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04.11.2016, 21:35
AW: "Die Rente ist nicht sicher",
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04.11.2016, 22:13
AW: "Die Rente ist nicht sicher",
Als ich 1990 beim Fernmeldeamt anfing, landete ich- wie alle- zuerst mal in der Fernsprechauskunft.
Die ersten privaten Callcenter gab es da schon.
Der Durchschnittslohn - ohne Schichtzulagen- lag bei privaten Callcentern bei 1.300 DM brutto.
Ich bekam- als gerade 20jährige Angestellte- beim Fernmeldeamt einen Nettolohn ( keine Ahnung, wie viel das brutto war, mir bleibt bis heute immer das Nettogehalt besser in Erinnerung) von 2.600 DM, Steuerklasse 1.
DAS war ein Mondgehalt. Denn- man brauchte nur eine kurze, eintägige Anlernzeit, das war eher eine "Helfertätigkeit". Wirtschaftlich richtig war ein Bruttogehalt von 1.300 Euro.
Die mit im gleichen Raum sitzenden Aushilfen- meist Studenten- verdienten übrigens gerade mal 1.600 DM brutto.
Soviel zum Thema "Lohndumping gabs nicht".
Gerade in den Jahren 1989 und 1990 gab es einen extremen Zulauf bei den Zeitarbeitsfirmen- wir erinnern uns, die Mauer war gerade gefallen, viele (Noch-)DDR-Bürger suchten einen Job im Westen und pendelten- und gingen Arbeitsverträge ein, deren Löhne deutlich unter dem "ortsüblichen Niveau'".
Ich weiß noch, ich hatte mich mal bei einer Leihfirma beworben und saß im Wartezimmer, als ich mit einem Herrn um die 40 in Gespräch kam- wir befanden uns in einer norddeutschen, mittelgroßen Stadt, er stammte aus Mecklenburg- Vorpommern und suchte nach einem Job als Elektriker. Er hatte das Angebot "1800 DM brutto plus Fahrgeld zum Einsatz" bekommen. Fand er gut.
Ich wies ihn darauf hin, dass das deutlich unter Ecklohn sei- bei seinem Alter. Üblich war damals bei Zeitarbeitsfirmen ein Lohn 1 DM unter Ecklohn plus Fahrgeld- mit diesem Bruttolohn fing ein frischgebackener Elektroinstallateurgeselle in der dortigen Gegend gerade mal an.
Unwissenheit machte es möglich.
Es war also nicht so, dass "früher als besser war"......
Und das Problem der Vorstandsgehälter- ja, meine Güte.....das ist doch eine ganz andere Baustelle?
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04.11.2016, 22:14
AW: "Die Rente ist nicht sicher",
Ja, und der Steuerzahler sind wir alle. Stell Dir mal vor sogar ich als Rentnerin zahle noch Steuern und meine Kinder waren zu keiner Zeit-Bafög berechtigt, halt nein Tochter wären mal 70 Euro zugestanden, auf die hat sie dann aber verzichtet weil sie einen festen Nebenjob hat.
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04.11.2016, 22:34
AW: "Die Rente ist nicht sicher",
DAS ist echt ein Mondgehalt..
Ich glaube dir das natürlich, aber vorstellen kann ich es mir schier nicht.
Als ich bei Siemens anfing - mit Uniabschluss, nicht fachfremd eingesetzt - verdiente ich um etwa dieselbe Zeit etwas mehr als 3000 DM netto und wurde deswegen schwer von den Fachhochschulabsolventen-Kollegen beneidet.
Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ein Sparkassenangestellter damals mich als Kunden fragte, was für einen Job ich da ausübe, angesichts seines spärlichen Gehalts.
Ich habe halt immer ein Problem damit, wenn man von Dingen, die früher besser waren, redet, die abwehrende Antwort bekommt, dass früher nicht alles (!) besser gewesen war.Es war also nicht so, dass "früher als besser war"......
Es gab tatsächlich Dinge, die früher besser waren. Da beißt die Maus keinen Faden ab.
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04.11.2016, 22:35Inaktiver User
AW: "Die Rente ist nicht sicher",
ja meine Güte....so kann ich sowas nicht sehen
Nein, das finde ich absolut nicht, dass es eine andere Baustelle ist. Denn sie hängt u.a. mit den Gewinnen zusammen die durch Billiglöhne erwirtschaftet werden.
Denn die z.b. 5.000.000 € die einen (!) Vorstandsvorsitzendem ausbezahlt werden müssen die Arbeiter erstmal erwirtschaften.
Wenn ich mir anschaue, dass 1 Daimlervorstandsvorsitzender 14,3 Millionen 2015 bekam. Es aber auch bei Daimler Zeitarbeiter gibt (die normalen verdienen zum Glück angemessen) dann kann ich das wirklich nicht mit: ja, meine Güte abtun.
Vor allen gibt es oft mehrere Vorstände. Die werden zwar nicht auch 14,3 Millionen 2015 bekommen haben, aber sicherlich auch gut über 1 Million.
Wenn ich dann noch an z.b. die Panama Papers denke. Wer meinst du denn wer die Leute sind, die damit Steuern hinterziehen? Ich denke, genau diese Leute.
Edit zu Daimler: Hungerlohn am Fließband - Wie Tarife bei Daimler ausgehebelt werden
Beitrag in der ARD
War nicht mal im Gespräch, dass Ron Sommer 65 Millionen bekam? Was meinst du wie viele Mondgehälter (wie du es nanntest) man davon zahlen könnte. Was durch höhere Gehälter auch an Plus in Steuer, Sozial, Rentenkassen fließen würde.
Geändert von Inaktiver User (04.11.2016 um 23:03 Uhr)
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05.11.2016, 12:34
AW: "Die Rente ist nicht sicher",
Normalerweise sage ich auch nicht gerne "früher war alles besser" (da fühle ich mich plötzlich um Jahre gealtert
), doch manchmal stimmt diese Aussage schon.
Ich arbeite seit Anfang der 80ger und kann mich nicht erinnern, dass Menschen gezwungen waren, trotz Vollzeitstelle Zweit- oder Drittjobs anzunehmen. Manche taten es, weil sie ein Ziel (z.B. Wohneigentum) hatten und so konnte sich auch jemand am eher unteren Gehaltslevel Extras leisten.
Auch Menschen, die aus welchen Gründen auch immer keine Ausbildung vorweisen konnten, hatten ihr gutes Auskommen und bekamen die Chance, zu zeigen, was in ihnen steckt. Es brauchte keine Bewerbungs-Coaches, Assessment-Center oder sonstige Trainings. Man konnte teilweise direkt zur Firma fahren und die Bewerbung abgeben und es gab genügend Chefinnen/Chefs, die genau diesen Einsatz zu schätzen wussten.
Nach 6 Monaten Probezeit war es keine Zitterpartie, ob man übernommen wird oder nicht. Schon gar nicht gab es Zeitverträge, die bis zum Sankt Nimmerleinstag immer wieder verlängert wurden.
Wenn ich die heutigen Löhne anschaue und gleichzeitig in den Medien immer und immer wieder lese, jeder soll eigenverantwortlich zusätzlich fürs Alter vorsorgen, halte ich das für einen schlechten Witz.
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05.11.2016, 13:14
AW: "Die Rente ist nicht sicher",
Zeitverträge gab es in den 80gern auch schon, wie häufig und wie verbreitet sie waren, das hing wohl sehr stark von der Branche ab.
Dass auch Menschen ohne Ausbildung ein gutes Einkommen hatten war damals schon Ausnahme und gerade mal auf dem Bau gängig.
Je nachdem, wo man sich bewarb, war das Bewerbungsverfahren auch in den 80gern schon sehr langwierig- nannte sich zwar noch nicht "Asessment-Center", war aber durchaus vergleichbar.
Direkt zur Firma fahren kann man heute noch- bei Kleinbetrieben.
Aber das sind eben nicht die "beliebten" Arbeitgeber.
Es ist wohl sehr stark davon abhängig, als was und auf welchem Level man sich bewirbt.
Wobei bei meinem Arbeitgeber mittlerweile die Personalsuche generell über Zeitarbeitsfirmen läuft- auch bei den Helferjobs in der Produktion. Man spart sich die Vorauswahl, und da es relativ normal ist, dass von 10 eingestellten Personen am zweiten Arbeitstag gerade noch 5 erscheinen, ist es so einfacher.
Wer nach einem halben Jahr noch da ist und gute Arbeit leistet, bekommt einen unbefristeten Vertrag. Ohne erneute Probezeit.
Anfangs - also bis 2013- wurde bis zur Ebene des Geschäftsführers alles komplett selbstständig ausgewählt und eingestellt. Das verursachte aber gerade im Produktionsbereich- also am untersten Ende- so einen Verwaltungsaufwand mit dem ständigen "Neueinstellen, Kündigung, Neueinstellung, Kündigung"....dass das ausgelagert wurde.
Lind 71, zu deinem Link: Man muss unterscheiden zwischen Zeitarbeit und Werkverträgen. Die Festangestellten bei den deutschen Automobilkonzernen verdienen im Vergleich extrem viel- eine Entwicklung, die der zeitweise sehr starken IG Metall geschuldet ist- was dazu führt, dass der Faktor Arbeitskosten das Produkt extrem verteuert. Um die deutschen Standorte einigermaßen konkurrenzfähig zu halten, hat man erst mit Zeitarbeit- die nach Einführung des Branchenzuschlags teuer geworden ist- und jetzt mit Werkverträgen gearbeitet.
Osteuropäische Standorte können ein Auto genauso gut bauen wie deutsche- nur halt sehr viel billiger. Und wenn ein neues Modell rauskommt, wird es an den Standort vergeben, was am günstigten ist....
Der Verbraucher guckt ja beim Autokauf schon auf den Preis- und da ist ein "Volkswagen" schon lange keiner mehr.
Was nützt es, wenn die Arbeiter zwar einerseits sehr gut verdienen, über kurz oder lang aber niemand mehr das Produkt kauft, weil andere, vergleichbare Modelle zum halben Preis gibt?
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05.11.2016, 14:40
AW: "Die Rente ist nicht sicher",
Schön wäre es.
Was ich so bisher beobachtet habe ist das die Leiharbeiter als solche verbleiben, da werden die wenigsten tatsächlich übernommen, falls überhaupt.
Natürlich wird über eine mögliche Festanstellung geredet, logisch, jemand mit Aussischt arbeitet "mehr" um sich "zu beweisen" (Abgesehen das Leiharbeiter günstiger sind).
Vielleicht auch abhängig von der Branche aber was ich so bisher mitbekam ist es eher ein "Märchen" das Leiharbeiter übernommen werden.
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05.11.2016, 14:48Inaktiver User
AW: "Die Rente ist nicht sicher",
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05.11.2016, 15:10



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Seit der sogenannten Ölkrise 1973.
