zu nötigen bis hin zur Ausübung schwerer Straftaten und gleichzeitig die Chancen besonders hoch sind, für diese Taten niemals zur Verantwortung gezogen zu werden.
VanDyckEs gibt so viele schöne Momente im Leben; ich sollte mich entspannen,
dann durchfluten sie mich wie Regen ...
American Beauty
Nothing in life is as important as you think it is, while you are thinking about it.
Daniel Kahneman
-
27.01.2018, 11:24Inaktiver User
AW: metoo - Ihr nicht?
@Analuisa
Erstaunlich auch wie gut sie sich daran erinnert nach so langer Zeit.
Hätte ich nicht mehr parat bei Erlebnissen ,die mich so schockiert haben in meinem Leben.Das sie das noch mit den Konferenzräumen weiss.
-
27.01.2018, 11:28
AW: metoo - Ihr nicht?
Rational, und von heute aus betrachtet, hast du Recht.
Ich tu' mich trotzdem schwer damit, die betroffenen Frauen als mitschuldig zu sehen. Klar kann man sagen, dadurch dass sie geschwiegen haben, haben sie hingenommen, dass der Typ so weitermachen kann. Da die Frauen aber emotional gute Gründe hatten für ihr Schweigen (und ich meine das nicht nur auf die Karriere bezogen, sondern auch: Schweigen als Mittel um Verdrängen zu können, siehe Obsidians Beitrag #3676), finde ich es nicht angemessen, ihnen einen Vorwurf zu machen. Rein sachlich ist es richtig, was du sagst.
Möglicherweise haben sie auch nicht geahnt, dass sie eine von vielen sind, sondern das Geschehene als ihr persönliches Versagen abgespeichert.Moderation in der Religion, der Politik und im Glücklicher Leben.
... und seit dem 16.11. unter demselben Nick bei Be Friends Online unterwegs
-
27.01.2018, 11:36
AW: metoo - Ihr nicht?
Zustimmung.
Als Ergänzung dazu: es ist ein Irrglaube, wenn man meint, Menschen handelten mehr oder weniger unabhängig von den vorherrschenden Gewohnheiten ihrer unmittelbaren Umgebung; nein, sie handeln zumeist in einem von ihnen vorgefundenen Rahmen von Gewohnheiten und Strukturen.
Das kommt dann auch noch dazu.Möglicherweise haben sie auch nicht geahnt, dass sie eine von vielen sind, sondern das Geschehene als ihr persönliches Versagen abgespeichert.
Zumal das ganze System der Filmbranche offensichtlich so aufgebaut ist, um Solidarisierung von Schaupielerinnen untereinander möglichst weitgehend zu verhindern.
VanDyckEs gibt so viele schöne Momente im Leben; ich sollte mich entspannen,
dann durchfluten sie mich wie Regen ...
American Beauty
Nothing in life is as important as you think it is, while you are thinking about it.
Daniel Kahneman



Zitieren