Magst du dafür mal ein Beispiel nennen?
Da wo ich lebe, gibt es kaum Asylanten und bisher auch nicht allzu viele Asylbewerber, wer will denn schonin die ostdeutsche Provinz. Nichtsdestotrotz haben wir hier im Landkreis ausländische Mitbürger, Vietnamesen, Türken, syrische Ärtzte
(ja es gibt sie), Russlanddeutsche, die alle schon ziemlich lange hier leben. Mir ist nicht bekannt, dass es da zu falscher Toleranz gekommen ist, die die Integration dieser Menschen behindert. Aber wie gesagt, dass sind wirklich nicht viele.
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05.01.2016, 21:31Inaktiver User
AW: Flüchtlinge - Wie kann Integration gelingen?
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05.01.2016, 23:19
AW: Flüchtlinge - Wie kann Integration gelingen?
Ich kann nicht für Laxs sprechen, aber falsche Toleranz liegt für mich dann vor, wenn geduldet wird, dass Mädchen aus religiösen Gründen nicht an Schwimm- oder Sportunterricht oder Klassenfahrten teilnehmen. Ich kann das nicht aus eigener Erfahrung belegen, da ich keine Kinder habe, halte es aber nicht für wahrscheinlich, dass alle Berichterstattung darüber in den letzten Jahren gelogen war. Solche Sonderregelungen sind für die Integration der Kinder in den Klassenverband wahrscheinlich nachteilig, würde ich denken. Es kann sein, dass die Schulen da inzwischen strenger sind, aber Laxs sprach ja von Fehlern der Vergangenheit.
Ein anderes Beispiel ist die Erlaubnis des betäubungslosen Schlachtens. Ich hab gerade im Tierschutzgesetz nachgeschaut und verstehe es so, dass Ausnahmegenehmigungen aus religiösen Gründen nach wie vor erteilt werden können:
§ 4a
(1) Ein warmblütiges Tier darf nur geschlachtet werden, wenn es vor Beginn des Blutentzugs zum Zweck des Schlachtens betäubt worden ist.
(2) Abweichend von Absatz 1 bedarf es keiner Betäubung, wenn
1.
sie bei Notschlachtungen nach den gegebenen Umständen nicht möglich ist,
2.
die zuständige Behörde eine Ausnahmegenehmigung für ein Schlachten ohne Betäubung (Schächten) erteilt hat; sie darf die Ausnahmegenehmigung nur insoweit erteilen, als es erforderlich ist, den Bedürfnissen von Angehörigen bestimmter Religionsgemeinschaften im Geltungsbereich dieses Gesetzes zu entsprechen, denen zwingende Vorschriften ihrer Religionsgemeinschaft das Schächten vorschreiben oder den Genuss von Fleisch nicht geschächteter Tiere untersagen oder
..."
Wenn der Tierschutz ein Staatsziel ist, darf er nicht durch religiös begründete Sonderregelungen ausgehebelt werden. Das kann Menschen mit fundamentalistischer Gesinnung darin bestärken, dass die Religion über dem Recht steht.
Viele Grüße
Lizabeth
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06.01.2016, 00:15
AW: Flüchtlinge - Wie kann Integration gelingen?
Integration bedeutet unter anderem, dass diese, die heute fremd sind, es einmal nicht mehr sein werden. Die werden und sollen nicht "Gäste" sein, sondern halt "einer von hier"
Es gibt ja durchaus, vor allem auf dem Land, noch jene Gebiete, wo man frühestens als "einer von hier" gilt, wenn schon der Urugrossvater damals hier war.
Von meinem eher städtischen Umfeld ist es allerdings selbstverständlich, dass Leute mit italienischen Namen oder dem -ic hinten dran als "einer von hier" gelten. Weil es eben tatsächlich die Leute von hier sind.
gruss, barbara
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06.01.2016, 10:32
AW: Flüchtlinge - Wie kann Integration gelingen?
Zum Schwimmunterricht:
http://islamische-zeitung.de/iz3.cgi?id=9044Auch die Türkische Gemeinde in Deutschland, eine säkulare Migrantenorganisation, hatte sich gegen Befreiungen ausgesprochen. In einem längeren, sehr ausführlich recherchierten Artikel in der „Zeit“ (Nr. 50/2006 vom 07.12.2006), der im Internet nachgelesen werden kann (www.zeit.de), war der Journalist Martin Spiewak der Sache nachgegangen und musste feststellen, dass es sich um ein zahlenmäßig geringes und in der Praxis kaum problematisches Phänomen handelt.Spiewak hatte unter anderem an zahlreichen Schulen, auch solchen mit besonders hohem Migrantenanteil, recherchiert und Gespräche geführt. Sämtliche von Spiewak befragten Schulen und Schulbehörden in verschiedenen Bundesländern sahen die Befreiungen als kein größeres Problem an. In seiner Recherche konnte Spiewak zudem die Aussage der Islam-Kritikerin Necla Kelek, es gebe „erhebliche Verweigerungsquoten“ unter muslimischen Schülern gegenüber dem Sport- und Schwimmunterricht, die diese in einer Studie des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) erhoben hatte, widerlegen.
Ich habe mal gelesen, dass 2% eine Befreiung vom Schwimmunterricht fordern. D. h. 98% nehmen teil. In dem Artikel wird geschildert, dass im Schulrecht verschiedener Bundesländer steht, dass Sportunterricht ab einem bestimmten Alter monoedukativ zu unterrichten, also nach Geschlechtern getrennt, zu unterrichten ist. So war das auch bei mir in den 80er Jahren. Wir hatten Sport- und Schwimmunterricht getrennt von den Jungs ab der 6. Klasse.
2013 gab es diesbezüglich ein Grundsatzurteil:
http://www.sueddeutsche.de/bildung/g...icht-1.1767801In seinem Grundsatzurteil kommt es zu dem Schluss, dass muslimische Schülerinnen grundsätzlich am Schwimmunterricht teilnehmen müssen. Um ihren religiösen Bekleidungsvorschriften gerecht zu werden, könnten sie einen Burkini, einen Ganzkörperbadeanzug, tragen, entschied das Bundesverwaltungsgericht. Dabei musste das Gericht zwei zentrale Güter gegeneinander abwägen: den staatlichen Bildungsauftrag und die Religionsfreiheit.
Natürlich kann es sein, das weiterhin eine Anteil von Musliminnen die Teilnahme verweigert. Ich glaube jedoch nicht, dass der Anteil so hoch ist, wie immer berichtet wird. Die muslimischen Mädchen in den Klassen meiner Söhne gehen mit Schwimmen, obwohl eine davon schon in der Grundschule ein Kopftuch trägt. Sie trägt einen Neoprenanzug und eine Taucherkappe.
PS. leider finde ich den Artikel nicht mehr, mit dem ich die oben genannten Zahlen verifizieren kann. Sorry.Immer nur zu meckern auf das blöde Scheißsystem, das ist schön bequem, du bist nicht Teil der Lösung, du bist selber das Problem und feige außerdem, sei nicht so unsportlich, es geht nicht ohne dich, so funktioniert das nicht, es geht nicht ohne dich
Die Ärzte
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06.01.2016, 10:46Inaktiver User
AW: Flüchtlinge - Wie kann Integration gelingen?
taten, die frauenfeindlich, kriminell oder eben nicht den gesetzen entsprechend sind, sind immer abzulehnen.
aber eben, und das ist der springende punkt: unabhängig von der herkunft, von der sozialen schicht etc.
der satz: "menschen aus arabischen ländern/muslime sind frauenfeindlicher/gewaltbereiter"etc. ist einfach diskriminierend (und auch falsch!).
ich habe jetzt für mich auch lange gebraucht, um "des pudels kern" zu finden - ich glaube, genau hier ist er.
das problem in der diskussion für mich ist folgendes:
jemand sagt etwas, was in diese richtung geht -eine andere person versucht, das durch bespiele, durch andere erlebnisse zu entkräften - person 1 kontert mit "hier wird verharmlos".
ganz genau so ist es.
und genau das muss erreicht werden.
dazu gehört für mich eben auch, sich zusammezusetzen, gemeinsam (!) zu überlegen, wie man kompromisse in manchen bereichen erreichen kann.
zum beispiel, lizabeth, das schächten.
in österreich ist
Schächten in zertifizierten Schlachthöfen erlaubt, wenn das Tier unmittelbar nach dem Schnitt betäubt wird. Reste von Blut werden vor der Zubereitung durch das „Kaschern“ (Koscher machen) entfernt: Dabei wird das Fleisch wiederholt in Wasser eingeweicht und eingesalzen. Koschere Fleischhauereien bieten ihre Ware bereits fertig „gekaschert“ an.
Koscher - Lexikon der Religionen
(der artikel bezieht sich auf jüdische regeln, was das schächten betrifft, gilt das aber für muslime und juden gleichermaßen)-
wahrscheinlich gilt ähnliches in deutschland.
ich finde das durchaus zumutbar. es ist, finde ich, ein guter kompromiss.
(die muslime, die ich kenne, sind da aber alle tolerant und essen auch "normales fleisch", nur eben kein schwein)
was die schule betrifft: wer gut integriert ist und darauf vertrauen kann, dass auf der klassenfahrt zb. kein schweinefleisch gegessen werden "muss", wird weitaus weniger probleme haben, sein kind auf eine solche zu schicken.
ich sehe im schulischen bereich die sozialen unterschiede als größeres hindernis als die herkunft.
edit:
danke, xanidae, für die ergänzung, den schwimmunterricht betreffend.
so erlebe ich es bei uns auch.
es ist so eine wichtige sache, die dinge nicht so hochzuspielen und zu dramatisieren.-
ein problem ist da -es können lösungen dafür gefunden werden, wenn man ein bisschen wertschätzend miteinander umgeht.
wenn man aber alles, was "die anderen" tun, unmöglich findet und schlcihtweg ablehnt, werden die sich immer mehr hzurückziehen und auf ihre traditionellsten vorstellungen zurückgreifen, um ihre würde zu behalten. (und da kann es dann tatsächlich geschehen, dass sich sturkturen neben und gegen die geltende verfassung entwickeln -eine entwicklung, die ich mir nicht wünsche)
ich kenne keine "falsche toleranz" - ich sehe einige probleme, die besprochen, diskutiert und angegangen werden müssen.
je weniger man dabei hysterisch den untergang der eigenen kultur beschwört, desto besser wird es gelingen.
wie gesagt, ich halte die grundgesetze da für eine gute gemeinsame ausgangsbasis, die eben "nicht zu diskutieren" ist.Geändert von Inaktiver User (06.01.2016 um 10:56 Uhr)
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06.01.2016, 11:18
AW: Flüchtlinge - Wie kann Integration gelingen?
Was bedeutet Integration genau? Einer von hier, kein Gast, sind das reine Gefühlslagen? Woran kann man das festmachen?
flying is the art of falling to the ground without touching
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06.01.2016, 11:25Inaktiver User
AW: Flüchtlinge - Wie kann Integration gelingen?
was integration bedeutet, darüber wurde hier schon auf den seiten 1-5 diskutiert.
sehr interessant dazu auch beitrag nr.43 (von xanidae,glaube ich)
ich selbst glaube ja, dass sich die gesellschaft selbst auch durch die neuen mitbürger verändert. finde ich aber nicht unbedingt negativ.
wer kein gast mehr ist ist eine rechtliche angelegenheit.
wobei -bei asyl auf zeit ist das ja wieder eine andere geschichte, stimmt.
und wenn ich es recht bedenke - die misere der "gastarbeiter" entstand ja aus genau dieser bezeichung...
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06.01.2016, 11:27
AW: Flüchtlinge - Wie kann Integration gelingen?
- wenn die Behörden nicht mehr Klötzchen staunen, wenn sie einen eigenartigen Namen hören, und ihn sich nicht mehr sorgfältig buchstabieren lassen müssen; wenn sie ohne Nachfragen wissen, was Vorname und was Nachname ist.
- wenn Junior sich das Logo des lokalen Fussballclubs tätowieren lässt
- wenn Kinder nach der Frage nach "typisch einheimischem Essen" Spezialitäten aufführen, die vor zwanzig oder dreissig Jahren noch unbekannt waren
- Wenn bei der Anmeldung für ein Essen (zB Personalessen, Hochzeit...) nicht nur "vegetarisch" sondern auch zB "kein Schweinefleisch" selbstverständlich als Option zum Ankreuzen aufgeführt ist.
- wenn Leute, die Mist bauen, nicht mehr kommentiert werden mit "klar, der ist Gruppe xyz, die sind alle so" sondern individuell mit "was für ein dämlicher Idiot"
... die Summe der Details macht es aus, meine ich.
gruss, barbara
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06.01.2016, 11:33Inaktiver User
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06.01.2016, 12:19
AW: Flüchtlinge - Wie kann Integration gelingen?
Vielen Dank, Bae. Ich finde konkret nämlich besser, die Summe der Details eben

Ich überlege nämlich, ob und wie weit diese in meinem Umfeld stattfindet, gefunden hat (schrieb es schon mal, ca 70% Migrationsanteil, für meine Wenigkeit bedeutet das einen Kontakt von etwa 2500-3000 Menschen im Laufe der Zeit bisher, 1., 2. und 3. Generation sowie Flüchtlinge).
Der letzte Punkt ist selbstverständlich. Der Fleischpunkt auch, ergibt sich einfach aus der Zusammensetzung. Wobei, gemischte Hochzeiten sind äußerst selten.
Das einheimische Essen. Während es in meiner Küche durchaus z. b. Kisir gibt oder Tajine, bezweifle ich, dass die 2. Gruppe schon mal Rouladen gegessen hat oder kennt.
Fußball, ja, das wäre für mich ein guter Indikator. Da sind aber so 90+% Fans einer Heimatmannschaft.
Das mit den Namen ist wirklich kompliziert. das kriege selbst ich nicht hin, da es oft eine Häufung von k, c, z, s und s mit Häkchen gibt. Ich muss ps meinen Namen auch immer buchstabieren.
Soweit also.
Wobei ich, auch mit deiner Aufzählung gern mal differenzieren würde.
Integrationsbemühungen von Einheimischer Seite, Integrationsbemühungen von Migrantenseite und der Erfolg. Und da sehe ich leider mehr Parallelgesellschaft, als mir lieb ist. Menschen, die sich, leider zunehmend in der 3. Generation hier nicht zu Hause fühlen. Leider.flying is the art of falling to the ground without touching



in die ostdeutsche Provinz. Nichtsdestotrotz haben wir hier im Landkreis ausländische Mitbürger, Vietnamesen, Türken, syrische Ärtzte
(ja es gibt sie), Russlanddeutsche, die alle schon ziemlich lange hier leben. Mir ist nicht bekannt, dass es da zu falscher Toleranz gekommen ist, die die Integration dieser Menschen behindert. Aber wie gesagt, dass sind wirklich nicht viele.
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