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Thema: Die Presse

  1. Avatar von Opelius
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    AW: Die Presse

    Zitat Zitat von Silencium Beitrag anzeigen
    Dem Journalisten, der dieses Foto gemacht hat, dürfte das Leid von Oman vielleicht sogar berührt haben; aber der eigentliche Grund für die Aufnahme ist eher: Auflagensteigerung für das Medium, für welches er arbeitet. Auflagensteigerung ist wohl oberstes Ziel jedes Journalisten und das wird "von oben" auch verlangt. Wer dazu nicht beiträgt, ist nicht lange tragbar und verliert seinen Job. Warten ja schon etliche Dutzend, um ihn zu bekommen.

    Es ist furchtbar und traurig zugleich. Für uns "Normalos" nicht nachvollziehbar.
    Wir als Verbraucher, Nachrichtenseher, -hörer und -leser , wollen das so. Und Journalismus ist ein hartes Geschäft und es müssen täglich Nachrichtensendungen, Zeitungen und Onlinedienste gefüllt werden. Was gestern noch eine gute Story war, ist heute nicht mehr gefragt. Nicht nur Sex sales, sondern vor allem Krieg, Massaker und Kriminalität. Es gab (oder gibt es vielleicht noch) den Versuch nur Positives zu publizieren, z.B. Readers Digest. Wen interessiert das? Das Leid anderer ist doch viel spannender.

    Wer dieser Überflutung von schlimmen Bildern und Nachrichten entkommen möchte, sollte in erster Linie Fernsehnachrichten meiden. Weder Zeitungen noch Radionachrichten ziehen einen so tief in das Geschehen hinein, aber der Faszination von Wort und bewegten Bildern kann man emotional nicht entfliehen. Und man erinnere sich, es gab einmal nur "Heute" und Tagesschau", heute kann man rund um die Uhr Nachrichten sehen und wer genau hinschaut, es sind überall dieselben Bilder. Ich nenne das Reizüberflutung. Das macht krank.

    Und dazu kommen noch viel viel schlimmer die Videos der Terrorgruppen auf Youtube. So abscheulich deren Filmchen sind, sie motivieren junge Leute sich ihnen anzuschließen oder ähnliches hier zu probieren. Die militärischen Erfolge des IS sind mäßig, aber ihre Propagandafilmchen sehr effektiv und motivierend. Darin sind sie einsame Spitze.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  2. Inaktiver User

    AW: Die Presse

    Ich denke als Photojournalist muss man sich vom Leiden bei der Berichterstattung in solchen Konflikten irgendwie innerlich distanzieren. Ich weiss nicht, wie man das sonst aushalten sollte. Und ich denke eben, dass gerade auch solche Bilder wichtig sind, damit der Syrienkrieg nicht zu einer abstrakten Ursache einer Flüchtlingsbewegung verkommt.

  3. Inaktiver User

    AW: Die Presse

    Zitat Zitat von Opelius Beitrag anzeigen
    Wir als Verbraucher, Nachrichtenseher, -hörer und -leser , wollen das so. Und Journalismus ist ein hartes Geschäft und es müssen täglich Nachrichtensendungen, Zeitungen und Onlinedienste gefüllt werden. Was gestern noch .....
    Ja, der Wissensdurst der Menschen wird gestillt.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Und ich denke eben, dass gerade auch solche Bilder wichtig sind, damit der Syrienkrieg nicht zu einer abstrakten Ursache einer Flüchtlingsbewegung verkommt.
    das wollte ich ausdrücken, die Aussage im Gesicht des Kindes, über das Leiden im Krieg, ist, wie soll ich sagen

    umfassend.

    ich setze das Foto gleich mit dem laufenden Mädchen im Vietnamkrieg.

  4. Moderation Avatar von frangipani
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    AW: Die Presse

    Ich weiss nicht - ich glaub, die Menschen gehen heute anders an Bilder ran als damals. Heute, bei der Flut an Bildern, ist der Eindruck, den ein Foto hinterlaesst, kurzlebiger als damals. Das ist zumindest mein Eindruck.

    Ich weiss, Kinderbilder verkaufen sich besser (mal ganz brutal gesagt). Vor allem solche wie dieses jetzt im Rettungswagen, und dann auch noch als Film... Laesst sich gut instrumentalisieren, da mehr Projektionsflaeche.

    Aber was ist an diesem Bild so anders als an den anderen Fotos von toten Kindern aus Kriegsgebieten? Oder an dem Foto von dem toten Mann auf dem OP Tisch im zerschossenen Krankenhaus von Kunduz (Fotograf Andrew Quilty, laesst sich schnell googeln)? Seit Monaten werden wir mit grausamen Bildern 'versorgt', eigentlich muesste doch jedes davon starke Reaktionen ausloesen.

  5. Inaktiver User

    AW: Die Presse

    Zitat Zitat von frangipani Beitrag anzeigen
    Aber was ist an diesem Bild so anders als an den anderen Fotos von toten Kindern aus Kriegsgebieten? Oder an dem Foto von dem toten Mann auf dem OP Tisch im zerschossen Krankenhaus von Kunduz (Fotograf Andrew Quilty, laesst sich schnell googeln)? Seit Monaten werden wir mit grausamen Bildern 'versorgt', eigentlich muesste doch jedes davon starke Reaktionen ausloesen.
    es Lebt, mit dem Gesichtsausdruck eines Toten.

    Ps: sein Bruder ist gestorben.

  6. Moderation Avatar von frangipani
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    AW: Die Presse

    Ich weiss.
    Ich weiss auch, warum dieses Bild (genau wie das von dem toten Jungen amStrand) 'funktioniert'. Das zu wissen gehoert mit zu meinem taeglichen Brot.
    Was mich halt irgendwie stoert (aber was ich noch nicht richtig in Worte fassen kann) ist der Gefuehl, dass diese Bilder in Kuerze abgelegt sind und keiner mehr grossartig drueber nachdenken will. Dass solche Bilder mehr der eigenen Betroffenheitsdarstellung dienen als allem anderen.
    Das sind Fragen, die ich mir stelle. Keine Anschuldigungen.

  7. Inaktiver User

    AW: Die Presse

    dann weist du auch das schlechtes schneller verdrängt wird, als das was einem gut getan hat.
    Eine reine Selbstschutz Reaktion.

    und betroffenheit hat einen nahen Verwandten, die Schuld,

    wer macht sich schon gerne Gedanken darüber, wie es soweit kommen konnte, da beginnt die Verdrängung.(die eigene (Teil) Schuld eingestehen)

    nicht anders wie beim von Sollbruch beschriebenen Umgang des Photografierenden.

  8. Inaktiver User

    AW: Die Presse

    Zitat Zitat von frangipani Beitrag anzeigen
    Aber was ist an diesem Bild so anders als an den anderen Fotos von toten Kindern aus Kriegsgebieten? Oder an dem Foto von dem toten Mann auf dem OP Tisch im zerschossenen Krankenhaus von Kunduz (Fotograf Andrew Quilty, laesst sich schnell googeln)? Seit Monaten werden wir mit grausamen Bildern 'versorgt', eigentlich muesste doch jedes davon starke Reaktionen ausloesen.
    Der Unterschied? Siehst du den nicht?
    Ich bin früher jahrelang ehrenamtlich beim DLRG bei Einsätzen mitgefahren. Es war bei Kindern immer so, sie nicht alleine in so einer furchtbaren Situation zu lassen. Sie haben furchtbares erlebt, stehen unter Schock. Fremde Menschen um sie, unbekannte Gerätschaften ect. Da hält man nicht noch eine Kamera drauf. Und so wie die Qualität des Videos ist, war es kein Handy, sondern eine eher eine professionelle Aufnahme eines Kamerateams. Normal ist die Presse vom Verletzen fern zu halten und sich um das Kind zu kümmern. Ihm die Angst zu nehmen, mit ihm reden ect. Wunden zu säubern, Blutungen stillen.
    Aber nicht das Kind allein im RTW sitzen zu lassen und ein Kamerateam Videos zu drehen. Das ist nochmal Stress für das Kind.

  9. Inaktiver User

    AW: Die Presse

    Das oppositionelle Aleppo Media Center (AMC) hatte das Video am Mittwochabend nach einem Luftangriff auf den von Rebellen kontrollierten Stadtteil Katardschi aufgenommen. Vor Ort war auch der Fotograf Mahmud Raslan, der selbst Aufnahmen machte. Ihm zufolge heißt der Junge Omran und ist vier Jahre alt. Andere Aktivisten beziffern das Alter des Kindes auf fünf.

    Syrien: Der Krieg in Aleppo hat jetzt ein Gesicht - Politik - Tagesspiegel

  10. Moderation Avatar von frangipani
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    AW: Die Presse

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Der Unterschied? Siehst du den nicht?
    Ich bin früher jahrelang ehrenamtlich beim DLRG bei Einsätzen mitgefahren. Es war bei Kindern immer so, sie nicht alleine in so einer furchtbaren Situation zu lassen. Sie haben furchtbares erlebt, stehen unter Schock. Fremde Menschen um sie, unbekannte Gerätschaften ect. Da hält man nicht noch eine Kamera drauf. Und so wie die Qualität des Videos ist, war es kein Handy, sondern eine eher eine professionelle Aufnahme eines Kamerateams. Normal ist die Presse vom Verletzen fern zu halten und sich um das Kind zu kümmern. Ihm die Angst zu nehmen, mit ihm reden ect. Wunden zu säubern, Blutungen stillen.
    Aber nicht das Kind allein im RTW sitzen zu lassen und ein Kamerateam Videos zu drehen. Das ist nochmal Stress für das Kind.
    Das ist mir alles klar, das seh ich genauso Vielleicht reden wir da auch gerade aneinander vorbei.

    Natuerlich verstehe ich die Botschaft, die so ein Bild dem Empfaenger vermittelt und auch warum es von den Redaktionen ausgesucht wurde.

    Meine Gedanken gingen eher in die Richtung 'warum muss immer erst ein Kinderbild kommen, bevor die Menschen im Netz reagieren? Warum passiert das nicht bei all den anderen grausamen Bildern, die taeglich zu finden sind?'

    Was mich gestoert hat, war die Automatik, mit der das Bild sofort ueberall zum Thema gemacht wurde. Das Instrumentalisieren eines Kindes. Im Gegensatz dazu wird ueber andere ebenso brutale Fotos doch eher mal hinweggeblaettert.
    Ich fand zB die Fotos aus Kunduz genauso aufwuehlend.
    http://foreignpolicy.com/2015/10/13/inside-msf-hospital-kunduz-afghanistan-taliban-us-attack/
    Geändert von frangipani (21.08.2016 um 23:50 Uhr)

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