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  1. Inaktiver User

    AW: Bundestagswahl 2017 und Regierungsbildung

    Zitat Zitat von Lukulla Beitrag anzeigen
    Gegen Versandhandel ist nichts einzuwenden.
    Sehe ich auch so. In der Vorweihnachtszeit platzen die Parkplätze in den Städten ohnehin schon aus allen Nähten.

    Das Argument, Versandhandel sei wegen der Transporte nicht umweltfreundlich, hat mir nie eingeleuchtet. Auch die Läden müssen beliefert werden und wenn jeder Kunde einzeln mit dem Auto losfährt, um etwas zu besorgen, ist das mehr Verkehr als wenn er Paketbote einmal fährt und dabei fünfzig oder noch mehr Pakete verteilt.

    Allerdings bin ich auch dafür, die Arbeits- und Lohnbedingungen für Paketboten zu verbessern, auch wenn die Zustellung dann ein wenig mehr kostet.

    Zitat Zitat von Kistenkumpel Beitrag anzeigen
    Im Vergleich: die Umsatzsteuer allein trägt 23,7% zum Gesamtsteueraufkommen bei.
    Das erinnert mich an den Vorschlag von Götz Werner zum bedingungslosen Grundeinkommen. Er schlägt ein Finanzierungsmodell vor, bei dem alle Steuern, Abgaben und Beiträge durch eine entsprechende Mehrwertsteuer ersetzt würden (die dann wesentlich höher wäre als heute).

    Komisch, dass da viele so begeistert sind - es wäre die perfekte Umverteilung von unten nach oben, denn natürlich erhielten auch die Reichen und Vermögenden dieses Grundeinkommen, während hohe Einkommen oder gar Vermögen geschont würden.

  2. Inaktiver User

    AW: Bundestagswahl 2017 und Regierungsbildung

    Zitat Zitat von Kistenkumpel Beitrag anzeigen
    Hier die Realität:
    Lohnsteuer (24,8%), veranlagte Einkommenssteuer (6,2%) und Soli (2,3%) tragen zum Gesamtststeueraufkommen ins gesamt 32,3% bei. […]
    Sind 32,3% die "Finanzierung des Staates im Wesentlichen"? […]
    Im Vergleich: die Umsatzsteuer allein trägt 23,7% zum Gesamtsteueraufkommen bei.
    […]
    Fazit:
    Die Aussage "Gut- und Spitzenverdiener finanzieren diesen Staat im Wesentlichen." ist falsch.
    Es sei denn, man fasst bereits BezieherInnen von Einkommen ab 2.310 Euro/mtl. brutto bereits als gutverdienend auf und hält 30,7% bzw. 17,93% für die "Finanzierung im Wesentlichen".
    Richtig!
    Der Staat wird von der Mittelschicht finanziert, das heißt von denen, die mit Arbeit und einem klugen Kopf das Geld verdienen. Deshalb würde auch eine Steuersenkung der Lohn- und Einkommensteuer diese Gruppe am stärksten begünstigen. Vor allem hat die Erhöhung der Mehrwertsteuer 2005 um 3% , das war auch eine GROKO-Maßnahme, die unteren Einkommensschichten stärker belastet als zumutbar, das das ganze Ding nach hinten losging, zeigt, dass innerhalb von wenigen Jahren nach 2005 die Zahl der Aufstocker erheblich gestiegen ist. Aber auch die kalte Progression, eine üble Falle der Einkommensteuertabelle, ist ungerecht, da die Inflation mit ca. 2% pro Jahr bei gleichen Realeinkommen eine viel höhere Steuerlast für den Bürger bedeutet. Dabei ist es egal, ob er Arbeitnehmer oder selbständig ist.
    Das Land braucht dringend eine Steuerreform spätestens 2019, der Solidarzuschlag muss abgeschafft werden, weil der Solidarpakt II 2019 ausläuft.
    Als ich in der Schweiz gelebt habe, habe ich die Vorteile des Schweizer Steuersystems gesehen, die moderate Mehrwertsteuer von 8% und die ausgewogene Quellensteuer, die das Vermögen berücksichtigt und kaum Steuerschlupflöcher beinhaltet, ist wahrscheinlich das Modell der Besteuerung, welches das Leistungsprinzip am ehesten verwirklicht.
    In der Schweiz braucht man für seine Steuererklärung 30 Minuten, in Deutschland benötigt man einen Steuerberater.
    Auch wird das Auto beim Weg zur Arbeit in der Schweiz nicht bevorteilt, da nur Tickets des Nahverkehrs steuerlich absetzbar sind (es sei denn, man braucht das Auto für die Ausübung seines Berufs).
    Das merkt man auch am CO2 Ausstoß in den Städten, in Zürich gibt es elektrisch betriebene Trolleybusse, viele Straßenbahnen und Vorortzüge der SBB, die sogar pünktlich sind. In vielen Wohnhochhäusern gibt es Car-Sharing Depots und das Velo ist eines der beliebtesten Nahverkehrsmittel.
    Das heißt, auch die Umwelt kann mit einer subventionsfreien Steuerpolitik geschont werden.
    Vor allem finde ich gut, dass jeder Schweizer für seine Steuerschuld selbst verantwortlich ist und nicht der Arbeitgeber in der Haftung ist, wie es in Deutschland üblich ist.
    Das deutschen Steuersystem ist eine der Ursachen für die Alimentierungsgesellschaft und deren negative Auswirkungen auf das soziale Gefüge.
    Geändert von Inaktiver User (15.12.2017 um 16:49 Uhr)

  3. gesperrt

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    AW: Bundestagswahl 2017 und Regierungsbildung

    Den Bedeutungs- und Einflussverlust der Gewerkschaften kann man beklagen, aber woher rührt der?
    M.E. rührt das daher, das ArbeitnehmerInnen sich nicht mehr mehrheitlich oder zumindestens in relevanter Menge organisieren und solidarisch mitenander füreinander einstehen und kämpfen.

    Viele denken "Für meinen Gewerkschaftsbeitrag erwarte ich einen persönlichen Geldvorteil, der diesen Beitrag übersteigt, oder eine persönliche Arbeitsplatzgarantie." Die haben ea halt nicht verstanden und treten aus der Gewerkschaft aus bzw. gar nicht erst ein.

    Auf die Strasse zu Demonstrationen oder gar Streiks kriegt man deutsche ArbeitnehmerInnen immer erst, wenn es um ihre ganz persönliches Anliegen, meistens ihr persönliches Gehalt oder ihrem Arbeitsplatz. Siehe Siemens in den NBL - haben die Siemensianer oder überhaupt die IG Metall an anderen Standorten nennenswert demonstriert oder gestreikt?

    Dazu kommt, dass die Gewerkschaften zu lange zu einsichtig waren, z.B. in Sachen Lohn- und Gehaltsmäßigung zur "Stärkung der deutschen Wirtschaft". Die Unternehmenseigner haben weiter oder längst wieder verdient, während die die ArbeitnehmerInnen den Gürtel enger geschnallt hatten und haben. Das, was früher mal Sozialpartnerschaft war, haben die Unternehmen im Sinne des Shareholder-value, einseitig aufgekündigt. darauf haben die Gewerkschaften m.E. nicht schnell und entschieden genug reagiert.

    Wir leben in einer sich zunehmend entsolidarisierenden Gesellschaft.

    Und wenn dann noch widerwärtige Korruptionsskandale oder Orgienexzesse von Spitzengewerkschaftern dazu kommen, tja, dann erscheint Gewerkschaft vielen ArbeitnehmerInnen eben erst recht als unattraktiv oder obsolet.

    Aber selbst all das erklärt oder rechtfertigt m.E. nicht die Schieflage in diesem Land.

  4. gesperrt

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    AW: Bundestagswahl 2017 und Regierungsbildung

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Doch, KK, ich lese deine Beiträge. ...
    Schön - hilft's, verändert es was oder nervt's nur?

    ... Wenn ich das richtig lese, handelt es sich aber um Bezieher sozialversicherungspflichtigen Einkommens - das bedeutet alle Selbständigen und Kapitaleinkommensbezieher fallen raus, oder?
    Nein, die müssen ja auch eine Einkommenssteuererklärung abgeben, zahlen Einkommensssteuer.

    One-man-band-Selbstständige sind als Gewerbetreibende zudem "direkt gewerbesteuerpflichtig", das kann man nur zum Teil auf die Lohnsteuer anrechnen.

  5. Inaktiver User

    AW: Bundestagswahl 2017 und Regierungsbildung

    Zitat Zitat von Kistenkumpel Beitrag anzeigen
    Wir leben in einer sich zunehmend entsolidarisierenden Gesellschaft.
    Reduziert auf das Prinzip des Homo economicus nach Thomas Hobbes:
    Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht.

  6. Inaktiver User

    AW: Bundestagswahl 2017 und Regierungsbildung

    Zitat Zitat von Kistenkumpel Beitrag anzeigen
    Schön - hilft's, verändert es was oder nervt's nur?
    Ich bin weiterhin erstaunt, dass die oberen 20 % schon da beginnen.

    Dennoch... die oberen 20 % sind nicht die Mittelschicht.

  7. Inaktiver User

    AW: Bundestagswahl 2017 und Regierungsbildung

    Zitat Zitat von Kistenkumpel Beitrag anzeigen
    Wir leben in einer sich zunehmend entsolidarisierenden Gesellschaft.
    Es ist die Frage, ob man das so pauschal sagen kann. Vieles deutet darauf hin, dass man sich diese oft gehörten Behauptungen genauer ansehen sollte.

    Der Gini-Koeffizient (ein Gradmesser für die Einkommensverteilung) sieht für die mitteleuropäischen Länder dank Sozialtransfers nicht schlecht aus.

    Größer ist die Ungleichheit bei den Vermögen. Wobei da korrekterweise unterschieden werden müsste zwischen Privat- und Unternehmensvermögen.

    Selbst Thomas Piketty, der unverdrossen behauptet, die Schere zwischen Arm und Reich gehe extrem auseinander, verschweigt gerne, dass in vielen früher armen Ländern der Wohlstand gestiegen ist.

  8. gesperrt

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    AW: Bundestagswahl 2017 und Regierungsbildung

    Zitat Zitat von Lilith10 Beitrag anzeigen
    Also ich bin einfach zu faul das alles heraus zu suchen.
    Deswegen von mir schon mal ein "Danke" dafür. ...
    Bitte, gern geschehen.
    Faul bin ich auch, deswegen lege ich mir jetzt für derlei Beiträge Vorlagen an, in die ich dann nur noch die altuellen Zahlen und deren Quellen eintragen muss

    Politische Teilhabe, Demokratie darf aber auch mal anstrengend.


    ... Ob es aber nutzt? Da bin ich nicht wirklich sicher.
    Weiter vorn sagte irgendwer nach einem meiner Beiträge, ihm oder ihr sein nicht klar gewesen, wie sich die Soli-Abschaffung für wen lohnt und dass das gar nicht die behauptete "große Entlastung für alle" sei.


    Da habe ich dann also jemanden, der vorher vielleicht noch dachte, die FDP (oder wer auch immer einfach den Soli abschaffen will) meine es ernst mit "großer Entlastung für alle", zum Nachdenken,
    vielleicht in Zukunft genauer hinsehen,
    mit Anderen inhaltlich anders über dieses Thema sprechen,
    vielleicht sogar anders wählen gebracht.


    Das wäre mir Lohn genug.


    (Und wer das liest und daraufhin FDP o.ä. wählt (erstmals oder jetzt erst recht), auch ok. Ich habe kein Problem damit, dass jemand seine persönlichen oder Minderheits-Interessen verfolgt, solange dies ehrlich und reglementkonform geschieht.)


    Dito die Aufklärung bezüglich der verlogenen Legende von:
    "Die Gutverdienenden oder Spitzenfinanzierer bezahlen den Großteil unseres Staates."


    Wenn das hier auch nur Drei lesen, ggf. noch mal überprüfen und dann wissen, dass dies dreist gelogen ist, super.

    Und wenn diese Drei dann noch in zukünftigen Gesprächen sonstwo entsprechend argumentieren und kommunizeren - mehr kann ich mir nicht sinnvollerweise wünschen.

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    AW: Bundestagswahl 2017 und Regierungsbildung

    Zitat Zitat von Kistenkumpel Beitrag anzeigen
    In eigener Sache: Beiträge wie diesen zu recherchieren (Quellen. Zahlen, Beechnungen) und zu schreiben ist sehr aufwendig. Ist ja auch nicht der Erste dieser Art. Dank erwarte ich dafür nicht, dazu gebe ich mich hier zu unsympathisch und mache zuviel Liebgewonnenes kaputt.
    Aber ich wüsste gern, ob das Ganze denn wenigstens irgendwo ankommt, etwas nützt, lernt hier irgendwer irgendwas Neues?
    Dazu was von mir ...
    Vielen Dank für deine Mühe, die du dir hier mit vielen Beiträgen machst.
    Vieles weiß ich (mindestens in ungefähr) schon, manches ist mir neu.

    VanDyck

    P.S.: wer everybodys Darling sein will, ist am Ende nur ...
    Es gibt so viele schöne Momente im Leben; ich sollte mich entspannen,
    dann durchfluten sie mich wie Regen ...
    American Beauty
    Nothing in life is as important as you think it is, while you are thinking about it.
    Daniel Kahneman

  10. gesperrt

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    AW: Bundestagswahl 2017 und Regierungsbildung

    Mal abgesehen davon, wer Piketty ist, was er sagt und ob beispielsweise ich dasselbe sage, was verschweigt Piketty denn?

    Dazu finde ich im Artikel dann dies:

    ... Dass die Ungleichheit in vielen Ländern der Welt wächst, das stellt er in seinem Bericht ganz nach vorne. Dass die weltweite Ungleichheit schrumpft, steht irgendwo in der Mitte des Berichts, wo die meisten Leser schon mit ihrer Aufmerksamkeit kämpfen. ...

    Hervorhebung von mir.

    Also, innerhalb vieler Länder inkl. D wächst die Ungleichheit.
    Global gesehen zwischen den Ländern nimmt sie ab.

    Schön, aber für eine Debatte der Ungleichheit (welcher auch immer) in unserem Land minderwichtig bis irrelevant.

    Piketty verschweigt als nichts, sondern setzt eine Information an einen bestimmten Teil seines Buches. Eine, von dem der Autor obigen Artikels vermutet, dass dort "eh keiner mehr liest".

    Durchsichtigste Beschwichtigungspropaganda, mit einem halbdezenten Seitenhieb auf die schreiberischen Qualitäten des Herrn Piketty.
    "Lies das bloß nicht, ist stinklangweilig und viel zu kompliziert."

    Plus einem halbdezenten Hinweis darauf, dass der Autor des Artikels seine (oder Pikettys) Leser offenbar für zu faul oder doof hält, das Buch komplett bis zu Ende zu lesen.

    Geht's noch billiger?

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