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  1. Registriert seit
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    AW: SPD: Ende, Neuanfang oder Desaster?

    Gewinnen kann man in Deutschland Wahlen nur "rund um das Zentrum". Jedenfalls war das bisher immer so und es ist auch (noch jedenfalls) so. Dazu gehört zwingend auch eine - wenigstens gewisse - Wirtschaftskompetenz. Ohne erfolgreiche Wirtschaft gibt es nämlich auch weniger oder gar nix umzuverteilen. Diese Wirtschaftskompetenz sehe ich weder bei Esken noch bei Borjans. Von Charisma mal ganz zu schweigen.

    Auch die letzten Regierungschefs der SPD (Schmidt, Schröder) tummelten sich bezeichnenderweise genau in diesem "zentralen Bereich". Schlicht und einfach, weil da auch die meisten WählerInnen und damit Stimmen waren.

    Letztlich ist es bei Parteien nicht anders als bei Unternehmen: Es geht um Zielgruppen und "freie sprich zu besetzende Märkte und Räume". Wo soll da der "Raum" für die SPD sein ? Da wo die SPD früher mal positioniert war, hat sich längst die unter Frau Dr. Merkel (nahezu) völlig sozialdemokratisierte Union positioniert. Und links von der Mitte ist der Platz längst von den Linken besetzt.

    Also wohin ?

    Und zu den eher emotional besetzten Themen bei den WählerInnen (Wirtschaft als Thema sollte ja generell eher sachlich angegangen werden) wie Klima und Migration gibt es schon "Angebote", wie immer man diese auch bewerten mag: Die Grünen beim Klima und die AfD bei der Migration. Diese Themen sind also auch zugeordnet und mit Angeboten "besetzt".

    Nochmal: Also wohin ?
    Geändert von kurant (01.12.2019 um 12:29 Uhr)

  2. Avatar von DerJunge82
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    AW: SPD: Ende, Neuanfang oder Desaster?

    Zitat Zitat von print Beitrag anzeigen
    Ich finde auch gut, dass die SPD die Grundrente durchgefochten hat - manchmal frage ich mich, ob die Leute überhaupt wissen, dass das eine Initiative der SPD war.
    Das ist ne gute Sache, aber deshalb strömen die Wähler eben nicht in Scharen zur SPD. Denn letztlich ist das Thema dann doch zu "klein/kleinteilig". Genauso beim Thema Mindestlohn, da wird immer wieder gejammert warum die SPD ihre Erfolge nicht besser verkauft, dann wäre doch alles viel besser bei den Wahlen. Ich glaube da ehrlich gesagt überhaupt nicht dran. Man wird nicht für gute Politik in der Vergangenheit gewählt, sondern für die positiven Zukunftsaussichten. Das gilt zumindest für die eher linken Parteien.
    Gegen Rechtsextremismus zu kämpfen ist nicht links, es ist demokratisch. Demokraten sind per Definition Antifaschisten, ansonsten können sie sich ihr Demokratieverständnis in die sicher akkurat gescheitelten Haare schmieren.

    von Sascha Lobo

  3. Avatar von hillary
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    AW: SPD: Ende, Neuanfang oder Desaster?

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    eben. Wo im Namen "sozial..." steht, handelt es sich natürlich um eine Variante von Sozialismus. worum denn sonst?
    Yepp und deswegen ist ein "Nazi" eigentlich nicht rechts, weil das ist ja ein Nationalsozialist und Sozialisten sind links. Das mit dem Faschismus lassen wir mal außen vor.
    Was ist denn mit der CSU? Die lauten ausgesprochen Christlich Soziale Union.


    stimmt. weswegen längst nicht alle Regeln, die es gibt, gut und sinnvoll sind. zu viele Regeln; falsche Regeln; sind genau so schäflich wie zu wenig Regeln.

    Die Sozis wollen tendenziell zu viele Regeln.
    Aha.

    außerdem: auch Feudalismus kennt Regeln... einfach andere. Ein Fürst oder König kann auch nicht nach Belieben handeln.
    Ach was, jau der musste die Kirche fragen.

    nein, ich meine, dass die Digitalisierung es erlaubt, Massenlösungen à la Konservenfabrik zugunsten individueller Lösungen zu überwinden.
    Verstehe jetzt nicht, ws du sagen willst.

    Sozis lieben Massenlösungen. leider.
    Das hat bissel was mit dem Sozial im Namen zu tun, sozial ist das Adjektiv für das geregelte Zusammenleben in Staat und Gesellschaft.
    Jesses, manchmal kann ich 100% mit dir mitgehen, aber manchmal frag ich mich schon. Aber das ist Demokratie und Meinungsfreiheit. Und das ist gut so Genossen.
    Wenn du in den Spiegel schaust, siehst du den Menschen, der für dein Leben verantwortlich ist.

    Ich habe noch nie gehört, dass es jemandem gelungen ist, vor sich selbst davonzulaufen.



  4. Registriert seit
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    AW: SPD: Ende, Neuanfang oder Desaster?

    Was mir nur schwer einleuchtet: Wenn ich als Partei immer schwächer werde (Mitgliederverlust seit 1990 > 50%, Wahlergebnisse bei Bundestagswahlen i. V. z. früheren Zeiten > -50%) und dennoch immer mehr meiner Politik verwirklichen und durchsetzen kann, dann ist es doch rein von der Sache her eher ein Top-Ergebnis. Aus Sicht der SPD.

    Trotzdem gibt es bei der SPD (teilweise) eine permanente Larmoyanz und Selbstverzwergung. Tenor: Immer nur Kompromisse und nicht "SPD pur" in der ungeliebten GroKo.

    Würde dies denn nach Neuwahlen (aktuelle Umfrageergebnisse für die SPD 13-15% !) signifikant besser und die SPD könnte mehr ihrer Anliegen durchsetzen ?

    Und vor allen Dingen mit wem ?


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    AW: SPD: Ende, Neuanfang oder Desaster?

    Zitat Zitat von hillary Beitrag anzeigen

    Ach was, jau der musste die Kirche fragen.
    ....und seine Adeligen.....es gab historisch nur sehr wenige (wenn überhaupt) Könige die wirklich ohne Beachtung von Regeln regieren konnten.


  6. Registriert seit
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    AW: SPD: Ende, Neuanfang oder Desaster?

    Zitat Zitat von kurant Beitrag anzeigen
    Was mir nur schwer einleuchtet: Wenn ich als Partei immer schwächer werde (Mitgliederverlust seit 1990 > 50%, Wahlergebnisse bei Bundestagswahlen i. V. z. früheren Zeiten > -50%) und dennoch immer mehr meiner Politik verwirklichen und durchsetzen kann, dann ist es doch rein von der Sache her eher ein Top-Ergebnis. Aus Sicht der SPD.
    Man könnte durchaus sagen die SPD hat sich in manchen Punkten überflüssig gemacht. Dass es diese große furchtbar verarmte Arbeiterschicht von früher heute gar nicht mehr gibt ist vielleicht auch Verdienst der SPD - nur die Enkel der Arbeiter von damals sind keine Arbeiter mehr, wieso sollten sie eine Arbeiterpartei wählen?
    An sich ideal - die Grünen wären auch überflüssig wenn wir im Umweltparadies leben würden.

    Nur welche Partei, die viel erreicht hat, sieht das schon so?

    Würde dies denn nach Neuwahlen (aktuelle Umfrageergebnisse für die SPD 13-15% !) signifikant besser und die SPD könnte mehr ihrer Anliegen durchsetzen ?

    Nach Neuwahlen hätten sie die Chance, mindestens eine Legislaturperiode lang Opposition zu sein und dadurch Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen.

    Ein Juniorpartner einer Koalition (und das SIND sie im Moment) hat immer ein Problem, wenn er bei den nächsten Wahlen den Koalitionspartner übertreffen will: "Der Koalitionspartner (CDU) macht Mist, wir können es besser" ist nicht glaubwürdig bei einer Partei, die den "Mist" mitgetragen hat.


    Das ist relativ egal wenn der Juniorpartner sehr klein ist (rot-grün früher), der kann dann einfach für eine Fortsetzung der Koalition werben, das kann glaubwürdig sein.

    Aber "wir haben den Partner jetzt x Jahre unterstützt und jetzt finden wir der gehört abgesetzt", das funktioniert einfach nicht.


  7. Registriert seit
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    AW: SPD: Ende, Neuanfang oder Desaster?

    Zitat Zitat von Saetien2 Beitrag anzeigen
    Nach Neuwahlen hätten sie die Chance, mindestens eine Legislaturperiode lang Opposition zu sein und dadurch Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen.

    Ein Juniorpartner einer Koalition (und das SIND sie im Moment) hat immer ein Problem, wenn er bei den nächsten Wahlen den Koalitionspartner übertreffen will: "Der Koalitionspartner (CDU) macht Mist, wir können es besser" ist nicht glaubwürdig bei einer Partei, die den "Mist" mitgetragen hat.
    Die Chance vielleicht. Einen Automatismus oder gar eine Garantie dafür gibt es aber nicht. Zudem: Wie das Ergebnis zeigt, ist ja in der Frage der eigenen Ausrichtung die SPD inhaltlich auch innerhalb der Partei selbst stark gespalten (also eher zur "Mitte" oder eher noch "weiter nach links" - Esken/Borjans haben zwar gewonnen aber immerhin > 45% der Mitglieder haben anders gewählt und wollen somit offensichtlich keinen noch strammeren Linkskurs). Der Streit oder die Diskussion um die Ausrichtung wird dann in der Opposition wahrscheinlich erst richtig losgehen.

    Um in Deiner Terminologie zu bleiben: Diese Begründung geht aber ins Leere, wenn der "Mist" praktisch zu 70-80% das eigene Programm abbildet (obwohl man nur der kleinere Koalitionspartner ist !) Und wie wahrscheinlich ist es, daß die SPD später die absolute Mehrheit erringt und dann SPD pur Politik zu 100% machen kann. Nahe Null würde ich vermuten ...


  8. Registriert seit
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    AW: SPD: Ende, Neuanfang oder Desaster?

    Zitat Zitat von kurant Beitrag anzeigen
    Die Chance vielleicht. Einen Automatismus oder gar eine Garantie dafür gibt es aber nicht.
    Es gibt allerdings durchaus einen Automatismus, der dazu führt, dass der Juniorpartner einer Groko Stimmenverluste hinnehmen muss.
    Der Streit oder die Diskussion um die Ausrichtung wird dann in der Opposition wahrscheinlich erst richtig losgehen.

    Das bezweifle ich tatsächlich - sobald es wieder einen klar definierten Gegener im Außen gibt, kann man sich ja auf den konzentrieren.

    Um in Deiner Terminologie zu bleiben: Diese Begründung geht aber ins Leere, wenn der "Mist" praktisch zu 70-80% das eigene Programm abbildet (obwohl man nur der kleinere Koalitionspartner ist !) Und wie wahrscheinlich ist es, daß die SPD später die absolute Mehrheit erringt und dann SPD pur Politik zu 100% machen kann. Nahe Null würde ich vermuten
    wann ist "später"? Ich würde eher vermuten in frühestens 8 Jahren.

    Und 100% brauchen sie ja gar nicht, nur genug, um keine Groko mehr zu brauchen.

  9. Avatar von KClO4
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    AW: SPD: Ende, Neuanfang oder Desaster?

    Zitat Zitat von Saetien2 Beitrag anzeigen
    Es gibt allerdings durchaus einen Automatismus, der dazu führt, dass der Juniorpartner einer Groko Stimmenverluste hinnehmen muss.
    .
    Das kann man so nicht stehen lassen. Besonders was die SPD betrifft.

    Bundesregierung 1966-1969: Groko
    Kanzler Kiesinger CDU, Juniorpartner SPD (Brandt)
    Wahlergebnis BTW 1965: SPD 39,3 %


    nächste Bundesregierung 1969-1974 : SPD-FDP
    Kanzler Brandt SPD
    Bundestagswahlergebnis 1969: SPD 42,7 %

    also mehr.
    Kein Automatismus.

    Daran liegt es also mit Sicherheit nicht.
    "Wenn wir auf Jahrzehnte so weiterfahren wie bisher, dann muss ich für unser Vaterland schwarz sehen."

    Helmut Schmidt 2006

    „Wir müssen eine weitere Zuwanderung aus fremden Kulturen unterbinden“, „Die Zuwanderung von Menschen aus dem Osten Anatoliens oder aus Schwarzafrika löst das Problem nicht, schaffte nur ein zusätzliches dickes Problem.“

    „Sieben Millionen Ausländer in Deutschland sind eine fehlerhafte Entwicklung, für die die Politik verantwortlich ist.“


    Helmut Schmidt 2005

  10. Inaktiver User

    AW: SPD: Ende, Neuanfang oder Desaster?

    Zitat Zitat von kurant Beitrag anzeigen
    Letztlich ist es bei Parteien nicht anders als bei Unternehmen: Es geht um Zielgruppen und "freie sprich zu besetzende Märkte und Räume". Wo soll da der "Raum" für die SPD sein ? Da wo die SPD früher mal positioniert war, hat sich längst die unter Frau Dr. Merkel (nahezu) völlig sozialdemokratisierte Union positioniert. Und links von der Mitte ist der Platz längst von den Linken besetzt.

    Also wohin ?

    Und zu den eher emotional besetzten Themen bei den WählerInnen (Wirtschaft als Thema sollte ja generell eher sachlich angegangen werden) wie Klima und Migration gibt es schon "Angebote", wie immer man diese auch bewerten mag: Die Grünen beim Klima und die AfD bei der Migration. Diese Themen sind also auch zugeordnet und mit Angeboten "besetzt".

    Nochmal: Also wohin ?
    Witzig, dass Du diese Frage auf die SPD bezogen stellst. Denn ich stelle genau dieselbe Frage schon seit Jahren, aber auf die Grünen bezogen.
    (Die Grünen hatten vor Jahrzehnten die sehr wichtige Funktion, durch Besetzung der Themen Umwelt, Gender, Queer und Frieden die Volksparteien für diese Fragen so weit zu sensibilisieren, dass diese Themen auf deren Agenden kamen. Dort sind sie mittlerweile, weswegen die Grünen nun m.E. nicht mehr gebraucht werden. Sie halten sich nur nach wie vor, weil sie strategisch und personalpolitisch bei weitem die besten sind.)

    Bei der SPD sehe ich nicht, das sie überflüssig geworden ist, denn:
    Nicht die CDU ist sozialdemokratisiert, sondern Frau Merkel und ein paar andere. Die Zahl ihrer parteiinternen Gegner dürfte deutlich größer als die ihrer Befürworter sein. Gerade im Sinne einer Abgrenzung von der AfD wird die Nach-Merkel-CDU wieder vermehrt darauf achten, sich deutlich vom Verdacht des Sozialdemoktratischen abzugrenzen.
    Die Arbeiterklientel ist passé, ja, aber da wäre die neue Klientel der von der Digitalisierung in der einen oder anderen Art "Betroffenen" - was bzgl. Anteil an der Gesamtbevölkerung mindestens dem Arbeiteranteil vor 100 Jahren entsprechen dürfte. Diese Klientel ist "Zentrum, Masse, Mitte" (um mit kurants Worten zu sprechen), und das sind beileibe nicht nur "Arme".
    Die Frage der sozialen Gerechtigkeit ist per se nie "out", nur wandeln sich Kontexte und Herausforderungen.
    Ich sehe nicht, dass eine andere Partei die SPD von dieser Seite "überholt" hätte.

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