Vermutlich das grausigste Ereignis im Zusammenhang mit dem Massenansturm von 2015/16 wird nun vor Gericht gebracht:
Flüchtlingsdrama auf A4: Schlepperprozess in Ungarn beginnt | Tiroler Tageszeitung Online - Nachrichten von jetzt!
In den deutschen Nachrichtensendungen sind nun schon mehrfach Telefon-Abhörprotokolle wiedergegeben worden, wo irgendein Schlepperboss dem Fahrer Anweisungen gibt, die Hilferufenden bloß nicht rauszulassen, sondern sie besser später (d.h. nach ihrem Tod) irgendwo im Wald abzuladen.
Mal abgesehen davon, daß das an Abgebrühtheit und überhaupt kaum zu toppen ist (mir fehlen die richtigen Worte), verstehe ich auch den "Sinn" (in der Verbrecherlogik) nicht wirklich.
Geht es um die Verschleierung, also daß sie dachten, wenn alle tot sind, können sie nicht identifiziert werden?
Und wieso haben die ungarischen Behörden diese Mitschnitte, haben aber nicht eingegriffen?
Besteht Hoffnung, daß hier größere Kreise von Menschenhändlern aus dem Verkehr gezogen werden können und das möglichst langfristig?
lg lenita
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Ergebnis 1 bis 10 von 15
Thema: Schlepperprozeß in Ungarn
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21.06.2017, 17:39
Schlepperprozeß in Ungarn
Je suis Charlie.
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21.06.2017, 17:47
AW: Schlepperprozeß in Ungarn
Danke, dass du diesen Strang erstellt hast, ich habe kurz überlegt, das Thema im Strang "Österreichische Tagespolitik" anzusprechen, aber das Thema sprengt ja die Grenzen.
Ich bin an besagtem Tag an der A4 unterwegs gewesen, und habe diesen Laster passiert, kurz nachdem er entdeckt wurde. Zuerst war ja von 20 Opfern die Rede, das grausige Ausmaß wurde erst ein paar Stunden später bekannt.
Irgendwann haben die Medien gar nichts mehr darüber berichtet, nur dass der Laster aus der Nähe von Budapest abgefahren war. Ich wusste lange nicht, ob der Prozess schon war, oder erst kommt.
Was mit den ungarischen Behörden los ist, kann ich dir nicht sagen, aber wundern täte mich nur noch wenig.
Angeblich konnten alle bis auf ein Opfer identifiziert werden.
Ich vermute, es wurde damit spekuliert, dass man sich nicht die Mühe antun würde, diese Menschen zu identifizieren. Vielleicht wäre es auch in anderen Ländern so gekommen, wer weiß.
Ich bin jedenfalls auch sehr gespannt, habe im Vorfeld aber wenig gehört, ob man auch an die Drahtzieher rankommt, oder ob quasi "nur" der Fahrer bzw. die Ausführenden belangt werden können.
Laut ORF war schon der Auftakt holprig, da es wegen der Dolmetscherin zu einem Streit kam (muss ich erst selbst nachlesen).
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22.06.2017, 10:01
AW: Schlepperprozeß in Ungarn
ich meine gestern in den Nachrichten gehört zu haben, dass die Polizei das alles bereits im Vorfeld im Auge hatte, auch die Telefonate abgehört hatte, allerdings aufgrund eines fehlenden Dolmetschers nicht rechtzeitig eingreifen konnte (sie konnten die Telefonate nicht übersetzen).
Es ist wirklich dramatisch...
Numme nit huddle!
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22.06.2017, 10:07
AW: Schlepperprozeß in Ungarn
Polizei hörte mit: Sie bekommen keine Luft - Burgenland | heute.at
hier ein Bericht, wo das mit den Telefonaten auch nochmals aufgegriffen wird.
@Hawai: beim Auftakt der Verhandlung hab es tatsächlich Probleme mit der Dolmetscherin, die Angeklagten waren mit ihrer Arbeit nicht zufrieden und der Meinung sie würde sie nicht richtig verstehen/widergeben.
http://www.heute.at/oesterreich/burg...ssaal-40418426Geändert von Blumenmeere (22.06.2017 um 10:10 Uhr) Grund: Text vergessen
Numme nit huddle!
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22.06.2017, 10:15
AW: Schlepperprozeß in Ungarn
Für mich ist das absolut glaubhaft, es wird üblicherweise nicht über 24 Stunden abgehört, das ist personell gar nicht leistbar.
Manchmal muss auch über Tage und Wochen zurück übersetzt werden.
Ihr müsst euch vorstellen, dass nicht EIN Anschluss überwacht wird, sondern 10 oder 20 parallel.
(Ich hatte im letzten Jahr so ein Verfahren.)
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22.06.2017, 10:27
AW: Schlepperprozeß in Ungarn
Ich denke nicht, dass jemand das als "nicht glaubhaft" darlegen möchte (ich jedenfalls nicht). Ist logisch, dass nicht alles direkt überwacht und reagiert werden kann.
Es ist einfach traurig, dass man quasi auf der richtigen Spur war aber nicht rechtzeitig handeln konnte.
Im gleichen Zug frage ich mich auch, was das für Menschen sind. Man merkt dass die Menschen klopfen, dieses klopfen immer weniger wird, spricht sogar am Telefon darüber und zieht das dann eiskalt durch.
Numme nit huddle!
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22.06.2017, 10:30
AW: Schlepperprozeß in Ungarn
Das ist 71facher grausamer Mord. Keine Frage.
Sie hätten nur die Tür aufmachen müssen. Unfassbar eigentlich.
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22.06.2017, 11:34
AW: Schlepperprozeß in Ungarn
Warum mußte die überhaupt verschlossen sein?
Und: anscheinend hatte diese Gruppe mehrfache Schleppaktionen. Kann man da nicht auch wissen, daß ein Kühllaster luftdicht und somit ungeeignet ist?
Unter der Annahme, daß es Schleppern allein ums Geld geht und vorab kassiert wird: wieso hatten die Befürchtungen, daß ihnen die Leute abhauen?
lg lenitaJe suis Charlie.
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22.06.2017, 11:52
AW: Schlepperprozeß in Ungarn
In einem der o.g. Artikel steht, dass sie bereits ca. 28 Schlepperfahrten hatten und dabei mehrmals Flüchtlinge vom Notarzt versorgt werden mussten. Es ist also davon auszugehen, dass es ihnen schlichtweg egal war ob ein Kühllaster ungeeignet ist. Geld abkassiert, der Rest interessiert nicht mehr.
Fragt sich dann allerdings, warum sie sich überhaupt "die Mühe machen".Numme nit huddle!
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22.06.2017, 14:25
AW: Schlepperprozeß in Ungarn
Eben. Sie hätten ja auch Geld einsammeln und dann nicht zum vereinbarten Treffpunkt erscheinen können oder so.
Aber in den Telefonaten hört man, wie der Hintergrund-Boss den Fahrer anweist, zu warten, bis es keine Lebenszeichen mehr gibt (also alle tot sind).
Bei den ersten Hilferufen zu öffnen, wäre womöglich für den Fahrer riskant gewesen, so von wegen Panik im Frachtraum, vielleicht wäre er ja auch gelyncht worden. Aber das hätte ja dem Hintergrundmann auch egal sein können.
Offenbar hat beim Prozeßauftakt auch keiner der Angeklagten Zeichen von Reue gezeigt.
lg lenitaJe suis Charlie.


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