Stichwort Gesetz:
Aus meiner Sicht könnte es nur ein Gesetz geben, welches einerseits die Religionsfreiheit selbstverständlich nicht tangiert, andererseits jedoch klar macht, dass Mädchen und Frauen keine verhüllenden Kleidungsstücke verordnet werden dürfen im Namen der Religionsfreiheit.
Ein Verbot, welches auf das Tragen bestimmter Kleidungsstücke sozusagen 'an und für sich' abzielt, hielte ich für problematisch, und eine durchdachte Begründung dafür, die zugleich nicht die Religionsfreiheit einschränkt, habe ich jedenfalls noch nicht gelesen - aber diesbezüglich müsste ich noch mal drüber nachdenken.
Es könnte also aktuell m.E. 'nur' darum gehen, das verordnete Tragen von bestimmten Kleidungsstücken (im Namen des Islams) mittels eines Gesetzes in den Fokus zu rücken - also der mehr oder weniger subtile oder auch offene Zwang, denen eine bestimmte Anzahl von Mädchen und Frauen in ihrem muslimischen Umfeld unzweifelhaft ausgesetzt sind.
Im übrigen bin ich ja auch der Meinung, dass ein evtl. Gesetz gegen das verordnete Tragen bestimmter islamisch geprägter und verhüllender Kleidungsstücke ganz vornehmlich ein Signal der Gesellschaft sein soll, gegen den fundamentalistischen Islamismus und zugleich eine - sagen wir mal - solidarische Geste an alle Muslime und Muslimas, die mit Extremismus und Islamismus nichts am Hut haben.
So - und nun könnte man aus meiner Sicht sehr wohl ein Gesetz erlassen, welches verbietet, dass Frauen und Mädchen das tragen eines unangemessen verhüllenden Kleidungsstückes (bspw. aus der Verwandtschaft) verordnet wird, dass sie also dazu nicht genötigt werden darf.
Sicher, trifft man dann in der Öffentlichkeit eine Frau oder eine Mädchen in einem stark verhüllenden Kleidungsstück an, dann wird es unter Umständen sehr schwer, nachzuweisen, dass hier ein Fall von Zwang vorliegt (wobei das Nachweisproblem ja auch für viele andere Gesetze gilt).
Aber gerade weil ja das Gesetz im Wesentlichen ein Signal der Gesellschaft sein soll, kommt es zunächst einmal nicht darauf an, ob der Gesetzgeber im Einzelfall den Nachweis des Zwanges erbringen kann.
Doch jede Muslima könnte, wenn sie denn wollte, sich auf das deutsche Gesetz berufen bspw. gegenüber einem Ehemann, der ihr womöglich ein stark verhüllendes Kleidungsstück verordnen will.
VanDyck
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Thema: Burkini-Verbot
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17.08.2016, 11:10
AW: Burkini-Verbot
Geändert von VanDyck (17.08.2016 um 11:28 Uhr)
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dann durchfluten sie mich wie Regen ...
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Nothing in life is as important as you think it is, while you are thinking about it.
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17.08.2016, 11:10Inaktiver User
AW: Burkini-Verbot
Wir legen sehr viel Kraft in die Bekämpfung von Symbolen. Vielleicht gibt es wichtigere Ziele, in die wir unsere Kraft stecken sollten.
Bildung, Bekämpfung von weiblicher Beschneidung und Kinderehen, usw.
Bei den Spielen in Rio gibt es ein tolles Symbolfoto: http://cdn.newsday.com/polopoly_fs/1..._960/image.jpg
Die Gesellschaft bestimmt, was Frauen anzuziehen haben. Auf beiden Seiten des Netzes.
Und wenn es nach den radikalen Fanatikern ginge, dann dürften Frauen grundsätzlich nicht an Spielen teilnehmen. So werden es immerhin immer mehr.
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17.08.2016, 11:20Inaktiver User
AW: Burkini-Verbot
Es lag also an der Sprache, meinst Du. Kann sein.
Was aber bleibt, daß Du beides gleichgesetzt hast, als wäre (ungewolltes und ungefragtes) Fotografieren genauso schlimm wie mit dem Messer auf jemanden losgehen (und denjenigen auch noch verletzen!). Lag das auch an der Sprache?Geändert von Inaktiver User (17.08.2016 um 11:45 Uhr)
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17.08.2016, 11:37
AW: Burkini-Verbot
Das ist ein sehr interessanter Ansatz, darüber muss ich auch mal weiter nachdenken.
@nur_so: Die Symbole sind ein teil der Unfreiheit. Seit 2 Jahren versucht die mystealthyfreedom-Kampagne im Iran die Kopftuchpflicht zu thematisieren, und widerspricht permanent dem Einwurf: "Habt ihr keine anderen Probleme?". Verhüllung ist Teil des Problems.
saphire
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17.08.2016, 11:38
AW: Burkini-Verbot
Ich finde, du hast da einen Denkfehler drin: Die westliche Gesellschaft übt ihren Druck ohne jede Gewalt aus. Anders die radikalislamische Familie/comunity/Regierung. Hier besteht Gefahr für Leib und Leben, die eigene Familie wird zur Gefahr, oder schließt jemanden der sein Ding machen will aus, Repressalien aller Art drohen denen, die rigide Vorschriften nicht penibel einhalten. Insbesondere trifft es dabei Frauen.
Wenn du schon meinst, die Gesellschaft bestimme, was Frauen anzuziehen haben, wie siehst du im Vergleich dazu die Wahlmöglichkeit von Frauen aus fundamentalistischen islmamischen Umfeldern?
Vor allem: Wie kommst du darauf, mehr islamische Frauen dürften an Spielen teilnehmen? Was wir sehen, sind lediglich mehr Burkinis, bzw. islamisch gekennzeichnete Sportlerinnen. Zwar wird argumentiert, dass die sonst keinen Sport ausüben, an Spielen teilnehmen dürften, aber gerade das gilt es doch zu brandmarken, statt dem nachzugeben. Denn ohne Statementklamotte erkennen wir islamische Sportlerinnen gar nicht als solche.
Woher käme denn die Grundlage für die Annahme, dass Burkinis zu mehr Freiheit für diese Frauen führe?
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17.08.2016, 11:40
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17.08.2016, 11:42
AW: Burkini-Verbot
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17.08.2016, 11:51Inaktiver User
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17.08.2016, 11:52Inaktiver User
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17.08.2016, 11:54



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