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    AW: Heimat - was ist das für Euch?

    Mit dem Begriff Heimat kann ich wenig anfangen.

    Ich bin zufällig in Deutschland geboren und fühle mich dort wohl und anderswo auch.

    Niemals würde ich die deutsche Nationalhymne mitsingen oder mit einem deutsches Fähnchen
    irgendwo winken oder die Fahne hissen oder beim Fußball und sonstigem Wettbewerb z.B. für Deutschland jubeln."Wir sind Weltmeister", ich nicht. Ich war noch nie patriotisch und habe da schon einige vor den Kopf gestoßen, weil sich das wohl automatisch gehört. Das Gefühl empfinde ich einfach nicht und auch einige meiner engsten Angehörigen geht es ähnlich.

    In meiner Wohnung fühle ich mich daheim und sehr wohl(vielleicht ein kleines Stück Heimat), vor allem wenn ich von der Ferne wieder zurück bin. Dagegen fühle ich mich in der Stadt, in der ich meist lebe und geboren bin, öfters als Fremde, wenn ich von einem Auslandsaufenthalt zurückkomme. Es dauert ca. eine Woche, bis ich mich wieder an die Umgebung gewöhnt habe. Es gibt einiges, was mich dann dort sogar richtig nervt (Gewohnheiten und Verhalten z.B. im Straßenverkehr oder beim Einkaufen, irgendwelche traditionelle Feste, die mir nichts sagen), obwohl mir das alles schon lange bekannt ist.

    Ganz enge Verwandte (eine kleine Anzahl) geben mir auch ein gutes Gefühl und einige Freunde, hier und dort. Auch an meinem Arbeitsplatz fühle ich mich wohl, das könnte woanders aber genauso sein. Ansonsten fühle ich mich mit der Verwandtschaft, die ja zufällig entstanden ist, nicht eng verbunden und pflege kaum Kontakte und besuche keine Familienfeiern.

    Ich erlebe intensiv die aktuelle Zeit und was lange vor meiner Geburt geschehen ist, interessiert mich nicht besonders (zudem wurden viele Fakten im Unterricht oder in den Nachrichten und von älteren Verwandten und Bekannten ausführlich behandelt) und ich denke und plane auch nicht sehr weit in die Zukunft.

    Mit sogenannten Heimatkrimis und Heimatliteratur, Gedichten oder Filmen kann ich wenig anfangen.
    Genau das Gegenteil interessiert mich und ich spüre, dass mir das schon immer gut tat.

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    AW: Heimat - was ist das für Euch?

    Ich verbinde mit Heimat den Ort und die Zeit meiner Kindheit und Jugend bis ich mein Leben in eigene Hände nahm. Ich bin im europäischen Ausland als Deutsche geboren und habe dort viele Jahre gelebt. Danach lebte ich in Deutschland in unterschiedlichen Regionen und jetzt in Spanien. Heimat ist für mich tatsächlich etwas Vergangenes, was ich so nie wieder finde werde. Alles hat sich im Laufe der Zeit verändert. Das ist bestimmt das Los der "(Aus)Wanderer".

    Heutzutage ziehe ich den Ausdruck "Zuhause" vor. Mein Zuhause fand ich in Köln und hier habe ich auch mein Zuhause gefunden. Das verbinde ich mit Wohlbefinden, Angekommensein und Angenommensein von den Einwohnern.
    Die Problemzone ist bei den meisten Menschen nicht der Bauch, die Beine oder der Po...
    sondern viel mehr der Kopf

  3. Inaktiver User

    AW: Heimat - was ist das für Euch?

    Zitat Zitat von animosa Beitrag anzeigen
    Da muss ich bei dir mal nachfragen. Ist es nicht so, dass wir generell wenig über unsere deutsche Sprachentwicklung wissen? Wenn du Germanistin bist, kannst du es hier ggf. mal aufklären für uns.

    Ich glaube, dass was wir als Hochdeutsch bezeichnen, ist nicht die am höchste Entwicklungsstufe unserer Sprache, das ist ein Dialekt.
    Das siehst du absolut richtig. Es ist der Dialekt rund um Hannover, der in die Verwaltungs(aus)sprache Einzug gehalten hat und so "Verbindlichkeit" erreicht hat.

  4. Moderation

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    AW: Heimat - was ist das für Euch?

    Heimat ist dort, wo es gar keine Frage war, ob ich da hingehöre. Wo ich aufgewachsen bin, wo das Heute sicher war und das Morgen eine schöne Farbe hatte. Wo meine Eltern und unser Haus auf festen Fundamenten standen, wo ich jeden Stein kannte, die Freunde, die Nachbarn, alle Katzen und Hunde, die guten Apfelbäume und die raren Kirschen, die Blumenwiesen und die alten Leute, die schimpften und umschifft werden mussten. Wo auch jede/r wusste, wo wohne und wer meine Familie ist. Wo die, die immer noch da leben, das auch heute noch wissen, die alten Geschichten kennen und die neuen darauf aufbauen. Wo der Frühling und der Abend immer noch so riechen wie damals, auch wenn die Geräusche nicht mehr dazupassen. Wo jemand drei Worte in einer bestimmten Sprachfärbung sagt und ich genau weiß, was gemeint ist. Wo die alte Kirche steht und mir die Namen auf den Grabsteinen des Friedhofs etwas sagen.

    Zuhause kann ich an anderen Orten sein und mir das immer wieder neu gestalten, aber Heimat bleibt für mich eine feste Größe und ist nicht austauschbar.
    *
    Der Adler fängt keine Mücken.


    'Antisemitismus hat in Deutschland keinen Platz' ist Kindergartenniveau. - Igor Levit


    Deutsche Tugenden: „Pünktlich wie die Deutsche Bahn, ehrlich wie die Deutsche Bank und sauber wie VW.“
    Arnulf Rating

  5. Inaktiver User

    AW: Heimat - was ist das für Euch?

    Zitat Zitat von ganda55 Beitrag anzeigen

    ...
    Zuhause kann ich an anderen Orten sein und mir das immer wieder neu gestalten, aber Heimat bleibt für mich eine feste Größe und ist nicht austauschbar.
    Das ist so schön gesagt und zusammengefasst! Danke!

  6. User Info Menu

    AW: Heimat - was ist das für Euch?

    Zuhause ist erstmal mein Heimattal, da bin ich geboren sowie etliche Generationen vor mir auch. Hatte nun schon zweimal einen Partner mit Aussiedlerhintergrund, erst aus der ehemaligen Sowjetuninon, aktuell kommen die Eltern aus Polen.
    Auch wenn man den Dialekt hier spricht und jede Ecke kennt, es ist doch zwar ein Zuhause aber niemals Heimat bei meinen Partnern geworden.
    Das höre ich auch immer wieder von alten Leuten, nur wo man geboren ist, ist man auch richtig verwachsen, vorallem wenn es kleinere Gemeinden sind, wo sich die meisten kennen.

    Je älter ich werde, umso schöner finde ich es, irgendwo "beheimatet" zu sein, mit dem Vornamen angesprochen zu werden, Leute zu kennen, die noch meine Oma kannten, einfach auch mal "Dorftratsch" zu machen, meinen Dialekt zu "schwätze" den man sonst nicht überall versteht.

    Ansonsten ist Deutschland mein Heimatland und ich bin schon stolz, wie gut bei uns alles läuft, wie gut wir medizinisch und sozial abgesichert sind, dass meine Kinder keine Probleme hatten, eine Ausbildung zu finden und jetzt auch einen festen Arbeitsplatz und vorallem, dass es bei uns einfach Freude macht, eine Frau sein zu dürfen.
    Und ja, ich meine das ernst, es geht mir (uns) gut und das müssen wir auch mal sehen, ohne blind für die noch anstehenden Probleme in unserem Land zu werden.
    Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Frieden ist der Weg (Mahatma Gandhi)

  7. Inaktiver User

    AW: Heimat - was ist das für Euch?

    - der salzige Geruch im Watt bei auflaufend Wasser
    - der Gesang einer Feldlerche im Mai
    - das "S-tolpern übern s-pitzen S-tein" meines Vaters
    - das alte Balladenbuch meiner Mutter, insbesondere die "Ballade vom Brennettelbusch"
    - Gedichte von Heine
    - gewisse norddeutsche Redensarten, die ich nie selbst verwenden würde, aber sehr gern höre
    - einer alten Grundschulfreundin zufällig im Supermarkt begegnen und zu wissen, dass man sich gegenseitig rein gar nichts vormachen kann, weil man sich in- und auswendig kennt
    - Rinderrouladen

    Heimat ist für mich regional, nicht national. Ersteres beruht einzig auf persönlichen Erinnerungen und Sinneseindrücken, letzteres empfinde ich als Konstrukt, mit dem ich mich nicht nur nicht identifizieren kann, sondern das mir meist ein diffuses Unwohlsein bereitet.

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    AW: Heimat - was ist das für Euch?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Heimat ist für mich regional, nicht national. Ersteres beruht einzig auf persönlichen Erinnerungen und Sinneseindrücken, letzteres empfinde ich als Konstrukt, mit dem ich mich nicht nur nicht identifizieren kann, sondern das mir meist ein diffuses Unwohlsein bereitet.
    Das ist vielleicht eine sehr gute Differenzierung.

  9. User Info Menu

    AW: Heimat - was ist das für Euch?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    ... letzteres empfinde ich als Konstrukt, mit dem ich mich nicht nur nicht identifizieren kann, sondern das mir meist ein diffuses Unwohlsein bereitet.
    Nur die Ruhe ist die Quelle jeder großen Kraft.

  10. Inaktiver User

    AW: Heimat - was ist das für Euch?

    o.k, wenn ich es so bedenke, dann habe ich leider keine Heimat, aber zumindest ein Zuhause, wo ich sehr gerne bin...

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