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    AW: Obdachlosigkeit in Deutschland – Ursachen und Hilfsmöglichkeiten

    Vor ein paar Wochen hatte ich die Gelegenheit, eine kurze Vorstellung des Verantwortlichen für Obdachlosenhilfe für meine Stadt und der Leiterin einer neu eingerichteten Unterkunft für obdachlose Frauen zu hören und das Hilfekonzept sieht so aus, dass die Stadt von Gerichtsvollziehern und Polizei informiert wird, wenn aufgrund einer Zwangsräumung oder anderer Gründe (zB weil ein Mann als Täter von häuslicher Gewalt seiner Wohnung verwiesen wird-übrigens auch einer der Wege in die Obdachlosigkeit) Obdachlosigkeit droht. Wenn die Obdachlosigkeit nicht abgewendet werden kann, greift ein dreistufiges Konzept:
    -für die ersten Tage Notschlafplätze
    -dann Integration in WG-artige auf längere Verweildauer angelegte Wohngruppen mit Zwei-Bett-Zimmer, Gemeinschaftsbad und Küche
    -nach Stabilisierung der Situation (zB durch Schuldnerberatung, Suchtberatung, Einrichtung einer Betreuung für die Bereiche, in denen der Betroffene nicht mehr klar kommt) Wechsel in eine von der Stadt angemietete Wohnung bei privatem Vermieter oder der kommunalen Wohnungsgesellschaft mit dem Ziel, dass der vormals Obdachloser irgendwann selbst in den Mietvertrag eintritt.

    Es gibt also Hilfsangebote, die aber tatsächlich nur funktionieren, wenn sie angenommen werden und der Hilfesuchende kooperiert.
    Gerade mit Suchtkranken funktioniert das nicht, es wird versucht, sie in Therapien zu vermitteln, aber eine Therapie gegen den Willen des Süchtigen hat keine Aussicht auf Erfolg.

    Martabak, die Freifläche auf dem Bahnhofsgelände als Platz für Obdachlose sehe ich kritisch. Für die Obdachlosen, die noch für Hilfe erreichbar sind, wäre ein Verweis auf diese Fläche der erste Schritt von den Hilfesystemen weg, wie sollen sie Helfer, die in den Unterkünften als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, dort erreichen?
    Da Drogen in den Obdachlosenunterkünften nicht geduldet sind, wäre es vor allem ein Ort zum Drogenkonsum mit den dafür typischen Folgen.
    Wenn mich die weltpolitische Lage deprimiert, denke ich an die Ankunftshalle in Heathrow. Es wird immer behauptet, wir leben in einer Welt von Hass und Habgier, aber das stimmt nicht. Mir scheint wir sind überall von Liebe umgeben. Oft ist sie weder besonders glanzvoll noch spektakulär, aber sie ist da. Väter&Söhne, Mütter&Töchter, Ehepaare, Verliebte, alte Freunde.
    Ich glaube, wer darauf achtet, wird feststellen können, dass Liebe tatsächlich überall zu finden ist

    Intro "Tatsächlich Liebe"

  2. gesperrt

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    AW: Obdachlosigkeit in Deutschland – Ursachen und Hilfsmöglichkeiten

    Zwanglose, niederschwellige Angebote werden gern angenommen.
    Möglichkeiten zum Waschen von Körper und Kleidung, Kleiderkammer, warmes Essen, Tierfutterausgabe, kostenlose ärztliche und zahnärztliche Untersuchung, Poststelle.

    Das alles gibt es ja, die Obdachlosen können diese Einrichtungen nutzen und sie wieder verlassen, ohne “belehrt“ zu werden.

  3. VIP

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    AW: Obdachlosigkeit in Deutschland – Ursachen und Hilfsmöglichkeiten

    Es gibt niederschwellige Angebote, die die Obdachlosen dort aufsuchen wo sie sind.

    Ich kann aktuell nicht vom PC schreiben, deshalb nur kurz: mE sind alle Obdachlosen durch das Hilfenetz, das es gibt gerutscht. Die Gründe sind vielfältig. Doch alle haben Hilfsangebote ausgeschlagen und zwingen kann man niemanden. Selbst wenn man bei Minderjährigen eine geschlossene Unterbringung gesetzlich erwirkt, heißt das nicht, dass diese nicht bei der nächsten Gelegenheit abhauen. U.a. Weil z. B. die psychiatrischen Kliniken da nicht so auf den gerichtlichen Beschluss achten.
    Immer nur zu meckern auf das blöde Scheißsystem, das ist schön bequem, du bist nicht Teil der Lösung, du bist selber das Problem und feige außerdem, sei nicht so unsportlich, es geht nicht ohne dich, so funktioniert das nicht, es geht nicht ohne dich
    Die Ärzte

  4. Inaktiver User

    AW: Obdachlosigkeit in Deutschland – Ursachen und Hilfsmöglichkeiten

    Zitat Zitat von fritzi72 Beitrag anzeigen
    v
    Es gibt also Hilfsangebote, die aber tatsächlich nur funktionieren, wenn sie angenommen werden und der Hilfesuchende kooperiert.
    Gerade mit Suchtkranken funktioniert das nicht, es wird versucht, sie in Therapien zu vermitteln, aber eine Therapie gegen den Willen des Süchtigen hat keine Aussicht auf Erfolg.

    Martabak, die Freifläche auf dem Bahnhofsgelände als Platz für Obdachlose sehe ich kritisch. Für die Obdachlosen, die noch für Hilfe erreichbar sind, wäre ein Verweis auf diese Fläche der erste Schritt von den Hilfesystemen weg, wie sollen sie Helfer, die in den Unterkünften als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, dort erreichen?
    Da Drogen in den Obdachlosenunterkünften nicht geduldet sind, wäre es vor allem ein Ort zum Drogenkonsum mit den dafür typischen Folgen.
    Das ist natürlich am besten Obdachlosigkeit gleich zu verhindern!Das es da Hilfe gibt glaube ich auch .In dem Stadium ist auch noch vieles besser.
    Dieser eine Drogensüchtige war jetzt nur ein Beispiel aus einer anderen Ecke ,ich weiss nicht ,was mit den Kids ,die ich oft sehe ,tatsächlich ist ?
    Das Bahnhofsgelände könnte eigentlich betrieben werden von der Bahnhofsmission oder Obdachlosenhilfe. So dachte ich das. Da könnte man ruhig und geschützt draussen schlafen ,aber vielleicht auch eine Ecke haben mit Menschen mit denen man reden könnte und die vielleicht auch filtern ,wer da Bereitschaft hätte und Hilfe annehmen würde oder bei wem tatsächlich kaum Hilfe möglich ist .Es könnte auch Essen geben und einfach ein geschützter Anlaufpunkt sein ,wo man eben auch schlafen kann. Geschützt und draussen zugleich.
    Es gibt so viele junge Obdachlose gerade in Mitte ,die kann man doch nicht alle aufgeben.

  5. Inaktiver User

    AW: Obdachlosigkeit in Deutschland – Ursachen und Hilfsmöglichkeiten

    Zitat Zitat von Paraplumeau Beitrag anzeigen

    Das alles gibt es ja, die Obdachlosen können diese Einrichtungen nutzen und sie wieder verlassen, ohne “belehrt“ zu werden.
    Belehrt ist auch nicht der Ansatz ,den ich meine. Aber wenn ich jetzt obdachlos über Jahre bin ,dann habe ich doch längst den Glauben verloren und kann es dann schon gar nicht mehr schaffen ,wenn ich schon am Anfang nicht die Kraft dazu hatte mein Leben zu wuppen. Da verliert man doch immer mehr den Glauben an alles oder mache ich da einen Denkfehler?
    Wenn ich jetzt 3 Jahre obdachlos bin und mich nun entscheide ,ich muss was ändern ,was mache ich dann überhaupt ? Wo gehe ich da hin ?Bekomme ich denn irgendwo einen festen Platz?
    Macht das jemand ?Wie kommen denn Obdachlose wieder in ein normales Leben zurück?

  6. Inaktiver User

    AW: Obdachlosigkeit in Deutschland – Ursachen und Hilfsmöglichkeiten

    Die Stadtmission und die DB machen einiges... gerade im Bahnhofsbereich. Hier wird versucht niedrigschwellende Hinge anzubieten.
    Im Winter gab es viele Plakate zur Kältehilfe (dieses Bild mit dem Menschen im Gefrierschrank), auch, um alle anderen aufzuklären.
    Ob es genug ist, diese Frage stellt sich immer und muss auch immer wieder diskutiert werden.

    Ambulanz der Berliner Stadtmission | Deutsche Bahn Stiftung

  7. Inaktiver User

    AW: Obdachlosigkeit in Deutschland – Ursachen und Hilfsmöglichkeiten

    Hier nur aus einem Bezirk die staatlichen Hilfen. Caritas, Diakonie, Obdachlosenhilfe und noch mehr Vereine unterstützen. Es ist immer eine Gemengelage: Schulden, Gesundheit, psychische Probleme.... und mehr.

    https://www.berlin.de/ba-mitte/polit...kel.114074.php

  8. VIP

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    AW: Obdachlosigkeit in Deutschland – Ursachen und Hilfsmöglichkeiten

    Bei uns fährt ein Bus täglich zu je einem Treffpunkt der Obdachlosen. Verteilt Kaffee und Brötchen. An den unterschiedlichen Wochentagen fahren Ärzte, Anwälte, Frisöre mit und bieten kostenlos ihre Dienste an. Sozialarbeiter und Psychologen sind immer da, die können jeder Zeit um Hilfe gebeten werden.
    Jede Unterkunft bietet Beratung und Hilfe an. Die Obdachlosen wissen mWn sehr gut wo sie hinkönnen bei Bedarf.

    Die Realisierung der Wiedereingliederung ist oft tricky und geht oft nicht so schnell wie gewünscht. Hilfsangebote gibt es mE gute und viele.
    Immer nur zu meckern auf das blöde Scheißsystem, das ist schön bequem, du bist nicht Teil der Lösung, du bist selber das Problem und feige außerdem, sei nicht so unsportlich, es geht nicht ohne dich, so funktioniert das nicht, es geht nicht ohne dich
    Die Ärzte

  9. gesperrt

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    AW: Obdachlosigkeit in Deutschland – Ursachen und Hilfsmöglichkeiten

    Aus:
    Obdachlosigkeit: Plötzlich Penner |*ZEIT ONLINE

    Obdachlosigkeit, das ist in der Vorstellung der meisten Menschen ein selbst verschuldeter Zustand. Man muss ja in Deutschland nicht auf der Straße landen, außer man nimmt Drogen oder ist alkoholabhängig. Wie solle man sonst so radikal durch das soziale Netz fallen? "Ich war naiv", sagt Simon und meint damit eine Verkettung unglücklicher Begebenheiten, die er wohl hätte verhindern können. Es ist allerdings auch eine Verkettung von Begebenheiten, die so gut wie jedem Berliner widerfahren könnte.

    Auf die Frage, ob er keine Freunde gehabt hätte, erwidert er nur: "Ich dachte ich hätte welche." Viele von ihnen haben Familie und ihnen wollte er nicht auf der Tasche liegen, hatte sie deswegen gar nicht erst gefragt. Andere wiesen ihn ab.
    ...
    Simon hat den ersten Schritt zurück geschafft. Seit Mitte Januar hat er einen festen Platz in einer Unterkunft. Nun möchte er sich eine richtige eigene Wohnung suchen und dann endlich einen Job finden. Doch das geht erst, wenn er die Wohnung auch bezahlen kann. Momentan wartet er auf sein erstes Arbeitslosengeld.

  10. VIP

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    AW: Obdachlosigkeit in Deutschland – Ursachen und Hilfsmöglichkeiten

    Das ist eine schwierige Spirale:

    Kein Arbeitsplatz ohne feste Wohnung.
    Keine Wohnung ohne festen Arbeitsplatz.

    Ob jemandem da unter einer Brücke, eingepackt in Plastiktüten oder Zeitungen, selbst die rettende Idee kommt, statt alternativ zur Flasche zu greifen und sich die Probleme wegzutrinken? Und mit jeder Flasche wird der Wiedereinstieg schwieriger.

    Ja, und auch viele dieser Menschen haben so viel Stolz, ihrer Familie (falls vorhanden) nicht auf der Tasche liegen zu wollen.

    Unter unseren Brücken liegen Schicksale, keine wertlosen Menschen.
    Vom Ungelernten bis zum Akademiker ist da alles vertreten.
    Die aber - warum auch immer - die Kraft verloren haben, in ein "normales" Leben zurückzukehren.
    Ärztebus, warmer Tee... alles lobenswerte, hilfreiche und überlebensnotwendige Initiativen.
    Aber diese Menschen brauchen letztlich einen Rückweg in die Gesellschaft. Wohnung, Job, Anerkennung.

    Verweigern sie sich wirklich selbst oder sind die Angebote nicht passend?
    (Ernsthafte Frage, ich weiß es nämlich nicht.)
    Bleiben Sie gesund und bleiben Sie bei Trost. (Lisa Feller)



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