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01.08.2016, 14:12
AW: Erdogan und die türkische Politik
Es gibt so viele schöne Momente im Leben; ich sollte mich entspannen,
dann durchfluten sie mich wie Regen ...
American Beauty
Nothing in life is as important as you think it is, while you are thinking about it.
Daniel Kahneman
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01.08.2016, 14:16Inaktiver User
AW: Erdogan und die türkische Politik
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01.08.2016, 14:23
AW: Erdogan und die türkische Politik
Das ist einfach: Nichts eint so schön wie ein gemeinsamer Feind. Nichts könnte Türken in D wirksamer an die Leine nehmen als der Glaube, von Feinden umzingelt und allein von Erdogan geliebt zu sein.
Oder wie Geisterfahrer zu staunen pflegen: Sooo viele Geisterfahrer
Kennt man doch aus dysfunktonalen Familien, diese Burggrabenmentalität. Einfach Lösungen für einfache Menschen in einer komplexen Welt. Und für das unvermeidlich folgende böse Erwachen ist ja vorsorglich auch schon ein Schuldiger in Stellung gebracht.
Erdogans Strategie ist schon lange, Chaos und Unsicherheit zu kreieren und sich dann als der starke, gütige Retter anzubieten.
Menschen haben außerdem die Tendenz, aus Schamangst an einer einmal getroffenen Entscheidung fest zu halten. Je lauter und glühender jemand für Erdowahn eintritt, desto unwahrscheinlicher, dass er sich von E. abwendet.
Da kann man nur einen hohen Zaun bauen. Und hier in D mal endlich Mut zum Streit zeigen.
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01.08.2016, 14:29
AW: Erdogan und die türkische Politik
Ich denke, das ist unter dem Aspekt einer Gesamtreaktion auf "den Westen" derzeit zu sehen.
Und womöglich geht es um eine komplett neue Orientierung.
EU, Europa etc- der Deal ging so nicht auf, die Annäherung fand nicht genug statt ( all den dazugehörigen background jetzt mal aussen vor, auch der Frage, ob man hätte doch zeitiger einen EU Beitritt konkret verhandeln sollen usw - es gibt diese Diskussionen ja schon länger)- dann wendet man sich ggf ab. Und sucht ganz neue Bündnisse.
Es gibt dazu derzeit auch einiges in der türkischen Presse, der Artikel zBsp spiegelt das auch wieder:
The Western response to the coup attempt is scary - NURAY MERT
I hate conspiracy theories; they are not only an expression of narrow-mindedness, but also block common sense and chart a path toward the dangerous waters of xenophobia, anti-Semitism and paranoia.
Unfortunately, they are very popular nowadays, especially in Muslim countries, and it fans the flames of anti-Westernism while fostering nationalist authoritarian politics. That is why I have been a long-time critic of the conspiratorial mind in Turkey and have written extensively on that false mindedness.
Nevertheless, I must admit that even I have started to view the recent suspicions about “U.S. or Western backing for the coup attempt” as not entirely groundless. It is not to say that I am one among those who directly accuse the U.S. of plotting against Turkey, but I find the U.S. and Western reaction toward the coup attempt in Turkey as utterly problematic.
[...]
If our Western allies and friends want to support democracy in Turkey, they should have been supporting the general anti-coup mood and the recent reconciliatory attitude of Erdoğan and his party rather than spoiling the opportunity by pushing Turkey into an anti-Western, nationalistic and authoritarian mood.
[...]
We know what happens if Western policy is shaped by the determination to get rid of nationalist/authoritarian leaders in other countries. They are all war-trodden people who are at each other’s throat, God forbid!
Die Autorin beschreibt mE sehr nachvollziehbar (und geschickt) aus ihrer Sicht ihre "Entwicklung" und heutige Sichtweise.
Enttäuschung über "den Westen" und interessanterweise greift auch sie im zweitem Absatz (s.o.) dieses Denken auf:
Es sind "die anderen", welche die Türkei/Erdogan in die anti-western, autoritäre und nationalistische Ecke pushen.
Den Artikel finde ich deshalb lesenwert, weil er sich gar nicht radikal äussert.
Wie "frei" er geschrieben ist usw- wer weiß das natürlich schon ?
Nina
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01.08.2016, 14:30Inaktiver User
AW: Erdogan und die türkische Politik
Ich habe eben gelesen ,dass geantwortet wurde ,für die Visaerlaubnis wurden die 72 Punkte noch nicht eingehalten und man möchte das prüfen.
Ich denke die EU spielt auf Zeit momentan ,was aber auch schlau ist , wenn sie in dieser Zeit Gegenmassnahmen träfen!!!
Aber nur dann!
Ich sehe das auch nicht als ein Problem ,was übermorgen verschwunden sein wird. Es muss erst tief in den Keller gehen ,viele müssen leiden und da sollte sich Europa tatsächlich mit auseinandersetzen ,was dann?
Wäre Merkel einen Zacken offener gewesen ,hätte sie diesen Deal niemals geschlossen,das habe ich nie verstanden.
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01.08.2016, 14:31Inaktiver User
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01.08.2016, 14:48Inaktiver User
AW: Erdogan und die türkische Politik
@xarin
Ich weiß nicht ob das tatsächlich so ist ? Denn Erdogan hat seine Fühler überallhin ausgestreckt ,derzeit auch gerade in Richtung Iran.
Ich glaube ,ein wirkliches Puzzleteil liegt im Islam . Er hat irgendwann mal realisiert ,dass das sein Mittel zum Zweck ist und es funktioniert doch auch wunderbar . Allerdings nach dem New York Anschlag hat sich die Sicht auf den Islam aus europäischer Sicht hin verändert. Beides geht ohnehin nicht in Europa-Diktatur und Islam ,eine Mischung ,die hier keiner möchte .
Vielleicht polarisiert er auch aus anderen Gründen ,um zu zeigen ,was er für ein mächtiger Mann innerhalb der islamischen Welt ist ,dazu versucht er Europa klein zu machen und sich zu erheben ,um dann vor den neu angepeilten Freunden im Iran oder auch Indonesien oder Malaysia besser dazustehen?
Europa möchte er irgendwie über den Tisch ziehen ist mein Eindruck. Es kann ihn eigentlich nicht wirklich so sehr interessieren ,denn hier findet er sich mit seinen Werten überhaupt nicht akzeptiert?
Aber warum ist er auf den Visadeal so scharf?
Ich glaube inzwischen ,dass er tatsächlich bestimmte Leute einfach rausekeln würde.
Oder er ist so größenwahnsinnig und hat ähnliche Ideen wie ein Deutscher vor ihm?
Das sind so meine Gedanken zu ihm.Keine Ahnung ,ob ich damit richtig liege ?
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01.08.2016, 14:50
AW: Erdogan und die türkische Politik
Die EU laviert mal wieder. Tja - einen Plan haben die wohl eher nicht und halten sich schön alle Türchen offen. Oder glaubt irgendjemand ernsthaft, die Visafreiheit könnte noch als Leckerli für gutes Benehmen brauchbar sein? Ich glaube, E. legt längst keinen Wert mehr drauf und will nur ein bisschen spielen....
Merkel.... nun ja. Der traue ich so weit wie ich sie werfen kann. Könnte sein, dass sie irgendwelche Interessen verfolgt. Könnte aber auch gut sein, sie sitzt halt mal wieder so rum und aus und so. Schrecklich.
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01.08.2016, 15:01Inaktiver User
AW: Erdogan und die türkische Politik
Auch wenn ich fast Herpes bekommes, wenn ich Frau Dr. Merkel nur hören oder sehen muss, sie könnte nicht so regieren, wenn es nicht jede Menge Menschen in der Regierung und in ihrer Partei geben würde, die sie dabei unterstützen. Wir haben ja weder Monarchie noch Diktatur (oder ist was an mir vorbei gegangen?).
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01.08.2016, 15:11
AW: Erdogan und die türkische Politik
Interessant finde ich auch als Hintergrundinformation diesen Artikel von 11/2014:
Doch betrachtet man seine immer provokanteren Ausbrüche, scheint es, als sei Erdogan sein Image bei seinen westlichen Verbündeten inzwischen recht egal. Auf einer internationalen Konferenz für Frauenrechte erklärte er jüngst, dass die Gleichberechtigung von Männern und Frauen gegen die Natur sei. Weiteres Öl goss er ins Feuer, als er behauptete, dass Feministinnen gegen die Mutterschaft eingestellt seien. Diese Äußerungen sorgten für viel Kritik aus dem Ausland.
Die Tatsache, dass sich zahlreiche Anhänger des Präsidenten noch immer mit ihm identifizieren und so auch die Kritik an ihm als gegen sich selbst gerichtet ansehen, wird aller Voraussicht nach zu der allgemeinen Belagerungsmentalität beitragen, die gegenwärtig in der Türkei zu beobachten ist.
Die wachsende Entfremdung des Landes von der restlichen Welt, die sich in weiten Teilen der türkischen Gesellschaft bemerkbar macht, bringt das Land auf einen gefährlichen Weg, warnt Professorin Nuray Mert von der Universität Istanbul: "Wir befinden uns bereits fest im Griff eines tief verankerten Autoritarismus. Diese Mentalität und die vielen fremdenfeindlichen Verschwörungstheorien, diese Art der ungesunden Nabelschau, können nur zu einer Verstärkung des Autoritarismus führen, was eine große Gefahr für die Türkei darstellt."
Wir gegen den Rest der Welt
@martabak
Ja, er streckt seine Fühler in diverse Richtungen aus.
Und ja, genau so wie du denke ich schon, das vieles mit dem Islam bzw der Islamisierung auch der Türkei zusammenhängt, diesem Programm Erdogans.
Man darf eben auch nicht vergessen, daß die gesamte arabische Welt und eben zugehörige islamische Länder seit Jahren am aufbrechen sind.Mit all den bekannten Instabilitäten.
Diesbezüglich ist und war die Türkei immer eine Art Brücke zwischen islamischer Welt und Westen.
Nun herrscht das immer noch bekannte Chaos in der Gesamtregion arabisch-islamischer Länder und
die Türkei hat aber mE nach mit der zunehmenden Islamisierung sich womöglich doch mehr vom Westen abgewandt und sucht ggf einen Platz in sich irgendwann dort neu konfigurierenden Verhältnissen.
Wären Überlegungen.
Ob und inwieweit die türkische Bevölkerung oder auch welche Teile da mitspielen würden ?
Bürgerkrieg wäre auch noch möglich.
Alles sehr heikel .Und die Zeit wird es wohl offenbahren.
Und man kann nur für kluge Außenpolitik hoffen.Auch von westlicher Seite.
Nina



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