Naja, ich glaube eben, dass Integration automatisch kommt, wenn man eine Zeit lang in einem Land lebt. Nehmen wir als Beispiel Familie x mit 2 Kindern. Die Eltern fangen hier in Deutschland/Österreich an zu arbeiten, lernen dadurch die Deutsche Sprache, bekommen einen Anschluss an die Gesellschaft. Außerdem werden ihnen Deutsch-Kurse angeboten, in denen sie auch die Sprache lernen und neue Menschen kennenlernen. Die Kinder der Familie gehen hier zur Schule, im Idealfall sind sie schon ab dem Kindergarten/der Grundschule hier, somit sind sie total in die Gesellschaft eingebunden, können also die Sprache, die Kultur wird ein Teil von ihnen, machen Sport und andere Aktivitäten mit ihren Mitschülern, etc.
Dies meinte ich mit "Integration geschieht von alleine" - klar geschieht es nicht einfach so aus dem Nichts heraus, aber Fakt ist, dass Integration automatisch durch Arbeit/Schule/sonstige Kurse entsteht und das hier gegeben ist. Basis ist natürlich die Sprache, die man aber relativ zügig erlernen kann (und Leute aus dem Irak/Syrien sind auch keine Hinterwäldler, ich lese hier nämlich öfters solche Dinge, dort besteht doch auch Schulpflicht, nur wird dort eben nicht die deutsche Sprache gelehrt. Die Leute kommen aber nicht vom Mond .. ).
Und die Angst, dass es nicht von alleine geht, ist natürlich berechtigt. Ich gebe zu, ich (obwohl selber Muslimin) habe mir angesichts der Flüchtlingsströme natürlich auch meine Gedanken gemacht. Aber ich kenne so viele Beispiele gelungener Integration, dass ich optimistisch bin.
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31.12.2015, 14:35
AW: Flüchtlinge - Wie kann Integration gelingen?
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31.12.2015, 14:37
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31.12.2015, 14:58Inaktiver User
AW: Flüchtlinge - Wie kann Integration gelingen?
Auch das sehe ich nicht als Glück. Glück ist, wenn es niemand beeinflussen konnte. So verstehe ich Dich jetzt jedenfalls. Gute politische Zustände sind aber beeinflußt worden, nämlich von der Politik. Ich erinnere z.B. an den enormen Friedenswillen und die Anstrengungen in diese Richtung von Kohl und d'Estaing, kam gerade eben wieder im Fernsehen bei Phönix.
Das allerdings gibt es trotzdem, da hast Du recht. In unserer Gesellschaft z.B. gibt es deshalb ein Sozialsystem, um diejenigen noch etwas aufzufangen.Es gibt nämlich viele, die tun auch eine ganze Menge, arbeiten hart und zeigen Einsatz, und bringen es trotzdem auf keinen grünen Zweig.
Um aufs Thema zurückzukommen: Auch ob Integration gelingen wird, ist durchaus auch eine politische Angelegenheit. In der Politik werden gewisse Weichen gestellt. Z.B. durch Einstellung von Lehrern:
Flüchtlingskinder an Schulen: So wird das nichts mit der Integration (...)
(...)Bei der gewaltigen Aufgabe der Integration von Flüchtlingen haben die Schulen eine Schlüsselrolle. Doch ausgerechnet hier versagt der Staat. Die Kultusminister verspielen eine historische Chance.(...)Improvisation reicht nicht mehr
Aber die glückliche Phase, von der wir sprechen, endete mit den Sommerferien. All die Tausenden Willkommensklassen, die zum neuen Schuljahr eingerichtet wurden, sie reichen einfach nicht(...)Die Kultusminister schätzen, dass 325.000 neue Schüler an deutsche Schulen kommen. Dafür werden 20.000 neue Lehrer gebraucht(---)
Es müssen auch Sozialarbeiter und Psychologen kommen. (...)
Wenn Journalisten wissen wollen, wie viele von den benötigten 20.000 Lehrern schon eingestellt sind, weichen die Schulminister aus.(...)
Was die Kultusminister gerade tun, ist Arbeitsverweigerung, ein Vergehen durch Unterlassung. Sie organisieren die bitter nötige Hilfe für ihre Lehrer nicht. Sie lassen die Schule im Stich, die ab sofort Flüchtlingsklassen einrichten müssen (...)
"Ich möchte noch nicht von Notstand an den Schulen sprechen, aber es besteht dringender Handlungsbedarf", naja, usw. usw.
http://www.spiegel.de/schulspiegel/k...a-1057044.html
Bisher sind etwa 8500 Lehrer eingestellt, bei z.Zt.rund 200.000 Flüchtlingskindern.
http://www.welt.de/politik/deutschla...schlehrer.htmlGeändert von Inaktiver User (31.12.2015 um 15:15 Uhr)
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31.12.2015, 15:13Inaktiver User
AW: Flüchtlinge - Wie kann Integration gelingen?
Ich bin Flüchtlingskind zweiter Generation, aber keiner Religion angehörend.
Meine Mutter kommt aus den ehemaligen deutschen Gebieten in Polen, sie musste als Schulkind mit ihrer Großmutter, Mutter und Bruder vor der damals vorrückenden Roten Armee die Heimat verlassen.
Mein Vater kam Anfang der 60er aus Westeuropa in die DDR und bat um politisches Asyl, er sprach so gut wie kein Deutsch.
Gelernt hat er es relativ fix bei der Arbeit, denn das ging damals problemlos. Um ihn herum gab es eigentlich nur deutsch und er musste fix lernen, sonst wäre er nicht zurechtgekommen. Aber es gab eben auch keine Kumpels, Verwandte, Bekannte - er war allein mit meiner Mutter. Bei uns zuhause ging es zweisprachig zu, als meine Großeltern ein paar Jahre später zu uns zogen, da wurde mit denen in der Familie so gut wie kein Deutsch gesprochen. Ich bin darüber noch heute dankbar.
Meine Großeltern gingen aber auch in D arbeiten, allerdings ohne Publikumsverkehr, dennoch musste da deutsch gesprochen werden. Mein Opa ist noch vor Erreichen der Rente verstorben, meine Oma hat noch bis 70 gearbeitet, mit der Wende war dann Schluss.
Integration von wenigen geht durchaus von allein
, wenn die Gesellschaft sie lässt.
Ein anderes positives Beispiel wären in Ostdeutschland die vietnamesischen Gastarbeiter, obwohl Anfang der 90er die Flüchtlingsheime in Rostock brannten. Es gibt meines Wissens nach auch keine Ghettobildung in Ostdeutschland, was vietnamesische Mitbürger betrifft, obwohl die auch oft unter sich bleiben.
Die Kinder sind in der Schule meist Klassenbeste und viele gehen aufs Gymnasium und studieren später.
Und offensichtlich fühlt sich auch kaum ein Deutscher von den Vietnamesen bedroht.
Was läuft da anders?
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31.12.2015, 15:17
AW: Flüchtlinge - Wie kann Integration gelingen?
Dass ich aber gerade in diese schönen Umstände von hier geboren wurde, und nicht in andere, weniger schöne Umstände - ist reines Glück.
Ein System, dessen Fundament schon seit längerer Zeit am Bröseln und Bröckeln ist... auch ganz ohne Flüchtlinge.Das allerdings gibt es trotzdem, da hast Du recht. In unserer Gesellschaft z.B. gibt es deshalb ein Sozialsystem, um diejenigen noch etwas aufzufangen.
Bisher sind etwa 8500 Lehrer eingestellt, bei z.Zt.rund 200.000 Flüchtlingskindern.
Flüchtlinge: Bundesweit gibt es schon 8264 "Willkommensklassen" - DIE WELT
Was im Schnitt Klassen gäbe von 23.5 Schüler/-innen. Klingt für mich eher nach courant normal statt nach Katastrophe.
gruss, barbara
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31.12.2015, 15:23Inaktiver User
AW: Flüchtlinge - Wie kann Integration gelingen?
Liebe zwischenrose,
was meinst Du denn, wo all der Wohlstand, sei es jetzt der, den es in Syrien ja durchaus auch gab, oder der Deine, herkommt? Er kommt vom Engagement der Bürger, auch Kritik aus deren Reihen, einem Dialog mit der Politik usw., die es dann umsetzen muß. Wer unzufrieden ist mit seiner Lage,krempelt in der Regel die Ärmel auf und ändert was dran. Das ist gesellschaftliche Bewegung und das bringt den Forschritt. Von nichts kommt nichts. Und gute Umstände fallen nicht vom Himmel. Das mit dem Schlaraffenland ist gar nicht wahr.
Froh kann man sein, daß es so geklappt hat, und so ist, wie es ist. Aber dankbar für ein Glück? Es ist das Zusammenwirken aller, alle die da an einem Strang gezogen haben, letztlich für sich selbst, hat es etwas Gemeinsames bewirkt.aber ich ERWARTE von niemandem dankbarkeit -weder von staatsbürgern noch von jenen, die (noch) keine sind.
ich erwarte hilfestellung, solidarität und auch ein wenig achtung und respekt allen gegenüber, die es gerade nötig haben - egal, woher sie kommen.
Wo ichDir rechtgebe, die Solidarität mit Schwächeren sollte vorhanden sein. Achtung und Respekt gegenüber jedermann ebenso.
Und danach sollte man diese Worte nochmal beurteilen. Man sollte sich jetztnicht zurücklehnen, so nach dem Motto: Ist doch alles supi hier, es gibt doch einen Sozialsstaat. Der fällt nicht vom Himmel, der muß ebenso erarbeitet werden, mit tatsächlicher Leistung, aber auch mit Geisteshaltung (Solidaritätsgedanke usw.).mit erstaunen lese ich, wie groß die not in mitteleuropa ist, wie unerträglich das leben hier -
und wie sehr all die aufrechten in diesem strang offenbar "schlecht behandelt" werden.
es tut mir wirklich leid und ich habe das höchste mitgefühl für jene, die hier schreiben und deren leben so von hoffnungslosigkeit geprägt ist, dass sie alles vertrauen in den sozialstaat und in die eigene leistung verloren haben - anders kann ich mir das ausmaß an unzufriedenheit mit der eigenen situation und mit dem erleben im umfeld nicht erklären.
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31.12.2015, 15:28
AW: Flüchtlinge - Wie kann Integration gelingen?
Irgendwie nehme ich dir dein Mitgefühl so rein gar nicht ab und weiß deshalb auch nicht, ob deine Neujahrswünsche ernst zu nehmen sind.
Och, ich ertrage es nicht nur, ich gönne es sogar den Studenten, die Dank Ausländerquote bei uns in D Medizin studieren dürfen.(ich ertrage es sogar, dass ich all die deutschen medizinstudenten, deren notendurchschnitt nicht für ein studium im eigenen land reicht, mitfinanziere - mach ich doch gern!)
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In meinem Schuljahrgang war ein österreichischer Mitschüler, der sofort nach dem Abi mit einem Schnitt, der deutlich über 2,0 lag, sein Medizinstudium antrat. ;-)
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31.12.2015, 15:35Inaktiver User
AW: Flüchtlinge - Wie kann Integration gelingen?
In der Regel entscheiden Eltern bewußt, ein Kind zu zeugen. Und wo es nicht so ist, ist es ja oft als Unglück angesehen, nicht als Glück.
Weil auch dieses System kein "Glück" ist, sondern Ergebnis von Leistungen und Politik, die diese Leistungen dann z..b. umverteilt.Ein System, dessen Fundament schon seit längerer Zeit am Bröseln und Bröckeln ist... auch ganz ohne Flüchtlinge.
von Katastrophe hat glaube ich niemand gesprochen. Aber es wäre eben etwas leichtsinnig, sich da zurückzulehnen. Ich habe ja was dazu verlinkt.Was im Schnitt Klassen gäbe von 23.5 Schüler/-innen. Klingt für mich eher nach courant normal statt nach Katastrophe.
Was die Schüleranzahl angeht: Immer wenn es irgendwelche Problematiken gibt, ist es ratsam, die KLassen kleiner zu halten. Das ist mit Lernbehinderten etc. so, aber eben auch mit Traumatisierten, die noch dazu die Sprache nicht können, evtl. sogar weiterhin Gewalt ausgesetzt sind (in den Unterkünften, von Rechten etc.).
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31.12.2015, 15:49Inaktiver User
AW: Flüchtlinge - Wie kann Integration gelingen?
der letzte satz trifft für mich auch zu!
mit diesem satz gehe ich gerne ins neue jahr -und mit dem wissen, dass es, trotz aller probleme, viele, viele menschen in politik und gesellschaft gibt, die an dieser integration weiter arbeiten, privat und beruflich.
ich wünsche euch allen einen guten rutsch ins neue jahr!
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31.12.2015, 15:56Inaktiver User
AW: Flüchtlinge - Wie kann Integration gelingen?
Kleine Klassen sind m.E. immer besser, für Lehrer und Schüler, egal aus welchen Gründen.
Nur reine "Willkommensklassen" fördern den Umgang mit der deutschen Sprache nicht.
Es müsste den Deutschunterricht für Ausländer mit zusätzlichen Stunden geben, ähnlich wie Förderunterricht.
Lässt sich vielleicht sogar über Lehramtsstudenten/ Referendariate machen.



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