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  1. Inaktiver User

    AW: unwort des Jahres

    Zitat Zitat von neko
    Political correctness kennen die meisten leider nur aus der Parodie und als Schimpfwort. Leider.
    Ich fand die Bewegung von der Intention her und auch in vielen Ergebnissen gut. In Deutschland gab es leider schon das Schimpfwort "PC-Keule", bevor hier überhaupt einer wusse, was pc sein soll.

    Ich habe das mit dem "witzigen Beispiel für ein Problem der pc" durchaus sympathisierend gemeint. Gut, wenn man nicht meine Gedanken lesen kann, weiß man das nicht. Aber ich glaube nicht, dass ich mich so ausdrücke, dass man mich für einen verbalen Keulenschwinger hält. Diese Diffamierung ("pc-Keule") kam doch eh aus dem rechtsextremen Lager, wenn ich mich richtig erinnere.
    Ja, leider wird das Wort heute als eine Art Modeerscheinung wie ein Schmähwort benutzt.

    Und manchmal wünsche ich mir die Zeiten, der Diskussionen der Leute einer Generation vor mir zurück in der mit verve diskutiert wurde.


    Aber Danke für Deine nette Erklärung, nun verstehe ich Dich.

    Ich empfinde Dein Schreiben nicht als " Keule " aber ich habe dieses Schmähen und Unken gegen die Schwächen der " politisch Korrekten " im Moment ziemlich über

    Wenn ich Dir gegenüber manchmal etwas " frech " erscheine, so verstehe es bitte als Zwinkern auf Augenhöhe und nicht " von oben herab.."
    ------
    Geändert von Inaktiver User (25.01.2007 um 08:26 Uhr)

  2. Inaktiver User

    AW: unwort des Jahres

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Vielleicht verstehen hier alle unter "PC" völlig verschiedene Dinge?

    Soweit ich mich erinnere, begann man die Idee der "Political Correctness" Ende der 80er in der US-Presse zu thematisieren.

    Ich denke, bei "PC" geht es nicht um Grundregeln der Höflichkeit oder sowas... sondern um Kontrolle und Herrschaft, um semantische Vorzensur; nämlich um die Ausübung von Herrschaft durch bestimmte ideologisch orientierte Kreise mit dem Mittel der semantischen Zwangskontrolle. Im Kern ist "PC" nichts anderes als die "LTI", die Lingua Tertii Imperii.
    "PC" bedeutet, daß gewisse Worte/Zusammenhänge – unabhängig von ihrer Stichhaltigkeit - nicht mehr ausgedrückt werden sollen/dürfen, weil alle diesbezüglichen Ausdrucksmittel von irgendwem als "politisch inkorrekt" gebrandmarkt/verboten werden/wurden.

    Die Alternative zu "Political Correctness" ist auch nicht das sprichwörtliche "Stammtischgebrüll"... sondern die freie Rede freier Menschen!
    Ja, und all das KONKRET wissen die wenigsten : haben aber einen Haufen Halbwissen im Kopf und irgendwo mal gehört, dass das übel sei. Was "das " aber genau ist, wissen sie nicht..

    Und olala ; freie Rede, freier Menschen.. ja : mit ein paar Grundregeln dennoch..

    Was ist denn mit meiner freien Rede, wenn ich ACHTUNGACHTUNGHEISSESEISEN : NICHT Negerkuss sage, sondern Schokokuss?

    warum pflaumt mich heute so ein Spezi ;-) deshalb als PC-Tante an ?

    und WEIGERT sich zu begreifen, dass das meine freie Entscheidung ist zu meiner freien Rede...so wie ich andere Worte auch sorgfältig wähle ?

    Warum meint man heute wenn irgendetwas mit verve diskutiert wird, mit diesem Vorwurf kommen zu müssen, oftmals völlig sinnentleert ?
    GERADE dann wenn es um kritische Betrachtungen geht ?

  3. Inaktiver User

    AW: unwort des Jahres

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    ein arbeitscheuer Arbeitsloser ist ein arbeitsscheuer Arbeitsloser

    Mein Blick ist da ganz klar.
    Noch! Irgendwann wird der Begriff Arbeitsloser reichen, der Rest ergänzt sich dann "automatisch" wie in der Schlafschule gelernt.


    @neko
    aus welcher Zeit ist denn der römische Autor?

  4. Inaktiver User

    AW: unwort des Jahres

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Ich brachte dieses Wort in diesen Strang, weil " Freiwillige Ausreise " schnell dazu dient Orwell zu bemühen und auf " oben " zu schimpfen. Hier sprach " das Volk " deutlich : und schickte vielfach das Wort als " Unwort " ein..
    Dass wir nun sagen : Blödsinn, das passt ja gar nicht, reicht mir nicht..
    Es passt ja auch nicht, Unterschicht ist Unterschicht, weiter runter geht es ja wörtlich nicht, oder? Die Diskussion um dieses Wort "Unterschicht" ist ja aus einem Zusammenhang entstanden und zwar die Veröffentlichung eines Berichtes in dem es um das "Präkariat" ging, dies wäre ein geeignetes Unwort, denn eine prekäre Situation kann sich ja noch ändern, wohin gegen "Unterschicht" mehr oder weniger gefestigt ist und bleibt, einmal drinnen immer drinnen.
    Die Diskussion um diese Wortwahl ist in so fern interessant, was die "Lage" dieser Menschen angeht.
    Sagen die Politiker es ist das Prekariat, dann besteht ja noch eine Hoffnung.
    Sagen die Zeitungen, die das Wort ja aufbrachten, Unterschicht dann wird es hoffnungslos.
    Im Bezug auf die von dir gebrachte Einwendung, dies sei Volkesstimme, würde es m.M. heißen, das Volk möchte dieses Wort nicht weil es entgültig ist. Zumindest die Politiker haben es offensichtlich gemerkt, denn die haben es aus ihrem Wortschatz gestrichen. PC oder Überzeugung?

  5. Inaktiver User

    AW: unwort des Jahres

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Noch! Irgendwann wird der Begriff Arbeitsloser reichen, der Rest ergänzt sich dann "automatisch" wie in der Schlafschule gelernt.
    Eusebia

    mache Dir mal um meinen Blick keine Sorgen, der bleibt schon klar..
    und von dem schrieb ich..


  6. Inaktiver User

    AW: unwort des Jahres

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Es passt ja auch nicht, Unterschicht ist Unterschicht, weiter runter geht es ja wörtlich nicht, oder? Die Diskussion um dieses Wort "Unterschicht" ist ja aus einem Zusammenhang entstanden und zwar die Veröffentlichung eines Berichtes in dem es um das "Präkariat" ging, dies wäre ein geeignetes Unwort, denn eine prekäre Situation kann sich ja noch ändern, wohin gegen "Unterschicht" mehr oder weniger gefestigt ist und bleibt, einmal drinnen immer drinnen.
    Die Diskussion um diese Wortwahl ist in so fern interessant, was die "Lage" dieser Menschen angeht.
    Sagen die Politiker es ist das Prekariat, dann besteht ja noch eine Hoffnung.
    Sagen die Zeitungen, die das Wort ja aufbrachten, Unterschicht dann wird es hoffnungslos.
    Im Bezug auf die von dir gebrachte Einwendung, dies sei Volkesstimme, würde es m.M. heißen, das Volk möchte dieses Wort nicht weil es entgültig ist. Zumindest die Politiker haben es offensichtlich gemerkt, denn die haben es aus ihrem Wortschatz gestrichen. PC oder Überzeugung?
    im lexikon socilogicus las ich von der unterersten Unterschicht und
    damit waren Bettler und Nichtsesshafte gemeint..

    Mir reicht es erstmal, wenn drüber nachgedacht wird und sorgamer mit Sprache umgegangen wird, denn Sprache hat doch auch eine gewisse " Macht "..

    Die Bewegründe, warum die Leute das Wort einschickten, werden sicher vielfältig sein..

  7. Inaktiver User

    AW: unwort des Jahres

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Eusebia

    mache Dir mal um meinen Blick keine Sorgen, der bleibt schon klar..
    und von dem schrieb ich..

    Du weißt doch um die Macht der Worte, ich schrieb für die die sich deiner Worte bemächtigen, ohne eigene zu finden.

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    AW: unwort des Jahres

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    (...) sondern um Kontrolle und Herrschaft, um semantische Vorzensur; nämlich um die Ausübung von Herrschaft durch bestimmte ideologisch orientierte Kreise mit dem Mittel der semantischen Zwangskontrolle. Im Kern ist "PC" nichts anderes als die "LTI", die Lingua Tertii Imperii.
    Ich sehe es andersherum, nämlich dass es darum ging, die selbstverständliche alltägliche Herrschaft die sich auch in Sprache niederschlägt aufzuzeigen. Und es ging ja nicht nur um Sprache. Bewerbungen ohne Foto und ohne Alter finde ich aus diversen Gründen eine gute Sache. Aber das kann ja jeder anders sehen.

    Aber zu dem Vergleich mit der "LTI" :


    Ich habe heute zufällig in einem Buch über Zeitschriftendesign einen "herrlichen" LTI-Satz gelesen (sie haben eine Montage von John Heartfield abgebildet, und darin sind ein paar Zitate), er lautet:

    "Die Reichspropagandaleitung der NSDAP hat eine umfassende Versammlungs-Propagandaaktion angeordnet gegen die Miesmacher und Kritikaster, gegen die Gerüchtemacher und Hetzer. Die Versammlungen werden alle erfassen, bis in das letzte Dorf hinein, mit jeder Woche in ihrem Tempo stärker, in der Unerbittlichkeit der Forderungen härter, an Durchschlagskraft und Erfolgen alle bisher durchgeführten Aktionen in den Schatten stellend." (Völkischer Beobachter)

    Man kann wohl sagen, dass die Nazis versucht haben, für alles einen bescheuerten Slogan einzuführen, und für jeden den sie nicht mögen ein möglichst bescheuertes Derogativ. Für sich selbst betont nüchterne Bezeichnungen, denn der sachliche Stil vom Bauhaus war damals die Avantgarde, und Speerspitze der Moderne wollten Goebbels & Co auch sein. Verbale Kraftmeierei und ein Zug ins Hysterische (Tempo, Durchschlagskraft...) waren auch typisch.
    Alles in allem - keine Parallelen zur Idee oder Bewegung PC.
    Geändert von neko (26.01.2007 um 15:30 Uhr)

  9. Inaktiver User

    AW: unwort des Jahres

    Abkürzungen sind eine Methode, scheinbar neutral abzuwerten. Man denke an SDF in Frankreich.

    Im Outplacementbereich gabes mal die Niremis. Das war nicht realisierbarer Minderbedarf, Menschen mit zu wenig Qualifikation, die nicht unterzubringen waren.
    Oder Lalo für den Langzeitarbeitslosen.

  10. Inaktiver User

    AW: unwort des Jahres

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Du weißt doch um die Macht der Worte, ich schrieb für die die sich deiner Worte bemächtigen, ohne eigene zu finden.
    meiner Worte bemächtigen ? Ich erfinde manchmal welche, aber das meinst Du nicht. Ich ahne was Du meinst.

    Du meinst, dass manche Leute bei dem Wort " Arbeitsloser " abeitsscheuer Arbeitsloser denken, so wie Du glaubst, dass zu viele Menschen " Muslim " nicht so betrachten, wie Du es tust.

    Ich hingegen unterstelle auch meinem Gegenüber, den Menschen generell nicht, dass sie weniger nachdenklich als Eusebia oder Linwen sind.. ;-) denn es gibt ne ganze Menge Leute, die denken und fühlen können.. nö ?

    Mich nervt es ebenso " mich " und meine Worte ständig erklären zu müssen, wie es mich nervt, dass Leute schon bei dem geringsten Anschein von etwas " poltischem Bewusstsein " sei es einem kritischer Blick bzgl. Konsum etc..dieses von manchen Dünnbrettbohrerdenkern mit political correctness verwechselt wird und albern mit Häme übergossen wird..und die Gedanken des Absenders " vorführen " und lächerlich machen möchte.

    Das halten manche für chic..und cool, ich finde das gestrig und un und hat mit der ursprünglichen Kritik an den grosteken Auswüchsen der pc nix mehr zu tun..

    Es kann somit an ein und dem gleichen Tag hier im Forum z. B. passieren, dass mich jemand pc-gläubig schimpft und jemand anderer mir " seltsames Gedankengut " oder Oberflächlichkeit und " Ausländerfeindlichkeit " vorwirft, weil er in meine Worte etwas hineinorakelt und projeziert..

    Wie oft das geschieht : davon erzählt gerade das Politikform viele eindrucksvolle Geschichten..


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