Nein, das meinte ich keineswegs, wie aus meinem Posting auch klar ersichtlich war.
Ich bezog mich auf die Person Bae, und die sehr widersprüchlichen Meinungen, die sie hier äußert.
Die Schweizer haben in ihrer großen Mehrheit eine völlig andere Auffassung bezüglich Austerität, Exportorientierung und Griechenland als Bae.
Bae beruft sich einerseits auf das Schweizer System, vertritt aber zugleich eine Außenseitermeinung, über die mindestens 80% ihrer Landsleute verwundert oder amüsiert den Kopf schütteln würden.
Sie tut also so, als wenn der Erfolg der Schweiz ihre Auffassungen bestätigen würde, dabei ist das Gegenteil der Fall.
Deutschland hat kein Interesse daran sein "Spardiktat" (und das "Spardiktat" aller (!) anderen Euro-Staaten) über irgend ein Land zu stülpen, sofern es uns nichts angeht, welchen Weg ein Land gehen will.Deutschland sollte aufpassen sein Spardiktat nicht allzu unkritisch über Griechenland zu stülpen.
Es geht uns aber etwas an, da die Griechen erwarten, dass wir - also Deutschland, Frankreich, Italien, Estland, Lettland, Litauen, Slowakei, Slowenien, Finnland, Spanien, Portugal, Österreich, Niederlande, usw. usw. - die griechische Bananenrepublik finanzieren - und zwar dauerhaft, da die Griechen die notwendigen Reformen erklärtermaßen ablehnen.
Seit wann hat der Geldgeber kein Recht darüber zu befinden, ob er Geld gibt und wofür?
Zumal die Griechen deutlich machen, dass sie diesen sogenannten "Kredit" nicht zurückzuzahlen gedenken, aber zugleich darauf bestehen weiterhin Wohltaten zu erhalten.
Es ist ja wohl das Selbstverständlichste von der Welt, dass die Geldgeber sagen: entweder ihr reformiert endlich euer System, oder ihr könnt euch anderswo einen großzügigen Geldgeber suchen.
Und da die USA den Europäern verbieten GR aus dem Euro zu entlassen, bleibt doch wohl nur die Möglichkeit, GR zu Reformen zu zwingen. Das Gejaule darüber erreicht meine Ohren schon lange nicht mehr; zu blöd ist mir die unfassbare Einstellung der Griechen zu ihrem Land und den Geldgebern.
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24.07.2015, 11:54Inaktiver User
AW: Wahlsieg von Syriza in Griechenland
Geändert von Inaktiver User (24.07.2015 um 12:48 Uhr)
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24.07.2015, 11:55
AW: Wahlsieg von Syriza in Griechenland
Das mit der "kleinen Elite" ist auch so ein Gerücht, das immer gerne wiederholt wird. Es stimmt aber nicht.
Griechenland hat sehr viele Selbständige, Unternehmer, Freiberufler. Die haben alle davon profitiert, dass sie keine Steuern zahlen mussten, ihr Beruf geschützt war(ist). Z.B. Taxi- und LKW-Fahrer, Einzelhändler, Gastronomen, etc. Und 700.000 Beamte profitier(t)en vom Fakelaki und Rusfetia. Schau dir mal Statistiken an über Wohneigentum von Griechen. Das ist viel höher als z.B. bei Deutschen.
Die Deppen in GR waren bloß immer Arbeiter und Angestellte. Denen wird die Einkommensteuer dummerweise vom Lohn abgezogen und dagegen ist schlecht was zu machen.
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24.07.2015, 12:13Inaktiver User
AW: Wahlsieg von Syriza in Griechenland
Hier geht es nicht um Rüstungsexporte, sondern über ausgeglichene oder nicht ausgeglichene Handelsbilanzen.
Du hast doch moniert, dass die Deutschen schuld seien, dass die Handelsbilanz mit GR nicht ausgeglichen sei. Ich habe dich nach einer Lösung gefragt und die Alternativen aufgezeigt.
Die Griechen kaufen nicht nur Rüstungsgüter, sondern alles, was ihr Leben ausmacht, im Ausland - von Lebensmitteln über Kleidung, Autos, Fernsehern, usw. usw. usw. - bis hin zu Olivenöl. Sie produzieren so gut wie nichts, was sie im Austausch für - andere - Lebensmittel, Kleidung, Autos, Fernseher, usw. usw. exportieren könnten.
Hinzu kommt, dass die böse Troika von GR eine Reduzierung des Rüstungsbudgets verlangt hat. Vergeblich, denn Teile der Syriza sind dagegen! - Also lass diese Ablenkungsmanöver bleiben.
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24.07.2015, 12:26Inaktiver User
AW: Wahlsieg von Syriza in Griechenland
Genauso ist es übrigens mit dem Rechtssystem in GR: Rechtsanwälte werden nicht nach Streitwert bezahlt, wie bei uns, sondern nach Tagen. Also strecken sie die Prozesse so weit in die Länge, wie nur überhaupt möglich.
Die Justizreform wurde gestern nur unter äußerstem Druck der EU ins Parlament eingebracht und mit vernehmlich knirschenden Zähnen verabschiedet. Angesichts der offensichtlich fehlenden Reformbereitschaft werden sie sie aber wieder hintertreiben, so gut sie können ...
Wenn man näher in das GR-Problem hineinschaut, kommt man aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. Es ist unfassbar ...Der Bürgermeister einer Insel, die verpachtet werden soll, erzählt, dass dort die Gemeinde eine Freizeitanlage betrieb, die bei Einheimischen und Touristen sehr beliebt war. Nun verfällt alles, weil die Leute keine Steuern bezahlen - der Rückstand beträgt 2 Mio. Euro. Die Gemeinde kann sich den Betrieb der Anlage nicht mehr leisten und sucht dringend einen Investor.
Die ehemalige Sommerresidenz der Könige soll verkauft werden. Sie ist in einem total desolaten Zustand, obwohl die EU für seine Renovierung Geld überwiesen hat - dieses Geld ist nie für den vereinbarten Zweck verwendet worden.
So geht es durch die Bank. Griechenland erhielt ab seinem Beitritt zur EWG in den Achtziger Jahren Subventionen, seit 2000 ist es im Euroraum und kommt an billige Kredite. All diese Möglichkeiten wurden nur dazu genutzt, um Geld für den Konsum zu erhalten - es wurde nichts investiert.
So ist es.Die Verpachtungen können auch eine Chance sein - denn dass es nicht damit getan ist, laufend weitere Millarden nach GR zu schicken, ist inzwischen völlig klar. Der größte Teil des Geldes, das GR seit seinem Beitritt zur EU erhielt, ist im Konsum versickert und wurde nicht zum Aufbau des Landes genutzt.
Die Verpachtungen müssen aber durch Arbeitsmarktreformen flankiert werden. Es gibt in GR nämlich unzählige Schein-Jobs. Das Land kommt nur auf die Füße, wenn die Griechen nicht mehr ihre Zeit in Schein-Jobs totschlagen, sondern produktiv werden.
Dazu ist unbedingt erforderlich den Beamtenapparat massiv zurückzuschneiden - mit gleichzeitiger Reduzierung von Beamtengehältern, Beamtenpensionen etc. Denn diese Beamten machen sich "unentbehrlich", indem sie normale Vorgänge wie z.B. Anträge auf Gewerbescheine bis zur Absurdität verkomplizieren und für eine Beschleunigung der Dinge noch mal extra die Hand aufhalten.
So geht das nicht weiter.
Je mehr ich über GR erfahre, desto mehr Sympathie habe ich für die Troika.
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24.07.2015, 12:31
AW: Wahlsieg von Syriza in Griechenland
Mein Beileid, wenn du ein paar simple Dinge nicht verstehst.
zum Beispiel, dass alle Schweizer (mit wenigen Ausnahmen), von linksaussen übers Zentrum bis rechtsaussen, zwar in wirtschaftlichen Dingen oft sehr unterschiedlicher Meinung sind, aber alle die direkte Demokratie lieben und verteidigen. Dass ein grosser Teil denzentrale politische Strukturen für wichtig hält - der Bund hat's immer schwer, neue Kompetenzen zu bekommen, die Kantone verteidigen ihre Rechte mit Zähnen und Klauen.
Und dass in "David gegen Goliath"-Geschichten die Schweizer, aufgrund der eigenen Situation, grundsätzlich Sympathien mit David haben. Die Idee, "fremde Vögte" rauszuschmeissen, selbständig und unabhängig zu sein, ist auch tief verwurzelt. Und nur wenige mögen die EU, wenn heute über einen EU-Beitritt abgestimmt würde, gäbe es wohl 80% nein. oder noch mehr.
Nur schon aufgrund von dem, was die EU alles ist und tut, haben die Griechen einen riesigen Bonus, trotz Korruption, trotz Misswirtschaft - und ja, als Bürger und Bürgerinnen eines kleinen Landes sind Schweizer immer achtsam darauf, wie die Grossen mit andern kleinen Ländern umgehen. Weil dasselbe Schicksal könnte einen schneller ereilen als es lieb ist.
Griechenland ist jetzt ein Protektorat der EU - News International: Europa - tagesanzeiger.ch
Es ist auch eine ganz andere Situation. Gerade im Anblick Griechenlands haben wohl einige in der Kirche eine Kerze angezündet und Gott gedankt für den Nicht-Beitritt zum EWR, der uns eine riesige Menge Ungemach erspart, wobei ganz zuvorders das massive Demokratiedefizit der EU steht.Die Schweizer haben in ihrer großen Mehrheit eine völlig andere Auffassung bezüglich Austerität, Exportorientierung und Griechenland als Bae - wie sich aus ihrer Politik ganz eindeutig ergibt.
gruss, barbara
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24.07.2015, 12:33
AW: Wahlsieg von Syriza in Griechenland
Ich sprach von der kleinen Elite Deutschlands, die sich die Sahnestücke unter den Nagel riss, während Deutschland zum Niedriglohnland umgebaut wurde. Ich sprach nicht von den Griechen.
ist ja in Deutschland genau dasselbe.Die Deppen in GR waren bloß immer Arbeiter und Angestellte. Denen wird die Einkommensteuer dummerweise vom Lohn abgezogen und dagegen ist schlecht was zu machen.
gruss, barbara
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24.07.2015, 12:40
AW: Wahlsieg von Syriza in Griechenland
Deutschland könnte die Löhne erhöhen. Gut, dazu ist ja jetzt ein erster Schritt geschehen - endlich!
Grundsätzlich neige ich zu einem "lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende"-Lösungen - dann kann man sich wieder aufrappeln, den Staub von den Kleider klopfen und neu anfangen - aber die EU, und auch die Griechen, wollen offenbar alle eine "Schrecken ohne Ende"-Lösung. Gut, die haben sie jetzt, und dieses Spiel lässt sich wohl auch noch eine Weile weiter ziehen - fragt sich noch, wie lange. Und fragt sich, was dann kommt, wenn man diese nicht stabile Situation auf einmal nicht mehr künstlich stützen kann. Hoffen wir, es käme nicht zum Schlimmsten!
jaja, das wissen wir alle.Die Griechen kaufen nicht nur Rüstungsgüter, sondern alles, was ihr Leben ausmacht, im Ausland - von Lebensmitteln über Kleidung, Autos, Fernsehern, usw. usw. usw. - bis hin zu Olivenöl. Sie produzieren so gut wie nichts, was sie im Austausch für - andere - Lebensmittel, Kleidung, Autos, Fernseher, usw. usw. exportieren könnten.
Wobei mir im Moment keineswegs klar ist, wie Griechenland denn zu einer neuen Industrie kommen könnte?
Meines Wissens schlug die Troika 400 Mio. Kürzung vor, die griechische Regierung 200 Mio. Kürzung, und geeinigt wurde sich schliesslich auf 300 Mio Kürzung. Ein klassischer Kompromiss. Und halt ein Detail auf einem zähen Weg, in einem langwierigen Prozess.Hinzu kommt, dass die böse Troika von GR eine Reduzierung des Rüstungsbudgets verlangt hat. Vergeblich, denn Teile der Syriza sind dagegen! - Also lass diese Ablenkungsmanöver bleiben.
gruss, barbara
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24.07.2015, 12:41Inaktiver User
AW: Wahlsieg von Syriza in Griechenland
Diese Frage stellt sich nicht - ganz im Gegenteil: wir wissen, dass diese Länder wütend sind wegen der Erwartungshaltung und Reformverweigerung der Griechen.
Insbesondere Estland, Lettland, Litauen, Slowakei, Slowenien und Finnland forderten das 3. Hilfspaket zu verweigern und GR so zu zwingen endlich aus dem Euro auszuscheiden.
Warum das griechische BIP zurückgegangen ist, liegt doch nun wirklich klar auf der Hand:Das griechische BIP ist ja erst um 25% zurückgegangen, wir schaffen es sicher noch, es mindestens zu halbieren! ganz bestimmt! Alles nur zum Wohl der Griechen, wir meinen's ja so gut!
Die Griechen verweigern oder sabotieren alle geforderten Reformen.
Zugleich ist die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf die Zustände in diesem Land gerichtet.
Niemand will in diese Bananenrepublik investieren, und die griechischen Beamten tun alles, was in ihrer Macht steht, um bis zum letzten Tag Sand ins Getriebe zu werfen, indem z.B. Gewerbescheine zur Gründung eines kleinen Unternehmens erst nach Jahren bewilligt werden, indem sie im Schneckentempo sowas wie ein Kataster - vielleicht oder auch nicht - aufbauen, usw.
Angesichts der Schwere der Probleme und dem Maß an Reformverweigerung wäre es ein Wunder gewesen, wenn das BIP nicht zurückgegangen wäre!
Aber die Antwort darauf kann doch nicht sein, weiter, wie in den letzten 10 oder auch 30 Jahren Geld in dieses Fass ohne Boden zu werfen und bezüglich der Reformnotwendigkeit zu resignieren.
Die Antwort kann nur sein:
Zwang zur Durchführung der Reformen oder raus aus dem Euro.
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24.07.2015, 12:51Inaktiver User
AW: Wahlsieg von Syriza in Griechenland
Ja, es ist unglaublich.
Da ich die Sendung hier nicht verlinken kann, noch ein Beispiel: Im Norden Griechenlands betreibt eine kanadische Gesellschaft eine Goldmine. Sie bekam noch ein riesiges Waldgebiet mit offenen Kupfervorkommen für einen Euro (!) dazu. Die Menschen, die dort wohnten, protestierten, aber ihr Bürgermeister ließ sich davon nicht beeindrucken und überließ den Kanadiern das Gebiet.
Als er von der Journalistin gefragt wurde, ob er eine Gegenleistung dafür bekommen habe, reagierte er total beleidigt und warf sie raus. Die Journalistin erhielt später von den Kanadiern die Auskunft, der Bürgermeister habe verlangt, dass seine gesamte Großfamilie Jobs in der Mine bekäme. Die Firma hätte dieser Bitte aber leider nicht nachkommen können, weil kein einziges Mitglied dieser Familie fachlich dazu geeignet war.
Mir standen wirklich die Haare zu Berge. Und das, obwohl die Sendung eher dem Tenor folgte: Die armen Griechen, jetzt werden sie gezwungen, ihre Heimat zu verscherbeln....
Den Vergleich mit der Treuhand, den man hier ab zu zu liest, finde ich nicht zutreffend: Die DDR wurde als Staat aufgelöst, GR aber hat durchaus die Wahl, ob es verkaufen oder verpachten will.
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24.07.2015, 12:54Inaktiver User
AW: Wahlsieg von Syriza in Griechenland
Die direkte Demokratie löst das GR-Problem nicht; wann begreifst du das endlich. Es ist mir außerdem wurscht und im übrigen völlig off-topic, welche Kompetenzen beim Bund oder bei den Kantonen liegen. Mir geht es darum, dass du Deutschland vorwirfst zu viel zu exportieren und zu sehr auf Austerität bedacht zu sein. - Beides ist in mindestens genauso großem Ausmaß in der Schweiz auch der Fall.
Richtig. Zum Beispiel dürfte die Schweiz eine schöne Stange Geld aus den bösen Exporterlösen für die griechische Bananenrepublik löhnen, und spätestens dann würde sich zeigen, ob du in der Schweiz zu den Habenichtsen gehörst, denen es egal ist, weil man ihnen sowieso nichts mehr wegnehmen kann, oder ob du den Griechen genauso den Vogel zeigst wie wir es mehrheitlich tun.Es ist auch eine ganz andere Situation. Gerade im Anblick Griechenlands haben wohl einige in der Kirche eine Kerze angezündet und Gott gedankt für den Nicht-Beitritt zum EWR, der uns eine riesige Menge Ungemach erspart



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