Ich möchte dazu noch etwas ergänzen:
Das unterschiedliche Pensionsantrittsalter sollte, soweit ich mich erinnern kann (das war in den 70ern) die unterschiedlichen Gehälter zwischen Männern und Frauen ausgleichen.
Frauen verdienten zu dieser Zeit ca. 1/3 weniger als Männer für dieselben Tätigkeiten, es gab zwei (auch kollektivvertragliche) unterschiedliche Dienstverträge. Um einen Ausgleich für diese Ungerechtigkeit zu schaffen, durften die Frauen 5 Jahre früher in Pension gehen als die Männer.
Wobei es den Frauen IMMER freistand, auch bis 65 zu arbeiten und damit ihre Pension zu erhöhen.
Die Einkommensschere zwischen Frauen und Männern ist heute in Österreich leider auch noch sehr gravierend, nur darf das nicht mehr offiziell und damit nachweisbar vereinbart werden.
Wobei mir aufgefallen ist, dass es zusätzliche Unterschiede zwischen Österreich und Deutschland gibt: In Österreich bekommen die Arbeitnehmer generell 14 Gehälter im Jahr, in Deutschland nur dann, wenn es so vereinbart wurde bzw. sind 13. und 14. Gehalt reduziert, wenn überhaupt vorhanden.
Dadurch erhöhen sich die österreichischen Gehälter gegenüber Deutschland um 1/6 mit dementsprechenden höheren Einzahlungen ins Pensionssystem.
Antworten
Ergebnis 31 bis 40 von 113
-
16.01.2016, 06:36
AW: Rente: Deutsche viel schlechter abgesichert als Österreicher
-
16.01.2016, 07:34Inaktiver User
-
16.01.2016, 07:57
-
16.01.2016, 09:08Inaktiver User
AW: Rente: Deutsche viel schlechter abgesichert als Österreicher
Nein, das erklärt gar nichts "von selbst". Die Rentenhöhe erklärt sich nicht durch die Anzahl der Einzahler ins System. Wäre es so, müssten auch in Ö die Renten viel geringer sein, denn das System trägt sich nicht selbst.
Entscheidend ist die Ersatzqote - und die ist von Land zu Land unterschiedlich (s. meinen Link weiter vorne).
Der Staat muss in jedem Fall zuschießen - und zwar immer stärker.
Ja - sehr langsam. Das Frauenpensionsalter wird erst ab 2024 langsam ansteigen.
Dieses Argument halte ich für einen Taschenspielertrick. Gerade dann, wenn Frauen geringere Löhne erhalten, wäre es wichtig, dass sie länger einzahlen, damit ihre Rente höher ausfällt. Was ist daran gerecht, wenn sie zwar ein paar Jahre länger Rente bekommen, diese auf Dauer aber geringer ist als wenn sie bis 65 gearbeitet hätten?
Das ist doch absurd.
Wäre es nicht sinnvoller, Arbeiterkammer und Gewerkschaften würden sich stärker für gleiche Löhne von Männern und Frauen einsetzen? Mir scheint, es ist so gewollt, dass Frauen früher gehen, damit die Arbeitslosenquote nicht so hoch ausfällt.
In Ö wurde das Pensionssystem immer gerne als Mittel der Arbeitsmarktpolitik eingesetzt - ältere Arbeitslose wurden jahrzehntelang in die Frühpension abgeschoben. Das ist zunehmend weniger finanzierbar.
Theoretisch ist das richtig. In der Praxis werden die meisten Arbeitnehmerinnen mit Mitte/Ende 50 von den Firmen in die Pensionierung gedrängt, weil sie den Firmen zu teuer sind und diese lieber junge, billige Arbeitskräfte einstellen. Die Arbeitslosigkeit von Menschen 50+ ist sehr hoch und verfestigt sich. Um das zu ändern, müsste an einigen Schrauben gedreht werden.
Bis 65 und länger arbeiten fast nur Selbständige.
Es gibt noch einen Unterschied zwischen dem deutschen und österreichischen System bezüglich des Weiter-Arbeitens: Wenn Rentner in D neben ihrer Rente weiter arbeiten, erhöht das ihre Rente nicht. In Ö muss man weiterhin Rentenbeiträge bezahlen, sobald man die Sozialversicherungsgrenze überschreitet, dafür erhöht sich auch die Rente ein wenig. Es wurde vor Jahren mal überlegt, diese Erhöhungen für Leute, die länger arbeiten, als Anreiz stärker ausfallen zu lassen, aber es ist kein Geld dafür da.
Gilt auch für Renten/Pensionen, auch die werden 14x ausbezahlt.
Das System ist in Ö derzeit komfortabler als in D. Die Frage ist nur, wie lange noch.Geändert von Inaktiver User (16.01.2016 um 09:14 Uhr)
-
16.01.2016, 10:20Inaktiver User
AW: Rente: Deutsche viel schlechter abgesichert als Österreicher
Wie überall werden auch in Ö Systeme durch die viel zu hohen Altersruhegelder der Beamten belastet. Im "Beamtenstaat" Österreich gibt es überproportional viele davon.
Ein sinnvolles Rentensystem könnte so aussehen:
Jeder muss in die Rentenkassen einzahlen - auch Selbständige. Mit der Künstlersozialkasse gibt es in D sogar ein System, bei dem der Staat den Arbeitgeberanteil für Freiberufler übernimmt. Eine sehr gute Sache.
Die Renten - und vor allem die Altersruhegelder der Beamten - sollten mit einer Höchstgrenze gedeckelt sein.
Die Nettoersatzquote sollte je nach Rentenhöhe gestaffelt sein: Bei sehr geringen Renten wäre eine Ersatzquote von 90 - 100% denkbar, je höher die Rente insgesamt ist, desto geringer wird die Ersatzquote.
Meines Wissens ist das in den NL so. Für den Staat hat das Vorteile: Wenn die Mindestrenten hoch genug sind, dass die Menschen davon leben können, fallen weniger Leute in die Sozialhilfe.
In Ö werden sehr geringe Renten mit einer Ausgleichszulage aufgestockt: Für Singles sind das 882,- Euro, für Paare 1323,- Euro.
Bezieher dieser Ausgleichszulage dürfen keinen Cent dazu verdienen, allerdings werden sie nicht gezwungen, ihr Vermögen aufzubrauchen bzw. ihr Kapital "fruchtbildend" anzulegen.
Meines Wissens müssen in D bei der "Grundsicherung im Alter" auch Vermögenswerte eingesetzt werden. Ist das richtig?Geändert von Inaktiver User (16.01.2016 um 10:30 Uhr)
-
16.01.2016, 10:25Inaktiver User
AW: Rente: Deutsche viel schlechter abgesichert als Österreicher
Das kommt aber auch sehr auf die Stadt an, ich habe noch nie mehr als 300 warm für ein WG-Zimmer gezahlt, und ab und an waren das WGs die sogar ein Wohnzimmer hatten, wo also die Miete 1.5 Zimmer bezahlte.
Für 250 warm bekommt man hier durchaus schon etwas, und das ist Westdeutschland.
-
16.01.2016, 10:28
AW: Rente: Deutsche viel schlechter abgesichert als Österreicher
Das ist nicht korrekt, da verwechselst Du etwas. Ab 2024 IST die Angleichung an das Pensionsalter der Männer abgeschlossen. Begonnen hatte die schrittweise Erhöhung bereits vor einigen Jahren, endend mit 2024.
Es ist genau umgekehrt.Dieses Argument halte ich für einen Taschenspielertrick. Gerade dann, wenn Frauen geringere Löhne erhalten, wäre es wichtig, dass sie länger einzahlen, damit ihre Rente höher ausfällt. Was ist daran gerecht, wenn sie zwar ein paar Jahre länger Rente bekommen, diese auf Dauer aber geringer ist als wenn sie bis 65 gearbeitet hätten?
Das ist doch absurd.
Du hast übersehen, dass ich geschrieben hatte, dass Frauen jetzt bereits länger arbeiten KÖNNEN. Das ist der springende Punkt. Nachher MÜSSEN sie.
Wenn ich z.B. länger arbeiten würde, würde ich einen nicht unerheblichen Betrag mehr Pension erhalten, gestaffelt nach Jahren, die ich länger arbeite.
Auch das müsste man anders betrachten, denn einfach auf den Punkt gebracht: Es gibt keine Jobs für diese Altersgruppe.Wäre es nicht sinnvoller, Arbeiterkammer und Gewerkschaften würden sich stärker für gleiche Löhne von Männern und Frauen einsetzen? Mir scheint, es ist so gewollt, dass Frauen früher gehen, damit die Arbeitslosenquote nicht so hoch ausfällt.
Die Arbeitslosenrate fällt NOCH höher aus, wenn das Pensionsantrittsalter hinaufgesetzt wird.
Denn - wie ich schrieb, KÖNNEN Frauen auch länger arbeiten. Sie tuns deshalb nicht, weil die meisten Arbeitgeber keine Frauen ab 50 aufwärts länger im Betrieb haben möchten und vor allem: Nicht aufnehmen. Das erklärt bei uns die immer weiter steigende Arbeitslosigkeit der Gruppe 50+.
Wenn nun das Regelpensionsalter hoch ist, so werden aus den Frauen "nur" Arbeitslosengeld- und später Notstandsgeldbezieher.
Das wiederum kommt gerade Frauen noch mehr zum Schaden:
1.) Der Notstand ist niedriger als die Pension
2.) Die Pension, sobald sie angetreten werden kann, ist auch noch niedriger geworden.
Das, was politisch den Frauen als "Hilfe für eine höhere Pension" verkauft wird, ist in Wahrheit frauenfeindlich und genau das Gegenteil. Denn durch den ZWANG (ich erinnere daran: Frauen können ja jetzt schon länger arbeiten, wenn sie einen Job haben und dadurch ihre Pension erhöhen), werden aus den Frauen nur Langzeitarbeitslose.
Man darf bei der ganzen Debatte nicht vergessen, dass die Arbeitsmarktpolitik auch in Österreich feindlich gegenüber 50+ ist. D.h. durch eine Erhöhung des Pensionsantrittsalters schafft man nur zusätzliche Arbeitslose.
Die Frühpension enthält massive Abschläge, das ALG und der Notstand käme dem in vielen Fällen in etwa gleich, das dürfte ein Nullsummenspiel sein.In Ö wurde das Pensionssystem immer gerne als Mittel der Arbeitsmarktpolitik eingesetzt - ältere Arbeitslose wurden jahrzehntelang in die Frühpension abgeschoben. Das ist zunehmend weniger finanzierbar.
Da stimme ich Dir zu. Allerdings werden die wenigstens Arbeitnehmer in die Pension gedrängt, sondern ganz einfach gekündigt. Mit der Konsequenz, dass inzwischen viele Pensionsanträge aus der Langzeitarbeitslosigkeit heraus gestellt werden, wenn das Regelpensionsalter endlich erreicht ist.Theoretisch ist das richtig. In der Praxis werden die meisten Arbeitnehmerinnen mit Mitte/Ende 50 von den Firmen in die Pensionierung gedrängt, weil sie den Firmen zu teuer sind und diese lieber junge, billige Arbeitskräfte einstellen. Die Arbeitslosigkeit von Menschen 50+ ist sehr hoch und verfestigt sich. Um das zu ändern, müsste an einigen Schrauben gedreht werden.
Aus dem einzigen Grund: Sie können nicht gekündigt werden.Bis 65 und länger arbeiten fast nur Selbständige.
Wären sie angestellt, wären sie schon längst arbeitslos.
In Österreich gibt es auch massive Bedenken, ob das System noch finanzierbar ist. Dazu muss man beachten, dass eben nicht alle Pensionen ASVG-Pensionen sind, was eine massive finanzielle Belastung des Systems darstellt.Das System ist in Ö derzeit komfortabler als in D. Die Frage ist nur, wie lange noch.
Politiker z.B. erhalten für eine kurze Amtszeit bereits schwindelerregende Pensionsansprüche, nur als Beispiel.
Hier ein kurzer Auszug aus dem Jahr 2013:
Ich wäre generell für eine (europaweite) Gehalts- und Pensionsobergrenze, die in einem Bereich liegt, der sozial vertretbar ist. Damit wäre die Finanzierbarkeit auch schon einen Schritt weiter.Die Politikerpension wurde zwar ab 1997 abgeschafft, wegen langer Übergangsfristen gibt es aber immer noch gut 1.300 Bezieher. Laut APA-Recherchen kosten die Pensionen für ehemalige Bundes- und Landespolitiker aktuell rund 71 Mio. Euro jährlich.
Liebe Grüße
Zio
-
16.01.2016, 10:32Inaktiver User
AW: Rente: Deutsche viel schlechter abgesichert als Österreicher
Darf man in Österreich denn so einfach jemanden kündigen, nur weil er 50 Jahre geworden ist?
-
16.01.2016, 10:46
-
16.01.2016, 10:52Inaktiver User
AW: Rente: Deutsche viel schlechter abgesichert als Österreicher
Ok, aber wenn Frau Meier seit 20 Jahren bei mir angestellt ist, ich mit ihr immer zufrieden war, warum sollte ich sie im 21. Jahr loswerden wollen weil sie 50 ist, und 49 war ok?
Die Dame wird doch nicht SCHLAGARTIG mit erreichen des 50. Geburtstags teuer, oder doch?



Zitieren