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  1. Inaktiver User

    AW: Altkanzler Helmut Schmidt

    Der Mann war mir durch seine Bescheidenheit und sein Pflichtbewusstsein sehr sympathisch. Das er so bewundert wird liegt m.M. auch daran, dass er ein Gegenentwurf zu einem aalglatten Politiker in der Form eines Selbstdarstellers war. Auch vor seinem Prakmatismus hatte ich sehr grossen Respekt.
    Ich sehe Schmidt jedoch nicht als einen Visionär, gerade da wirkte er auf mich ziemlich blass. Oder wie Oskar Lafontaine es zum Nato-Doppelbeschluss überspitzt kommentierte: "Helmut Schmidt spricht weiter von Pflichtgefühl, Berechenbarkeit, Machbarkeit, Standhaftigkeit. [...] Das sind Sekundärtugenden. Ganz präzis gesagt: Damit kann man auch ein KZ betreiben."

    Ich denke, er ist nicht unbedingt das, zu dem er in den Medien stilisiert wurde. Aber er wird Deutschland fehlen.

  2. Inaktiver User

    AW: Altkanzler Helmut Schmidt

    Ein Interview mit Beckmann von 2010

    über die Finanzkrise, die Rentenkrise und Europa.
    Video: Alleiniger Gast: Helmut... - Beckmann - Der Talk - ARD | Das Erste

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    AW: Altkanzler Helmut Schmidt

    Hallo,
    ich bin Hamburgerin und habe mit meinen Eltern in Langenhorn gewohnt. Schmidts Tod berührt mich sehr, er war der Kanzler meiner Kindheit.
    Er und seine Frau waren ganz normale Leute, sie grüßten freundlich, gingen ganz normal in Langenhorn spazieren und zum Friseur an der Ecke.
    Erst durch die RAF und die Anschläge änderte sich das aus Sicherheitsgründen und bei den Schmidts wurde ein Anbau für Leibwächter und Polizisten gebaut.
    Schmidt ist aus meiner Sicht tatsächlich der letzte große Staatsmann. Er schielte nicht auf Wählerstimmen und sagte geradeheraus was er dachte, er war geradlinig und ehrlich.

    Ich bin nicht in allen Dingen seiner Meinung gewesen, aber ich habe Respekt und Achtung vor seinen mutigen Entscheidungen, dass was er für Hamburg bei der Sturmflut 1962 geleistet hat, da hat er nicht lange gefackelt und die Bundeswehr eingesetzt obwohl das nicht gestattet war.
    Sein entschlossener Kampf gegen den Terrorismus, die Bewältigung der Ölkrise.

    Schade finde ich nur, dass der Staatsakt im Hamburger Michel nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Eine Bekannte von mir hat heute tatsächlich etwas mehr als drei Stunden im Hamburger Rathaus angestanden, um sich in eines der Kondolenzbücher einzutragen, so viele Menschen waren im und vor dem Rathaus.

    Als Hamburgerin fühle ich mich sehr verbunden und sende einen letzten Gruß an einen großen Staatsmann

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    AW: Altkanzler Helmut Schmidt

    Ich bin ja sehr vorsichtig in Bezug auf charismatische Führergestalten.
    Wenn ein(e) Politiker(in) intelligent und stark wirkt/ist, und vielleicht noch angenehm und ein paar eindeutig positive Handlungen auf sein Konto zu verbuchen sind, wird man oft unkrítisch.

    Ich persönlich halte seine in Interviews wiederkehrende und mit gesetzten Pausen vorgetragene Antwort "dazu möchte ich nichts sagen", auch nicht für einen Ausdruck von Charakter und besonderer Stärke, sondern für ein klassisches rhetorisches Stilmittel.

    Intelligenz, Tatkraft, rhetorische Fähigkeiten sind Werkzeuge, die zum Guten und zum Schlechten eingesetzt werden können, und nicht per se bewundernswert.

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Den Raktennachrüstungsbeschluss habe ich Schmidt nie verziehen, genau so wenig wie Brandt die Berufsverbote.!
    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich auch nicht!
    Dito!

    Er war nicht nur für den Raketennachrüstungsbeschluss, sondern meiner Meinung nach während seiner aktiven Zeit zu unkritisch gegenüber den U.S.A, der Nato und dem Euro. Da nützen seine Aussagen gegen die Sanktionen gegen Russland und dem "Raubtierkapitalismus" als er nicht mehr in Verantwortung stand, auch nichts. Hinterher kann man kann vor allem Möglichen warnen. Der Ruf des unabhängigen Denkers und klarsichtigen Kritikers schadet einem Journalisten ja auch nicht :-) Denn er war auch ein sehr eitler Mensch, wenn vielleicht auch nicht in Bezug auf materiellen Besitz ....

    Er war zum Beispiel auch gegen den Mindestlohn.

    Und seine Position in Bezug auf Atomkraft war auch sehr eindeutig.
    Auch in der Atomdebatte wollen sich einige Linke nicht widerspruchslos dem Kanzler unterwerfen. Kernenergie-Freund Schmidt will in Hamburg mit Hilfe des rheinland-pfälzischen Landesverbands den Leitantrag des Parteivorstands torpedieren, der einen Bau- und Genehmigungsstopp für neue Atommeiler vorsieht, bis die zentrale Entsorgungsanlage genehmigt ist. Delegierte aus Schleswig-Holsten und Südbayern sind deshalb entschlossen, für einen radikalen Baustopp zu kämpfen, "um wenigstens den Vorstandsantrag zu halten" (SPD-MdB Erich Meinike).

    Doch selbst das wird kaum gelingen. Denn rechtzeitig zum Parteitag will auch der Deutsche Gewerkschaftsbund aus Sorge um die Arbeitsplätze in der Atomfrage auf Kanzler-Kurs einschwenken.

    Allzu heftige Auftritte werden sich die Linken ohnehin schon aus Überlebensgründen kaum erlauben können. Gewinnt nämlich die Schmidt-Gefolgschaft den Eindruck, daß die Parteitags-Opposition überzieht, dürften deren knappe Chancen bei den Vorstandswahlen noch weiter sinken.
    Geändert von Kholja (13.11.2015 um 10:23 Uhr)

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    AW: Altkanzler Helmut Schmidt

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich sehe Schmidt jedoch nicht als einen Visionär, gerade da wirkte er auf mich ziemlich blass. Oder wie Oskar Lafontaine es zum Nato-Doppelbeschluss überspitzt kommentierte: "Helmut Schmidt spricht weiter von Pflichtgefühl, Berechenbarkeit, Machbarkeit, Standhaftigkeit. [...] Das sind Sekundärtugenden. Ganz präzis gesagt: Damit kann man auch ein KZ betreiben."

    Ich denke, er ist nicht unbedingt das, zu dem er in den Medien stilisiert wurde. Aber er wird Deutschland fehlen.
    Das sehe ich ebenso.


    Ausserdem geht mindestens die Hälfte seiner Wirkung meiner Meinung nach auf das Konto "Verpackung" und nicht auf das Konto "Inhalt".

    Man stelle sich vor, das was Schmidt manchmal so gesagt hat wäre unsicher vorgetragen worden, oder von einer Computerstimme. Oft sehr mittelmäßig, undurchdacht, unbelegt, ....
    Geändert von Kholja (13.11.2015 um 09:57 Uhr)

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    AW: Altkanzler Helmut Schmidt

    @Kholja: Das man einige politische Entscheidungen eines Politikers nicht gut heißt oder mitträgt, scheint mir völlg normal Ich finde, man darf einen Menschen wertschätzen, auch wenn er (in unseren/einigen Augen) Fehlverhalten oder Irrtümer in einigen Punkten gezeigt hat.
    Ob man verehrt, vermisst, wertschätzt hat doch erst mal mit dem eigenen Bild, Lebenserfahrung, Wissensschatz, Wichtigkeit von Dingen zu tun.
    Deswegen ist man nicht unkritisch, man sieht nur einige Dinge weniger wichtig oder anders


    Ganz off Topic:
    @Elixia: Ich bin schon mehrfach über deinen Usernamen gestolpert Und denke nun auch zu ahnen, woher er kommt bzw. meine Vermutung schien richtig zu sein. Mittwoch war ich schwimmen und sozusagen "da"
    - Virginia Satir / Ich bin ich, ein Stück Lebensphilosophie -

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    AW: Altkanzler Helmut Schmidt

    Zitat Zitat von Singingintherain Beitrag anzeigen
    @Kholja: Das man einige politische Entscheidungen eines Politikers nicht gut heißt oder mitträgt, scheint mir völlg normal Ich finde, man darf einen Menschen wertschätzen, auch wenn er (in unseren/einigen Augen) Fehlverhalten oder Irrtümer in einigen Punkten gezeigt hat.
    Ob man verehrt, vermisst, wertschätzt hat doch erst mal mit dem eigenen Bild, Lebenserfahrung, Wissensschatz, Wichtigkeit von Dingen zu tun.Deswegen ist man nicht unkritisch, man sieht nur einige Dinge weniger wichtig oder anders
    Ich bin doch hier nur ein User und nur virtuell. Ich kann doch gar nichts verbieten :-)
    Und wie käme ich dazu jemandem die eigene Empfindung abzusprechen?
    Jeder "darf" also nach Lebenserfahrung und Wichtigkeit wertschätzen und verehren wen er möchte.

    Und ich verstehe ja, dass es auf manche hart und gefühllos wirkt jemanden zu kritisieren, der eben frisch verstorben ist.

    Zu meiner "Ehrenrettung" möchte ich klar stellen, dass ich Helmut Schmidt gar nicht persönlich kannte.
    Mein Einschätzung bezog sich auf den Politiker, der Entscheidung zum Wohl und meiner Meinung nach auch sehr zum Wehe der Allgemeinheit traf, und in dieser Funktion kritikwürdig ist auch wenn er gerade verstorben ist.
    Ist ein beschönigender Nachruf wirklich respektvoll?

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    AW: Altkanzler Helmut Schmidt

    Zitat Zitat von Kholja Beitrag anzeigen
    .
    Ist ein beschönigender Nachruf wirklich respektvoll?
    Ich habe mal gelernt, über einen Toten redet man nicht schlecht. Wenn ich Grabpredigten anhöre oder auch Nachrufe anschaue so bemüht sich ein jeder, das Positive aus dem Leben des Verstorbenen zu würdigen.

    Die Nachwelt und Historiker dürfen da deutlich mehr. Und mir persönlich fällt es nicht schwer, von Hitler und Stalin und auch unserem letzten Kaiser nichts positives zu berichten oder auch nur zu empfinden.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  9. Inaktiver User

    AW: Altkanzler Helmut Schmidt

    Zitat Zitat von Kholja Beitrag anzeigen
    Und ich verstehe ja, dass es auf manche hart und gefühllos wirkt jemanden zu kritisieren, der eben frisch verstorben ist.
    Klingt für mich nicht hart und gefühllos, sondern eher feige.
    Es ist sehr leicht Leute in ihrer Abwesenheit schlecht zu reden.

    Ansonsten wundert mich deine Einstellung, Schmidt hat dermaßene Kontroversen ausgelöst innerhalb seiner Partei, innerhalb der Bevölkerung. Das wurde auch in jedem einzelnen Nachruf erwähnt, ebenso sein leicht militärischer Stil (über den er sich ja selbst manchmal lustig gemacht hat)

    Was du da redest von schönreden, finde ich weit hergeholt.
    Oder nenn eben einen Nachruf, in dem das angeblich so sein soll und mach Butter bei die Fisch.

  10. Inaktiver User

    AW: Altkanzler Helmut Schmidt

    Zitat Zitat von Kholja Beitrag anzeigen
    Wenn ein(e) Politiker(in) intelligent und stark wirkt/ist, und vielleicht noch angenehm und ein paar eindeutig positive Handlungen auf sein Konto zu verbuchen sind, wird man oft unkrítisch.
    Das kann man ganz allgemein so festhalten, und nicht nur auf Personen bezogen. Aber gerade da ist Vorsicht geboten, das stimmt.
    Ich finde übrigens, daß Helmut Schmidt erst im hohen Alter, auf einmal, zu einer besonderen Figur erhoben wurde, dem Elder Statesman, der "alles kann, alles weiß, alles besser gemacht hätte". Das war es ja auch genau, was ihn mal zu der Aussage brachte, er sei nun 92 Jahre alt (glaube, das war da sein Alter), man könne sich nicht mehr auf ihn stützen aktuell politisch, da müßten nun die Jüngeren ran (oder irgendwie so in der Art sagte er, in einem Interview). Und genau das war ja auch schon wieder eine kluge, fast weise, Äußerung.

    Seine Interviews, die man im Alter mit ihm führte, fand ich dennoch sehr gut. Kluge Überlegungen usw., die er da teils anstellte, so Lebensweisheiten auch von sich gab.

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