Die meisten Zeitarbeitsfirmen vereinbaren eine 35 Stundenwoche mit ihren Mitarbeitern, egal ob sie beim Kunden 40 oder mehr Stunden arbeiten. Der Kunde bezahlt übrigens immer die wirklich geleistete Arbeitszeit. Die geleisteten Stunden kommen auf ein Guthabenkonto und werden frühestens nach dem Erreichen von 152 Stunden oder mit dem Ausscheiden bezahlt. Geld gibt es auch nicht wie üblich bis zum 10. des Folgemonats, sondern in meinem Fall gab es das erst zum 20. des Folgemonats, das muss man erstmal stemmen können.
Das mit dem Zeitguthabenkonto ist eigentlich dafür gedacht, bei Auftragsflaute auch mal ein paar Tage bezahlt überbrücken zu können. Wird aber in den meisten Fällen so nicht mehr genutzt. Erfolgt die Abmeldung durch den Kunden, kommt in der Regel die Kündigung. Ich habe Leute kennengelernt, die sich so durchs Jahr wurschteln, nie hintereinanderderweg 12 Monate arbeiten können, um in den "Genuss" von ALG 1 zu kommen.
Diese Menschen fallen nach einem dreivierteljahr Vollzeitarbeit in Hartz4. Das sind keine Assis, das ist hier in meiner Region mittlerweile normal. Da viele Zeitarbeitsfirmen vorwiegend im Helferbereich vermitteln, völlig egal was du für einen Berufsabschluss hast, gibt es nur Mindestlohn, d.h. man marschiert mit etwa 1300 € brutto, das macht rund 1020 € netto, in den nächsten Monat. Und das war vor dem Mindestlohn viel weniger. Insofern war ich entsetzt als die AfD in ihren ersten Wahlprogrammen, den Mindestlohn aufweichen wollte.
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Thema: Benz-Baracken und Asternweg
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02.06.2017, 13:46Inaktiver User
AW: Benz-Baracken und Asternweg
Geändert von Inaktiver User (02.06.2017 um 13:57 Uhr) Grund: Tippfehler
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02.06.2017, 13:51
AW: Benz-Baracken und Asternweg
@hillary

Und so bezahlt quasi der Rest der Gesellschaft den Preis für das unternehmerische Risiko, das ausgelagert wird.
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02.06.2017, 13:55Inaktiver User
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02.06.2017, 14:06Inaktiver User
AW: Benz-Baracken und Asternweg
Und damit die Niedriglöhner nicht etwa auf dumme Ideen kommen, zeigt man ihnen in bunten Bildern, das abgehängte Prekariat.
Meine Tochter hat leider ein Fach studiert, das mehr ihren Neigungen entgegenkam als wirtschaftlich notwendig. Studium sehr gut abgeschlossen, nur Praktikantenstellen oder Minijobangebote. Sie hat sich notgedrungen selbstständig gemacht.
Auf dem Finanzamt bei der Anmeldung hat man ihr geraten zusätzlich Hartz4 zu beantragen. Sie hats nicht gemacht.
Ich habe mit ihr vergangenes Jahr die Steuererklärung gemacht, ich bin furchtbar erschrocken. Sie hat dann eine Teilzeitstelle an der Kasse dazunehmen müssen, um sv versichert zu sein und nebenbei weiter in ihrer Fachrichtung gearbeitet.
Nach 2 Jahren Mühsal ist jetzt ein Angebor gekommen - aus Dänemark. Farvel Tyskland.
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02.06.2017, 14:21
AW: Benz-Baracken und Asternweg
Mich hat damals ein Auftraggeber aus den Niederlanden aus dem Mist gerettet und mir statt unterbezahltem Werkvertrag für "es merkt ja keiner!" korrekt bezahlte selbstständige Arbeit angeboten, was mal kurz das fünffache bis siebenfache an Lohn ist, wofür man dann halt auch das Risiko übernimmt.
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02.06.2017, 14:38Inaktiver User
AW: Benz-Baracken und Asternweg
Da kann die Gesellschaft aber auch nichts zu. Ich habe selbst auch eine brotlose Kunst studiert, mir war immer klar, dass man da jobmäßig improvisieren muss. Das halte ich für ein Luxusproblem im Vergleich zu Leuten, die vielleicht tatsächlich nichts anderes als Hilfsarbeiten können.
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02.06.2017, 14:45Inaktiver User
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02.06.2017, 14:50Inaktiver User
AW: Benz-Baracken und Asternweg
@molto1,
ja da ist was dran, aber als Alternative empfahl das FA Hartz4.
Hat sie ja nun nicht gemacht, sondern alles mögliche. Das ist der Unterschied, wenn man in einer Familie aufwächst, wo der Leistungsgedanke zählt.
Als ich in ihrem Alter war, hatte ich schon Leitungsposition inne, sind aber olle Kamellen.
Wenn aber die Gut bis Hochqualifizierten schon in die "Helferjobs" gehen, was bleibt dann für die weniger Qualifizierten?
Ich habe wie du Zeitarbeitserfahrung und den Vorteil vielseitig und flexibel einsetzbar zu sein, "Goldstaub" eben, das sind ganz viele nicht. Jetzt bin ich wieder im Dreischichtsystem und pendelnd unterwegs, sollte eigentlich für die Nachtschicht vorschlafen, geht aber nicht, zu warm.
Junge Mütter, die an Kita-Zeiten gebunden sind, vollführen da oft einen Dreifachsalto oder kriegen es nicht hin.
Nachtrag. Wenn man mit 1300 € brutto (Mindestlohn) in ALG 1 fällt sind das etwa 670 €, die man für den Monat bekommt.Geändert von Inaktiver User (02.06.2017 um 15:13 Uhr)
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02.06.2017, 14:53Inaktiver User
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02.06.2017, 14:59Inaktiver User
AW: Benz-Baracken und Asternweg
Ok das war bei meinem Auswahlverfahren und nicht allgemein für jeden, der dort arbeitet, sollte eigentlich keine Erwähnung wert sein, weil das jedem klar sein müsste, dachte ich jedenfalls bis eben. Es heißt ja nicht ohne Grund Bankangestellte. Und dass es bei einem so großen Unternehmen Unterschiede bei den Stellen gibt, sollte auch klar sein.
Mein Punkt war der, dass das unternehmerische Risiko nicht nur in den schlecht bezahlten Jobs ausgelagert wird. Durch Selbstständigkeit z.B. gibt es keine Altersabsicherung und damit Alters-Hartz 4



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