Ich bin kein SPD-Fan. Ich bin nicht links. Ich bin eher leistungsorientiert.
Die SPD hat die Rente mit 63 (bzw. 64, 65) eingeführt. Möglicherweise werde ich sogar davon profitieren. Aber ich finde diese Regelung atemberaubend ungerecht. Wer mit 6x Jahren 45 Arbeitsjahre hat, hat sowieso keine Rentenlücken, keine Brüche in der Erwerbsbiografie, keine schwere Krankheit. Und ausgerechnet diese Leute werden belohnt! Von einer sozialdemokratischen Partei in einem Land, wo die Armut immer größer wird.
Ich bin völlig fassungslos, obwohl möglicherweise begünstigt. Aber das ist dermaßen widerlich, dass ich mich gar nicht darüber freuen kann.
Wenn ich prekär beschäftigt wäre, hätte ich Schaum vor dem Mund.
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15.12.2017, 09:56Inaktiver User
AW: Bundestagswahl 2017 und Regierungsbildung
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15.12.2017, 10:15Inaktiver User
AW: Bundestagswahl 2017 und Regierungsbildung
ich kann aus meiner Erfahrung heraus zustimmen, was den Organisationsgrad betrifft:
in meinem Bereich sind diejenigen, die nicht im ÖD, sondern bei privaten Trägern angestellt sind, nur zu einem wesentlich geringeren Anteil in der Gewerkschaft, werden z.T. lächerlich bezahlt
Einschub
aktuell von einer Kollegin gehört, die vor 6 Jahren zuletzt eine neue Stelle in NRW suchte und damals 6 Jahre Berufserfahrung mitbrachte:
1. Beispiel: Teilzeitstelle 75%,
Personalverantwortung für mehr als 40 Mitarbeiter vor Ort,
konzeptionelle und organisatorische Zuständigkeit,
Koordination mit anderen Institutionen und Dienstleistern,
allerdings mit starken Daumenschrauben, was die (notwendige und leistbare) finanzielle Ausstattung betrifft (kann man eruieren, wenn man die Finanzierung durch Land, Kommune und zusätzliche Beiträge der Kunden kennt)
- dafür sollte sie mit Steuerklasse 1 am Monatsende ca €1100 Gehalt auf ihrem Konto haben, das waren fast €500 netto weniger, als laut TVÖD bei einer solchen Betriebsgröße angemessen gewesen wäre, als Verdi-Mitglied hätte sie dort aber 2 Tage mehr Urlaubsanspruch gehabt als andere Mitarbeiter .
2.Beispiel: Teilzeitstelle 50%,
ebenfalls Leitungsposition wie oben beschrieben, allerdings für eine schon deutlich kleinere Einrichtung eines anderen Trägers.
Das "großzügig bemessene" Angebot dieses Arbeitgebers : €800 brutto
Einschubende
Gerade bei Frauen, meine ich, ist es häufig so, dass sie einen gemeinsamen Arbeitskampf scheuen, sich alleine zuständig fühlen für eine angemessene Bezahlung ihrer Arbeit oder schlechte Arbeitsbedingungen sehr lange seufzend hinnehmen - finde ich schade
@ Marat
man kann den AN im ÖD doch nicht ankreiden, dass sie sich für ihre Arbeitsbedingungen stärker einsetzen als andere ....Geändert von Inaktiver User (15.12.2017 um 10:24 Uhr)
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15.12.2017, 12:10
AW: Bundestagswahl 2017 und Regierungsbildung
So würde ich das auch sehen.
Und: im ÖD muss niemand Angst um seinen Arbeitsplatz haben, wenn er an einem Streik teilnimmt. Im ÖD wird nicht die Gründung von Betriebsräten bekämpft.
Grundsätzlich kann man wohl sagen: je höher der Organisationsgrad in einer Branche, um so besser sind die vereinbarten Tarifverträge für die Beschäftigten.
Ganz vorn dabei sind da die Metaller und als Krönung sozusagen VW, da liegt der Organisationsgrad m.W. bei über 90% - dementsprechend ist die Bezahlung und sind die Arbeitsbedingungen bei VW; da ist der Sozialismus quasi schon Realität geworden ... 33-Stunden Woche (vormals sogar unter 30) und selbst die Küchenhilfe bekommt den Jahresbonus von 8.000 Euro.
Aber auch das fiel alles nicht vom Himmel, das haben die sich ganz vornehmlich ERKÄMPFT!
VanDyckEs gibt so viele schöne Momente im Leben; ich sollte mich entspannen,
dann durchfluten sie mich wie Regen ...
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Daniel Kahneman
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15.12.2017, 15:39
AW: Bundestagswahl 2017 und Regierungsbildung
Was meinst Du damit? Bekleidungsbranche?Flash Sales?
Da bin ich auch dafür. Nach Paketablieferung zu bezahlen ist maximal ungerecht, wer in einem Gebiet ausliefert, wo alle 20km ein Haus ist, wo ein Paket abzuliefern ist, hat dann Pech gehabt.Paketfahrer pro Paket bezahlen: Gehört verboten. Bezahlung pro Arbeitsstunde ist angebracht. Besser: Er darf schon nach Akkord bezahlt werden, aber mindestens mit einem bestimmten Stundenlohn.
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Dann müssen die Paketdienste eben mit Grosskunden andere Mantelverträge machen, damit sie die gerechten Lohnkosten zahlen können. Und die Versandhandelbranche kann Standardminimalkosten einführen, sagen wir pro Sendung 2€ fix.
mit Mineralölsteuer, Hundesteuer (eingeführt von Friedrich dem Grossen als Luxussteuer für seinesgleichen!) Pferdesteuer, und lauter solche Kapriolen.
Ist die Gewerkschaft wirklich so mächtig? Kann nicht jeder Arbeitgeber ausserhalb des Tarifgesetzes seine Löhne festlegen?
Nein, es wurde der Partei nicht gedankt. Leider greift der Mindestlohn auch nicht überall.
Gegen Versandhandel ist nichts einzuwenden. Das ist sogar für viele erdgebundene Geschäfte ein Zusatzgeschäft. Würden wir alle einzeln per Auto oder per Öffi uns die Sachen vor Ort holen, wäre ein viel grösserer Verkehr da und viele Leerfahrten. Es ist schon sinnvoll, das zu bündelen.
Wenn es denn für alle, die daran beteiligt sind, gute Arbeit gibt. Gute Arbeit bedeutet gute Bezahlung. Es sind ja nicht nur die Paketauslieferer, sondern auch die Paketpacker, die Logistiker, die Gabelspapelfahrer und viele mehr die daran beteiligt sind.
Die Unternehmen, die Versandhandel betreiben müssen sich angewöhnen eine Standardabgabe pro Paket vom Kunden zu fordern.Körperlich Distanz
Sozial zusammen
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Kari Bremnes
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15.12.2017, 15:57Inaktiver User
AW: Bundestagswahl 2017 und Regierungsbildung
Leider kannst du die Gewerkschaftsarbeit der verschiedenen Branchen nicht vergleichen.
Wenn der Gewerkschafter bei VW oder Siemens vor dem Fabriktor steht, erreicht er viele mit einem mal.
Und ein Streik in wichtigen Exportbetrieben knabbert tatsächlich am Profit.
Auch die Betriebsratsarbeit ist anders als in Kleinbetrieben, Supermärkten mit überwiegend Minijobbern oder für das große Heer der Zeitarbeiter.
Und im Osten der Republik haben die Gewerkschaften nach der Wende nie richtig Tritt gefasst. Ich war eine Zeit lang aktives Mitglied der HBV, Mitglied Tarifkommission, kenne den Ministerpräsidenten meines Landes noch aus dieser Zeit.
Es kam immer richtig Stimmumg auf, wenn die Verhandlungen für Ost- und West getrennt geführt wurden und die Ostler 80% des Westtarifs bekamen. Obwohl wir glaubten, nicht weniger zu arbeiten, sondern immer noch die 40 Stundenwoche hatten, weniger Urlaub, keine Karenztage bei Krankheit keinen Bildungsurlaub und und und hatten.
Ich bin schon lange nicht mehr dabei, beruflich verändert und bin ehrlich gesagt, froh über den gesetzlichen Mindestlohn, der bundesweit gleich ist.
Man lebt im Osten nicht unbedingt günstiger als im Westen der Republik.
Oder gibt es extra Bahn-, Versicherungstarife für Bewohner der NBL? Der Kaffee in der Kantine kostet 60 Cent (kleine Tasse), das Stammessen 4,00 €.
Bei mir in der Gegend gibt es weniger Flüchtlinge als anderswo, trotzdem ist die AfD zweitstärkste Kraft zur BTW geworden.
Platz1 die CDU mit deutlichen über 30% , danach mit 5% Abstand zur CDU die AfD und auf Platz 3, mit 15 % Abstand zur CDU die Linke. Über die anderen brauchen wir gar nicht reden. Sind an diesem Ergebnis nun die Flüchtlinge die großteils in den alten Ländern gelandet sind schuld oder fühlt sich der Ossi immer noch als deutscher 2. Klasse und hat von dann alten Parteien die Nase voll?
Die Grünen erreichen hier sehr wenig, schon immer.
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15.12.2017, 16:00Inaktiver User
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15.12.2017, 16:01
AW: Bundestagswahl 2017 und Regierungsbildung
Darum habe ich ja auch Einkommen + Privatvermögen + Erbschaften undiert.
Warum sollte ich was gegen mich selbst haben?... Das Du was gegen Gutverdiener hast, haben wir alle begriffen. Aber bleib' mal auf dem Teppich. ...
Und wer sind denn die Gut- oder Spitzenverdiener, wo beginnen denn die obersten 20 oder 10% aller Einkommen?
Die obersten 20 % der Einkommensbezieher beginnen bei ca. 4.200 Euro mtl.
Die obersten 10 % der Einkommensbezieher beginnen bei ca. 5.200 Euro mtl.
Quelle
So die sattsam bekannte Legende. Hier die Realität:...Gutverdiener sind die, die dieses Land im Wesentlichen mit Spitzensteuersätzen finanzieren. ...
Lohnsteuer (24,8%), veranlagte Einkommenssteuer (6,2%) und Soli (2,3%) tragen zum Gesamtststeueraufkommen ins gesamt 32,3% bei.
Und in der veranlagten Einkommenssteuer (6,2% des Steueraufkommens) finden sich ja schon mehrlich Dinge, die mit dem Einkommen gar nichts mehr zut tun haben, sondern "Vermögenssache" sind (z.B Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung sowie Kapitalertragssteuern).
Sind 32,3% die "Finanzierung des Staates im Wesentlichen"? Ich denke nicht.
Im Vergleich: die Umsatzsteuer allein trägt 23,7% zum Gesamtsteueraufkommen bei.
Quelle
Wer leistet denn nun diese 32,3% - wirklich allein die Gut- oder Spitzenverdiener?
Die oberen 50% aller Einkommensbezieher leisten 95% der Einkommenssteuereinnahmen.
Diese 50% beginnen aber bereits bei 27.793 p.a. oder 2.310,25 mtl. brutto.
Diese Einkommen tragen (32,3% x 95,0%=) 30,7 % am Gesamtsteuervolumen.
Da ist aber auch schon die Krankenschwester, der Polizeibeamte und der kaufmännische Angestellte ab € 2.310 mtl. drin - meint ihr die, wenn ihr von Gut- oder Spitzenverdienern sprecht?
Die oberen 10% aller Einkommensbezieher beginnend bei 76.472 p.a. leisten 55,5% der Einkommensteuer. Das sind (32,3 x 55,5% =) 17,93% am Gesamtsteuervolumen.
(Ha, meine 80.000 Jahreseinkommen als "Unions/FPD-Wählbarkeitsgrenze" weiter vorn waren guuut geschätzt
)
Quelle
Fazit:
Die Aussage "Gut- und Spitzenverdiener finanzieren diesen Staat im Wesentlichen." ist falsch.
Es sei denn, man fasst bereits BezieherInnen von Einkommen ab 2.310 Euro/mtl. brutto bereits als gutverdienend auf und hält 30,7% bzw. 17,93% für die "Finanzierung im Wesentlichen".
Ich kenne ein paar - die meisten lächeln hilflos über Debatten wie diese, andere grinsen breit.... Reiche sind eine ganz andere Hausnummer. Das wird man zu 95% nur durch Erbschaften.
In eigener Sache: Beiträge wie diesen zu recherchieren (Quellen. Zahlen, Beechnungen) und zu schreiben ist sehr aufwendig. Ist ja auch nicht der Erste dieser Art. Dank erwarte ich dafür nicht, dazu gebe ich mich hier zu unsympathisch und mache zuviel Liebgewonnenes kaputt.
Aber ich wüsste gern, ob das Ganze denn wenigstens irgendwo ankommt, etwas nützt, lernt hier irgendwer irgendwas Neues?Geändert von Kistenkumpel (16.12.2017 um 17:53 Uhr)
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15.12.2017, 16:19
AW: Bundestagswahl 2017 und Regierungsbildung

Wenn es so wäre, würde es eher nahelegen, dass es eine organisierte Verteilung von unten nach oben gäbe.
Wozu sonst sollte ein Kapitalist seine Macht denn sonst einsetzen?
Aber Kapitalismus ist allein dadurch gekennzeichnet, dass es Privatbesitz an Produktionsmitteln (inkl. Land und Immobilien sowie und größerem Geld-Kapital) gibt.
Darüber, wer wieviel politische Macht hat und wie die ausgeformt ist, ausgeübt wird, darüber sagt der Begriff Kapitalismus erst mal nichts.
Tatsächlich ist es in D so:
Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung werden geringer besteuert und bieten großzügigere Abschreibungsmöglichkeiten als Arbeitseinkünfte.
Kapitalerträge (Erträge aus direktem Unternehmensbesitz, Zinsen, Aktiendividenden, Verkaufserlöse aus Wertpapierhandel) werden pauschal mit 27,75 % besteuert, Arbeitseinkünfte mit bis zu 42%.
Verluste aus Kapitalgeschäften kann ich als negatives Einkommen steuermindernd einbringen, meine geleistete Arbeitszeit für einen Pleite gegangenen Arbeitgeber nur sehr teilweise (Insolvenzgeld).
Das ist Umverteilung von Lohn- und Gehaltsempfängern zu Immobilien-, Land-, Unternehmens- und Geldkapital-Besitzern.
Preisfrage:
Sind die, die Unternehmen, Immobilien, Land, Wertpapiere und Geldvermögen besitzen, eher und mehrheitlich "oben" oder "unten" anzutreffen?Geändert von Kistenkumpel (15.12.2017 um 23:11 Uhr)
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15.12.2017, 16:22
AW: Bundestagswahl 2017 und Regierungsbildung
Also ich bin einfach zu faul das alles heraus zu suchen.
Deswegen von mir schon mal ein "Danke" dafür.
Ob es aber nutzt? Da bin ich nicht wirklich sicher.Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der "Ent-täuschung"
Erich Fromm
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15.12.2017, 16:24Inaktiver User
AW: Bundestagswahl 2017 und Regierungsbildung
Doch, KK, ich lese deine Beiträge.
Wenn ich das richtig lese, handelt es sich aber um Bezieher sozialversicherungspflichtigen Einkommens - das bedeutet alle Selbständigen und Kapitaleinkommensbezieher fallen raus, oder?



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