Ich finde auch, dass eine Vergewaltigung dadurch nicht weniger "schlimm" wird, dadurch dass es Frauen gibt, die das überwinden und nicht lebenslang ein Trauma haben.
Mir kommt es manchmal so vor: Der Täter muss so lange in Haft wie das Opfer traumatisiert ist. Also muss das Opfer bitteschoen lange traumatisiert bleiben.
Das passt aber vorn und hinten nicht zusammen.
Ich glaube zum einen dass sich Menschen unterscheiden und auch, dass sich Taten unterscheiden.
Wenn ich jetzt sage, es gibt schlimmere und weniger schlimmere Vergewaltigungen dann ziehe ich hier vielleicht einen Shitstorm auf mich ... Aber ich glaube eben schon, dass es Unterschiede gibt, in Art der Brutalität, der Art, Dauer, was weiß ich der Vergewaltigung. War es ein Fremder, ein Bekannter, der eigene Ehemann?
Ich sage nicht, was besser ist und was schlechter, aber eben dass es Unterschiede gibt.
Darum kann man da nicht alles über einen Kamm scheren, auch wenn es in unserer Gesellschaft zum Glück den generellen Grundkonsens gibt, dass dies ein Verbrechen ist und versucht wird, Menschen davor zu schützen.
Fuer mich das Zeichen von - ganz grundlegend - Zivilisation.
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18.06.2016, 00:49Inaktiver User
AW: Der Fall Lohfink: Nach Vergewaltigungsvorwurf Anklage wegen Falschbehauptung
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18.06.2016, 07:49Inaktiver User
AW: Der Fall Lohfink: Nach Vergewaltigungsvorwurf Anklage wegen Falschbehauptung
Ja, das finde ich auch höchst bezeichnend. Besser hätten Psiks Worte über den Umgang der achso mitfühlenden Umgebung mit Betroffenen garnicht bestätigt werden können.

Und ja: Die Betroffene wird so dauerhaft victimisiert. ..... Wie ich schon schrieb....
Und warum war es mir klar wie Klossbrühe, dass sich bestimmte user mit meiner hinterfragend-kritischen Anmerkung nicht auseinandersetzen (oder sie wahlweise ignorieren), sondern in (hier im Forum) gewohnt rabulistischer Manier unter die Gürtellinie zu hauen versuchen:
"Versuchen", weil das wirklich etwas arg durchsichtig ist. Sowas amüsiert, statt zu verletzen.
Und, liebe Fritzi: Ich würde mich sehr freuen (blödes Wort in dem Zusammenhang. ...), wenn Du von Deinen Erfahrungen berichten möchtest.
Gerade, weil Du auch nicht das von einigen usern präferierte Bild des "Dauer-Opfers" bedienst (Ich hoffe, es ist klar, was ich damit ausdrücken möchte).Geändert von Inaktiver User (18.06.2016 um 07:56 Uhr)
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18.06.2016, 08:02Inaktiver User
AW: Der Fall Lohfink: Nach Vergewaltigungsvorwurf Anklage wegen Falschbehauptung
Ich weiß, wass Du meinst, Hedwig, und das ist sicher z.T. richtig.
Allerdings geht es bei einer Vergewaltigung ja eben nicht um Sex und Nähe, sondern um (sexualisierte) Gewalt.
Ich halte es nicht für zwingend, dass sich hinterher diese Verknüpfung einstellt. Schon garnicht lebenslang.
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18.06.2016, 08:06Inaktiver User
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18.06.2016, 08:28Inaktiver User
AW: Der Fall Lohfink: Nach Vergewaltigungsvorwurf Anklage wegen Falschbehauptung
Wohl dem, der das sauber trennen kann. Ich könnte es höchstwahrscheinlich nicht. (Offen gestanden glaube ich sowieso nicht an das Postulat, dass Vergewaltigung nichts mit Sex zu tun hat, aber diese Diskussion würde hier zu weit führen.)
Vielleicht nicht zwingend, aber wahrscheinlich naheliegend.Ich halte es nicht für zwingend, dass sich hinterher diese Verknüpfung einstellt. Schon garnicht lebenslang.
Ich habe ein wenig den Überblick darüber verloren, wo die Diskussion eigentlich hinläuft. Über individuelle Verarbeitungsmechanismen lässt sich eigentlich nicht streiten. Manche Opfer von Gewalttaten erweisen sich als bemerkenswert resilient, während andere nie ganz mit den Folgen zurechtkommen. Darin unterscheiden sich Gewaltopfer nicht von kriegstraumatisierten Menschen und Opfern von Unfällen oder Naturkatastrophen.
Selbst wenn man exakte Zahlen zur Verfügung hätte, wie oft sich posttraumatische Belastungsstörungen einstellen, in wieweit würde das weiterhelfen?
Über juristische und politische Aspekte kann man nach meinem Geschmack gut diskutieren, die psychische Ebene ist viel schwerer fassbar.
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18.06.2016, 08:59Inaktiver User
AW: Der Fall Lohfink: Nach Vergewaltigungsvorwurf Anklage wegen Falschbehauptung
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18.06.2016, 09:19
AW: Der Fall Lohfink: Nach Vergewaltigungsvorwurf Anklage wegen Falschbehauptung
Hier haben welche geschrieben, dass die Betroffenen gefälligst so und so zu empfinden haben? Das muss ich übersehen haben. Ich habe tatsächlich nur die Beiträge gelesen, in denen steht, dass (Überraschung!) Menschen sehr unterschiedlich mit Gewalterfahrungen umgehen. Wenn ich mir die mir bekannten Zahlen ansehe, entwickelt sich bei über der Hälfte der Fälle eine PTBS (lt. der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie). Nicht gerade wenig.
Insofern kann ein Einzelfall, der zum Glück anders dasteht, nicht als Beleg für alle, sondern nur für die andere Hälfte dienen. ist doch eigentlich klar.
Ich sehe dennoch, worum es PSIK und Dir geht. Betroffenheitsverhalten, ständig als "Opfer" dargestellt zu werden usw.Geändert von Fourthhandaccount (18.06.2016 um 09:25 Uhr)
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18.06.2016, 09:54
AW: Der Fall Lohfink: Nach Vergewaltigungsvorwurf Anklage wegen Falschbehauptung
Hervorhebung von mir - Kholja
von 2014
vom Januar 2016
vom März 2016: Deutschland hat die Konvention des Europarates unterschrieben, aber bislang nicht ratifiziert.
Nein heißt Nein
Ich finde keine Information darüber, ob die sogenannte Istanbul-Konvention von Deutschland in der Zwischenzeit ratifiziert wurde, und wenn nicht, warum nicht, und ob das neue Gesetz oder die Konvention umfassender ist.Geändert von Kholja (18.06.2016 um 10:24 Uhr)
Extraordinary claims require extraordinary evidence.
"Good people are doing good things and evil people are doing evil things.
But for good people to do evil things, that takes religion." (Steven Weinberg)
People deserve respect. Ideologies, ideas, opinions and beliefs do NOT.
Da man nicht entscheiden kann, was man glaubt, ist Glaube moralisch bedeutungslos.
Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen.
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18.06.2016, 10:39Inaktiver User
AW: Der Fall Lohfink: Nach Vergewaltigungsvorwurf Anklage wegen Falschbehauptung
@Fourth,
Du brauchst Dir den Stiefel nicht anziehen, wenn er Dir nicht passt.
Und mit den Einzelfällen im Bekanntenkreis ist das so ne Sache....
Was bringt es, wenn ich jetzt hier von 2 mir bekannten Frauen berichte, die auch nach einer Vergewaltigung ihr unbefangenes Sexleben beibehielten ?
Die eine ist bei einem gemeinsamen Urlaub zu einem sehr dubiosen Typen alleine ins Auto gestiegen, und auf meine Frage, ob sie noch ganz frisch sei, meinte sie: "Ja, ich habe schon daran gedacht, dass er mich vergewaltigen könnte..... Ich hätte ihn dann gebeten, wenigstens ein Kondom zu verwenden." Und die Dame war zu dem Zeitpunkt 40 Jahre alt, und ist Lehrerin. Also kein naives Mädchen mehr.
Zum Glück ging das gut aus.
Worum es mir eigentlich ging ist, dass es dazu einfach wenig verlässliche Zahlen gibt. Die geschätzte Dunkelziffer nicht angezeigter Vergewaltigungen liegt bei 1:2 bis 1:100, schon diese sehr unterschiedlichen Schätzungen machen das schwierig. Aber unbestreitbar ist, dass ein Gros der Vergewaltigungen nie bekannt wird, ergo auch nicht, wie die Frauen damit umgehen.
Deshalb habe ich arges Bauchgrummen bei pauschalisierenden Sprüchen wie "Das Opfer hat lebenslänglich" oder ähnlichem.Geändert von Inaktiver User (18.06.2016 um 10:46 Uhr)
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18.06.2016, 10:58Inaktiver User
AW: Der Fall Lohfink: Nach Vergewaltigungsvorwurf Anklage wegen Falschbehauptung
Auch auf die Gefahr hin, jetzt in die küchenpsychologische Klischeefalle zu tappen: Das klingt in meinen Ohren nun überhaupt nicht nach "unbefangener Sexualität".
Dass viele Gewaltopfer dazu neigen, im späteren Leben in gefährliche Situationen hineinzulaufen, scheint ja tatsächlich ein verbreitetes Phänomen zu sein. Wenn eine Freundin, die als Kind geschlagen worden ist, immer wieder die Nähe zu mutmaßlich gewaltbereiten Männern suchen würde, dann würde ich das nicht gerade als "unbefangenes Verhältnis zur Gewalt" deuten. Sondern als eine Art "Wiederholungszwang".
Man bittet, den Vergewaltiger, Kondome zu verwenden? Wer kommt auf so eine Idee? Mein Deutung wäre folgende: Die Frau hat in der Vergangenheit einen Kontrollverlust erlitten und redet sich jetzt ein, sie könnte eine "kontrollierte" und "gesteuerte" Vergewaltigung erleben. Ein Kompensationsversuch? Das kommt mir nicht gesund vor. Alles, was recht ist.
Wie gesagt, letzendlich ist das Küchenpsychologie. Ich kenne die Dame ja nicht. Aber ganz spontan empfinde ich diese Schilderung als bedrückend.


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