Und Integration kann nur gelingen, wenn man sich nicht scheut zu sehen, daß es Unterschiede gibt. Im Alltagsleben, in den Ansichten, in den unterschiedlichen Gesellschaften, z.B. auch im Verhältnis zur Polizei (wurde im anderen Strang immer mal wieder erwähnt, die Flüchtlinge hätten Angst), aber auch zwischen Männern und Frauen usw. usw. usw. Es ist albern, finde ich, sich dann vielleicht fast zu schämen, wenn man mal was fragt, ob der andere es kennt, und der kennt es aber schon. Voll schlimm. (nee, ist eben nicht schlimm, niemand muß einehaben, und genau deshalb wurde die Sprache erfunden).
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20.02.2017, 10:07Inaktiver User
AW: Flüchtlinge - Wie kann Integration gelingen?
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20.02.2017, 10:12Inaktiver User
AW: Flüchtlinge - Wie kann Integration gelingen?
Was ist "zu" viel? Was ist überhaupt "schlimm" an Arbeitsteilung, egal jetzt wie die konkret inhaltlich ausfällt, solange das freiwillig entschieden wird. Wichtig ist auch der Respekt und die Würdigung der Tätigkeit und vor allem der Person. Geht es nicht mit Achtung einher, ändert es auch nichts, wenn man nicht kocht (nicht kochen "muß").
Freiwilligkeit oder Zwang, Achtung oder Geringschätzung, das sind die Kriterien, nach denen bemessen werden sollte. *find*
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20.02.2017, 10:15
AW: Flüchtlinge - Wie kann Integration gelingen?
Libentia, kannst du bitte mal auf meine konkrete Frage eine konkrete Antwort geben?
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20.02.2017, 10:19Inaktiver User
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20.02.2017, 10:21
AW: Flüchtlinge - Wie kann Integration gelingen?
Bezieht sich auf Beitrag 1963 (anzunehmende Kompetenzen)
@ Libentia: das sehe ich auch so. Integration entsteht in erster Linie durch Kommunikation, und da sollte man keine Tabuzonen errichten. Es ist immer schön, wenn man den anderen direkt "erkennt", werwaswiewo, aber auch unrealistisch.
Steht jemand Unbekanntes da und die Wahrscheinlichkeit ist 50/50, dass er ein Intellektueller oder ein Bauer ist - irgendwo muss man anfangen.
Die Empörung darüber, dass man nicht direkt in all seinen Kompetenzen wahrgenommen wird, ist in dieser Situation egozentrisch.flying is the art of falling to the ground without touching
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20.02.2017, 10:35Inaktiver User
AW: Flüchtlinge - Wie kann Integration gelingen?
Hier ist es sogar die Empörung von Dritten, daß jemand nicht mit der Kristallkugel wahrgenommen wird. Das ist mE. völlig weltfremd und auch überflüssigerweise ein Miteinander erschwerend. Warum dann überhaupt irgendjemanden irgendetwas fragen, wenn man doch alles wissen müßte, (was jemand weiß oder nicht).
Niemand versteht sich ohne Kommunikation. Manchmal ist es nur ein Blick, oder ein Geste. Aber in der Regel und je komplizierter die Sachverhalte, ist es halt mittels Sprache.Geändert von Inaktiver User (20.02.2017 um 10:41 Uhr)
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20.02.2017, 10:35
AW: Flüchtlinge - Wie kann Integration gelingen?
Freiwilligkeit bezüglich der weiblichen Erwerbstätigkeit? *find* ich nicht, wenn der Steuerzahlen das Daheimsitzen bezahlen soll.
Und zu der Diskussion, wie emanzipiert die Syrerinnen so sind, möchte ich eine Story aus meinem Arabischbuch beisteuern, das besteht aus Interviews von Muttersprachlern, damit man die verschiedenen Dialekte bzw. die Akzente im Hocharabischen lernt. Die junge Syrerin aus Damaskus erzählt über Ehe und Heirat in Syrien und bildet dabei zwei Gruppen: die Städterinnen, die erst mit Anfang bis Ende 20 heiraten, und quasi alle die Oberschule abschließen, die meisten ein Studium zumindest beginnen und viele auch abschließen. Dann die Mädchen vom Land und den Vorstädten, die im Alter von 15 bis 19 verheiratet werden.
Als wir das in meiner Arabischstunde lesen bzw. die MP3 anhören, platzt es aus meinem Arabischlehrer (Syrer kurz über 30, aus Damaskus, Unistudium bei uns abgeschlossen und eingebürgert) heraus: ja, genauso sei das auf dem Land, das sei ganz furchtbar. Diese Mädchen seien viel zu jung fürs Heiraten, völlig unterdrückt und hätten im Leben keine Chance. Das sei eines der wichtigsten Themen, die man nach Beendigung des Bürgerkriegs in Syrien dringend angehen müsse, diese Eheschließungen von so jungen Mädchen endlich konsequent zu unterbinden.
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20.02.2017, 10:45
AW: Flüchtlinge - Wie kann Integration gelingen?
Zum Thema Eheschließungen:
Ein studiertes Ehepaar aus Aleppo (45-50 J.) fragte mich letztens nach unseren Sitten und Gebräuchen in Sachen Heiraten. Als ich sagte, dass wir Frauen hier im westlichen Europa uns die Männer selbst aussuchen dürfen und dass es hier sogar üblich ist, in wilder Ehe zusammen zu leben, war man sichtlich schockiert. Also bei ihnen suchen die Eltern den Ehemann aus, und es wird meistens der genommen, der am meisten bietet. Ja super, das ist ja wie auf'm Viehmarkt, vielen Dank auch. Diese Sitten werden die Leute hier ja nicht ablegen. Nur wie wollen diese Leute ihre armen Töchter hier in Deutschland verheiraten? Reich ist ja kaum ein Flüchtling. Oder müssen die Männer dann ihre Vermögensverhältnisse in Syrien offenlegen? Oder gewinnt schnöde derjenige, der den größten Flachbildfernseher hat?Wenn der Wind der Veränderung weht,
bauen die einen Mauern
und die anderen Windmühlen.
- chinesisches Sprichwort -
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20.02.2017, 11:23
AW: Flüchtlinge - Wie kann Integration gelingen?
Mit gutem Grund schrieb ich, dass der junge Mann aus der Millionenstadt Alepppo kam, von der man im vergangenen Jahr genug gehört, gelesen und gesehen haben dürfte, um zu wissen, dass die Infrastruktur vor dem Krieg durchaus mit den hiesigen Gegebenheiten vergleichbar war. Allerdings schrieb ich nicht dazu, dass die Frage nach dem Staubsauger gestellt wurde, nachdem er schon ein paar Wochen in der Apotheke gearbeitet hatte. Also ausreichend Gelegenheit, ihn kennenzulernen und viel über sein früheres Leben erfahren zu können.
Integration ist eben keine Einbahnstraße, die nur von den Geflüchteten in Richtung Vertrautmachen mit den deutschen Gegebenheiten befahren werden kann. Das Gespräch sollte auch durchaus von Einheimischen gesucht werden, statt sich nur über die Medien zu informieren. Ausreichend Gelegenheiten sind vorhanden, und man weiß dann auch, dass die Barriere der Sprachkenntnisse zunehmend kleiner geworden ist und wird.
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20.02.2017, 11:30
AW: Flüchtlinge - Wie kann Integration gelingen?
Hallo Zeta,
in dem erwähnten Interview berichtet die Syrerin auch von zwei Sorten von Verlöbnissen. Die eine Methode ist die moderne, bei denen sich die jungen Leute irgendwo kennenlernen (Uni, über Freunde etc.) und dann heiraten (wobei aber natürlich vor der Ehe keine sexuelle Beziehung stattfindet, denn man ist muslimisch und das würde vom Islam abgelehnt), und die traditionelle, in der das von den Familien arrangiert wird. Und das passiert in verschiedenen Gesprächen der Familie des Mannes mit der Familie der Frau, in denen man feststellt, ob man zueinander passt. Also, nicht unbedingt die jungen Leute, sondern die Familien, ob die Einstellungen übereinstimmen würden (was ich übersetze mit"hat man gegenseitig was davon", was z. B. Beziehungen angeht.)
Aber das gibt es hier bei länger ansässigen Migrationshindergründlern auch. Und beim Adel, der gerne größere Treffen von Youngstern im heiratsfähigen Alter organisiert, so dass die jungen Leute niemand Falschen kennenlernen...



haben, und genau deshalb wurde die Sprache erfunden).
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