Das hier fand ich als Reflexion ganz gut, insbesondere seine Unterscheidung und Erklärung von den Unterschieden zwischen Wachstums und Sparpolitik und den evtl. Folgen. Sein Alternativvorschlag: die Rückzahlungen der Schulden an das Wachstum zu koppeln, damit beide Gr. Regierung und EU die selben Ziele haben: eine wachsende gr. Wirtschaft.
Stiglitz: Ja, bis zur Finanzkrise ist Argentinien damit gut gefahren. Mit Anleihen, die an das Wirtschaftswachstum gebunden sind, erreichen Sie, dass Gläubiger- und Schuldnerland die gleichen Interessen haben. Argentinien hat seinen Gläubigern versprochen: Wenn das Land wächst, profitiert ihr auch davon. Und bis zur globalen Finanzkrise hat Argentinien mit acht Prozent Wachstum zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften gehört. Wenn man von 2010 an im Fall von Griechenland auch so vorgegangen wäre, hätte das Debakel vermieden werden können. Ich bin mir sicher, wenn man statt der erzwungenen Austerität auf Wachstumspolitik und Investitionen gesetzt hätte, wären die Schulden komplett zurückbezahlt worden. Es wäre eine Win-win-Situation geworden, und der Euro wäre heute stärker als zuvor.
ZEIT: Und dass es nicht so kam, daran sind die Deutschen schuld?
Stiglitz: Es ist die unnachgiebige Haltung Deutschlands, die dazu beigetragen hat, dass aus einem überschaubaren Problem ein enormes wurde. Griechenland macht ja nur zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Euro-Zone aus. Erst die totale Fixierung auf die vermeintlichen moralischen Risiken einer wachstumsorientierten Politik hat die Krise zum unlösbaren Problem gemacht. Man hat pausenlos die Angst geschürt, dass Spanien Griechenland nachfolgen könnte, wenn man zu nachgiebig wäre. Ironischerweise könnte genau dieses Angstszenario nun wahr werden.
Griechenland: Es geht um mehr als Ökonomie | ZEIT ONLINE
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08.07.2015, 15:24Inaktiver User
AW: Wahlsieg von Syriza in Griechenland
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08.07.2015, 15:38Inaktiver User
AW: Wahlsieg von Syriza in Griechenland
Stiglitz - noch'n Ami, der uns erklärt, was wir alles falsch machen.
Es wurde hier schon mal gesagt:
diese Leute haben in den USA ein weites Feld der Betätigung. Dass es dort an allen Ecken und Enden brodelt und vor sich hin stinkt, ist nun wirklich sattsam bekannt.
Und wenn diese US-Experten zu viel Freizeit haben, können sie sich ja um das Schuldenproblem in Puerto Rico kümmern; die Einwohner sind immerhin US-Staatsbürger, wenn auch zweiter Klasse.
Das Problem in Puerto Rico kann in vielerlei Hinsicht mit der GR-Krise verglichen werden.
Die NYT schreibt, dass die Schulden-Verhandlungen sich wohl über Jahre hinziehen werden .. vielleicht warten sie dort auf solche Experten.
Natürlich geht es in GR um mehr als um Ökonomie. Das wurde mehrfach angesprochen, und auch Stiglitz sagt es ja recht deutlich:
"Man muss fürchten, dass sich ein im Stich gelassenes Griechenland an Russland oder China wenden würde."
Genau das ist die Sorge - und das sicher nicht, weil sich US-Vertreter neuerdings um soziale Fragen kümmern würden.Geändert von Inaktiver User (08.07.2015 um 15:53 Uhr)
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08.07.2015, 15:40Inaktiver User
AW: Wahlsieg von Syriza in Griechenland
Stiglitz zeigt in dem Interview deutliche Fehler auf. Allein seine Antworten auf die Problematik überzeugen wenig, besonders wenn er Argentinien als Vorbild benutzt.
Südamerika ist ja mehr oder weniger das Paradebeispiel dafür, dass man mit einer Fiskal- und Wirtschaftspolitik nur begrenzt etwas ausrichten kann, wenn kein stabiler Staat existiert.
Ebenso sind Griechenlands hauptsächliches Problem nicht die Schulden, sondern dass die Wirtschaft den Staat nicht trägt, selbst wenn keine Kredite mehr bedient würden.
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08.07.2015, 15:41Inaktiver User
AW: Wahlsieg von Syriza in Griechenland
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08.07.2015, 15:41
AW: Wahlsieg von Syriza in Griechenland
Ja. Die deutsche Wirtschaft war ja auch jene, die die letzten 15 Jahre massiv profitiert hat und Wettbewerbsvorteile hatte, die bei einem Verbleib in der DM nicht vorhanden gewesen wären.
Es scheint zu brodeln in Spanien - da wurde doch das Demonstrieren verboten, habe ich gelesen?Hier (Spanien) wird aktuell genau beobachtet, was in GR passiert. Ende des Jahres stehen Wahlen an. Was meinst Du was passieren wird?
Wenn die spanische Regierung klug ist, ist sie jetzt fleissig dran, die Situation für die Menschen (nicht Banken, nicht Konzerne...) zu verbessern, wenn sie schon so grundlegende Rechte wie das Versammlungsrecht aushebelt.
Und wenn nicht... wird sie wohl die Quittung dafür erhalten. zu Recht.
und wenn sie sich ganz doof anstellt, oder wenn auch nur was Doofes passiert, das kein Mensch kontrollieren kann, wird es womöglich noch schlimmer, mit Mord, Revolution und Totschlag.
Stimmt. Und völlig zu Recht.Das könnten die Spanier und andere EU-ler jetzt auch fragen, wenn es einen Schuldenschnitt geben sollte.
Kann ich nicht sagen. Das käme ja sehr auf die konkrete Fragestellung an, und denkst du an eine gesamteuropäische Abstimung oder nationale Abstimmungen?Es sollte ein Referendum in allen Gläubigerstaaten geben, ob ein Schuldenschnitt gemacht werden sollte, ob weitere Gelder fließen sollten etc. Was meinst Du was dabei rauskäme?
Es würde ziemlich sicher rauskommen, in vielen Ländern, dass das Volk den Kurs der Regierung nicht mitträgt. Und da die Regierungen dies ahnen, organisieren sie keine Volksabstimmungen.
gruss, barbara
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08.07.2015, 15:46Inaktiver User
AW: Wahlsieg von Syriza in Griechenland
Stiglitz ist ein amerikanischer Ökonom, dem ist es völlig egal, ob die anderen Bürger der Eurozone draufzahlen oder nicht.
Seine Tipps beziehen sich vermutlich auf den IWF. Dieser betreibt diese rigide Austeritätspolitik, obwohl sich schon in Argentinien gezeigt hat, dass es so nicht geht.
Bei Juncker war gut zu sehen, dass die EU durchaus bereit gewesen wäre, einen versteckten Schuldenschnitt zuzulassen (über äußerst geringe Zinsen für Jahre und eine endlose Verlängerung des Rückzahlungsrahmens).
Die Sorge der Euroländer geht eher in die Richtung, dass Griechenland ein Fass ohne Boden sein könnte. Auch wenn seine Schulden von einem Tag auf den anderen erlassen würden, könnte das Land nicht auf eigenen Beinen stehen. Um das zu ändern, werden von Griechenland Umstrukturierungen verlangt.
Die andere Alternative würde lauten: Das Land wird auf Dauer von den anderen Euroländern alimentiert, um so bleiben zu können, wie es jetzt ist. Das ist jedoch den Bürgern in den anderen EU-Ländern nicht zumutbar. Weder denen, die selbst hohe Schulden haben bzw. dich sich harten Sparauflagen beugten noch den Bürgern in den Geberländern (wo die Sozialausgaben ebenfalls steigen).
Wovon hat die deutsche Wirtschaft profitiert? Von Griechenland?
Das Handelsvolumen von D mit GR macht nicht einmal 1% des gesamten deutschen Handelsvolumens aus.
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08.07.2015, 15:49Inaktiver User
AW: Wahlsieg von Syriza in Griechenland
Sehe ich nicht so. Puerto Rico ist kein US-Bundesstaat. Es wird seine Schulden weitgehend ohne US-Hilfen neu verhandeln müssen. Es hängt zwar im US-Gesundheitssystem mit drin, was den US-Haushalt belastet, dafür sind private Transferleistungen nach Puerto Rico recht hoch, so dass ich nicht mit einem unmittelbaren Einbrechen der Privatwirtschaft rechne.
Aber ja, Puerto Rico kann sich ebenfalls seinen Staat nicht leisten.
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08.07.2015, 15:51Inaktiver User
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08.07.2015, 15:56Inaktiver User
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08.07.2015, 16:03Inaktiver User
AW: Wahlsieg von Syriza in Griechenland
Auch Rom wurde nicht an einem Tag erbaut.
Es handelt sich bei China um ein riesiges Land mit bald 1,4 Milliarden Einwohnern, das einen riesigen Rückstand aufzuholen hat(te). Wenn man bedenkt, wo das Land heute ist, kann man die chinesische Entwicklung nur als gigantische Erfolgsstory bezeichnen.
Hinzu kommt, dass es in China immer noch eine konfuzianische Grundeinstellung gibt, durch die der Einzelne sich ganz selbstverständlich in die Gemeinschaft einfügt. Ich sehe bei allen Schwierigkeiten (z.B. Energieproblem, Umweltproblem, Korruption) ein gesundes Land mit gesunder Entwicklung und sehr kluger Führung.
Nicht dass wir uns falsch verstehen: ich möchte dort nicht leben; aber ich bin ja auch keine Chinesin.
Was den Bezug zum Thema betrifft: der besteht nur darin, dass die USA versuchen ihre schwindende Hegemonialmacht mit allen Mitteln zu erhalten. Dazu gehört auch, dass sie sich über dieses kleine Land irgendwo auf einem anderen Kontinent so wahnsinnig viele "Sorgen" zu machen scheinen. - Und alles nur, weil die globale Konkurrenz einen Punkt machen könnte.


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