Richtig! Ganz genau so!
Das o.g. führt dann auch dazu, dass eine Frau, die zur Vergewaltigung steht, unter Beobachtung genommen wird: was genau stimmt denn nicht mit ihr? Da muss doch was nicht stimmen! Oder aber: aha - das kommt von der Vergewaltigung, ganz bestimmt. Die muss doch Probleme mit Männern haben. Oder: aha, sie hat Probleme mit Männern. Das kommt ganz bestimmt von der Vergewaltigung.
Brrr. Und wieder ein Grund, mit dem, was vielen vielen Frauen im Laufe ihres Lebens passiert, schamhaft hinterm Berg zu halten (und somit weiter die Phantasmen der Nichtbetroffenen zu nähren).
Ich bin sehr sehr vorsichtig damit geworden, quasi "zuzugeben" vergewaltigt worden zu sein. Dass ich nach mittlerweile 30 Jahren damit gut umgehen kann als EINE Gewalterfahrung, glaubt eh kaum jemand (s.o.).
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17.06.2016, 19:39Inaktiver User
AW: Der Fall Lohfink: Nach Vergewaltigungsvorwurf Anklage wegen Falschbehauptung
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17.06.2016, 19:40Inaktiver User
AW: Der Fall Lohfink: Nach Vergewaltigungsvorwurf Anklage wegen Falschbehauptung
Ich bin zwar keineswegs davon überzeugt, dass es eine vorsätzliche Falschbeschuldigung gewesen ist. Jedenfalls finde ich in der Berichterstattung keinen einzigen Anhaltspunkt, der zwingend dafür spricht.
Aber ein Motiv hätte sie natürlich gehabt. Die beiden Männer haben versucht, ein "Sexvideo" von ihr zu verkaufen und haben es schließlich ins Internet gestellt.
Wenn das kein wirklich guter Grund ist, sich an jemandem rächen zu wollen, dann weiß ich auch nicht mehr weiter.
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17.06.2016, 19:50Inaktiver User
AW: Der Fall Lohfink: Nach Vergewaltigungsvorwurf Anklage wegen Falschbehauptung
Ich weiß es nicht. Ich kann mir vorstellen, dass einem durch schwere Gewaltdelikte in gewisser Hinsicht das "Grundvertrauen" abhanden kommt. Das würde ich nicht auf Vergewaltigungen beschränken. Wer beipielsweise von einer Gruppe überfallen und zusammengetreten worden ist, der tut sich unter Umständen auch schwer damit, wieder in der Normalität anzukommen.
Mir sind Aussagen im Stil von "das Opfer hat immer lebenslänglich" auch sehr suspekt. Weil man dadurch das ganze Leben des Opfers nur noch in Bezug auf die Gewalttat sieht und dem Täter damit eine Rolle gibt, die ihm nicht zusteht.
Andererseits scheint das "Überwinden" für viele Opfer von Sexualgewalt nicht so glatt zu funktionieren. Die Rate derer, die eine posttraumatische Belastungsstörung entwickeln und dauerhaft mit den Tatfolgen kämpfen, scheint jedenfalls recht hoch zu sein.
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17.06.2016, 19:56
AW: Der Fall Lohfink: Nach Vergewaltigungsvorwurf Anklage wegen Falschbehauptung
Verschiedene Frauen haben unterschiedliche Voraussetzungen dafür, ein solches Trauma ohne oder lediglich mit geringen Langzeitbelastungen zu überstehen.
Wer bereits früher (sexuell) traumatisiert wurde, hat sowohl ein höheres Risiko für eine Vergewaltigung als auch ein höheres Risiko für eine posttraumatische Störung, vereinfacht gesagt.
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17.06.2016, 20:09Inaktiver User
AW: Der Fall Lohfink: Nach Vergewaltigungsvorwurf Anklage wegen Falschbehauptung
Ich glaube Dir das, und kann gut verstehen, dass Du das nach Möglichkeit nicht erzählst. Das würde ich auch nicht.
Und ja: Das passiert vielen Frauen. In manchen Zeiten hier und in anderen Gegenden heute vielleicht sogar der Mehrzahl.
Und die meisten haben das Trauma überwunden und ihr Leben weiter gelebt. Oft sogar ohne jegliche Hilfe, ja, sogar ohne darüber reden zu können.
Das macht Vergewaltigung nicht weniger schlimm. Aber die meisten Frauen sind sehr stark.
Wer behauptet, dass jeder Mann ihnen durch einen erzwungenen GV dauerhaft etwas nehmen kann, sie psychisch zerstört, spricht ihnen das ab. Macht sie zu Dauer-Opfern.
Als Feministin rollen sich mir da die Fussnaegel hoch, ganz ehrlich.Geändert von Inaktiver User (17.06.2016 um 20:32 Uhr)
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17.06.2016, 20:19Inaktiver User
AW: Der Fall Lohfink: Nach Vergewaltigungsvorwurf Anklage wegen Falschbehauptung
Genau das meine ich, Du hast das noch besser auf den Punkt gebracht.
Da man die genauen Opferzahlen nicht kennt, gibt's auch keine validen Zahlen, denke ich.Andererseits scheint das "Überwinden" für viele Opfer von Sexualgewalt nicht so glatt zu funktionieren. Die Rate derer, die eine posttraumatische Belastungsstörung entwickeln und dauerhaft mit den Tatfolgen kämpfen, scheint jedenfalls recht hoch zu sein.
Vielleicht artikulieren sich ja vor allem die, die nicht damit klar kommen.
So Aussagen wie die oben bescheinigen Frauen, die damit klar kommen und das verwinden , hingegen, dass mit IHNEN ja wohl was nicht stimmen könne.
Psik hat das ja gut auf den Punkt gebracht.
Das finde ich hoch problematisch.Geändert von Inaktiver User (17.06.2016 um 20:28 Uhr)
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17.06.2016, 20:24Inaktiver User
AW: Der Fall Lohfink: Nach Vergewaltigungsvorwurf Anklage wegen Falschbehauptung
Geändert von Inaktiver User (17.06.2016 um 20:29 Uhr)
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17.06.2016, 20:33
AW: Der Fall Lohfink: Nach Vergewaltigungsvorwurf Anklage wegen Falschbehauptung
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17.06.2016, 20:41Inaktiver User
AW: Der Fall Lohfink: Nach Vergewaltigungsvorwurf Anklage wegen Falschbehauptung
Richtig, Mary. Ähnliches dürfte auch gelten, wenn man/frau im Park zusammen getreten wurde.
Oder der Folter erlag, wie Amery schrieb.
Ich denke eben, dass Vergewaltigung da nicht so ein Alleinstellungsmerkmal hat. Es wird mit manchen Statements herbei geredet, ist mein Eindruck. Und das ist ein Schuss, der m.E. sehr nach hinten, gegen uns als Frauen, los geht.
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17.06.2016, 20:55Inaktiver User
AW: Der Fall Lohfink: Nach Vergewaltigungsvorwurf Anklage wegen Falschbehauptung
Meines Erachtens gibt es schon ein Merkmal, dass bei Sexualdelikten äußerst speziell ist. Nämlich die erzwungene Nähe zwischen Täter und Opfer.
Das Zusammengetretenwerden ist eine Ausnahmesituation. Und es ist eine Ausnahmesituation, die für jeden normalen Menschen äußerst negativ konnotiert ist. So betrachtet kann man diese Gewalterfahrung wahrscheinlich leichter als ein singuläres Ereignis einordnen, dass den Alltag nicht so sehr tangiert.
Hingegen ist der Geschlechtsverkehr etwas durchaus Alltägliches und üblicherweise mit positiven Gefühlen verbunden. Durch ein Sexualdelikt wird eine Art negative Konditionierung geschaffen. Die Sexualität ist plötzlich mit der Gewalterfahrung verknüpft.
Wer zusammengeschlagen worden ist, der wird beim intimen Zusammensein mit dem Partner nicht unbedingt an diese Situation erinnert. Nach einer Vergewaltigung ist das anders. Die Erinnerung wird sich aus naheliegenden Gründen genau dann einstellen, wenn man sich eigentlich fallenlassen möchte.
Doch, es gibt schon Gründe, warum man annehmen kann, dass Vergewaltigungen sich ganz besonders belastend auswirken.



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