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  1. Inaktiver User

    AW: Wahlsieg von Syriza in Griechenland

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Vielleicht sollte man 'emotionalisieren' auch nicht per se negativ besetzen . Denn - so las ich gerade dieser Tag einen Beitrag des Philosophen Quarch im Netz, der da meint: Europa fehlt Herz.
    Emotionalisieren und "Herz haben" sind glaube ich zwei völlig verschiedene Sachen. Niemand mordet z.B., weil er "Herz hat", aber fast alle, weil sie emotionalisiert sind (Eifersucht, Habgier etc.)

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    AW: Wahlsieg von Syriza in Griechenland

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Es wäre interessant. Möglicherweise auch sehr überraschend, denn 'das Volk' halte ich für unterschätzt, sich durchaus differenzierte Meinungen zu bilden. Insbesondere auch die Jugend bzw. die jüngere Generation.
    Verstehe ich nicht ganz. Hast Du das Gefühl, dass Du in jüngeren Jahren eine "bessere" politische Meinung hattest?
    Gruß dingsda

    Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart.
    Der bedeutendste Mensch ist immer der, der Dir gegenübersteht.

  3. Inaktiver User

    AW: Wahlsieg von Syriza in Griechenland

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Syriza ist ein abschreckendes Beispiel dafür, wie die Menschen Demagogen nachlaufen, die von Stolz, Würde und Respekt faseln, sich aber weigern, sachlich zu denken und den Bürgern reinen Wein über ihre Lage einzuschenken. Würde ganz Europa so ticken, könnte man wirklich nur noch auswandern.
    Bei all den Fehlern, die die Partei hat, ich kann sie nicht demagogisch finden, eher naiv. Aber, es ist eine Chance speziell für Griechenland, eher demokratisch denn plutokratisch zu leben.
    Und ehrlich, fühlst du dich von "unseren" PolitikerInnen hinreichend aufgeklärt, wenn sie schon wieder eine Entscheidung treffen, die mehr ihrer Furcht um den Job als der Sinnhaftigkeit für das Land geschuldet ist?
    Nur weil unsere Demokratie im Vergleich zu manchen anderen Staaten eher eingefleischt ist, können sogar nachhaltig wirksame Krisen wie die der Hypo keine echten Erschütterungen hervorrufen, ausgenommen die Erschütterung, dass das Geld auch in den Köpfen und nicht nur bzw. dann erst recht realistisch stetig und schnell an Wert verliert.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Was wäre wohl das Ergebnis, würde man auch zu dieser Frage "das Volk" befragen? Bei einem Thema, das sich so leicht emotionalisieren lässt?
    Du hast natürlich recht, einerseits, andererseits kommt es halt auf die Fragen und die FragestellerInnen an, weiters darauf, ob die Befragten informiert wurden.

  4. Inaktiver User

    AW: Wahlsieg von Syriza in Griechenland

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen

    Was meinst du, was heraus kommt, wenn ein Populist sich des Themas "arbeitslose Einwanderer" annimmt? Ich mag mir die Töne im Vorfeld eines solchen Referendums lieber nicht vorstellen.
    Und was meinst du, wenn ein Populist ohne das Volk zu befragen handelt? In Ungarn z.B. wird still und leise die Demokratie ausgehöhlt.

  5. Inaktiver User

    AW: Wahlsieg von Syriza in Griechenland

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Stell dir eine EU mit 28 Mitgliedsländern vor, in der immer irgendwo grundlegende Vereinbarungen (wie zB die Freizügigkeit) auf dem Spiel stehen, weil irgend ein Populist aus den Ängsten der Bevölkerung politisches Kleingeld schlagen will.

    Eine solche EU wäre völlig handlungsunfähig. Das ist nur was für Kleinstaaten, die sich lieber isolieren. Selbst in der Schweiz gibt es mittlerweile Stimmen, die dafür plädieren, dass manche Fragen (vor allem solche, die internale Verträge betreffen) lieber im Parlament als per Referendum entschieden werden sollen.
    Andere Aspekte erscheinen mir wesentlicher:
    Manchmal ist eine Situation verfahren, weil Staat A dies will und Staat B jenes. In der realen Politik wird dann eine Lösung gesucht, indem man Themen kombiniert, indem man z.B. die Lösung A vereinbart und zugleich Staat B auf einem ganz anderen Feld entgegenkommt.
    Man könnte das 'Kuhhandel' nennen, oder auch 'kreative Problemlösung'. Auf jeden Fall sind in der direkten Demokratie solche Lösungswege angesichts der Simplizität auch der besten Referenden ausgeschlossen.

    Wir können auf die repräsentative Demokratie nicht verzichten.
    In Staaten, die weit größer sind als die kleine Schweiz, und mehr noch in einem Staatenbund, der eine halbe Milliarde Menschen, viele Länder mit eigenen Strukturen, politischen Kulturen und widerstreitenden Interessen umfasst, ist die direkte Demokratie nicht praktikabel - mag Bae den Weg des Schweizer Kleinstaats auch noch so sehr bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit als Ideal anpreisen.

    Aber die Intransparenz (Geheimverhandlungen, ja sogar geplante Geheimgerichte!), die faktische Ausschaltung des Parlaments und das Streben nach irreversiblen Entscheidungen, wie wir sie in der EU zunehmend erleben, ist auch nach Maßstäben der repräsentativen Demokratie absolut demokratiefeindlich.*)
    Außerdem könnte man in der repräsentativen Demokratie durchaus wesentlich mehr plebiszitäre Elemente einbauen.

    Des weiteren gibt es überhaupt keinen Grund, warum dieses Europa in allen erdenklichen Bereichen mit aller Gewalt Gleichmacherei betreibt, unabhängig davon, ob es sachlich wirklich notwendig ist oder nicht. Diese Gleichmacherei ist zutiefst demokratiefeindlich *) und lässt sich im Grunde nicht rechtfertigen.
    Ich halte das Konzept eines "Europa der Kulturen" für wesentlich sinnvoller - und auch demokratischer - als diesen undefinierbaren Brei, zu dem sich die EU immer mehr entwickelt.



    *) Mit "demokratiefeindlich" ist nicht etwa gemeint, dass die demokratische Struktur der EU Unzulänglichkeiten habe (nichts auf der Welt kann von sich behaupten gar keine Unzulänglichkeiten zu haben). - Gemeint sind vielmehr Vorgänge und Entwicklungen, die sich explizit gegen die Demokratie richten. Zum Beispiel TTIP.
    Geändert von Inaktiver User (12.07.2015 um 17:05 Uhr)

  6. Inaktiver User

    AW: Wahlsieg von Syriza in Griechenland

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Bei all den Fehlern, die die Partei hat, ich kann sie nicht demagogisch finden, eher naiv. Aber, es ist eine Chance speziell für Griechenland, eher demokratisch denn plutokratisch zu leben.
    Tsipras hatte bei seinem Amtsantritt einen Bonus, weil er nicht den beiden bisher herrschenden Clans angehörte. Die Tatsache, dass auch Syriza sofort Posten an Verwandte und Günstlinge vergab, widerspricht dem, was die Partei auf ihre Fahnen geschrieben hat, vollkommen. Insofern bin ich skeptisch. Große Töne spucken allein bedeutet noch nichts.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Und ehrlich, fühlst du dich von "unseren" PolitikerInnen hinreichend aufgeklärt, wenn sie schon wieder eine Entscheidung treffen, die mehr ihrer Furcht um den Job als der Sinnhaftigkeit für das Land geschuldet ist?
    Natürlich nicht. Aber immerhin versuchen die Oppositionsparteien inzwischen, ihnen in die Parade zu fahren. Dass es möglich war, zur Hypo einen Untersuchungsausschuss einzusetzen, ist schon ein Fortschritt.

    Demokratiepolitisch halte ich die ewigen großen Koalitionen für keine gute Sache. Und auch die Medien könnten ihrem Auftrag deutlich besser nachkommen.
    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Du hast natürlich recht, einerseits, andererseits kommt es halt auf die Fragen und die FragestellerInnen an, weiters darauf, ob die Befragten informiert wurden.
    Ich finde es verheerend, dass es in der Einwanderungsfrage nur zwei Lager zu geben scheint. Die einen wollen die Grenzen dicht machen, die anderen alle aufnehmen.
    Das Thema ist viel komplizierter und es gibt keine Patentlösungen. Man wird immer nur im Einzelfall entscheiden können, ob jemand Schutz braucht. Es ist ein Unterschied, ob einem das Haus weg gebombt wurde und man um sein Leben fürchtet oder ob man nur in seiner Heimat unzufrieden mit der wirtschaftlichten Entwicklung ist.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Und was meinst du, wenn ein Populist ohne das Volk zu befragen handelt? In Ungarn z.B. wird still und leise die Demokratie ausgehöhlt.
    Ungarn ist ein Extremfall. Dass Orban so weit gehen konnte, ist auch ein Versagen der Opposition in Ungarn. Ob eine Volksbefragung ihm wirklich die Macht entziehen würde, sei dahin gestellt. Wenn er den Leuten nur genügend Angst macht und sich als Retter und Beschützer hinstellt, würden ihm wohl auch an der Basis viele folgen.

  7. Inaktiver User

    AW: Wahlsieg von Syriza in Griechenland

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Aber die Intransparenz (Geheimverhandlungen, ja sogar geplante Geheimgerichte!), die faktische Ausschaltung des Parlaments und das Streben nach irreversiblen Entscheidungen, wie wir sie in der EU zunehmend erleben, ist auch nach Maßstäben der repräsentativen Demokratie absolut demokratiefeindlich.*)
    Volle Zustimmung.
    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Außerdem könnte man in der repräsentativen Demokratie durchaus wesentlich mehr plebiszitäre Elemente einbauen.
    Auf lokaler Ebene könnte das eine gute Sache sein.
    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Des weiteren gibt es überhaupt keinen Grund, warum dieses Europa in allen erdenklichen Bereichen mit aller Gewalt Gleichmacherei betreibt, unabhängig davon, ob es notwendig ist oder nicht. Diese gewaltsame Über-nationale-Besonderheiten-hinweg-Bügeln, das ohne Not immer wieder stattfindet, ist demokratiefeindlich *) und lässt sich im Grunde mit nichts rechtfertigen. Ich halte das Konzept eines "Europa der Kulturen" für wesentlich sinnvoller - und auch demokratischer - als diesen undefinierbaren Brei.
    Richtig. Offensichtlich dachten die Vordenker der EU, die Länder würden so am schnellsten "zusammenwachsen". Es ist noch immer erklärtes Ziel einiger Gruppen, Europa so schnell wie möglich in einen Bundesstaat mit einer einzigen Verfassung, einheitlichen Regeln auf allen Ebenen und einem Länderfinanzausgleich zu verwandeln.

  8. Inaktiver User

    AW: Wahlsieg von Syriza in Griechenland

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Offensichtlich dachten die Vordenker der EU, die Länder würden so am schnellsten "zusammenwachsen". Es ist noch immer erklärtes Ziel einiger Gruppen, Europa so schnell wie möglich in einen Bundesstaat mit einer einzigen Verfassung, einheitlichen Regeln auf allen Ebenen und einem Länderfinanzausgleich zu verwandeln.
    Nach meinem Eindruck bleibt dabei die Kultur auf der Strecke; sie spielt allenfalls die Rolle eines Störfaktors oder wird zur Folklore reduziert. Die nationalen Identitäten werden von Medien und Politik zu Schreckgespenstern gemacht, statt sie als Geschenk der Vielfalt zu begreifen.

    Es gibt keine europäische Identität; niemand hat sich je darum bemüht eine solche zu entwickeln. Es geht bei diesem Konzept offenbar allein um Gewinnmaximierung und wirtschaftliche Macht, um politische Machtkonzentration und die Entstehung einer militärischen Macht. - Dies ergibt aber noch keine Identität.

    Ein Europa, das alle kulturellen Besonderheiten niederbügelt, um so zu mehr Profit und Macht zu gelangen, ein Europa, bei dem kulturelle Identität allenfalls noch die Rolle von Folkore zugebilligt wird, das ist nicht mein Europa. - Und das sage ich als einstmals glühende EU-Befürworterin!
    Geändert von Inaktiver User (12.07.2015 um 17:07 Uhr)

  9. Inaktiver User

    AW: Wahlsieg von Syriza in Griechenland

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Nach meinem Eindruck bleibt dabei die Kultur auf der Strecke; sie spielt keine Rolle oder allenfalls die Rolle eines Störfaktors.
    Es gibt keine europäische Identität. Es geht bei diesem Versuch offenbar allein um Gewinnmaximierung, politische Machtkonzentration und die Entstehung einer militärischen Macht. Dies ergibt aber noch keine Identität.
    Ein Europa, das alle kulturellen Besonderheiten niederbügelt, um so zu mehr Profit und Macht zu gelangen, ist nicht mein Europa. Und das sage ich als einstmals glühende EU-Befürworterin!
    Sehe ich auch so.
    Die EU wurde als reine Wirtschaftsgemeinschaft gegründet. Das merkt man ihr auch heute noch an.

    In Brüssel scheint man sich immer nur um das finanzielle, nie um das kulturelle Kapital Europas gekümmert zu haben. Dabei ist das einer der Hauptaspekte, der Europa von den USA unterscheidet.

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    AW: Wahlsieg von Syriza in Griechenland

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Sehe ich auch so.
    Die EU wurde als reine Wirtschaftsgemeinschaft gegründet. Das merkt man ihr auch heute noch an.

    In Brüssel scheint man sich immer nur um das finanzielle, nie um das kulturelle Kapital Europas gekümmert zu haben. Dabei ist das einer der Hauptaspekte, der Europa von den USA unterscheidet.
    Es wäre ein Horror für mich, wenn Brüssel sich auch noch um die Kultur kümmern würde. Die bisherigen Entscheidungen insbesondere im Agrarmarkt sind schon mal "unübersichtlich", berücksichtigen herzlich wenig regionale und klimatische Besonderheiten. Bloß nicht noch ein Eingriff in den Kulturbereich.

    Wir haben zum Glück keine Amtssprache in Europa, alle Sprachen der Mitglieder sind auch Amtssprachen. Das ist aufwendig, das kostet Geld und gibt vielen Übersetzern eine gute Chance. Wir erwarten aber schon, dass auch griechische Regierungsmitglieder gutes Englisch können. Allein der Gedanke ist fatal.
    Geändert von Opelius (12.07.2015 um 18:50 Uhr)
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

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