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  1. Inaktiver User

    AW: Freilassung der RAF Häftlinge

    Zitat Zitat von Kappuziner
    natürlich nicht...
    wie kommst du darauf?
    Was fasziniert dich dann an dieser Aussage? "Fasziniert" ist für mich ein positiv besetztes Wort.

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    AW: Freilassung der RAF Häftlinge

    Zitat Zitat von Katja_
    Ich hatte zuweilen das seltsame Gefühl gehabt, dass der Mensch Klar gar nicht anwesend war. Sein Gesicht war ganz starr, ohne jegliche Mimik. Seine Stimme klang so monoton, dass mich gruselte. Aber er hat seinen schwäbischen Akzent behalten - und das war wohl auch das einzig Lebendige an ihm.
    Ja, gute Frage - der "Mensch Klar". Er sagte ja selber in dem Interview, dass er genau so ist und dass nur seine Ziele wichtig sind. Dass er alle anderen Kategorien nicht wichtig findet. Ich weiß die Worte nicht mehr (als er von dem schwierigen Verhältnis zu seinen Geschwistern sprach).

    Der ist aber auch schon relativ lange ziemlich isoliert in der Haft und wer weiß, wie selten er überhaupt mit jemandem spricht bzw. eine Reaktion bekommt.

    Ich glaube auch nicht, dass er jemals in seinem Leben hier ankommen wird, im Jahre 2006. Er wird wahrscheinlich so eine Art "Gnadenbrot" bekommen in einem Kollektiv in Berlin oder Hamburg, die ihn aufnehmen.
    Jedenfalls würde ich (mit meinem Laienverstand) ausschliessen, dass er sich zu einer Gefahr entwickelt, andere Leute mitreißt oder so. Er hat keine Ausstrahlung und der Mythos um ihn ist ohnehin verflogen. Man spürte ihn noch bei Gaus - hast du gemerkt, wie er sich in seiner Sprache an Klar anpasste? Erst sagte er "Er-Ah-Ef" dann sagte er "die Er-Ah-Ef, oder, wie Sie sagen, RAF" und zum Schluß sagte er selber "RAF". Gaus war sichtlich berührt - und vielleicht auch davon wieder überrascht. Eine im höchsten Maße faszinierende Interaktion (und eine Art bundesrepublikanisches Lehrstück)

    Kottan
    : "I rauch ned, i trink ned und i hob nix mit andere Frauen"
    Elvira: "Gar koan Fehler?"
    Kottan: "Doch, i liag manchmal"
    ______________________________________

    Profilbild © Analuisa

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    AW: Freilassung der RAF Häftlinge

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Was fasziniert dich dann an dieser Aussage? "Fasziniert" ist für mich ein positiv besetztes Wort.
    Für wen nicht? Ja. Und? Die Aussage bzw. die Interaktion der beiden zu diesem Punkt war faszinierend. Was hat das mit der Person Klar zu tun? Auch scheussliche Menschen können faszinierende Sachen sagen.
    Wozu die Berührungsangst? Was nicht sein darf, das kann nicht sein?

    Kottan
    : "I rauch ned, i trink ned und i hob nix mit andere Frauen"
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    AW: Freilassung der RAF Häftlinge

    Zitat Zitat von Kappuziner
    Er hat keine Ausstrahlung und der Mythos um ihn ist ohnehin verflogen. Man spürte ihn noch bei Gaus - hast du gemerkt, wie er sich in seiner Sprache an Klar anpasste? Erst sagte er "Er-Ah-Ef" dann sagte er "die Er-Ah-Ef, oder, wie Sie sagen, RAF" und zum Schluß sagte er selber "RAF".
    Ich habe, wie gesagt, den Anfang der Sendung verpasst und habe deshalb die Sprachdynamik nicht so mitgekriegt. Aber ich wunderte mich darüber, dass Gaus mit dem RAF-Jargon so vertraut umgegangen ist. Ich dachte aber, er hat sich Klar ganz bewusst angepasst, um ihm entgegen zu kommen und so vielleicht die Kommunikation ein wenig zu erleichtern.

    Hat Gaus eigentlich Klar danach gefragt, wie er sich die Zukunft nach seiner Freilassung vorstellt?

    An diesem Interview war alles irgendwie ... antiquiert und überraschend. Christian Klar sowieso. Aber auch Gaus. Das ganze Szenarium halt. Es hätte auch ein Ausschnitt aus einem Film sein können. Ich würde die Sendung auf jeden Fall gerne noch einmal sehen. Vielleicht wird sie irgendwo wiederholt.
    Man sollte die Dinge so nehmen, wie sie kommen.
    Aber man sollte dafür sorgen, dass die Dinge so kommen, wie man sie nehmen möchte.

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    AW: Freilassung der RAF Häftlinge

    Katja, "überraschend" ist genau das Wort!

    Die Familie von Gaus hat übrigens den Text des Interviews nicht freigegeben zum Druck, mit der Begründung, man könne das nur verstehen, wenn man die beiden dabei sieht - ich denke, sie haben recht.

    Es war wirklich ein ungewöhnliches Gespräch, für mich ein richtiges Zeitzeugnis.
    Man merkte auch, wie Gaus versuchte, sich und seinen eigenen Lebensweg zu verstehen, es hat mich sehr berührt, zumal er ja, wie man jetzt weiß, nicht so weit weg vom Ende des Lebensweges war.
    Für Gaus war es sicher ein wichtiges Ereignis, sich selber im Lichte von Christian Klar zu sehen.

    Kottan
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    AW: Freilassung der RAF Häftlinge

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    "Fasziniert" ist für mich ein positiv besetztes Wort.
    Faszination bedeutet Anziehungskraft, fesselnde Wirkung. Man kann von allem Möglichen fasziniert sein, auch von Tod und Verderben , es muss nicht unbedingt etwas Positives sein.
    Man sollte die Dinge so nehmen, wie sie kommen.
    Aber man sollte dafür sorgen, dass die Dinge so kommen, wie man sie nehmen möchte.

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    AW: Freilassung der RAF Häftlinge

    Zitat Zitat von Kappuziner
    Die Familie von Gaus hat übrigens den Text des Interviews nicht freigegeben zum Druck, mit der Begründung, man könne das nur verstehen, wenn man die beiden dabei sieht - ich denke, sie haben recht.
    Diese Begründung überrascht mich, denn Gaus war so gut wie überhaupt nicht zu sehen, hin und wieder im Hintergrund und auch das nur ganz undeutlich. Die Kamera hat sich hauptsächlich mit Klar aus allen Möglichen Blickwinkeln beschäftigt. Es war sehr ungewöhnlich, aber sicherlich genau so gewollt.

    Zitat Zitat von Kappuziner
    Für Gaus war es sicher ein wichtiges Ereignis, sich selber im Lichte von Christian Klar zu sehen.
    Schon aus dem Grunde möchte ich die Sendung noch einmal sehen.
    Man sollte die Dinge so nehmen, wie sie kommen.
    Aber man sollte dafür sorgen, dass die Dinge so kommen, wie man sie nehmen möchte.

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    AW: Freilassung der RAF Häftlinge

    Ich hab das auch nicht ganz richtig zitiert, von der Familie Gaus - sie meinten sicher nicht nur "sehen", sondern auch "hören". Und das Schweigen auch.
    Wenn man das Interview liest, dann fehlt einem vieles von der Atmoshäre. Das Schweigen. Klar, der um Worte ringt, sich Worte abringt, seine Lippen benetzt. Gaus, der sichtbar bzw. hörbar ihm einerseits nicht zu nahe treten will, andererseits wohl spürt, dass er sich ihm nahe fühlt, näher als ihm lieb ist.

    Für mich war es auch eine Sendung über Günther Gaus.

    Kottan
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  9. Inaktiver User

    AW: Freilassung der RAF Häftlinge

    Zitat Zitat von Opelius
    Ich habe mit Interese die Berichte über das Interview Gaus und Klar gelesen. Wenn ich es also richtig verstanden habe, lebt Christian Klar immer noch in seiner Gedankenwelt der RAF. Sprachlich und gedanklich scheint bei ihm ein geistiger Stillstand stattgefunden zu haben.

    "Die Vorstellung ist, daß auch eine Gruppe, wie die RAF...Inspiration wird für neue Aufbrüche."

    Der Satz komplett:

    Frage:

    "Ist das Bewahren von Selbstachtung wichtiger fürs Überleben als eine Anpassung an Normen, (auch wenn) man damit vielleicht die, die über einen verfügen, gnädig stimmen kann?"

    Antwort Christian Klar:

    "(...) Ich denke nicht so sehr über Selbstachtung nach, sondern verantwortlich zu handeln. An erster Stelle kommt, dass ich verantwortlich dafür handeln will, dass die Ziele des Aufbruchs, den auch die RAF dargestellt hat, weitergetragen wird. (...) Die Vorstellung ist, dass auch eine Gruppe, wie die RAF, die irgendwann Geschichte geworden ist, durch Fehler und Anstöße Inspiration wird für neue Aufbrüche. Ich fühle mich verantwortlich, da nichts zu denunzieren. (...)"


    ...hm !! ...

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    AW: Freilassung der RAF Häftlinge

    Danke für Deinen Kommentar, Regentröpfchen.

    Er beweist genau das, was in den Postings davor stand: zu Recht sollte dieses Interview NICHT auszugsweise und ohne Bild und Ton wiedergegeben werden.

    Wer das Interview nicht gesehen hat und nur dein Zitat liest, der wird ein Bild vor Augen haben, wie es mit Sicherheit nicht war.
    Womit dieser hochinteressanten Dokumentation Unrecht getan würde.

    Ich kann die Familie Gaus verstehen, dass sie das nicht möchte.
    Wir sollten es hier auch nicht tun.

    Wer sich wirklich interessiert (und nicht nur seinen eigenen Film sehen möchte), der sollte sich lieber die ganze Dokumentation ansehen.

    Kottan
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