Nein, die sind tatsächlich eher selten- das sind dann oftmals wirklich Mädchen im Kindesalter, die ihre Eltern auf der Flucht verloren haben- entweder einfach nur aus den Augen verloren oder die Eltern verstarben.
Um wirklich als "unbegleiteter minderjähriger Flüchtling" registriert zu werden, muß diese Person auch entweder allein "aufgegriffen" werden- oder sich eigenständig melden. Passiert bei jugendlichen weiblichen Flüchtlingen eher selten- entweder, die Mädchen sind noch sehr klein und werden dann von einer anderen Familie "mitgenommen", dann sind sie erstmal nicht unbegleitet- oder sie sind zwar minderjährig, aber mit eigenem Kind unterwegs. Minderjährig ist man bekanntlich bis 18, so junge Mütter mit Babies und Kleinkindern sind in den Aufnahmestellen nicht selten- die fallen aber nicht unter diese Regelung ( soweit ich weiß. Ich habe eine Bekannte beim Jugendamt, die mit dieser Aufgabe beschäftigt ist. Sie unterstellt übrigens, junge Frauen gern mal auf 18 zu schätzen- dann ist das Jugendamt nämlich "raus".)
Zudem flüchten auch viele Jungs vor dem drohenden Militärdienst- oder werden aus diesem Grund von den Eltern "geschickt". In einigen Ländern werden da auch schon 12jährige quasi von der Straße "weggefangen".
Eine Gefahr, die Mädchen nicht droht. Zudem heiraten Mädchen in den Herkunftsländern oftmals sehr früh- als Minderjährige. Die laufen dann nur hier auf, wenn die ganze Familie flüchtet.
Meine Bekannten, die jeweils einen Flüchtling aufgenommen haben, werden über das örtliche Jugendamt betreut, es gibt noch eine örtliche Hilfsorganisation, die sich "mit kümmert", wenns um alles rund um das Aufenthaltsverfahren geht (pro Asyl), die Gasteltern bekommen einen monatlichen Betrag, um die Kosten des Aufenthalts in der Familie zu decken.
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12.08.2015, 18:44
AW: Aufnahme von minderjährigem Flüchtling - Pro und Contra(?)
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12.08.2015, 19:01Inaktiver User
AW: Aufnahme von minderjährigem Flüchtling - Pro und Contra(?)
Ich habe Respekt vor der Entscheidung, für die es ein wirkliches Contra eigentlich nicht geben kann. Ich würde es mir nicht zutrauen.
Was ich persönlich wichtig fände: dass es für alle Fälle ein geregeltes Ausstiegsszenario gibt. Ich denke hierbei an fehlgeschlagene Adoptionen - wenn es wirklich nicht funktioniert, und ich denke, das ist dann schwer genug sich das einzugestehen, muss für mich im Vorfeld geregelt sein, was dann passiert damit man die Situation dann schnell auflöst, für alle Beteiligten.
Der worst case wär für mich, dass im Ernstfall ein traumatisierter Jugendlicher ankommt mit dem alle überfordert sind, dem man so nicht gerecht werden kann - und dann entsteht so eine Situation dass er weg muss und nicht weg kann und wird so noch weiterem Druck ausgesetzt, den er gar nicht mehr verkraften kann.
Das muss so nicht kommen und ich will auch kein Horrorszenario entwerfen, aber meinem Verantwortungsgefühl entspricht es, hier auch einen Plan B zu haben.
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12.08.2015, 19:24Inaktiver User
AW: Aufnahme von minderjährigem Flüchtling - Pro und Contra(?)
toll simpleminds ,dass du und deine familie das leisten möchtest!
ich denke ,das traust du dir sicher nicht blauäugig zu und ich sehe da auch kein contra sondern nur ein pro!
ihr als intaktes umfeld könnt sicher gut jemanden auffangen und davon auch profitieren.
auch wenn es mal downs gibt ,letztendlich wird es gut werden ,da bin ich von überzeugt.
diese jungen sind schon auch sehr zäh und werden eurer engagement bestimmt zu schätzen wissen.
alles gute wünsche ich dir und deiner familie!
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12.08.2015, 19:48Inaktiver User
AW: Aufnahme von minderjährigem Flüchtling - Pro und Contra(?)
hochachtung für diese entscheidung/überlegung!

ich denke, es ist wichtig, davon auszugehen, dass die jugendlichen traumatisiert sind, oft nicht in erster linie "dankbar, brav und integrationswillig" sein können.
wären wir aus krieg und terror geflohen, müssten wir -sagen wir mal -von heut auf morgen allein nach china, weil alles, was wir hatten und was wir waren, verloren ist - wir könnten auch nicht von heute auf morgen die chinesischen denk- und handlngsweisen übernehmen....
ich kannte mal, vor 20 jahren, ein bosnisches flüchtlingskind, etwa 12 jahre alt. er zeichnete unentwegt krieg und terror, bomben und gewehre. erst viel später wurde mir klar, wie traumatisiert er war.
aber ich bin mir sicher, dass ihr das mitbedacht habt.
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12.08.2015, 20:06Inaktiver User
AW: Aufnahme von minderjährigem Flüchtling - Pro und Contra(?)
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12.08.2015, 20:11Inaktiver User
AW: Aufnahme von minderjährigem Flüchtling - Pro und Contra(?)
Schon allein ein 12Jähriger allein in fremdem Land und fremder Familie, spricht vlt. die Sprache überhaupt nicht, das kann schon genügen. Ich vermute, das ist bei hiesigen Pflegekindern durchaus auch möglich, daß das ein oder andere traumatisiert ist, aus dem ein oder anderen Grund.
Das vermute ich schon auch, daß das bereits bedacht wurde. Vielleicht berichtet uns die TE ja auch ein wenig.
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13.08.2015, 07:54
AW: Aufnahme von minderjährigem Flüchtling - Pro und Contra(?)
Guten Morgen!
Danke für die guten Anregungen.
Die Ausstiegsmöglichkeit muss auf jeden Fall gegeben sein, allerdings für beide Seiten.Es kann ja sein, das der junge Mensch so gar nicht mit unserer Lebensart zurecht kommt.
Ich werde es auch sehr schnell merken ob meine Jungs klar kommen, da wir immer im guten Austausch sind.
Ein Kind von 12 Jahren adäquat zu bereuen trauen wir uns nicht zu. Daher die Überlegung 15-16 Jahre alt.
Der Einfluss meiner Kinder wird vermutlich nicht unerheblich sein.
Schade nur, das immer noch niemand erreichbar ist...simplemind
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Freunde sind Gottes Entschuldigung für Verwandte
George Bernhard Shaw
4.6.18

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13.08.2015, 09:51
AW: Aufnahme von minderjährigem Flüchtling - Pro und Contra(?)
Was ich gar nicht gut fände, wäre wenn Minderjährige aus dem Flüchtlingslager rausgeholt würden, die dort die Eltern haben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das zum Wohle der Kinder ist. Auch wenn die Bedingungen in der Flüchtlingsunterkunft nicht ideal sind, haben die Kinder wenigstens ihre Eltern. Von denen weggerissen zu werden stelle ich mir schlimm vor, das kann auch ein schönes neues Zuhause nicht wettmachen... Also mein Kind hätte viel mehr darunter gelitten, von der Familie getrennt zu werden, als in einer Unterkunft zu wohnen, wo eben nicht alles so toll ist...
Gut gemeint ist eben nicht immer gut gemacht....Bevor man anfängt zu reden, könnte man sich überlegen:
Ist es wichtig?
Ist es wahr?
Und ist es besser, als die Stille?

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13.08.2015, 10:33
AW: Aufnahme von minderjährigem Flüchtling - Pro und Contra(?)
Ich auch nicht, und ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Jungendamt in Deutschland eine solche Aktion befürworten würde.
Hier geht es um einen unbegleiteten minderjährigen Flüchtling und, wenn ich Simpleminds Posting #4 in diesem Strang richtig verstehe, hat sie bereits einen bestimmten Jugendlichen "im Auge". (Vielleicht kannst du dazu, wie ihr zu dem Kontakt gekommen seid, noch etwas sagen, Simplemind?
)
Moderation in der Religion, der Politik und im Glücklicher Leben.
... und seit dem 16.11. unter demselben Nick bei Be Friends Online unterwegs
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13.08.2015, 10:56
AW: Aufnahme von minderjährigem Flüchtling - Pro und Contra(?)
Sowas passiert auch nicht!
Die Jugendämter haben für solche Eskapaden weder Zeit noch Unterbringungskapazitäten.
Es geht bei solchen Pflegschaften immer um sog. "unbegleitete" Minderjährige, Kinder und Teenager also, die ohne elterliche Begleitung hier in Deutschland auflaufen.
In solchen Fällen wird der Kinder- und Jugendnotdienst informiert ( gehört zum Jugendamt), der dann eine Unterbringungsform suchen muß. Und da die vorhandenen Möglichkeiten - Kinderschutzhaus, betreutes Wohnen- schon im ganz normalen "Alltagsgeschäft" aus den Nähten platzen, werden derzeit von diversen Jugendämtern Familien gesucht, die solche Teenager aufnehmen.
Die Regelungen sind übrigens- zumindest in Niedersachsen- die gleichen wie bei der Aufnahme eines deutschen Kindes, was nicht in seiner Familie leben kann. Es gibt immer die Möglichkeit, ein Pflegeverhältnis abzubrechen- für beide Seiten.
Ich habe so ein "Verfahren" vor über 20 Jahren mal mitbekommen. Damals haben sich drei Schwestern, 18, 12 und 8, während des Bürgerkriegs in Jugoslawien, auf eigene Faust bis nach Deutschland durchgeschlagen- eine Tante von mr stammt aus Kroatien. Die Mädchen waren während eines Bombenangriffs von ihren Eltern getrennt worden. Es war lange unklar, ob sie noch leben.
Als sie am ersten Grenzübergang in Deutschland auftauchten hat die Älteste meine Verwandten angerufen, sie haben die Mädchen gleich abgeholt, sämtliche Entscheidungen für die jüngeren Mädchen lagen aber für die gesamte Aufenthaltszeit beim Jugendamt am Wohnort von Onkel und Tante, egal, obs die Wahl der Schule war oder sonstige Dinge.
Eine Krankenversicherung bekamen sie nach viel Theater dann über meine Verwandten- vorher waren sie wie alle Kriegsflüchtlinge über das Amt versichert, wo ihnen dann aber nur eine Notfallbehandlung zustand. Das bedeutet auch- nicht den Standard, den ein Kassenpatient in Deutschland hat.
Finanzielle Unterstützung bekam die Familie erst spät, was aber daran lag, dass es Verwandtschaft war. Da erklärte sich das Jugendamt lange für nicht zuständig...bis sie dann mit Hilfe eines Anwalts eines Besseren belehrt wurden.
Auch, wenn man sich in der Verwandtschaft gerne hilft, die Aufnahme von drei Personen über einen Zeitraum von 2,5 Jahren merkt man finanziell doch- gar nicht so beim Beschaffen einer Grundausstattung ( die drei kamen ja nur mit dem hier an, was sie gerade so tragen konnten.), sondern im täglichen Alltag.Geändert von Sasapi (13.08.2015 um 11:07 Uhr)



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