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  1. Registriert seit
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    AW: Brexit oder Bremain?

    Im Kontext mit dem Brexit wurde in verschiedenen Medien (meine auch hier mal im Forum) vor einen "Singapur an der Themse" gewarnt. Angeblich hat ja selbst unsere Kanzlerin vor einem "Singapur direkt vor der Haustür der EU" gewarnt.

    Warum warnt man vor etwas, daß hervorragend funktioniert ?

    Kenne diverse Menschen, die Singapur deutlich besser kennen als ich: Quelle des Wohlstandes, Oase der Sicherheit, Top bei Bildung und Rechtsstaatlichkeit, hervorragende Qualität der medizinischen Versorgung, beste Verdienstmöglichkeiten für Manager aber auch gute und angemessene Bezahlung in mittleren und niedrig qualifizierten Berufen, eine extrem hohe Wohneigentumsquote durch ein staatlich gefördertes, ausgeklügeltes Miet-/Kauffinanzierungsprogramm usw. das sind einige der typischen Aussagen.

    Dazu kommt ein Klima der Freiheit (Unternehmertum, Marktwirtschaft und Eigentum haben einen hohen Stellenwert) und ein Klima der Toleranz (die Hauptethnien Chinesen, Inder und Malaien leben friedlich und harmonisch zusammen).

    Warum sollte man sich davor fürchten ?

    Es dürfe keinen Unterbietungswettbewerb vor unserer EU-Haustüre geben, habe ich mehrfach gehört und gelesen.

    Unterbietung (preiswerter, schneller, besser usw.) und Überbietung (intelligenter, effizienter, sozialer, sicherer, prosperierender usw.) sind per definitionem Merkmale des Wettbewerbs.

    Solche Warnungen vor einem "Singapur an der Themse" offenbaren, worum es in Wirklichkeit gehen könnte: Ein derart lebenswerter und erfolgreicher Stadtstaat als EU-Gegenmodell dürfte auf den Unwillen kontinentaleuropäischer Bürokraten treffen - insbesondere, wenn er sich vor ihrer Haustür etabliert. Ein sich in diese Richtung möglicherweise modernisierendes Vereinigtes Königreich dürfte die EU einem Wettbewerb aussetzen und könnte die dirigistische Gestaltungsmacht der EU-Bürokratie inklusive ihrer Sozial-Ingenieure empfindlich stören.

    Keine Ahnung, ob es das ist, was die Briten wirklich wollen und anstreben - und wenn ja, ob sie das auch schaffen können.

    Die vorauseilende Diskreditierung eines solchen Modells ist nach meinem Dafürhalten aber symptomatisch.

    Dabei habe ich immer wieder erfahren dürfen: Wettbewerb belebt das Geschäft. Die EU, Brüssel sowie unsere Kanzlerin scheinen aber genau dies zu befürchten ...

  2. Avatar von BlueVelvet06
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    AW: Brexit oder Bremain?

    Das hast du ja schon mal provozierend gefragt. Du weißt doch genau, dass es darum geht, ein (weiteres) Steuerparadies zu haben, darauf zielt doch der Vergleich mit Singapur ab. Und was soll ein Steuerparadies mit fairem Wettbewerb zu tun haben, kannst du das erklären? Sehr durchsichtig, dein Manöver.
    Gute Nachricht: ich bekomme den obersten Knopf meiner Jeans wieder zu.
    Schlechte Nachricht: ich habe sie nicht an
    .

  3. AW: Brexit oder Bremain?

    Auch Singapurs Premier Lee sagte im Herbst, er glaube nicht, dass Großbritannien so einfach das Wirtschaftsmodell seines Landes kopieren könne. Schon die Sozialsysteme seien grundverschieden. An die Brexit-Befürworter richtete Lee die rhetorische Frage: „Wenn ihr sagt, ihr werdet wie Singapur sein: Werdet ihr dann zwei Drittel eurer Staatsausgaben aufgeben, etwa für Renten und die Gesundheit?“
    handelsblatt
    nichts ist wie es scheint


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    AW: Brexit oder Bremain?

    In Singapur leben 5,7 Millionen Menschen. Allein im gebeutelten Nordengland sind es 14,5 Millionen. Wie sollen denn diese von einem Steuerparadies profitieren, wenn sich die Banken doch eher in der City of London ansiedeln als in Leeds, Stoke oder Manchester.
    Die Hightech-Firmen in Singapur lassen dann aber doch eher in Billiglohnländern produzieren und das ist Nordengland dann doch immer noch nicht.
    Sebastian (Ariel - The Little Mermaid): Listen to me - the human world, it‘s a mess!


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    AW: Brexit oder Bremain?

    Zitat Zitat von BlueVelvet06 Beitrag anzeigen
    Das hast du ja schon mal provozierend gefragt. Du weißt doch genau, dass es darum geht, ein (weiteres) Steuerparadies zu haben, darauf zielt doch der Vergleich mit Singapur ab. Und was soll ein Steuerparadies mit fairem Wettbewerb zu tun haben, kannst du das erklären? Sehr durchsichtig, dein Manöver.
    Durchsichtig finde ich das Manöver der EU. Nichts dürfte nämlich für die bürokratisch-dirigistische EU unangenehmer sein als etwas mehr Wettbewerb. Noch dazu direkt vor ihrer Haustür.

    Da Du von meinen vielen Beispielen (s. Nr. 7091 Abs. 3 + 4) seltsamerweise (naja, vielleicht auch gerade nicht) kein einziges aufgegriffen hast - und stattdessen selbst den Begriff "Steuerparadies" eingeführt hast: (Steuer)Oasen kann es denknotwendig nur in der Steuer(Wüste) geben ...

    Um bei Deinem Ansatz zu bleiben: Der EU-Oberguru und EU-Bürokrat par excellence Juncker hat sich für nix mehr eingesetzt als dafür … daß Luxemburg seine steuerliche Attraktivität behält. Erstaunlich, wie offensichtlich hier eine Lücke zwischen dem offiziellen Wording und dem dann tatsächlichen Handeln klafft.

  6. Avatar von Ragna
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    AW: Brexit oder Bremain?

    Man könnte meinen, Professor Grey liest hier mit, er geht in seinem neuesten Blogpost von heute sogar auf die Singapore-on-Thames-Delusion ein: The Brexit Blog: As costs mount, Brexit goes round the same old circles


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    AW: Brexit oder Bremain?

    Zitat Zitat von print Beitrag anzeigen
    Ich habe, im Gegensatz zu dir, dein Lebenskonzept nicht herabgesetzt
    ich habe Begriffe wie "schwadronieren" nicht als Kompliment gelesen. Ganz im Gegenteil. Ich fühle mein Lebenskonzept durch solche Begriffe herabgesetzt.

    So gesehen, könnten die Briten tatsächlich jetzt einfach mal gehen, und bitte: vollständig und ohne langes Gedöns, von mir aus auch mit "No Deal", Verlängerungs- und Übergangsfristen.
    in zwischenstaatlichen Verträgen, oder gar über-nationalen Institutionen, geht gar nichts ohne langwieriges "Gedöns".

    "Schaun mer mal" kann man auch sofort praktizieren, warum denn alles künstlich in die Länge ziehen.
    Weil halt Grossbritannien NACH der Brexitabstimmung die Brexit-Diskussion noch weiter führen musste. Manche Dinge brauchen eben die Zeit, die sie brauchen. Willenbildung ist eins dieser Dinge.

    Wobei mir die aktuelle Tory-Mehrheit durchaus eine klare demokratischen Bestätigung des Entscheids scheint. Und das nach inzwischen sehr intensiven Diskussionen aller Bedenken und zu erwartenden Schwierigkeiten.

    Rechnen können und berechnend sein - den Unterschied kennst du nicht?
    der scheint mir sehr oft akademisch zu sein und vor allem die Sympathie oder Antipathie dessen zu beschreiben, der das Wort ausspricht.

    Oder dass bei vertragen beide Seiten Rechte und Pflichten haben?
    Das akzeptieren ja alle, das ist doch kein Problem.



    Ehre und Mut - wozu?
    Weil sich Leute gelegentlich im Spiegel selbst anschauen wollen, ohne vor Scham rot anzulaufen, weil sie feige und hinterhältig sind?

    das ist jetzt nicht eine ernsthafte Diskussion, warum Ehre und Mut besser sind als Verrat und Feigheit?

    Ehre und Mut heisst, dass Menschen in Widrigkeiten das Richtige tun, nicht das Bequeme. Und das gibt ihnen Statur, Autorität, und die beste Version von Menschlichkeit.

    Menschlichkeit? Was immer du damit meinst.
    zum Beispiel das Bewusstsein, das Irren menschlich ist - und trotzdem sich auf einen ungewissen Weg zu machen?


    So wie du auch - der Vergleich mit dem Ende von WK 2 schien dir ja verständlich und angemessen.

    Bist du vielleicht einfach etwas sensationslüstern? Freude am Drama?
    diese Glockengeschichte ist doch nur eine Randnotiz.

    nein, ich bin nicht sensationslüstern, aber gern vorausschauend.

    Und ich habe eine gewisse Nase dafür, ungute tyrannische Tendenzen schon in frühen, noch schwach und harmlos erscheinenden Formen, zu erkennen.


    BJ und sein Gefolge werden nicht davor zurück schrecken, die eigenen Leute als Pfand zu nehmen wenn es schwierig wird.
    was soll das konkret bedeuten, deiner Auffassung nach? Auf welche Weise "als Pfand nehmen"?



    So oder so - die EU wird als Verlierer deklariert, von den Patrioten.
    Läuft der Brexit gut bis einigermassen - war es natürlich die beste Idee ever.
    Läuft es nicht gut, wird es natürlich die Schuld der EU sein.
    Das muss die EU ja nicht kratzen, nach dem Motto, der Hund bellt, die Karawane zieht weiter.

    So viel Missverständnisse geben meine Beiträge, mit denen ich mir tatsächlich Mühe gebe, nicht her.
    ich finde die tatsächlich oft sehr unkonkret.

    ich verstehe tatsächlich oft nicht, worauf du genau hinaus willst.



    Einfacher ausgedrückt: "Freiheit!" zu schreien, ist nicht die Freiheit selbst.
    Da hast du recht; aber ein Diskurs, in dem "Freiheit" als Wort ständig klein und lächerlich gemacht ist ("schwadronieren", "beliebig", "verantwortungslos" waren unter anderem deine Worte), ist nicht geeignet, Freiheit als Tatsache in diesem Raum zu schaffen, beziehungsweise Freiheitsgrade zu vergrössern.


    Man kann sich auch fair und in Freundschaft trennen.
    ja, und das soll man bitte auch.



    du triffst seltensten den Punkt, den ich meinte -
    dann muss ich wohl damit leben, nicht zu verstehen, was du meinst.

    Es geht mir nicht darum "Recht zu haben", es sind verschiedene Perspektiven - aber richtig verstanden werden, das ist mir dann schon wichtig.
    Da kommen wir wohl auf keinen grünen Zweig, denn ich bin durchasu der Auffassung, dass es sowas gibt wie "recht haben" und "nicht recht haben".

    Und dass man, zu gegebener Zeit, vielleicht im Jahr 2030, dann durchaus objektiv beurteilen kann, ob der Brexit ein ERrolg war oder nicht. Und in welcher Hinsicht er es war, also ob zB das BIP bis dahin steigt, oder die Arbeitslosigkeit sinkt, oder die Gesundheitsversorgung besser wird, oder was immer es auch ist.

    Verschiedene Perspektiven kann man am Anfang einer Betrachtung einnehmen - aber früher oder später ist es meiner Auffassung nach Zeit für eine Synthese.

    gruss, barbara
    It's easy.
    Manny Pacquiao

  8. VIP Avatar von Rotfuchs
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    AW: Brexit oder Bremain?

    Die Briten haben das gewählt, was sie jetzt bekommen.

    Ob es sich für sie positiv oder negativ auswirkt, wird sich zeigen. Vielleicht kehren sie kleinlaut in die EU zurück, vielleicht wurschteln sie auch länger allein herum, bis sie merken, dass Isolation ihnen nicht sonderlich hilft,.

    Nur werden sie wohl so oder so kaum wieder die Nation werden, die einen neuen "Commonwealth" und eine vermeintliche Weltherrschaft initiieren. Das wird auch dieser strubbelige blonde Premierminister lernen müssen, der im Geschichtsunterricht offenbar zu früh ausgestiegen ist.

    Tja, und der Abgang von Harry und Meghan ist auch nicht gerade fördernd. Auch wenn viele Nicht-Briten das Königshaus belächeln... es ist nun mal bis heute auf der Insel ein enormer Wirtschaftsfaktor.

    Es sind aus meiner Sicht keine "good times", die auf England zukommen.
    Wer die Welt bewegen will, sollte erst sich selbst bewegen. (Sokrates)




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    AW: Brexit oder Bremain?

    Zitat Zitat von Rotfuchs Beitrag anzeigen
    Die Briten haben das gewählt, was sie jetzt bekommen.

    Ob es sich für sie positiv oder negativ auswirkt, wird sich zeigen.

    Es sind aus meiner Sicht keine "good times", die auf England zukommen.
    Ad 1: Das ist Fakt.
    Ad 2: Das sehe ich ähnlich, denn das wird die Zukunft zeigen.

    Ad 3: Das ist - wie Du treffend schreibst -(D)eine subjektive Einschätzung. Das kann man auch neutraler und damit die Zukunft für die Briten etwas ergebnisoffener sehen. Auch ich habe keine Ahnung wie das weiter- und/oder ausgeht. Immerhin haben die Briten die Chance als souveräner Nationalstaat ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen: Von der Wirtschafts-, Finanz-, Fiskal- und Währungspolitik bis hin zur Einwanderungspolitik. Auch eine zumindest rudimentäre militärische Verteidigungsfähigkeit (im Sinne von Abschreckung) dürfte gegeben sein (m. W. ist UK - neben Frankreich - das einzige Land, welches über eine eigene atomare Abschreckung verfügt).

    Ob da im Vergleich ein völlig heterogener, bürokratisch-zentralistischer Verbund wie die EU mit einer fehlkonstruierten Währung, der fehlenden Faktormobilität beim Thema Arbeit (das scheitert schon an den unterschiedlichen Sprachen - von den unterschiedlichen Gesetzen und Mentalitäten ganz zu schweigen), mit zunehmender Divergenz statt Konvergenz, zerstritten in substantiellen Fragen (von Migration über Euro bis zur wirtschaftlichen Ausrichtung) und in Fragen der Verteidigung von der Nato (sprich einem Herrn Trump) abhängig, wirklich so viel besser dasteht ?

    Darüber kann man nach meinem Dafürhalten zumindest trefflich streiten.


  10. Registriert seit
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    AW: Brexit oder Bremain?

    Zitat Zitat von kurant Beitrag anzeigen
    Dazu kommt ein Klima der Freiheit (Unternehmertum, Marktwirtschaft und Eigentum haben einen hohen Stellenwert) und ein Klima der Toleranz (die Hauptethnien Chinesen, Inder und Malaien leben friedlich und harmonisch zusammen).
    Nun ja, wenn man "Freiheit" ausschließlich mit Freiheit im unternehmerischen Bereich assoziiert, kann das hinkommen.
    Da verstehen einige Menschen aber meist noch mehr darunter.
    Demokratie (inklusive Opposition), Pressefreiheit....

    Warnen sollte man davor nicht, zumindest nicht von außen.
    Das müssen die Briten jetzt selbst entscheiden.
    Wenn es in die Richtung geht, und tatsächlich alle davon profitieren sollten in UK - dann ist das eine tolle Sache für die Briten.

    Nur fallen solche Dinge ja nicht einfach vom Himmel, die Ausgangslage für den Aufstieg Singapurs war eine ganz andere als in England nach dem Brexit.
    Sozialsysteme? Müsste man dann weitgehend darauf verzichten bzw. privatisieren.
    Beides zusammen geht wohl kaum, wer sollte das dann finanzieren, bei all der unternehmerischen Freiheit und steuerlichen Attraktivität?

    Schade, dass Herr Dyson sich nicht bei der Umsetzung einer solchen Idee einbringen wollte und stattdessen kürzlich in das Original-Singapur abgewandert ist.

    Das eine oder andere Unternehmerzugpferd wäre bestimmt hilfreich.
    Think before you print.

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